„Ich liebe Menschen, Begegnungen aller Art und Austausch“ – Sandra Brauer, Veränderungsbegleiterin & Trainerin für Stressmanagement und Achtsamkeit

Sandra Brauer

Wer diesen Blog schon eine Weile liest, weiß, dass ich regelmäßig Frühstücke für selbstständige Frauen ausrichte. Meine Intention dahinter: eine Möglichkeit zum Austausch in ungezwungener Atmosphäre schaffen. Das Schöne daran: wir kommen immer wieder in den unterschiedlichsten Konstellationen zusammen.

Ich lerne jedes Mal neue Frauen kennen – und da sag noch mal eine*r, es gäbe keine selbstständigen Frauen! Über die Jahre dürfte ich schon Hunderte treffen. Viele kehren wieder. Sandra Brauer ist eines dieser Gesichter. Sie ist Veränderungsbegleiterin und Trainerin für Stressmanagement und Achtsamkeit. Mit mir hat sie über ihre Arbeit gesprochen.

Liebe Sandra, Du bist Veränderungsbegleiterin – im Neudeutschen ist auch von Change Management die Rede. Bitter erkläre uns, was Deine Arbeit in diesem Bereich ausmacht?

Hallo liebe Namenspartnerin, liebe Sandra, erst einmal Dankeschön, dass ich Deine Interviewpartnerin sein darf und diese ganzen tollen Fragen hier beantworten darf. Der Begriff „Change Management“ wird in der Wirtschaft häufig mit Standardverfahren nach Lehrbuch XY assoziiert und entspricht nicht ganz meinem Ansatz, daher erscheint bei mir das Wort „Veränderungsbegleiterin“.

Zu meinen Kunden zählen Unternehmen, die entweder eine Reorganisation (Zusammenlegung oder Trennung von Abteilungen, Teams, neue Projekte, neue Vorgesetzte etc.) planen, ein Digitalisierungsprojekt umsetzen oder ihre Unternehmenskultur verändern wollen. Ich vermittle einerseits den Umgang mit Veränderungen und erarbeite gemeinsam mit meinen Unternehmenskunden eine Haltung und Kommunikation im Veränderungsgeschehen. Mir geht es dabei insbesondere um Wertschätzung der Bedürfnisse einzelner Beteiligter und einem respektvollen Miteinander von Führungskräften und Mitarbeitern. Da sich unsere Arbeitswelt durch Globalisierung, Digitalisierung und Geschwindigkeit zunehmend verändert und diese sich so schnell drehende Welt bei vielen Menschen Stress auslöst, bin ich ebenso die Begleiterin im Wandel von Privatpersonen. Hier unterstütze ich Menschen, die sich beruflich verändern oder an ihrer Stresskompetenz und Widerstandsfähigkeit arbeiten wollen.

Auf Deiner Website steht „Als Veränderungsbegleiterin (…) gebe ich Unternehmen, die sich in digitalen Transformationsprozessen befinden, und Einzelpersonen Impulse für eine bessere Zusammenarbeit (…) sowie für einen bewussteren Umgang mit den eigenen Ressourcen und denen anderer. Auf letzteres kommen wir gleich noch zu sprechen. Zuerst die Frage: Wie unterscheiden sich Deine Zusammenarbeit mit Unternehmen von der mit einzelnen Personen?

Vielleicht zunächst, was die Angebote verbindet, da meine Angebote an beide Zielgruppen sich im Grundsatz sehr ähneln: Ich werde immer für einen spezifischen Auftrag zu einem konkreten Anlass angefragt. Meine Angebote basieren auf systemischen Grundsätzen und systemischer Haltung. Bei Unternehmenskunden konzipiere ich ein individuelles Workshop-Angebot gemeinsam mit meinem/n Ansprechpartner/n.

Mein Ziel ist es stets, bei Unternehmenskunden mein Wissen und meine Erfahrung aus Veränderungsprozessen zu transferieren, eben solche Prozesse zu fördern, Perspektivwechsel und ein neues Bewusstsein zu ermöglichen und damit Probleme auf den Weg einer Lösung zu bringen und Systeme (einzelne Personen, Gruppen, Teams) in die Selbstwirksamkeit zu überführen. Je schneller ich mich überflüssig mache, desto eher sehe ich meinen Auftrag als erfüllt an. Es fließen Elemente meines Methodenkoffers aus der systemischen Arbeit, dem agilen Arbeiten, der Kommunikationspsychologie, dem Stressmanagement, der Achtsamkeit und aus Entspannungsmethoden mit ein.

Der wesentliche Unterschied von der Arbeit mit meinen Unternehmenskunden zu den Einzelpersonen ist, dass erstere mich für Workshops, Trainings in Gruppen oder Moderation von Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen und zweit genannte eher für Beratungs- und Coaching-Gesprächen anfragen. Von Teamaufstellungen oder Teamskulpturen abgesehen, kann ich Workshops und Trainings bei meinen Unternehmenskunden häufig in Grundzügen vorbereiten, während die Beratung von Einzelpersonen nicht wirklich vorhersehbar ist und sich in dem Moment gestaltet, in dem mein Klient oder meine Klientin den Beratungsraum betritt.

Mit welchen Problemen kommen Unternehmen auf Dich zu? Du sprichst von Schwierigkeiten bei digitalen Transformationsprozessen…

Die Herausforderung bei Projekten im Kontext der Digitalisierung ist häufig, dass Menschen Angst vor Veränderungen haben. Ihr könnt selbst mal in Euch gehen und überlegen, wie es für Euch wäre, wenn man Euch Euren Lieblingsbecher wegnimmt, Euren Arbeitsplatz umstellt oder Euer Notebook ausgetauscht werden muss. Es gibt einige Personen, denen macht das nichts aus. Aber es gibt zahlreiche andere, die sehen Veränderung als Stress an.

In Digitalisierungsvorhaben ist es häufig so, dass sich zudem die Unsicherheit, wie sich die Welt nach Umstellung auf Tool XY weiter drehen wird, erhöht, da viele Unternehmen keine Erfahrungswerte haben und viele Dinge das erste Mal machen. Das erfordert Mut, Vertrauen, Optimismus, Zuversicht und noch weitere Kompetenzen, die nicht jeder mitbringt und gerade in eher traditionelleren Unternehmen über Jahre nicht gefördert und gefordert wurden. Somit wünschen sich meine Unternehmenskunden eine Hilfestellung dabei, wie sie im Veränderungsgeschehen mit ihren Mitarbeitern kommunizieren können und ein Verständnis, was Veränderungen bewirken oder auch wie eine Zusammenarbeit unter neuen Rahmenbedingungen gut oder vielleicht noch besser möglich werden kann.

Die Digitalisierung bewirkt häufig auch einen Wandel in der Unternehmenskultur. Die Werte, die ich ein paar Zeilen zuvor erwähnte, sind plötzlich andere als noch in den Jahren zuvor. Wenn zum Beispiel durch den Einsatz von Skype oder Remote-Arbeitsplätzen Home Office eher realisierbar ist, dann wird die Arbeit flexibler. Einerseits benötigen Mitarbeiter hier die Kompetenz eigene Grenzen der Leistungsfähigkeit oder den Bedarf an Pausen für sich selbst zu erkennen und z. B. auch diszipliniert im Home Office den Aufgaben nachzugehen, andererseits braucht es viel Vertrauen der Vorgesetzten in ihre Mitarbeiter, dass diese ihre Aufgaben erledigen und auf sich acht geben bzw. dass sie diese ausreichend befähigt haben so zu arbeiten.

Wann kann man sich als Einzelperson an Dich wenden? Wie sehen Deine Methoden aus, um Deinen Kunden weiterzuhelfen?

Meine Klienten fragen mich an

  • wenn sie berufliche Unterstützung suchen. Hier kann es um das Herausarbeiten von Kompetenzen, Wünschen oder auch Entscheidungen gehen oder auch ganz konkret im Bewerbungsprozess von der Erstellung der Unterlagen bis hin zur Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch. Einer meiner Leitsätze ist hierbei #loveitchangeitorleaveit – Ihr habt immer eine Wahl. Ich unterstütze somit meine Klienten dabei, den Mut aufzubringen sich zu verändern.
  • wenn ihnen nach mehr Ruhe und Gelassenheit ist und sie sich um ihre Gesundheit sorgen. Ganz gleich, ob der Anlass der Kontaktaufnahme eher beruflicher oder privater Natur ist. Ich bin die Richtige, wenn ein Stresskurs der Krankenkasse nicht ausreicht, eine Psychotherapie nicht das Richtige ist oder zusätzliche Impulse zu einer solchen gefragt sind.

Ich berate und begleite meine Klienten durch Gespräche, die dem systemischen Grundsatz „beraten ohne Ratschlag“ folgen. Ich liebe es Fragen zu stellen, Angebote zu machen, humorvoll neue Perspektiven aufzuzeigen und aus den ungeliebtesten Eigenschaften hervorragende Kompetenzen zu formulieren.

Meine Begleitung ist kurzfristiger Art und bietet sich bei konkreten Fragestellungen oder den allgemeinen Stolpersteinen des Lebens an.

Neben Deiner Arbeit im Bereich Change Management bist Du auch als Trainerin für Stressmanagement und Achtsamkeit tätig. Eine grundsätzliche Frage: Was ist Stress bzw. wodurch entsteht er?

Stress wird definiert als natürliche Reaktion auf Anspannung, Druck und Veränderung. Jeder Mensch ist mit einer individuellen Widerstandsfähigkeit ausgestattet. Einerseits ist diese genetisch bedingt, andererseits werden wir durch Erziehung und Sozialisation dahingehend geprägt. Muster und Glaubenssätze, die wir als Kinder in unserem familiären Umfeld entwickelt haben, bedingen unser Verhalten als Erwachsener. Zudem nimmt unser Umfeld Einfluss auf uns.

Stressempfinden ist höchstindividuell. Er wird bei jedem einzelnen Menschen sehr unterschiedlich ausgelöst und zeigt sich sehr verschieden. Grundsätzlich brauchen wir die Stressreaktion, um uns vor Gefahren zu schützen. Das ist wie im Sport. Wenn Ihr z. B. kurz vor einem Wettkampf steht, spürt Ihr, wie sich Eure Anspannung verändert. Eure Aufmerksamkeit, Euer Fokus, alles spitzt sich auf den Start und Euren Einsatz zu. Adrenalin schießt ein, viele andere körperliche Reaktionen folgen und unterstützen Euch dabei, alles zu geben. Das ist eine großartige Leistung unseres Körpers, die ganz unbewusst stattfindet. Ist der Wettkampf vorüber, werdet Ihr Euch für gewöhnlich erholen und Euer Körper entspannt sich wieder. Wird dieses Muster aus Anspannung und Entspannung jedoch unterbrochen, erleben wir – aus welchem Grund auch immer – vermehrt Anspannung und es bleibt wenig Gelegenheit für unseren Körper sich zu regenerieren.

Stellt Euch vor, Ihr seid permanent im Wettkampfmodus. Irgendwann bekommt Ihr Seitenstiche oder brecht vor Erschöpfung zusammen. Für manche Menschen sind Umwelteinflüsse sehr stressig; soziale Kontakte, die Anforderungen der Arbeitswelt, die Partnerschaft oder auch der eigene Anspruch.

In meinen Augen ist Stress zur „Volkskrankheit“ Nummer 1 geworden. Wie hilfst Du Deinen Klienten damit umzugehen?

Nicht nur in Deine Augen, sondern auch aus denen der Weltgesundheitsorganisation wird Stress weltweit als großes gesundheitliches Risiko angesehen. Dabei ist es nicht der Stress, sondern der Umgang damit. Mein Ansatz ist auch hier, meine Klienten in die Eigenverantwortung und in die Selbstwirksamkeit zu überführen.

Zunächst erforsche ich mit meinen Klienten, was sie unangenehm stresst und was ein mögliches Ziel sein könnte. Es gibt zwar eine Reihe von Angeboten der Krankenkassen wie z. B. Entspannungs- oder Stressmanagement-Kurse. Das sind jedoch Gruppenveranstaltungen, die auf die einzelnen Personen kaum eingehen können. Sollte jemand feststellen, dass trotz Besuchen solcher Kurse keine Besserung eintritt, darf er oder sie sich gern an mich wenden und wir schauen, ob ich die richtige Ansprechpartnerin bin. Wir loten gemeinsam aus und erforschen den individuellen Weg zu mehr Gelassenheit. Sei es durch Entspannungsmethoden oder auch durch Reflektion der inneren Haltung und ggf. einer kognitiven Umstrukturierung.

Häufig ist es Menschen gar nicht bewusst, dass sie gestresst sind. Atemwegerkrankungen, Herzrasen, Rückenschmerzen, Hautausschlag und noch eine Reihe mehr Symptome können Anzeichen für ein ungesundes Stresslevel sein.

Lass uns an dieser Stelle auch auf das Thema Achtsamkeit und den bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen zurückkommen. Wie schafft es frau achtsamer zu sein?

Achtsamkeit bedeutet sich wertfrei im Hier und Jetzt zu befinden und dadurch einen besonderen Umgang mit Menschen, Situationen und mit sich selbst zu entwickeln. Als Ihr das letzte Mal eine Mahlzeit zu Euch genommen habt, habt Ihr wahrgenommen wie diese geschmeckt, gerochen und ausgesehen hat? Oder: Wie viel „müssen“ verwendet Ihr aktuell? Wie oft sprecht Ihr anstatt mit, über andere Menschen? Und dann eine – wie ich finde – ganz tolle Übung: habt Ihr Euch schon mal selbst bei Euren inneren Selbstgesprächen zugehört? Morgens zum Beispiel vor dem Spiegel? Wie freundlich begegnet Ihr Euch? Wie viel Wertung schwingt mit?

Die Idee ist, im Alltag immer wieder achtsame Elemente einzubauen und dadurch die Wahrnehmung und das eigene Bewusstsein zu verändern. Das ist eher ein Prozess, als „zack“ auf Knopfdruck umgesetzt. Sorry, falls ich jetzt die/den eine*n oder andere*n Leser*in damit enttäusche. 😉

Wenn Du Dich und Dein Verhalten anschaust, wie gut gelingt Dir selbst der bewusste Umgang mit Deinen eigenen Ressourcen? An welchen Stellen hakt es vielleicht aktuell noch?

Gute Frage. Ich bin inzwischen ganz gut mit mir im Kontakt. Das freut mich immer wieder sehr. Dennoch gibt es diese Momente, in denen ich mich getrieben und gehetzt fühle. Ich würde am liebsten immer 1000 Dinge gleichzeitig tun; umsetzen, was mein Kopf so an Ideen ausspuckt und das ist nicht immer möglich. Mein Zeitmanagement ist nicht immer optimal und ich übe ständig wie es mir gelingen kann, nicht mehr zu spät zu Verabredungen zu kommen. Sobald irgendjemand eine Idee hat, mir quasi ein Zugticket zum Aufspringen anbietet, würde ich bei spannenden Themen immer gern sofort „Oh ja, ich mach mit.“ schreien. Im Prüfen auf verfügbare Zeit und Abwägen, was ich wirklich Umsetzen kann und will, möchte ich noch besser werden. Mir hilft es dazu im Gespräch mit mir selbst zu sein und bei Bedarf eine meiner Kolleg*innen oder Freund*innen hinzu zuziehen und gemeinsam zu reflektieren, wie auch ich eine Veränderung möglich machen kann. Liebevolles Verständnis empfinde ich dabei eine äußerst hilfreiche Haltung und Zuversicht, dass mir das irgendwann gelingen wird.

Ich erlebe Dich als sehr umtriebige Person. Du bist sehr aktiv in den sozialen Medien und auch in Hamburg auf vielen Netzwerkveranstaltungen unterwegs. Wie wichtig ist der Austausch mit anderen für Deine Arbeit? Hast Du Tipps, wie auch uns gutes Networking gelingen kann?

Für mich persönlich gilt: Ich liebe Menschen, Begegnungen aller Art und Austausch. Ich erhalte dadurch Inspiration, neue Perspektiven – quasi durchweg Geschenke.

Auf Veranstaltungen rund um Kulturwandel, Digitalisierung, Gesundheit, Führung, Agilität etc. trifft man auf Gleichgesinnte. Ich mag dieses „über die Sache verbunden sein“ – Gefühl und für eine gemeinsame Sache („Unsere (Arbeits-) Welt ein klein wenig besser machen“) unterwegs zu sein. Das motiviert mich noch mehr an meinen Angeboten zu feilen, diese immer wieder zu reflektieren.

Gutes Networking ist für mich authentisches Networking. Geht nur zu Veranstaltungen und Formaten, auf denen Ihr Euch wohlfühlt. Seid Ihr selbst und verstellt Euch nicht. Verkrampft mit den eigenen Visitenkarten in den Händen unterwegs zu sein, muss nicht sein. Wenn Ihr unsicher seid, was die richtige Veranstaltung für Euch sein könnte, dann raus aus der Komfortzone und #einfachmalmachen. Verschiedene Veranstaltungen besuchen und gucken, wie sie Euch bekommt. Wenn es gut war, super – dann mehr davon. Wenn es irgendwie nicht so gut war, toll – wieder eine Erfahrung mehr und was anderes probieren. Und wenn du Netzwerkveranstaltungen nicht magst, dann überlegt Euch eine Alternative – vielleicht gibt es bessere Wege für Euch.

Beim Netzwerken spielt die richtige Kommunikation eine entscheidende Rolle. Wertschätzend sollte sie sein, wie Du auf Deiner Website sagst. Man sollte doch meinen, dass das jeder frau bewusst ist. Warum geht die Kommunikation zwischen zwei (oder mehreren) Menschen dennoch manchmal schief? Was kann selbst für den positiven Ausgang eines Gespräches tun?

Kommunikation findet auf mehreren Ebenen statt. Der/Dem einen oder anderen wird das 4-Ohren-Modell oder das Sender-Empfänger-Modell von Friedemann Schultz von Thun ein Begriff sein. Kommunikation ist für mich das Verknüpfen zweier oder mehrerer Welten und Wirklichkeiten. Wir bemühen uns, durch Sprache diese Welten miteinander zu verknüpfen. Manchmal denkt eine Partei, sie habe die andere bereits verstanden und antwortet in ihrer eigenen Welt, um mal in diesem Bild zu bleiben. Hilfreich ist das aktive, empathische Zuhören.

Es gibt das Modell der gewaltfreien Kommunikation (nach Marshall Rosenberg), was ich in den Grundzügen sehr nützlich finde. Zunächst denke ich darüber nach, was mein Gegenüber gesagt hat. Was habe ich gehört, was nehme ich war? Zum besseren Verständnis, ob ich ihn auch gut verstanden habe, frage ich nach. Im zweiten Schritt reflektiere ich, welche Emotion in mir dazu aufsteigt oder auch welcher Gedanke. Nur wahrnehmen, nicht bewerten. Häufig steckt hinter jeder Emotion ein Bedürfnis. Je nach Situation könnte ich diesem Ausdruck verleihen.

Wir reden gern in Forderungen, ohne dass wir das merken. Die gute alte Du-Botschaft, die Menschen nicht gern empfangen. Wenn Ihr diese Forderung durch einen ernst gemeinten Wunsch ersetzt (in Ich-Form), habt Ihr schon einen wesentlichen Beitrag zu entspannter Kommunikation geleistet.

Also nochmal in Kurzform: aktives, empathisches Zuhören und den anderen wirklich verstehen wollen, nachfragen. Menschen sind verschieden. Sprache ist ein Werkzeug, um sich einander zu nähern.

Apropos „tun“: Was hast Du vor Deiner Arbeit als Veränderungsbegleiterin und Stress-Coachin gemacht? Warum hat es Dich in die Selbstständigkeit verschlagen?

Ich war im Projektmanagement in der IT-Beratung tätig. Ich war in Organisationsentwicklungs- und Change-Projekten in der freien Wirtschaft und im öffentlichen Sektor eingebunden. Mein Erfahrungsschatz ist gefüllt von sehr vielen spannenden Erlebnissen. Von Überforderung bis Unterforderung, miserabler Führung, nicht gut funktionierender Zusammenarbeit und toller Dynamik und Zusammenarbeit war alles mit dabei. Ich arbeite unglaublich gern, am liebsten frei und mit Sinn, nach meinen eigenen Bedürfnissen mal allein und auch gern mit ähnlich tickenden Menschen zusammen.

Nach diversen Versuchen in Festanstellung, habe ich für mich beschlossen, dass ich zufriedener und wirksamer als Selbstständige arbeiten kann und mich im Prinzip genau mit den Themen, die mich immer bewegt und gestört haben, auf den Weg gemacht.

Jede Selbstständigkeit hat Höhen und Tiefen. Wie sahen Deine aus? Und wie bist Du mit den „dunkleren“ Zeiten umgegangen?

Tatsächlich gab es – zum Glück – bisher noch nicht so viele dunkle Seiten. Das einzige, was am Anfang nicht immer leicht ist, ist einen guten Umgang mit der finanziellen Unsicherheit zu finden und trotz unbeständiger Einnahmen ruhig schlafen zu können. Ich habe ein tolles soziales Umfeld mit sehr vielen verschiedenen Menschen, die ich bei unterschiedlichen Themen und Fragen hinzuziehen kann und die dadurch eine tolle Unterstützung sind. Viele Menschen halten für mich die Augen und Ohren offen und weisen mich auf Veranstaltungen oder Bedarfe hin; vermitteln einen Kontakt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Zudem achte ich auf guten Ausgleich, den ich im Sport finde. Ich spiele viel Badminton, gern auch im Wettkampfmodus und auf Turnieren und bin dann in einer komplett anderen Welt, in der der Job vollkommen egal ist und ich einen guten Abstand zu Themen finde.

Zudem habe ich eine liebenswerte Familie, quasi ein Auffangbecken für den Notfall. Meine kleine Schwester ist die beste Kritikerin und Unterstützerin überhaupt. Mit dem Familienhund kann ich Glück teilen, in dem ich mit ihm in Gummistiefeln über den Acker laufe.

Eine abschließende Frage – die im weitesten Sinne etwas mit dem Thema Veränderungsmanagement zu tun hat: Welche Changes stehen für Dich selbst in 2019 an? Oder anders gefragt: Welche Ziele hast Du Dir für das bevorstehende Jahr gesteckt?

Ganz klar: Fokus behalten. Strukturiert meine Angebote auf die Straße bringen. Im letzten Jahr lag der Fokus auf Unternehmenskunden. In diesem Jahr möchte ich vermehrt Einzelpersonen ansprechen. Die persönliche Beratungsarbeit an konkreten Fällen erlebe ich immer wieder als sehr erfüllend. Zu allen Aktivitäten möchte ich gut in Balance bleiben und auf meine verfügbare Energie achten und vor allem weiter meine digitales Nutzungsverhalten reflektieren und ggf. ein wenig justieren.

Außerdem möchte ich weiter meinen Motto treu bleiben: #einfachmalmachen und viele neue Dinge ausprobieren. Ein Youtube-Kanal, ein Podcast sowie ein Online Workshop und weitere analoge Veranstaltungsformate sind in Planung.

Das hat Spaß gemacht, danke für Deine tollen Reflektionsfragen. 🙂

Gerne!

Beitragsbild: © Romy Geßner

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