„Ein Café ist ein Unternehmen. Mit ein bisschen backen, kochen und Kaffee machen ist es leider nicht getan“ sagt Sabrina Lorenz, Inhaberin des Café Lotti

Sabrina Lorenz, Inhaberin des Café Lotti

Sabrina Lorenz ist Inhaberin des Café Lotti in München und wird uns im Oktober dort für unser letztes FF&-Frühstück „außer Haus“ empfangen. 🙂 Bevor wir allerdings vor Ort zusammen kommen, sollten wir einen Blick auf unsere Gastgeberin und ihre Selbstständigkeit werfen!

Liebe Sabrina, Du warst gerade 21 Jahre alt geworden, als Du Dein Café eröffnet hast. Auf Aus guter Küche kann man lesen: “Kurz nach dem Abi im Juli nahm der Gedanke der Selbstständigkeit Form an und Mitte September wurden Nägel mit Köpfen gemacht”. Wow! Woher hast Du so viel Entschlossenheit genommen? Trage sich doch viele Frauen laaaange mit dem Gedanken rum sich selbstständig zu machen, tun es dann aber doch nie.

Bei mir ging es sogar noch schneller! Dass ich irgendwann einmal selbstständig sein wollte, das hatte ich wohl intuitiv schon immer in mir. Das Café Lotti wurde an einem Sonntagvormittag beschlossen, am Montag wurden nach einer Immobilie gesucht und der Businessplan geschrieben, am Mittwoch die Location besichtigt und am Freitag kam die Zusage.

Das war Mitte September 2009. Am 1. Dezember hat dann mein Café Lotti seine Tür geöffnet 😊 Im Nachhinein betrachtet ging das Ganze schon sehr schnell, fast schon etwas übereilt. Jetzt würde ich alles etwas strategischer angehen.

Woher wusstest Du welche Schritte zu unternehmen waren?

Mein stiller Geschäftspartner Achim ist ein paar Jahre älter als ich und war schon damals Unternehmer, daher wusste er was bei einer Gründung wichtig ist. Vor dem Café Lotti habe ich selbst drei Jahre in der Gastronomie gearbeitet und dort viel gelernt. Daher haben wir zwei uns gut ergänzt. Das was wir nicht wussten, haben wir von anderen Unternehmern/Gastronomen erfragt und auch die Münchner Ämter waren uns immer eine Hilfe.

Bei Bettina von Respekt Herr Specht hast Du schon kurz angerissen, welche Behördengänge Du vor der Eröffnung Deines Cafés machen musstest. Kannst Du uns an dieser Stelle noch einmal zusammenfassen, worauf man bei der Eröffnung eines Cafés unbedingt achten sollte?

Viele Frauen aus ganz Deutschland schreiben mir immer wieder und erzählen mir, dass sie auch den Wunsch haben ein eigenes Café zu eröffnen. Vermutlich wie auch bei mir – der Lebenstraum! Man darf aber nicht unterschätzen, was trotzdem für eine Verantwortung und auch Arbeit dahintersteckt.

Viele möchten ein Café haben, weil sie gerne backen oder kochen, aber damit ist es leider nicht getan. Ein Café ist wie jedes andere Unternehmen und es gibt viele Bereiche, die herausfordernd sind.

Man sollte sich auch bewusst machen, für wie viele Jahre man so etwas machen möchte und was es noch für Lebensträume gibt, z. B. Kinder.

Ein weiterer großer Punkt, den man bei der Eröffnung eines Cafés bedenken muss, ist das Konzept, das man auf jeden Fall vorab erstellen muss. Wie soll z. B. dazu das Marketing aussehen? Was unterscheidet dich von allen anderen?

Mittlerweile gibt es so viele tolle Konzepte, gerade in München. Hier reicht es nicht mehr, nur guten Kuchen zu backen und regionale Produkte anzubieten, denn das macht momentan jeder und ist schon fast „Pflicht“. Man braucht eine richtige Strategie.

Du kennst sicher das Buch Sugar Girls, oder? Es geht darin um 20 Frauen und ihren Traum vom eigenen Café. Besonders gut fand ich den hinteren Teil, indem die Gründerinnen offen über Punkte wie lange Arbeitszeiten, wenig Urlaub, geringer Verdienst etc. gesprochen haben. Das finde ich besonders wichtig, weil meiner Meinung nach viele Frauen mit Traum vom eigenen Laden den Job der Café-Besitzerin idealisieren. Welche Erkenntnis möchtest Du mit uns teilen, um diese Frauen auf den Boden der Tatsachen holen? 😉

Wie oben beschrieben, ist ein Café auch ein Unternehmen und es gibt viele Dinge, die gemacht werden müssen und mit ein bisschen backen, kochen und Kaffee machen ist es leider nicht getan.

Ich selbst war ja auch erst 21 und bin da auch auf den Boden der Tatsachen gefallen, weil man unterschätzt, was alles dahintersteckt und was zu tun ist, an das man vorher nicht unbedingt denkt oder es einem zu wenig bewusst ist, was auf einen zukommt.

Von Dir selbst sagst Du: “Ich bin Vollblutunternehmerin. Deshalb sehe ich das ›Café Lotti‹ nicht als Café, sondern als Unternehmen.” Ich glaube ein Punkt, der Dich von so manch anderer Café-Besitzerin unterscheidet – und am Ende womöglich auch der Schlüssel zum Erfolg ist. Was macht Dich zu einer guten Unternehmerin?

Da ich das Café Lotti als Unternehmen sehe, habe ich alle Prozesse, die es gibt, klar strukturiert und alles rund ums Lotti wurde in unserer „Lotti-Bibel“ / Handbuch schriftlich festgehalten. So weiß immer jeder ganz genau, wie wo wann was zu tun ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass ich immer mit offenen Augen durchs Leben gehe und schaue, was ich wo aufs Lotti adaptieren kann und wie wir noch besser werden – auch durch Fragen und Zuhören der Gäste und Mitarbeiter.

Ja und was mir noch sehr am Herzen liegt ist eben das Thema Mitarbeiterführung, welches einen der größten Bereiche im Lotti ausmacht. Denn mit meinen Mitarbeitern steht und fällt das ganze Unternehmen.

Und was macht Dich zu einer guten Chefin?
Dadurch dass ich mir Mitarbeiter suche, die perfekt zu mir passen und wir alle uns sehr gut verstehen, kann ich allen viel Vertrauen entgegenbringen und sie „machen lassen“.

Alle meine Mitarbeiter bekommen von mir eine Art Rahmen, in dem sie sich austoben und weiterentwickeln sollen. Sie dürfen alle Entscheidungen selbst treffen, dürfen Fehler machen, sich ausprobieren, einbringen, sich persönlich und beruflich weiterentwickeln und ich unterstütze sie so gut ich kann!

Da mein Lebens- und Unternehmensmotto „Leave people better than you found them!“ ist, versuche ich meine Mitarbeiter jeden Tag glücklich zu machen und ihnen das zu geben, was sie für ihre tägliche Arbeit und ihre Entwicklung brauchen.

Wenn ich sehe, wie meine Mitarbeiter unser Lotti rocken und in meinem Sinne handeln und agieren, macht mich das stolz und glücklich zugleich. Auch die Mitarbeiter, die uns irgendwann aufgrund des Endes ihres Studiums o. Ä. verlassen, kommen uns immer wieder besuchen, sind zu Freunden geworden oder springen auch mal ein, wenn Not am Mann ist. Ja, im Lotti findet man einfach Freunde fürs Leben!

In diese Aufgabe bist Du mittlerweile gut herein gewachsen. Seit Anfang 2012 steht Dir ein Mentor zur Seite. Auf Aus guter Küche kann man nachlesen, dass Du mit dessen Hilfe eine Strategie, ein Leitbild und eine Philosophie entwickelt hast und ihr habt gemeinsam Deine Zielgruppe in den Fokus genommen. Wie wichtig war es rückblickend, dass Dir jemand in diesem Moment zur Seite stand?

Für mich gehört mein Mentor zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben, weil wir uns über all die Jahre kennen und schätzen gelernt haben und er mir immer die nötige Sicherheit gibt, die ich in Bezug auf die Unternehmensführung brauche.

Er hat aus seinen Erfahrungen heraus und gemeinsam mit mir, meine Stärken im Bereich der Mitarbeiterführung, Personalentwicklung und auch der gesamten Unternehmensführung geformt. Da ich ein sehr offener und reflektierter Mensch bin, war es für mich außerdem wichtig, immer weiter dazuzulernen, besser zu werden und viel über mich zu erfahren.

Wie bewertest Du MentorInnen im Allgemeinen?
Wenn man offen dafür ist und bereit dazuzulernen, aber auch mal Kritik einzustecken, bringt jeder Mentor, der zu dir passt, dich in deinem Leben ein Stückchen weiter.

Und wie sieht es mit Vorbildern aus? Hast Du jemanden zu dem Du aufschaust – vielleicht auch im familiären Umfeld?

Für mich gibt es als Vorbilder zum einen die Großen wie Sir Richard Branson, Steve Jobs oder auch Götz Werner.

Zum anderen sind es aber auch Menschen aus meinem persönlichen und beruflichen Umfeld. Jeder von uns steht an einer anderen Stelle im Leben/ Berufsleben und wir alle können viel voneinander lernen.

Auf Mittelbayrische.de ist zu lesen, dass ein gutes Konzept schon lange nicht mehr ausreicht, um ein Restaurant zum Erfolg werden zu lassen. Bekannt werden und bleiben ist das A und O in der Münchner Gastronomie. Was tust Du, um dieses Ziel zu erreichen?

Ich habe in all den Jahren eine Corporate Brand aufgebaut und schon immer viel Zeit und Energie ins Marketing gesteckt. Ich war in sämtlichen Zeitungen, Magazinen, auf Blogs, im Fernsehen und Radio zu sehen bzw. zu hören.

Da sich unsere Zielgruppe aber hauptsächlich in den sozialen Medien aufhält und ich selbst Social-Media-süchtig bin, sind wir sowohl auf Facebook als auch auf Instagram vertreten; arbeiten viel daran, damit unsere Homepage sehr attraktiv ist und seit diesem Jahr schreiben wir auch einen Corporate Blog rund um mich und mein Café Lotti.

Netzwerken spielt sicher auch eine entscheidende Rolle. Du selbst hast ein Frauennetzwerk ins Leben gerufen. Verrate uns mehr. Wer bewegt sich in diesem Netzwerk? Was erwartet einen in diesem Netzwerk? Wo willst Du mit diesem Netzwerk hin?

Bei unseren Veranstaltungen geht es um alle Themen, die uns Frauen bewegen: um private Dinge, Business-Themen, Freizeit und unser inneres Wohlbefinden. Mit unseren Partnern haben wir mittlerweile langfristige Kooperationen geplant und vernetzen uns immer weiter in München. Gemeinsam bieten wir verschiedene Freizeitaktivitäten und Aktionen an, von Fotoshootings über Stand Up Paddling bis hin zu verschiedenen monatlichen Vorträgen.

Wo wir bei Perspektiven und der Zukunft sind: Wie wird es für Dich und das Café Lotti weitergehen? Verrate uns mehr.

Jetzt, wo ich mit meinem Studium fertig bin, kann ich meine ganze Energie wieder komplett dem Lotti widmen. Wir wollen definitiv weiter wachsen, mal sehen wo die Reise hingeht.

Ich berate inzwischen auch andere Unternehmen und möchte weiterhin auch mein Wissen aus den 8 Jahren Lotti an andere weitergeben, sei es eben in der persönlichen Beratung oder in Vorträgen rund um die Unternehmensführung.

Du selbst hast kürzlich Deine Bachelor-Arbeit in BWL geschrieben. Nebenbei hast Du letztes Jahr auch noch eine IHK-Ausbildung gemacht, richtig? Warum hast Du Dich für diese Weiterbildungen entschieden?

Ich bin von Natur aus ein sehr wissbegieriger Mensch, sehr ehrgeizig und außerdem Feuer und Flamme für alle Themen rund um die BWL und Unternehmensführung. Ich interessiere mich für alles, was in der Wirtschaft passiert, schaue mir spannende Unternehmen an, beobachte andere und lese Wirtschaftsmagazine.

Da ich selbst eben immer „schlauer“ werden und dazulernen möchte, bin ich eigentlich täglich auf der Suche nach neuen Dingen, die ich lernen oder lesen kann. Ich finde, dass man in allem nur „besser“ werden kann, wenn man offen dafür ist, sich weiterzubilden, Hilfe und Unterstützung anzunehmen, sich an anderen orientiert und von ihnen lernt.

Und auch aus genau diesem Grund hab ich mich für meine Ausbildungen und das Studium entschieden, da ich dort tollen Menschen – Kommilitonen und Lehrern – begegnet bin, mit denen ich mich austauschen und von denen ich lernen konnte.

Das konnte ja nur klappen, wenn Du nicht von morgens bis abends im eigenen Café stehst. Welche Aufgaben übernimmst Du mittlerweile im Café Lotti und wann kann man Dich vor Ort antreffen?

Man trifft mich meistens Sonntagvormittag im Lotti an, da arbeite ich selbst mit. Ansonsten bin ich die Woche über immer wieder da, aber das variiert stark.

Ich kümmere mich im Lotti um die komplette Unternehmensführung von Marketing über Controlling, neue Produkte, sämtliche Entscheidungen, die anstehen, und führe meine Mitarbeiter.

Ich bin also der Kopf oder auch das Herz des Lottis, kümmere mich um die Strategie, richte uns aus, schaue über alles drüber, beantworte Fragen, kümmere mich um meine Mitarbeiter, ratsche mit Gästen, schaue nach neuen Trends, kümmere mich darum, was meine Gäste sich wünschen – ich schaue, dass einfach alles passt 😊

Einen Punkt haben wir bislang noch gar nicht berücksichtigt. Seit mehreren Jahren bietest Du persönliche Business Consultings an und teilst, so nehme ich an, Deine Erfahrungen mit Gründern. Wie habe ich mir so eine persönliche Beratung vorzustellen?

Ich habe eine starke Intuition, wenn ich ein Unternehmen betrete oder mich mit Kunden treffe und nehme gleich sehr viele Eindrücke und „Baustellen“ wahr. Dabei hilft mir auch meine Ausbildung und meine jahrelange Erfahrung. Ich bin geradezu sensibilisiert dafür.

Momentan findet die Beratung noch ganz individuell statt, wir sind aber grade dabei, das Angebot in Form von Produkten zu bündeln und meine Beratung auch online anzubieten. Auch über Vorträge auf Messen oder Veranstaltungen gebe ich gerne mein Wissen an andere weiter.

Gibt es abschließend an dieser Stelle einen Tipp, den Du gründungsinteressierten Frauen mit auf den Weg geben willst?

Vernetze dich! Ich nutze jede Gelegenheit, mit anderen tollen Unternehmern und Selbstständigen in Verbindung zu treten, bin auf Veranstaltungen, Messen und Barcamps und lerne dadurch die interessantesten Menschen kennen. Wir können alle einander viel geben, uns inspirieren oder auch mal helfen, wenn man mal nicht weiter weiß. Menschen im Rücken, die in der Not für einen da sind, geben dir Sicherheit und das hilft dir, mutig „loszulaufen“!

Du willst mehr Inspiration in Sachen Selbstständigkeit? Schau doch mal auf Pinterest vorbei!

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