„Wir brauchen eine Kultur der zweiten Chance“ sagt Selda Gül, Gründerin von MADE&Sel und Anwärterin fürs Plenum der Hamburger Handelskammer

Selda Gül

Die heutige Gründerin, die ich zum Interview gebeten habe, ist über Umwege in den Fokus meines Interesses gelangt. Selda Gül ist Inhaberin des frisch gegründeten Labels MADE&Sel und wurde mir von meinem Freund, der mit seiner Agentur die Website von Selda betreut, für ein Gespräch empfohlen – zumal sie nun auch einen Sitzplatz im Plenum der Handelskammer Hamburg ergattern möchte.

Liebe Selda, Du hast kürzlich MADE&Sel gegründet. Unter diesem Label vertreibst Du natürliche und handgemachte Wellness-Produkte. Wie bist Du auf die Idee gekommen, in diesem Bereich Deine Selbstständigkeit aufzubauen?

Ich bin selbst ein naturverbundener Mensch und genieße sie (die Natur) in vollen Zügen. Dabei lege ich großen Wert auf Nachhaltigkeit. Wellness bedeutet für mich nicht nur Urlaub, Sonne, Strand und Meer, sondern vielmehr gehört es für mich zum Alltag. Ästhetik und Schönheit sind dabei die unentbehrlichen Begleiter. Da ich meine Erfahrungen gern mit anderen teile und wertvolle Tipps weitergebe, habe ich mich dazu entschlossen, in diesem Bereich meine Selbstständigkeit aufzubauen. Hierbei biete ich Produkte an, mit denen ich selbst Erfahrungen gemacht habe.

Welche Produkte hast Du derzeit in Deinem Sortiment?

In meinem Sortiment findest Du von Hand und mit viel Liebe hergestellte Wellness-Tücher, Naturseifen und Accessoires rund um das Thema Baden.

Du beziehst Deine Produkte sowohl aus Deutschland als auch der Türkei. Wie habe ich mir diesen Prozess vorzustellen – insbesondere den Bezug von Produkten aus dem Ausland?

Ich habe einige Jahre als Expat in Istanbul gearbeitet und bin auch geschäftlich viel rum gekommen. Zudem bin ich ein aufgeschlossen positiver Mensch, der schnell neue Menschen kennenlernt. So suche ich den direkten Kontakt zum Hersteller und setze mich mit ihm zusammen, um die Details zu besprechen. Es sind familiengeführte Manufakturen. Dann werden die Produkte gemäß Bestellung einzeln handgefertigt. Ich importiere sie direkt vom Hersteller. Somit habe ich die Möglichkeit nach Erhalt von Kundenwünschen oder Feedbacks, mich mit den Herstellern darüber zu unterhalten, um ggf. eine Optimierung voranzutreiben. Ich bin mit allen Partnern, mit denen ich nun starte, sehr zufrieden.

Da es bei Dir ausschließlich natürliche und handgemachte Produkte im Sortiment gibt, scheint Dir die Nachhaltigkeit sehr wichtig zu sein. Warum?

Die Nachhaltigkeit ist für mich enorm wichtig, weil ich mich der Natur und den Menschen gegenüber verpflichtet fühle, alle natürlichen Ressourcen zu schonen.

Du befindest Dich derzeit mitten in der Aufbauphase Deines Unternehmens? Wie habe ich mir Deinen ersten Schritte bis dato vorzustellen?

Das ist ein langer Prozess, den ich mir nicht so kompliziert vorgestellt hatte. Ich bin aber zufrieden und nehme mir auch die Zeit, weil ich es nicht mag, halbe Sachen zu machen. Als erstes habe ich mich mit dem für mich wichtigen Thema Herstellersuche beschäftigt. Ich habe sie persönlich vor Ort kennengelernt, mit ihnen gesprochen und nach eigenen Kriterien selektiert.

Viele Entscheidungen und Prozesse mussten parallel laufen, weil sie voneinander abhängen. Die Marke und das Logo wurden entwickelt, das Büro inkl. Lagerfläche angemietet, die Technik und Infrastruktur bereitgestellt. Währenddessen habe ich mich bei der Handelskammer über Themen wie Warenimport, Markenanmeldung, Recht und Onlineshops etc. informiert.

Ich habe mit Rechtsanwälten in Deutschland und in der Türkei gesprochen, um viele offene Punkte zu klären. Auch habe ich mich direkt mit der Suche nach einem für mich passenden Steuerberater beschäftigt, denn dies ist wichtig, um das Unternehmen von vornherein richtig aufzustellen.

Somit baute ich erst einmal mein „Head-Team“ auf, bestehend aus Hersteller, Steuerberatung, Rechtsanwälte, Bank und weiteren wichtigen Experten. Der schwierigste Part war für mich die Suche nach einem kompetenten Dienstleister, mit dem ich meinen Onlineshop aufbauen konnte. Glücklicherweise habe ich hier ein tolles Team gefunden, auf das ich bauen kann. Das ist das A und O für einen erfolgreichen Onlineshop.

Dann kam natürlich noch der kreative Part dazu: das Photoshooting für Produkte. Auch hier habe ich tolle Fotografen, die einfach geniale Arbeit leisten. So natürlich und schön… wie meine Produkte.

Es gab noch sehr viel mehr Dinge zu tun, das würde aber den Rahmen des Interviews sprengen.

Was werden die nächsten Schritte für Dein Business sein?

Der nächste Schritt ist der Livegang der Website mit dem Onlineshop [Die Website ist mittlerweile online und hier zu erreichen, Anm. der Autorin]. Was danach kommt, arbeite ich Schritt für Schritt ab. Ich habe sehr viele schöne Ideen, die realisierbar sind, über die ich aber noch nichts erzählen möchte. Lass Dich einfach überraschen!

Deinen nächsten Schritt kenne ich. 😉 Du möchtest einen Platz im Plenum der Handelskammer Hamburg bekommen. Warum ist Dir dieses ehrenamtliche Engagement wichtig?

Oh ja! Das möchte ich! Weil ich selbst frisch gegründet habe und weiß, was Gründer bewegt und motiviert. Hamburg soll zur Gründermetropole heranwachsen. Das ist mein Wunsch, für den ich mich gern aktiv einsetze. Für mich ist es natürlich spannend da mitzuwirken, weil ich eben die praktische Perspektive kenne. Ich werde durch meine Plenarmitgliedschaft den Gründern eine hörbare Stimme verleihen.

Was können wir für Dich tun, damit Du diesen Platz auch erhältst?

Ich danke Dir für diese Frage und der damit gezeigten Bereitschaft zur Unterstützung!

Ihr könnt mich unterstützen, indem Ihr Euch generell an der Wahl beteiligt und Eure Kreuze für die Kammerwahl setzt. Ihr solltet für Euch abwägen, wer für Euch am Besten die Interessen vertritt. Und natürlich freue ich mich, wenn Ihr Euer Kreuz für mich setzt.

„Mach’ Dein Kreuz!“

In Deiner Kandidatur für den Platz im Plenum sagst Du „Wir brauchen starkes Engagement für Existenzgründer in Hamburg“. Was können Gründer erwarten, wenn Du die Position bei der Handelskammer bekleidest?

Ich kenne die Anliegen und Bedürfnisse der Gründerszene nur zu gut. Ich werde diese ins Plenum tragen und dort Forderungen stellen, wie wir Hamburg für nationale und internationale Gründer interessant machen können. Beispielsweise sind die bürokratischen Hürden in Deutschland sehr hoch. Es ist in 110 Ländern leichter ein Unternehmen zu gründen als in Deutschland. Es wäre gut, zumindest im ersten Jahr der Unternehmensgründung die Hürden zu senken, denn der Gründer ist mit vielen anderen Themen belastet. Dafür möchte ich meine Stimme geben.

Ich erhoffe von Gründern, dass sie mich aktiv ansprechen und mir Ihre Wünsche und Vorstellungen mitteilen. Nur so bin ich in der Lage, diese Interessen im Plenum zu vertreten und durchzusetzen.

Durch Dein Engagement soll Hamburg als Gründermetropole voran getrieben werden. Was fehlt der Stadt Hamburg derzeit Deiner Meinung nach, um sie für mehr Gründer attraktiv zu machen? Warum ist uns beispielsweise Berlin um einiges voraus?

Hamburg ist aufgrund seiner Attraktivität als Stadt ein guter Standort. Ich würde nicht sagen, dass Berlin uns um einiges voraus ist. Hamburg ist anders und nicht mit Berlin zu vergleichen. Aber wenn Du schon so fragst, was uns fehlt, wünsche ich mir mehr private Investoren, die die Risikobereitschaft haben, in Start-ups zu investieren.

Laut Statista ist die Zahl der Gewerbeanmeldungen pro 10.000 Einwohner in Berlin in 2015 zwar etwas höher als in Hamburg (Berlin 121,4; Hamburg 114,4) dafür sind die Unternehmensgründungen in Hamburg aber nachhaltiger. Dies zeigt der Vergleich der Insolvenzhäufigkeit (laut Statista 2015: Berlin 0,97; Hamburg 0,88).

Aufgrund guter Anknüpfungsmöglichkeiten mit der traditionell starken Realwirtschaft der Stadt sind Start-ups in der Hansestadt häufig wirtschaftlich erfolgreicher als in anderen Großstädten – statt Quantität überwiegt hier die Qualität. Schaut man auf die Gewerbeanmeldungen, so verzeichnet unsere Stadt laut dem Statistischen Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein nur einen leichten Rückgang um 1%, während Berlin ein Minus von 6,2% ausweist.

Im Vergleich zu den USA oder anderen europäischen Ländern ist Deutschland noch nicht unter den Spitzenplätzen, wenn es um die Attraktivität als Gründungsstandort geht. Was glaubst Du, woran das liegt? Was sind Vorteile für Gründer Deutschland als Gründungsstandort zu wählen? Welche Nachteile gibt es?

Es gibt sehr hohe bürokratische Hürden für Gründer, wie bereits oben ausgeführt. Auch ist die Steuergesetzgebung für Wagniskapitalgeber eine andere als in Deutschland. Hinzu kommt, dass gescheiterte Existenzgründer in Deutschland es häufig schwer haben, ein weiteres Unternehmen zu gründen.
Wir brauchen eine Kultur der zweiten Chance.

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