#Gründerinnen50plus: „Ich war immer schon eher die Führende als die Folgende“ – Texterin und SEO-Beraterin Sabine Krink

Foto Super Sabine - Sabine Krink

Sabine Krink alias Super Sabine hat schon einiges erlebt: Die Gründung einer Agentur. Die Eröffnung ihres eigenen Ladens. Und, beinahe die Privatinsolvenz. Das hat sie aber nicht davon abgehalten es weiterhin mit der Selbstständigkeit zu versuchen. Im Interview erzählt sie uns ihre ganze Geschichte – und hält am Ende noch wertvolle Tipps für uns bereit.

Liebe Sabine, Du bist seit über 15 Jahren selbstständig – mit den unterschiedlichsten Projekten. Bevor wir uns die genauer ansehen, verrate uns doch, warum Du Dich damals für die Selbstständigkeit entschieden hast?

Ich war immer schon eher die Führende als die Folgende 😉 Schon in der Schule wurde ich jedes Jahr zur Klassensprecherin gewählt und habe stets Projekte initiiert, vorangetrieben und mich für eine Verbesserung der Welt eingesetzt. Lange Zeit habe ich mich im feministischen Bereich engagiert. Später habe ich dann einen Kindergarten als Vereinsvorsitzende gegründet und ins Laufen gebracht, als es zu wenig Kita-Plätze gab.

Im Berufsleben hat sich diese Tendenz, zu führen, fortgesetzt: Ich gab Schulungen, leitete Promotionkräfte an, unterrichtete Mitarbeiter, organisierte Messen und Fortbildungen. Als ich im Angestelltenverhältnis in einem männerdominierten Unternehmen merkte, dass ich trotz hohen Einsatzes zu wenig verdiente und es für mich dort keine Chance auf eine Leitungsposition gab, kündigte ich. In dem Moment war es eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Die habe ich allerdings nie bereut. Ich liebe es, selbstständig zu sein – trotz der Tiefen, die ich durchlebt habe.

2001 hast Du eine Agentur für Moderation und Präsentation gegründet. Wie kam es dazu?

Da ich bereits im Bereich Schulung und Präsentation für das Unternehmen gearbeitet hatte, in dem ich davor angestellt war, entwickelte ich die Agentur als logische Konsequenz. Ich mag es, mein Wissen weiterzugeben und ich kam sowohl vor Menschen live als auch vor der Kamera (damals vorwiegend im Teleshopping) gut an.

Das ist bis heute so geblieben und ich mache ja wieder etwas Ähnliches, wenn auch mit anderen Inhalten: Ich begeistere Menschen durch Kurse und Vorträge; durch mein Sein. Schon spannend, zu sehen, wie sich da der Kreis schließt. 😉

Ich nehme an, dass es diese Agentur nicht mehr gibt. Richtig? Warum hast Du sie aufgegeben? Etwa, weil Du 2003 einen Laden für Trendschmuck und Uhren in Köln eröffnet hast?

Genau, die Agentur gibt es nicht mehr, denn ich habe zusammen mit meinem Lebenspartner einen wunderschönen Laden mitten in Köln auf der Ehrenstraße eröffnet.

Nach drei Jahren hast Du Deinen Laden wieder geschlossen. Warum?

Tja, oberflächlich betrachtet war der Grund der Schließung, weil wir pleite waren. Und dazu kam es, weil nach knapp 12 Monaten direkt neben unserem Laden eine Großbaustelle eröffnete. Der gesamte Kundenstrom wurde auf die andere Straßenseite geleitet, sodass unser Laden quasi nicht mehr erreichbar war. Statt der angekündigten 3 Monate zog sich der Bau über 9 Monate hin. Täglicher Staub, Lärm, keine Kunden, kein Umsatz zermürbten uns.

Nach der Baustellenzeit fingen wir quasi wieder von Null an. All unsere finanziellen und kräftemäßigen Reserven waren aufgebraucht. Wir schafften den zweiten Anlauf nicht. Außer unserem Laden schlossen damals 8 weiter Geschäfte in dieser Straße. Alle, weil sie die Einbrüche durch die immense Belastung durch die Großbaustelle nicht überlebten.

Welche Learnings hast Du aus diesen beiden Selbstständigkeiten – die aus meiner Sicht sehr unterschiedlich sind – gezogen?

Jetzt kommen wir zum Tiefergründigen. 😉 Denn der Laden war der Wunsch und Traum meines Partners. Und nicht meiner. Genau hinzuschauen, gelang mir aber erst Jahre nach der Ladenschließung. Ich wollte mir das lange nicht eingestehen, dass ich mich selbst da belogen und etwas gemacht habe, was ich nicht wirklich zu 100 % wollte. Das konnte folglich nicht wirklich gelingen. Auch wenn wir an der Pleite nicht „Schuld“ waren.

Ich denke inzwischen, dass das Leben mich da rausgeführt hat, weil es nicht wirklich „mein Ding“ war. Das Gleiche gilt für die Agentur. Es war quasi die erste Idee, die ich hatte. Damals habe ich mich noch nicht so vom Leben leiten lassen, wie ich das heute tue. Es war alles sehr kopfgesteuert und Überlegungen wie „Was bringt Geld?“ zählten mehr als „Was macht mir Freude?“

Mein Haupt-Learning daraus war: Tue, was Dir Freude bereitet! Und tue nichts Deinem Liebsten zuliebe oder des Geldes wegen.

Auf Deiner Über-mich-Seite auf Deiner Website schreibst Du: “(…) ich habe inzwischen 5 Mal ein Business aufgebaut, wovon eines richtig Pleite gegangen ist und ich mit einem Berg Schulden neu durchstarten durfte.” Magst Du uns mehr erzählen?

Damit meine ich den Laden. Wir sind mit einem riesigen Berg an Schulden aus dem Laden-Projekt ausgestiegen.

Wie hast Du diesen “Misserfolg” gemeistert? Reden wir hier auch von Privatinsolvenz?

Es ist uns geglückt, NICHT in die Insolvenz gehen zu müssen. Ich habe alles an materiellen „Sicherheiten“ verloren, was ich hatte (inklusive einem Anteil am eigenen Haus), aber meine Freiheit habe ich behalten.

Wir haben 1 Jahr mit der Bank verhandelt und einen für uns machbaren Deal herausgeholt – ohne Insolvenz. Das war ebenfalls ein wichtiges Learning: Mit Banken kannst Du verhandeln, wenn Du weißt, wie 😉 Und wenn Du überzeugt davon bist, dass es auch anders geht. Ich wollte partout nicht in die Insolvenz, weil mir die Aussicht auf 7 Jahre Kontrolle ein Gräuel war. Das trieb mich an, in den Verhandlungen hartnäckig und geduldig zu bleiben.

Zudem haben mein Liebster und ich zunächst nahezu jeden Job angenommen, um wieder auf die Füße zu kommen. Ich habe unter anderem sehr viel Geld im virtuellen Erotik-Business verdient, um uns 3 durch zubringen. Lange habe ich mich dafür geschämt. Heute sehe ich das als einen sehr kämpferischen Teil meines Lebens an. Da sind manchmal auch solche Wege nötig. Meine Tochter machte grade Abitur und ich wollte unbedingt, dass sie das in Ruhe machen konnte, obwohl sie anbot: „Mama, dann verdiene ich halt jetzt auch Geld und mache das Abi nicht.“

Auch das war ein Learning: Mich bringt nichts um und mein Mutter-Herz entwickelt Löwinnenkräfte, wenn es darauf ankommt, meine Liebsten zu schützen und vor Schaden zu bewahren. Da wachse ich über mich hinaus.

Nichtsdestotrotz war das eine harte Zeit.

Im Jahr 2008 hast Du Dich dann als Texterin selbstständig gemacht. “Ich liebe das Schreiben schon seit ich 7 Jahre alt bin und wusste immer, dass es das ist, was ich tun will (…)”, schreibst Du auf Deiner Website. Demnach war Dein Start als Texterin wohl die logische Konsequenz, oder?

Ja, ich habe immer geschrieben, unter anderem diverse Fach- und Diplomarbeiten für Freunde von mir 😉 Psssst …. Ich wusste, dass ich sehr gut im Schreiben und Recherchieren bin und Deutsch war immer mein Lieblingsfach.

Einmal habe ich mich mit einer Deutschlehrerin angelegt, weil sie mir trotz eines fehlerfreien Aufsatzes „nur“ eine 1 Minus gab. Als ich sie fragte, warum, sagte sie, dass niemand eine glatte Eins bekäme, weil es den perfekten Aufsatz nicht geben würde. Das habe ich nicht akzeptiert und bin bis zur Direktorin gegangen. Ich habe die glatte Eins bekommen. Wenn es um Sprache und Schreiben ging, war immer meine volle Leidenschaft da.

Der Job als Texterin fiel mir buchstäblich zu. Ich „stolperte“ im Internet darüber. Und da habe ich auf das Leben gehört und mich einfach beworben. Das war der Beginn meiner Karriere als selbstständige Texterin.

Heute, neun Jahre später, schreibst Du immer noch. Unterstützt darüber hinaus aber noch im Bereich redaktionelles SEO, gibt’s Kurse und Workshops. Wie bist Du an den heutigen Punkt Deiner Selbstständigkeit gekommen?

Suchmaschinenoptimierung zu lernen und immer mehr Know-how in diesem Bereich zu erlangen, war im Laufe der Zeit notwendig. Denn ich schrieb und schreibe unter anderem Texte für große Unternehmen, zum Beispiel für renommierte Onlineshops. Da reichte es nicht, schöne Texte zu schreiben. Die mussten auch super in Google ranken. So habe ich SEO gelernt und gelernt und gelernt …. Bis ich zur SEO-Expertin im Bereich Content Marketing und OnPage-Optimierung wurde.

Außer Webseiten-, Blog- und Produktexte schreibe ich Songtexte und Lyrics. Das ist quasi meine zweite Seite als „Schreiberin“ 😉 Der Versuch, mit dieser zweiten Seite zusammen mit einer Sängerin durchzustarten, scheiterte an unterschiedlichen Zielen. Wir gründeten zwar „Verinnere dich“ und brachten den gleichnamigen Song mit einem tollen Musikvideo heraus, doch das war es. Ich wollte den Mega-Erfolg und war bereit, dafür auch Mainstream-Songtexte zu schreiben. Sie wollte etwas anderes.

In dieser kurzen aber spannenden Zeit von „Verinnere dich“ lernte ich sehr viele Frauen kennen und mein Netzwerk entwickelte sich im Turbogang. Dabei kam ich mit großartigen Frauen in Kontakt, die teils interessante Business-Projekte machten, Top-Coaches, Shopbetreiberinnen mit klasse Produkten oder Künstlerinnen waren, tolle Botschaften hatten und sich engagiert für die Welt einsetzten. Nur keiner kannte sie!

Sie wussten nicht, wie Online Marketing geht und schon gar nicht, was SEO damit zu tun hat. Ich schon! Da wurde mir klar, dass es an der Zeit war, mein Know-how weiterzugeben. Super Sabine war dann der Weckruf des Lebens, das mir eines Morgens im Juni 2016 sagte:

„Geh los, Super Sabine!“

Du hättest sehen sollen, wie sehr ich da in den Widerstand gegangen bin! 😉 Ich wollte das zuerst nicht und ein Business als Super Sabine gründen. Doch dann war mir klar, dass es verdammt nochmal meine Aufgabe ist, den Menschen und vorwiegend Frauen weiterzugeben, was ich weiß. Ich spürte, es ist meine „Berufung“, mich mit meinem Wissen und meinem Sein richtig sichtbar zu machen. Also nahm ich Super Sabine – auch als Namen – an 🙂 und gebe heute all das weiter, was ich als Business-Know-how und als Lebenserfahrung in mir trage.

Mit Deinen Kursen richtest Du Dich speziell an Frauen. Warum?

SEO zu vermitteln ist eine Männerdomäne. Viele Frauen steigen bereits beim ersten Satz aus, wenn sie in einem SEO-Vortrag sitzen, den ein Mann hält. Fachbegriffe schießen Dir da um die Ohren, dass selbst ich die innerliche Flucht ins Abschalten ergreife. Dabei ist SEO gar nicht so schwer! SEO und gute Texte schreiben kann jede Frau lernen. Das ist wichtig, damit die Frauen und ihre Webseiten von den Menschen gefunden werden, mit denen sie arbeiten wollen, und damit sie ihre Botschaften in die Welt tragen können und von vielen wahrgenommen werden.

Deshalb biete ich SEO von Frau zu Frau an. Auch meine Webseitenberatungen richten sich explizit an Frauen, weil ich sie besser verstehe und sie mich. Ich möchte Frauen unterstützen, sich sichtbar zu machen, um wirksam zu sein. Denn ich glaube, unsere Welt braucht mehr voll gelebte Frauenpower. Die Zeit ist reif, um die Welt anders zu lenken, als nur über den Kopf und Verstand.

Gerade auf der Business-Ebene spielen so viel mehr Faktoren eine Rolle als nur Geld verdienen, Analyse, Erfolg. Ich spreche da eine Frauensprache und gebe auch so Tipps wie:

„Trau Deiner Intuition!“

Wenn ich das einem Business-Mann sage, ernte ich meistens Kopfschütteln.

Auf Deiner Website konnte ich lesen, dass Du nicht zwischen Arbeit und Leben unterscheidest. Viele nehmen hier eine klare Teilung vor. Warum Du nicht?

Ich höre ja nicht zu einer bestimmten Uhrzeit auf zu leben. Ich lebe immer. Ob ich arbeite oder etwas anderes tue. Alles bin ich. Alles ist eins. Ich liebe, was ich tue (= arbeite), und deshalb ist jeder Tag ein erfüllter Tag, an dem ich das Leben genieße.

Du bist Mutter einer Tochter. Hast Du Dich durch sie jemals beruflich eingeschränkt gefühlt?

Ich hatte nicht das Gefühl von Einschränkung, weil ich meine Tochter (heute 28 Jahre) über alles liebe und es wundervoll finde, dass es sie gibt! Sie ist das schönste Geschenk überhaupt, das mir das Leben bereitet hat. Allerdings stellte sich als alleinerziehende Mutter oftmals einfach nicht die Frage: „Was will ich arbeiten?“ sondern eher „Wie verdiene ich Geld, um uns durchzubringen?“

Das zu machen, was ich wirklich von Herzen liebe, nämlich schreiben, anderen etwas von meinem Know-how weiterzugeben und Frauen zu unterstützen, das tue ich ja schon mein ganzes Leben. Mal mit, mal ohne Geld-Ausgleich 😉 Insofern habe ich mich in meinem Wirken nie eingeschränkt (gefühlt). Manchmal gab es halt Jobs, die ich nicht so liebte, die aber Geld brachten. Die machte ich dann einfach. Meistens suchte ich mir allerdings schon berufliche Betätigungsfelder, die mir wenigstens annähernd entsprachen. Und heute mache ich, was ich durch und durch liebe!

Welche Vor- und Nachteile siehst Du für Dich und Dein Business als #Gründerin50plus?

Der größte Vorteil ist sicherlich meine immense Erfahrung, gerade weil ich so viel Verschiedenes gemacht habe. All das Erlebte fließt in mein neues Business „Super Sabine“ und in meine Beratungen ein. Ich bin entspannter, gerade auch, weil ich weiß, dass nicht einmal eine Pleite mich unterkriegen kann. Und ich traue viel mehr meinem Gefühl. Wenn mein Bauch zuckt, sage ich zu Angeboten inzwischen konsequent nein. Da spielt der mögliche Verdienst keine Rolle.

Ebenfalls als Vorteil, sehe ich meine große Freude, bei all dem was ich tue, an. Meine Dankbarkeit für die Freiheit, die ich durch mein selbstständiges Leben habe, ist ebenfalls ein Vorteil. Ich tue etwas, was mir durch und durch Spaß macht! Ich arbeite, wann und wie viel ich will! Ich lerne spannende Frauen kennen! Ich schreibe täglich! Wow, das ist doch gigantisch! Und: Ich weiß das zu schätzen und zu würdigen. Das war mir früher nicht so bewusst.

Nachteile sehe ich … keine. Ich habe lange darüber nachgedacht. Doch ich denke, dass alles, was geschieht, zur rechten Zeit geschieht. Deshalb gibt es da keine Nachteile. Ich nehme das Leben so an, wie es kommt und was es mir als Herausforderungen oder Geschenke gibt. Na klar bin ich mit 50+ in manchen Dingen langsamer als mit Mitte 20 oder sagen wir es so: Ich brauche mehr Zeit. Doch ist das ein Nachteil? Für mich nicht.

Hast Du einen Rat an Frauen, die in Deinem Alter sind und mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Ich würde all das auch einer Mitte 30-Jährigen sagen 😉 Hier meine 7 Tipps:

1. Leg los! Egal, was Du planst, starte zügig. Denn ein Großteil wird eh anders kommen, also plane nicht alles bis ins kleinste Detail, das spart viel Zeit und Energie.

2. Probier viel aus und folge dem, was funktioniert und sich gut anfühlt.

3. Setze um, was Spaß macht.

4. Geh mit dem Leben und schau, was Deine Intuition dazu sagt. Vertrau dem Bauchgefühl. Es lenkt Dich weise.

5. Suche Dir andere Menschen zum Austausch und bilde ein Netzwerk. Du musst nicht alles allein können und auch nicht alles mögen. Gib ab, was Du nicht kannst oder nicht magst, und konzentrier Dich auf Deine Stärken.

6. Sei jeden Tag dankbar für das, was heute war und würdige Dich und Dein Wirken.

7. Lebe!

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