„Ich glaube daran, dass es sinnvoll ist, Kinder möglichst häufig daran zu erinnern, wie wunderbar sie sind.“ – Interview mit Christine Hippelein von Sonntagskinder

Sonntagskinder-Christine Hippelein

Ein rundum glückliches Leben – das wünschen wohl alle Eltern ihrem Kind. Und zwar völlig ungeachtet dessen, wie unterschiedlich Werte, Erziehung, Lebensstil und -standard jeweils sein mögen. Christine Hippelein möchte Kinder und ihre Eltern dabei unterstützen das Glücklichsein zu lernen und hat dafür ihr Unternehmen SONNTAGSKINDER gegründet. Ihre Produkte fordern die Kinder ganz selbstverständlich dazu auf den Blick nach innen zu richten und Glück und Zufriedenheit in sich selbst zu finden. SONNTAGSKINDER biete wunderbare Produkte, die Kinder zudem daran erinnern, wie wunderbar sie sind – klug, mutig, liebevoll, stark, selbstbewusst.

Ein tolles Konzept und eine spannende Idee, über die ich im heutigen Interview gerne mehr wissen möchte.

Liebe Christine, du sagst von dir selbst, dass du davon überzeugt bist, dass Glücklichsein kein Zufall ist, sondern erlernbar. Und das es an der Zeit ist, dass wir unseren Kindern beibringen, das Glück eine innere Haltung ist und das sie schon alles mitbringen, was es dafür braucht. Das ist ein toller und wertvoller Ansatz. Wie bist darauf gekommen, dieses Konzept als Basis für dein Unternehmen „Sonntagskinder“ zu nutzen? Was ist die Idee hinter „Sonntagskinder“?

Der Entschluss, SONNTAGSKINDER zu gründen, folgte auf eine Reihe von Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Mutter zu sein und diese Rolle so auszufüllen, wie ich es mir für mich selber und für meine Kinder wünschte, empfand ich als Herausforderung, für die ich mich nicht gut vorbereitet fühlte. Bei dem Versuch, Mutterschaft, Beruf und eigene Zufriedenheit zu vereinen, lernte ich schnell, wie wichtig es ist, „gut“ zu sich selbst sein. Denn ich versuchte es zunächst eher mit Disziplin und Strenge bei mir selbst, wollte dabei aber eine zugewandte, geduldige, liebevolle Mutter sein. Ich glaube, viele Mütter kennen das: Das ist eine Aufgabe, die eigentlich unlösbar ist. Schnell erkannte ich: Selbstfürsorge, Selbstliebe, Selbstbewusstsein – das sind Themen, bei denen man auch als Erwachsener noch dazulernen kann und sich das Üben unbedingt lohnt. Mit unseren Kindern sollten wir hieran jedoch unbedingt von klein an arbeiten und gemeinsam Strategien entwickeln, Abgrenzung üben usw. Denn sich selber zu kennen und zu mögen, ist essentiell für die Entwicklung eines glücklichen, starken, resilienten „Ichs“, das unseren Kindern durch Krisen hilft und ihnen zu einem glücklichen Lebensgefühl verhilft.

 

SONNTAGSKINDER-Interview„Sonntagskinder“ hast du 2019 gegründet und bis heute schon mehr als 12.000 Glückstagebücher gekauft. Dazugekommen sind noch weitere Produkte wie Poster, Schulprodukte oder andere Bücher. Das ist ein wahnsinnig toller Erfolg! Was hast du vorher gemacht und welche Voraussetzungen hast du für das Abenteuer Selbstständigkeit mitgebracht?

Der Gedanke, ein Unternehmen zu gründen, hat mich schon immer fasziniert. Eine konkrete Gründungsabsicht hatte ich zunächst jedoch nicht. Als Diplom-Kauffrau habe ich viele Jahre kaufmännisch mit Fokus auf Zahlen und Strategien gearbeitet – etwas, das mir jetzt natürlich sehr in Hinblick auf Strategie, Planung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung usw. hilft. Eine kreatives Talent hatte ich zudem schon immer, dies kann ich jetzt für SONNTAGSKINDER endlich so richtig ausleben und das macht mir große Freude! Ich habe den Moment zweier dicht aufeinanderfolgenden Elternzeiten genutzt, um in die Selbständigkeit zu starten.

Zunächst habe ich einige Jahre ein auf Kinderzimmer-Interior ausgerichtetes Business vorangetrieben – der Start in mein kreatives berufliches Dasein. Das lief zwar gut und ich mochte die Arbeit, intuitiv habe ich jedoch schon recht früh gewusst, dass da nochmal etwas anderes kommen wird. Etwas, das noch ein bisschen tiefer geht. Meine oben kurz erwähnte eigene Geschichte im Hinblick auf Mindset-Arbeit, Selbstfürsorge & Co und helfen mir dabei, die aufregenden Momente des Unternehmertuns zu überstehen. Denn ja, manchmal sind die Herausforderungen groß und dann wünsche ich mir auch schonmal die Sicherheit des Angeselltseins zurück… Dann hilft es mir, bewusst ins Vertrauen zu gehen, den Kopf frei zu bekommen, sich nicht festzubeißen. Eine Frage der Übung, denke ich.

Du verkaufst deine Bücher und Produkte über deinen eigenen Onlineshop. Und als dein Paket mit dem Buch bei mir ankam, ist mir gleich aufgefallen, dass ihr bei „Sonntagskinder“ auf viele kleine Details wert legt. Die Bücher waren in Packpapier eingeschlagen, statt in einer Plastikfolie. Im Glückstagebuch liegt noch eine kleine Karte, mit der ihr die Kunden direkt ansprecht. Das Papier ist schön dick und fasst sich gut an. Theoretisch hättet ihr euch ja auch für einen externen Standardanbieter entscheiden können, der den Shop, Druck, Verpackung und Versand als Kombipacket ohne diese vielen Details abwickelt. Warum habt ihr euch für diese persönlichere Lösung entschieden?

Für mich ist klar: Als Menschen tragen wir Verantwortung. Als Eltern spürt man das unmittelbar, wenn man an die Zukunft unserer Kinder denkt und sich den Zustand unseres Planeten vor Augen führt. Es fällt auch mir ganz sicher nicht leicht, ständig das „Richtige“ zu tun. Und das sollte man auch nicht versuchen. Als Unternehmerin, die Papier als hauptsächliche Ressource nutzt und im Bereich eCommerce tätig ist, war mir jedoch von Beginn an klar – auch hier trage ich Verantwortung und möchte gern in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit gute Entscheidungen treffen. Einiges machen wir bereits gut, aber natürlich gibt es noch Potenzial. Ich arbeite kontinuierlich daran, hier besser zu werden. Weil es eben auch finanzielle Aspekte berührt, geht alles Schritt für Schritt. Was die Qualität unserer Bücher und Produkte angeht: Die liegt mir unheimlich am Herzen. Ich habe ein Herz für schöne, langlebige Produkte. Hier sind wir denke ich gut unterwegs, kleine Optimierungen gibt es immer und die werden – ebenfalls sukzessive – umgesetzt.

Hinter deinem Glückstagebuch für Grundschulkinder „Eine Woche voller Glück“ steckt ein besonderes Konzept, dass du zusammen mit Pädagogen, Kinder- und Jugendpsychologen, Sprachdozenten und mit Erkenntnissen aus der Glücksforschung erstellt hast. Und das zeigt sich auch, wenn man das Buch durchblättert und die verschiedenen Themen und Schwerpunkte sieht. Mal geht es darum, sich der eigenen inneren Stärke bewusst zu werden, mal darum Ziele zu setzen oder auch mit Enttäuschungen umzugehen. Warum war es dir so wichtig, dass „Eine Woche voller Glück“ diese wissenschaftliche Basis hat?

Für mich war von Beginn an klar: Ich erteile mir mit der Gründung quasi selber einen Bildungsauftrag, dem ich gerecht werden möchte. Ich habe von Beginn an sehr hohe Ansprüche an die Produkte, besonders an unsere „Glückstagebücher“ gehabt, weil ich sie als bedeutendes Lehrmaterial sehe. So hat bereits mein erster gedanklicher Entwurf das Hinzuziehen von Experten (wie Pädagogen und Psychologen), aber auch das Zurückgreifen auf wissenschaftliche Erkenntnisse beinhaltet. Übrigens fand ich die Ergebnisse aus jüngeren Studien im Bereich der Positivitätspsychologie einfach verblüffend; sie haben mich quasi auch zum Schreiben des Buches motiviert. Glücklichsein ist lernbar – und zwar für jeden! Für „Klein“ aber noch schneller und müheloser als für „Groß“, daher ist es für mich auch wirklich ein Muss, dass Eltern dies mit ihren Kindern üben. Ob mit „Glückstagebuch“ oder ohne – alle Kinder sollten Zugang zu diesen wirklich simplen Methoden und Strategien haben. Am besten natürlich auch über die Kitas und Schulen. Auch hieran arbeiten wir.

Sonntagskinder-Eine Woche voller Glück-Innenseite

Trotzdem ist das Glückstageuch ganz leicht, einfach und liebevoll gestaltet. Ich hab das Buch ja mit meiner Tochter zusammen getestet und wir hatten nie das Gefühl, dass es schwer oder kompliziert ist. Ganz im Gegenteil. Es macht Spaß, die Fragen zu beantworten und zusammen zu überlegen, Dinge zu zeichnen und sich gemeinsam an die Ereignisse der Woche zu erinnern.
Ich denke, es ist eine Herausforderung, diesen Spagat zwischen der wissenschaftlichen Basis und der leichten, kindgerechten Umsetzung während der Produktentwicklung und der Konzeption hinzubekommen. War es für dich von Anfang an klar, dass das Tagebuch diesen spielerischen Charakter haben soll? Wie war die Entwicklungsphase von „Eine Woche voller Glück“?

Vielen Dank für dieses schöne Feedback. Das freut mich sehr und ist etwas, das ich zum Glück sehr viel höre. Mir ist dieser Aspekt sehr wichtig, denn Lernen ist natürlich viel effektiver und schöner, wenn man Freude dabei hat und es sich leicht anfühlt. Ich denke, die Gabe, auch große Themen leicht, erlebbar und auch optisch ansprechend zu „verpacken“, ist tatsächlich einer der Erfolgsfaktoren als Gründerin von SONNTAGSKINDER. Ich kann Dinge gut erklären und bin empathisch. Etwas, dass mir zu Zeiten meiner Konzernkarriere nicht immer nur hilfreich war, ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Für meine Produkte habe ich immer eine gewisse Vision. Diese folgt einer Mischung aus Analytik und Gefühl und ist dann wie ein Wegweiser. Manchmal dauert es, bis die Vision da ist. Bei unserem neuen Tagebuch für Kindergartenkinder, das im November 2020 erschienen ist, hat es viele Monate gedauert. Ich versuche es dann einfach mit Geduld. Ich habe gewartet, immer wieder überlegt, verworfen und wieder gewartet. Und dann eines Tages auf einer sehr verregneten, nebeligen Wanderung im Allgäu war sie plötzlich da – im Gegensatz zur nebeligen Umgebung auch richtig glasklar. Das war ein schöner Moment.

SONNTAGSKINDER Tagebuch für Kinder_innen 01

Du möchtest mit „Eine Woche voller Glück“ ganz viele Kinder erreichen und hast zusätzlich zu deinem Buchverkauf auch noch eine Schulkooperation und eine Spenden-Kooperation ins Leben gerufen. Dazu kommt die Entwicklung neuer Produkte, die Logistik, das Marketing, deine Social Media-Kanäle, die Website und all die hundertausend kleine Dinge, die ein eigenes Unternehmen so mit sich bringt. Du arbeitest jetzt mit einem Team, das dich unterstützt. Hast du von Beginn an im Team gegründet oder warst du zunächst alleine? Und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus? 

Ich habe allein gegründet, aber eben auch schon auf die Erfahrungen aus meiner ersten Selbständigkeit (dem Kinderzimmer-Business) zurückgreifen können. Ich habe mit externen Grafikern, Agenturen, virtuellen Assisstenten und Praktikanten gearbeitet. Etwas, das ohne langfristige Verpflichtung und große Budgets oder Fixkostenbindung möglich ist. Und übrigens etwas, das ich jedem Gründer nur empfehlen kann, möglichst früh ins Kalkül zu ziehen.

Einen typischen Arbeitsalltag habe ich aktuell tatsächlich nicht, da alles sehr davon abhängt, welche Themen ich gerade vorantreibe – neue Produkte kreieren, eine neue Kollektion launchen, bestimmte Themen oder Kanäle optimieren etc. Natürlich gibt es wiederkehrende Aufgaben, aber es ist häufig kreativ-produktives Chaos. Gern möchte ich hieran etwas verändern, mehr Kontinuität und neue Strukturen schaffen – dafür brauche ich jedoch noch etwas Zeit. Denn mit Corona ist auch mein Geschäft volatiler geworden, der Umsatz weniger planbar. Auch wenn wir grundsätzlich wachsen. Doch wie schnell bis wann – all das kann ich aktuell weniger zuverlässig prognostizieren. Also bleibt das produktive Chaos noch und vielleicht gehört das auch einfach zum Unternehmertum dazu.

Zu guter Letzt: Welchen Tipp würdest du einer anderen Gründerin mitgeben, die jetzt unser Interview liest und gerade an der Schwelle zur Selbstständigkeit steht? Was sollte jede Gründerin wissen oder bedenken?

Tatsächlich mag ich das Zitat von Martin Walser „Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße“ sehr. Statt zu zweifeln, zu hadern, abzuwarten und abzuwägen lieber früher ins Handeln kommen, ist zweifellos sinnvoll. So mache ich es auch – sicherlich fällt das gerade anfangs nicht leicht und braucht vielleicht etwas Überwindung. Ich denke, man muss nicht immer wissen, wie alles funktioniert, um etwas aufzubauen. Es ist sogar hinderlich. Lieber schneller starten und die Dinge Stück für Stück herausfinden und bewältigen.

Gerade Frauen neigen oft dazu, sich im Perfektionismus zu verlieren. „Einfach mal machen“, ist nicht umsonst ein oft gehörter Rat von erfolgreichen UnternehmerInnnen. Zum Glück geht heute Vieles ohne große Investitionen und große Risiken. Es gibt Social Media, etablierte große Marktplätze mit geringen Beschränkungen, Agenturen, virtuelle Dienstleistungen in allen relevanten Bereichen… Kurzum: Man findet Support durch Experten und Fachleute relativ leicht und auch Marketing und Vertriebskanäle lassen sich zügig testen. Da kann man sich ruhig trauen, zu gründen, finde ich. Allerdings: Von großen Anfangsinvestitionen aus eigener Tasche rate ich ab – bzw. würde diese bewusst vermeiden, wenn möglich. Hier habe ich schon entsprechende Erfahrungen gemacht und wachse daher bei SONNTAGSKINDER einfach langsamer, aber mit geringem Risiko. Das fühlt sich für mich gut an.

Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Christine.

 

© Fotos // Sonntagskinder

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