„Ich bewundere Menschen, die mit ihren Händen etwas Schönes erschaffen“ – Sophie Pester, hello handmade Markt u.v.m.

Sophie Pester

Gestern Abend fand die Party zu unserem zweijährigen Blog-Geburtstag statt. Über 50 selbstständige Frauen aus Hamburg und dem Schleswig-Holsteinischen Umland sind unserer Einladung gefolgt und haben daran teilgenommen. Es war ein Fest! Um all diesen tollen Frauen für Ihr Kommen zu Danken, haben wir mit Hilfe von Sponsoren einen Goodie Bag zusammengestellt.

Auch Sophie Pester und Ihre Geschäftspartnerin Catharina Bruns haben uns etwas gespendet. Nämlich: Wunderbare Notizbücher Ihres Unternehmens Lemon Books. Tausend Dank dafür! 🙂

Lemon Books ist aber nicht das einzige Unternehmen, das Sophie führt – was sie für mich besonders interessant als Interviewpartnerin macht. Welche Projekte hat Sophie noch am Start und wie schafft sie all ihre Businesses unter einen Hut zu bekommen? Diese und mehr Fragen habe ich ihr gestellt. Aber lest selbst!

Liebe Sophie, Du bist gleich mit mehreren Projekten selbstständig – auf die wir im Verlauf des Interviews noch näher eingehen werden. An Deiner Seite: Catharina Bruns. Wie habt Ihr beiden Euch kennengelernt?

Wir haben uns 2011 in Hamburg kennengelernt. Catharina war zu Besuch in ihrer Heimatstadt Hamburg und durch ihre Mama aufmerksam geworden auf den hello handmade Markt, der damals im zweiten Jahr stattfand. Wir waren beide gerade dabei unsere eigenen Projekte nach vorne zu bringen – ich hello handmade und Catharina workisnotajob. – und haben nach Gleichgesinnten gesucht.

Zum Zeitpunkt Eures Kennenlernens warst Du noch in einer Festanstellung. War es das erste Projekt mit Catharina, dass Dich veranlasst hat Dich selbstständig zu machen oder gab es einen anderen Auslöser und das gemeinsame Business kam erst danach?

Als wir uns kennenlernten war ich schon mit einem Bein aus der Festanstellung draußen. Der hello handmade Markt fand, wie schon gesagt, zum zweiten Mal statt. Ich hatte damals eine halbe Stelle und haben nebenbei noch als Designerin frei gearbeitet. Seit meinem Studienabschluss habe ich eigentlich immer teils angestellt, teils frei gearbeitet. Mal hat das eine überwogen, mal das andere.

Du bist die Initiatorin des hello handmade Markt, ein populärer Designmarkt für handgemachte Produkte, der einmal jährlich in Hamburg stattfindet. “Wir tun das, um einerseits einen Ort für kreative Selbstständige zu schaffen, und andererseits, um viele Menschen auf die tolle Arbeit und die MacherInnen aufmerksam zu machen”. Wie bist Du auf die Idee für Euren DIY-Markt gekommen?

Meine Selbstständigkeit begann mit einem kleinen Craft-Label, für das ich genäht, gedruckt und gestickt habe. Meine handgemachten Produkte habe ich dann über Etsy und Dawanda verkauft. Freunde haben mich dann – damals noch in Leipzig – überredet an einem Kunsthandwerkermarkt teilzunehmen und das war für mich eine ziemlich ernüchternde Erfahrung. Mein Stil passte überhaupt nicht zu allen anderen Ausstellern, die im ganz traditionellen Kunsthandwerk unterwegs und außerdem alle gefühlte 100 Jahre älter waren als ich.

Dagegen spricht natürlich überhaupt nichts, aber ich kam mir fehl am Platz vor. Gerade weil ich durch den Kontakt zu anderen Makern im Internet wusste, dass es da draußen immer mehr junge Leute gab, die „Kunsthandwerk“ ganz neu definierten. Da war sie geboren die Idee zu hello handmade.

Wie organisiert man einen solchen Markt? Ich bin mir sicher, dass die Organisation sehr aufwändig und zeitintensiv ist. Habt Ihr Hilfe oder stemmt Ihr die ganze Arbeit zu zweit?

Der hello handmade Markt findet 2017 im 8. Jahr statt und wir haben uns mittlerweile eine gute Routine erarbeitet. Und trotzdem ist alles jedes Jahr ein bisschen anders und neu. Wir organisieren den Markt tatsächlich nur zu zweit. Natürlich mit der Hilfe eines tollen Teams am Markttag und den Tagen davor und danach.

Das Wichtigste an solch einer Arbeit ist der Spaß an der Sache und das Warum. Und wenn ich am Markttag so viele neue, aber auch bekannte Gesichter von tollen Craft-Labeln sehen darf und deren großartige Produkte und dann noch glückliche Besucher/innen, dann hat sich ein weiteres Jahr hello handmade gelohnt.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie wichtig es als kleines Geschäft ist eine gute Verkaufsplattform zu haben, ernst genommen und gewertschätzt zu werden. Das alles versuchen wir mit hello handmade für die Craft-Szene zu sein.

Gibt es AusstellerInnen, die Dich mit ihren Produkten besonders nachhaltig beeindruckt haben bzw. Dir im Gedächtnis geblieben sind?

In den letzten sieben Jahren haben wir so viele tolle Aussteller kennengelernt, dass es schwer ist einzelne herauszupicken. Das tolle an der Craft-Szene ist, dass alle mit dem was sie machen besonders sind. Es stecken echte Individualisten hinter der Arbeit, die da gemacht wird; echte Typen. Das liebe ich!

Steht schon der Termin für den nächsten hello handmade Markt fest?

Noch nicht. Aber hello handmade findet immer im Okt/Nov statt. Wer über den genauen Termin für 2017 informiert werden möchte, kann sich unter www.hello-handmade.com in unseren Newsletter eintragen.

Ein weiteres Projekt von Dir und Catharina ist supercraft – Bastel-Kits, die Ihr Euren Abonnenten sechs Mal jährlich nach Hause schickt. Wie seid Ihr auf diese Business-Idee gekommen?

Als wir uns kennengelernt haben, war eigentlich schnell klar, dass wir ein gemeinsames Projekt ins Leben rufen möchten, das die Wesen unserer beiden eigenen Projekte vereint – DIY, Arbeit, Entrepreneurship. Etwas selber zu machen ist dabei der kleinste, erste Schritt. Und dass aus einem Craft-Label auch eine größere Selbständigkeit wachsen kann, wussten wir ja aus eigener Erfahrung. Außerdem macht Craften/Basteln auch unheimlich viel Spaß, es entspannt und gibt Selbstvertrauen.

Wie findet Ihr die Inhalte für die einzelnen Bastelsets?

Überall 🙂 Wenn man sich für eine Sache interessiert, findet man Inspiration in allen Lebensbereichen und Situationen.

Der Preis für eine Eurer Boxen liegt zwischen 24,95€ (12 Monate Laufzeit) und 29,95€ (6 Monate Laufzeit). Wie kalkulieren sich diese Preise? Konntet Ihr eine Eurer Ideen schon mal nicht umsetzen, weil sie zu teuer war?

Ja, deswegen haben wir mittlerweile schon zwei Craft-Bücher mit Anleitungen geschrieben, die leider aus Platz- oder Preisgründen nicht in einem supercraft Kit gelandet sind.

Die Kalkulation ist einfach: wir haben ein Budget für jedes Kit und alle Materialien, die zu teuer sind, müssen draußen bleiben. Bisher mussten wir aber auf fast nichts verzichten, was wir wirklich haben wollten. Das ist ja das tolle an der Selbstständigkeit: du hast alle Fäden in der Hand (wortwörtlich) und kannst damit gestalten. Du musst nur Lust darauf haben eine Lösung zu suchen.

Im Rahmen Eurer DIY-Kits sind weitere Produkte entstanden. Zum einen, Supercraft Labs – Events, bei denen man gemeinsam craftet – und zum anderen, zwei Bücher mit tollen Bastelanleitungen. Sind diese Projekte an Euch herangetragen worden (z. B. durch einen Verlag, der wegen der Bücher auf Euch zu kam) oder sind diese Euren eigenen kreativen Köpfen entsprungen?

Die supercraft Labs haben wir schon seit dem ersten supercraft Kit organisiert. Es sind Craftabende, an denen man sich mit Freunden und hoffentlich neuen Freunden zum gemeisamen Selbermachen an netten Orten trifft.

Unsere beiden DIY-Bücher waren zu Beginn der Selbständigkeit nicht geplant. Sie sind einfach nebenbei entstanden. Wir haben immer so viele Projekte im Kopf, die wir nie in ein supercraft Kit gießen können – dann kam eines Tages der perfekte Verlag auf uns zu und wir konnten unmöglich Nein sagen.

Wie habe ich mir die Produktion eines solchen DIY-Anleitungsbuches vorzustellen?

Es macht unheimlich viel Spaß sich ein DIY-Buch auszudenken! Man darf sich alle crazy Kreativideen zusammensuchen. Dann kommt harte Arbeit und es muss ganz viel selbergemacht werden: nähen, drucken, testen, alles neu, alles von vorn, neue Farben, neue Materialien, alles hinschmeißen, … großes Chaos!

Dann wird sortiert und ausgewählt, arragiert und das Schönste: tolle Fotos gemacht. Danach heißt es fleißig Anleitungen schreiben, alle Details für jedes Projekt und alle benötigten Materialien zusammensuchen. Zum Schluss wird alles in ein Layout gegossen, Korrekturgelesen und gedruckt.

Woher kommt eigentlich Deine Begeisterung für das Thema “Do it yourself”?

Sie ist einfach da. Ich bewundere Menschen, die mit ihren Händen etwas Schönes erschaffen. Das ist für mich magisch. Ich kann mich stundenlang mit alten Handarbeitsbüchern beschäftigen, muss in jedes Kunstgewerbemuseum rennen, unterhalte mich liebend gerne mit Machern über ihre Arbeit und Traditionen. Es interessiert mich einfach.

Auf dem Einband zu Eurem Buch “Supercraft: Kreative Projekte für 52 Wochenenden”* steht: “All unsere Projekte haben eines gemeinsam: Wir möchten Menschen inspirieren, ihre eigene Gestaltungskraft zu entdecken.” Wer oder was inspiriert Dich?

Mich inspirieren Menschen, die ihr Ding machen. Die eine Sache gefunden haben, die sie beschäftigt und dabei die Zeit verlieren. Die keine Ruhe finden, bis sie eine Sache nicht zufriedenstellend gelöst haben – im Kopf oder mit den Händen oder beides.

Lemon Books – ein weiteres Projekt von Euch. Lemon Books ist eine Design-Plattform und Manufaktur für individuelle Notizhefte im Hosentaschenformat. “Weil wir wissen, wie wichtig es ist, seine Ideen aufzuschreiben (…)”, sagt Ihr. Wo (und wie) haltet Ihr Eure zahlreichen Ideen fest – gibt es dafür eine Extra-Schublade? 😉

Wir sind große Fans von kleinen Notizheften und besitzen selber unzählige. In denen schlummern auch alle unsere eigenen Ideen, Pläne, Ziele und viele viele Listen, die manchmal einfach nur abgearbeitet werden müssen.

Ich kann mir vorstellen, dass einige unserer LeserInnen sich fragen, wie Ihr bei den vielen Projekten nicht den Überblick verliert. Wie stellt Ihr sicher, dass Ihr Euch nicht verzettelt?

Wir führen unsere Unternehmen nach den Prinzipien des Entrepreneurships und beschreiben das auch genau in unserem Buch „Frei sein statt frei haben“. So ist es möglich, sich auch bei vielen Projekten auf seine Stärken und das Wichtigste zu konzentrieren.

Jeder Tag ist bei uns etwas anders, denn man kann ihn zwar versuchen zu planen, aber das haut am Ende doch nicht hin. Dafür passieren in der Selbstständigkeit einfach zu viele unerwartete Sachen. Die wichtigen Dinge darf man bei so vielen Projekten nicht aus den Augen lassen. Und wenn es mal unübersichtlich wird, muss man sich selbst sagen: Babysteps. Eins nach dem anderen 🙂

Was ist das Besondere an einer Selbstständigkeit, die nicht nur auf einer Business-Idee fußt? Welche Vor- und vielleicht auch Nachteile hat sie gegenüber einer klassischen Unternehmensgründung?

Unsere Projekte haben viele Gemeinsamkeiten und helfen sich inhaltlich gegenseitig. Anders würde es vielleicht auch nicht so gut gehen. Das Gute ist ja, es ist selten bei allen Projekten gleich viel zu los. Mal hat man hier mehr zu tun und da weniger. Es balanciert sich aus.

Natürlich gibt es Tage, an denen man nicht weiß, wie man alles unter einen Hut bekommen soll, aber auf der anderen Seite kann bei mehreren Projekten auch mal eins eine Zeit ruhiger laufen. Man hat nicht den Druck, dass das eine Projekt immer erfolgreich sein muss.

Wer ist eigentlich für was bei Euch zuständig? Hat jede Ihre ganz bestimmten Aufgaben oder macht Ihr beide alles?

Es gibt viele Dinge bei denen sich die Zuständigkeit ergibt, einfach weil jedem andere Dinge Spaß machen bzw. leichter fallen. Unternehmerisch ergänzen wir uns perfekt, die alltäglichen Arbeiten organisieren wir spontan. Catharina versucht auch öffentliche Termine wahrzunehmen, spricht auf Konferenzen oder in Panels. Ich nehm mir Zeit für Kreativität, aber auch für Administratives.

Es gibt noch drei weitere Projekte, die Catharina und Du zusammen betreuen bzw. betreut habt: Da wären zum einen die Bücher workistnotajob und Frei sein statt frei haben* – stehen beide bei mir im Regal – und zum anderen superwork – eine Interview-Reihe, ein Blog und ein persönlicher Workshop. Dazu befrage ich Catharina genauer – damit unser Interview nicht aus allen Nähten platzt… 😉

Aber eine abschließende Frage habe ich noch: Ihr beide seid ja sehr umtriebig. Was können wir in diesem Jahr von Euch erwarten?

Unsere Themen DIY und Entrepreneurship werden uns auch in Zukunft begleiten. Durch unsere Bücher wenden sich immer mehr Menschen an uns, die Lust haben oder schon auf dem Weg sind ihre eigenen Ideen selbstständig umzusetzen. Für diese Menschen möchten wir mehr tun.

Das können konkrete Antworten in der eigenen Situation sein, Inspiration für neue Herangehenweisen oder auch klar umrissene Dienstleistungen, die man an uns abgeben kann und sich damit seine Selbstständigkeit vereinfacht.

Wir möchten unser Wissen und unsere Erfahrungen ganz praktisch teilen. Wir glauben fest daran, dass jeder Mensch, der seine eigenen Ideen umsetzt und sich auf einen selbstständigen Weg macht (das muss nicht in einer Vollzeit-Selbstständigkeit enden), einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft leistet. Wir möchten viel mehr von solchen Menschen sehen!

Aus diesen Gründen starten wir 2017 mit unserem neuen Projekt „Happy New Monday“. Im Moment kann man sich erstmal nur in den Newsletter eintragen, aber schon bald werden wir ein konkretes Angebot online stellen. Wir freuen uns riesig darauf!

Ui, ich bin gespannt! 🙂

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

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