„Mein größter Erfolg – galore#“ sagt Sabine Pfefferer, die Gründerin vom gleichnamigen Concept Store

Sabine Pfefferer, store galore

Nachdem ich bereits im vergangenen Herbst in München mit einem Frühstück für Gründerinnen und selbstständige Frauen zu Gast war – Ihr erinnert Euch sicher an meine damalige Location-Gastgeberin Sabrina Lorenz –, verschlägt es mich auch in diesem Jahr wieder in die bayrische Landeshauptstadt.

Diesmal werden wir bei Sabine Pfefferer im galore# zu Gast sein. Jippie! 🙂

An dieser Stelle können wir die Inhaberin kennenlernen.

Liebe Sabine, Du bist Inhaberin des Concept Stores galore# mit angeschlossenem Coffee Shop in München. Auf Deiner Website steht: „galore# will inspirieren, zum Kauf und zum Genuss verführen, als lokales Angebot für ortsunabhängiges Arbeiten dienen und als stationäres Ladengeschäft (…) Anlaufstelle für den Stadtteil Schwabing (…) sein“. Wirklich bunt. Bitte erläutere uns das Konzept hinter Deinem Laden!

Oh wow, gleich die Einstiegsfrage komplex. Naja, ich versuche, verschiedene Warengruppen aus dem Bereich „Urban Lifestyle“ zu kombinieren. Dabei entscheide ich mich für einen Hersteller pro Warengruppe und wähle diese sehr bewusst so nachhaltig, bio, öko, regional, saisonal wie möglich – Farbe und Design spielen eine ebenso große Rolle.

Nach diesem Konzept entscheide ich mich ebenso innerhalb der beiden anderen tragenden Säulen: ernährungsbewusste, vorwiegend vegetarische kleine Mittagsgerichte, sozial engagierte Röster, Getränke-Hersteller und lokale Manufakturen für den Coffee Shop und eine weltoffene generationenübergreifende Atmosphäre für regelmäßige Nachbarschafts-Events und geschlossene Gesellschaften im community table.

Viele Frauen träumen ja vom eigenen Café. Warum hast Du Dich gegen eine reine Kaffeestube entschieden? Hat diese Entscheidung einen wirtschaftlichen Hintergrund, weil frau ja „weiß“, dass Kaffee allein nicht reich macht?

Haha, nein, das Gegenteil ist der Fall. Ich hatte vor Ladeneröffnung keinerlei Gastroerfahrung und bin mit drei Barista-Kursen und einigen Tipps von Freunden und Bekannten einfach darauf los. Der Gedanke, eine eigene Kaffeestube zu eröffnen, wäre damit wohl noch abwegiger gewesen, als den, einen eigenen Laden zu eröffnen. Damit kenne ich mich aus, da fühle ich mich sicher – als gelernte Buchhändlerin und mit einigen Jahren Einkaufserfahrung im Gepäck hätte es viel eher noch eine Stadtteil-Buchhandlung werden können.

Wie kamst Du zu dem Entschluss Dich selbstständig zu machen?

Der Wunsch oder der Gedanke als Option war wohl immer schon da und wird einem wohl auch ein Stück weit mit in die Wiege gelegt. Zudem springt der Zeitgeist hier in den letzten Jahren ja extrem auf die Welle mit auf, beinahe täglich höre ich im Laden spannende Geschichten von anderen Geschäftsideen, Gründungswünschen und innerlichen oder realen Kündigungen aus 9-to-5-Jobs – der zweite Schritt nach Sabbaticals häufig ein Reduzieren auf 80% oder in die private Familienplanung. 😉

Die Entscheidung selbst viel bei mir wie so oft während einer akuten Krise mit den Optionen: weiter wie bisher, Neuausrichtung oder zurück auf Null.

Wie lange hat es dann bei Dir von der Idee über die Umsetzung bis zum fertigen Concept Store gedauert? Und woher hast Du das Geld für die Eröffnung Deines eigenen Ladens genommen?

Nach der Entscheidung, den Weg zumindest mal mit vollem Einsatz zu verfolgen, ging es dann relativ schnell.

2 Monate Recherche, 3 Monate Coaching, Businessplan, Bürokratie. Zum Jahreswechsel Flächensuche / Vorbereitung, im Anschluss 2 Monate Umbau und nach insgesamt 11 Monaten direkt soft opening.

Für die Überbrückung und die Anlaufmonate habe ich bis September letzten Jahres den Existenzgründungs-Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit erhalten, die Finanzierung lief mit Eigenkapital-Abdeckung aus einem Förderangebot der LfA Bayern.

Du bist Diplom-Buchwissenschaftlerin. Wäre es da nicht nahe liegender gewesen eine Buchhandlung zu eröffnen? So wie es Elisabeth und Jasmin von herr holgersson getan haben. Was sprach dagegen?

Ja, schon. Ein bisschen Buchhandlung bin ich ja jetzt auch – ich habe Barsortimentsanschluss und eine Verkehrsnummer – rein fachlich bin ich damit zumindest im Besorgungsgeschäft eine vollwertige Buchhandlung! Dagegen gesprochen haben vermutlich nur 2 Punkte: die eigene Risikobereitschaft und der Wunsch, neue Sortimente zu entdecken.

Welche Skills, die Du Dir während Deines Studiums angeeignet hast, helfen Dir auch jetzt als Unternehmerin weiter?

BWL, BWL, BWL, es hilft im Einzelhandel, brutto von netto unterscheiden zu können 😉 – und die Fähigkeit zu netzwerken. Ebenso Gedankenspiele aus der Soziologe / Wirtschaftspsychologie: Spieltheorie finde ich bis heute faszinierend und über deren Experimente habe ich im Studium viele Bücher verschlungen. Wobei – geholfen hat das bislang nicht, vielmehr grübele ich täglich aufs Neue nach, wie ich eigene Lösungen aus dem Gelernten entwickeln könnte. 😉

Kannst Du als Fachfrau für Bücher, uns Literaturempfehlungen für (angehende) selbstständige Frauen und Gründerinnen geben? Gibt es ein Buch, das Dir bei Deiner Gründung geholfen hat?

Ja, wobei das dann eher Spaß-Literatur war. Für die Gründung teils ein zweites Mal gelesen habe ich Markus Frankls „Wer nichts wird, wird Wirt“ – ein Klassiker der Münchner Kneipenliteratur 😉 und Maria Rossbauerns „Drei Bier auf die Vier – Vom Abenteuer, die eigene Kneipe zu eröffnen“. Klar sind die nicht ganz ernst gemeint, dennoch, ein paar Fallstricke, Kalkulationshilfen, Motivationskiller merzen sie locker und unterhaltsam geschrieben dennoch aus. Lesen!

Du hast lange im Einkauf gearbeitet. Auch im galore# spielt die richtige Auswahl der dort angebotenen Produkte eine wichtige Rolle. Wie gehst Du bei der Zusammenstellung Deines Sortiments vor?

Wie oben beschrieben – der Rest passiert dann über die Zeit als Art Collagetechnik und das Bauchgefühl muss stimmen. Für meinen Papeterie-Hersteller habe ich jetzt fast ein halbes Jahr gebraucht, bis ich vor 2 Wochen auf der Trendset ein weiteres Mal über deren Messestand gestolpert bin und wie Liebe auf den ersten Blick wusste – die sind es nun!

Concept Store galore#

Dein Angebot besteht aus einer Auswahl hochwertiger Artikel von anderen Unternehmen. Wie bestimmst Du den optimalen Verkaufspreis? Wie viel bleibt am Ende für Dich übrig?

Bei den Verkaufspreisen im Store halten ich mich weitestgehend an die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller, im Zweifelsfall unterbiete ich oder fahre saisonal einzelne Preisaktionen. Hier hilft, dass ich größtenteils Produkte anbiete, die nicht sehr stark online getrieben oder dem Preiswettbewerb unterworfen sind. Übrig bleibt dennoch unterschiedlich viel, oftmals wohl auch viel weniger als Endkunden vermuten. Das heißt, ich bin tatsächlich in hohem Maße auch auf den Zusatzertrag durch Gastro und Events angewiesen.

In einem Beitrag von „Mit Vergnügen München“, der 2017 erschienen ist, steht, dass Dein ganzer Laden eine One-Woman-Show ist. Ist dem heute auch noch so? Fände ich ja ganz schön krass bei den Öffnungszeiten… und wie machst Du das, wenn Du mal Urlaub brauchst?

Yeah – nein, zum Glück nicht mehr ganz! Ich habe mittlerweile einmal die Woche eine Köchin, die ganz hervorragende Gerichte, Salate und Kuchen zaubert. Und bei den Events habe ich in der Regel Unterstützung im Service.

Darüber hinaus mache ich aber tatsächlich alles noch alleine, von Besorgung, Küche, Einkauf, Verkauf, über Social Media, Marketing, Artikelanlage und Pflege der Warenwirtschaft und des Onlineshops, bis hin zur gewerblichen Einnahmen-Überschuss-Rechnung, den Umsatzsteuervoranmeldungen und der jährlichen Einkommenssteuererklärung.

Urlaub hatte ich im letzten Jahr vor offizieller Eröffnung nochmal 4 Tage Ibiza, in diesem Jahr werden’s nur noch 4 Tage Gardasee. Aber Spaß beiseite – ich bin mir sicher, nächstes Jahr sollten wieder 1-2 Wochen drin sein. Wir werden Monat für Monat besser!

Apropos: Kann jemand von Euch gut kochen, backen und hat in München Lust, für 1-2 Tage pro Woche mit dabei zu sein? Meldet Euch informell oder kommt einfach auf einen Sprung vorbei – wir suchen immer noch nach weiterer Unterstützung für unser kleines Deli!

Im letzten Jahr habe ich hier auf dem Blog das Buch „Shop Girls – 28 Frauen und ihr Traum vom eigenen Laden“ vorgestellt. Den Beitrag schließe ich mit meinen Lieblingszitaten- und Tipps aus dem Buch ab. Nachhaltig beeindruckt hat mich folgende Aussage: „Sieh zu, dass du im Oktober eröffnest. Dann ist die Sommerflaute vorbei und du hast genug Zeit, fürs Weihnachtsgeschäft zu trainieren. Denn der Monat Dezember ist im Einzelhandel Hardcore für alle”. Stimmst Du dem zu?

Haha, im letzten Jahr hätte der Laden gut und gerne noch mehr Hardcore vertragen, 🙂 wobei es fürs erste Mal schon ganz gut gelaufen ist. Als Hardcore empfinde ich im Moment viel mehr die genannten Öffnungszeiten, ich stehe seit nun einem Jahr konsequent 62,5 Stunden pro Woche im Laden, und werde mir zum einjährigen Geburtstag eine Reduktion auf 60 Stunden schenken können, das ist doch schon was!

Gibt es einen Tipp den Du uns unbedingt ans Herz legen willst?

Machen, machen, machen und Gut Ding will Weile haben.

Tipps ergeben sich aus gemachten Erfahrungen… Was war bislang Deine größte Herausforderung; was Dein größter Erfolg?

Größte Herausforderung: Durchhalten – kräftemäßig. Mein größter Erfolg – galore#.

Wo siehst Du Dich und Deinen Conceptstore in fünf Jahren?

Genau da, wo wir jetzt sind, nur kontinuierlich weiterentwickelt. Mit größerem Team, 55 h Präsenzzeit, 2 Wochen Jahresurlaub, noch schönerer Latte-Art, noch größerer Kuchenauswahl, noch bunteren Events und vielen schönen, neuen, weiteren Produkten, Gerichten, Menschen und Freunden, die es zu entdecken, kennenzulernen und zu gewinnen gilt. Das wäre schön!

Vielen Dank, Sandra, für das Interview! Freue mich auf unser gemeinsames Frühstück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen