„Ich bin eine One-Women-Show, da zeige ich gerne, wer hinter den Dienstleistungen steht“ – Polypreneurin Romy Geßner

Romy Geßner

Unseren treuen Facebook-Fans wird der Name Romy Geßner schon vertraut vorkommen, hat sie doch die Fotos für unser Format #InterviewOhneWorte geschossen.

Damit ist auch schon verraten, was Romy beruflich macht. Romy ist Fotografin, spezialisiert auf Portrait- und Businessfotografie. Nach Andrea und Sabine ist sie eine weitere selbstständige “Kamerafrau” die wir zum Interview gebeten haben. Romy kann aber nicht nur mit Bildern, sondern auch mit Worten. Ihre zweite Passion ist das Übersetzen – Englisch, Spanisch, Deutsch … und Fragen beantworten. 😉

Liebe Romy, Du hast zwei Standbeine: die Fotografie und das Übersetzen mit Gretel Translations. Warum hast Du Dich für zwei und nicht nur eine Leistung entschieden?

So eine richtige Entscheidung war das anfangs gar nicht. Ich bin Diplom-Übersetzerin und habe mich in dem Beruf nach 5 Jahren in Festanstellung selbständig gemacht. Meine neu gewonnene Freiheit habe ich dazu genutzt, meinem Hobby, der Fotografie, wieder intensiver nachzugehen. Die Fotografie hat sich dann sehr schnell verselbständigt, so dass ich mich letztes Jahr dazu entschieden habe, ganz bewusst als Polypreneurin (Multipotentalite aka Polymath + Entrepreneur, Anm. d. Redaktion) unterwegs zu sein.

Die Berufe passen sehr gut zusammen. In beiden arbeite ich für einzelne Projekte, kann stundenweise planen. Ich kann sowohl in Ruhe im Büro oder Home Office arbeiten oder bin viel unterwegs mit den Kunden. Über Abwechslung kann ich mich also nicht beklagen.

Wie kam es zu Deiner Selbstständigkeit? Gab es einen bestimmten Schlüsselmoment, der zu Deiner Selbstständigkeit führte?

Nicht wirklich. Die meisten Übersetzer arbeiten freiberuflich. Bereits während des Studiums habe ich frei gearbeitet. Im Anschluss wollte ich jedoch erst einmal das Konzernleben mit Kollegen und Chef richtig kennen lernen. Es war aber von Anfang an klar, dass ich im Anschluss sehr wahrscheinlich in die Selbständigkeit gehe.

Der finale Grund war dann, dass ich im Unternehmen keine beruflichen und finanziellen Weiterentwicklungsmöglichkeiten mehr hatte.

Mit welchem Bereich bestreitest Du derzeit Dein Haupteinkommen? Woran denkst Du liegt das?

Das lässt sich so genau nicht sagen. Aufs Jahr gesehen sind es wohl die Übersetzungen. Aber es gibt Monate, in denen ich fast ausschließlich fotografiere. Da mein Foto-Business noch in den Kinderschuhen steckt, kann sich da noch einiges ändern. Ich habe in den letzten Jahren in dem Bereich viel Zeit in die Weiterentwicklung und nicht so sehr ins Geldverdienen investiert.

Die Internetseiten zu Deinen Angeboten sind beide sehr hübsch anzuschauen und wirken professionell. So wie es sein sollte. Dennoch vernachlässigen viele ihren eigenen Webauftritt – auch Selbstständige. Wie wichtig ist für Dich die digitale Webvisitenkarte?

Also Fotografin ist das sehr wichtig. Ich biete ein visuelles Produkt an, da muss auch meine visuelle Visitenkarte professionell aussehen. Meiner Meinung nach gilt das heute aber für jedes Business. Vor dem Kauf informiere ich mich online über ein Produkt oder eine Dienstleistung. Spricht mich die Seite nicht an, kaufe ich sehr wahrscheinlich nicht dort – es sei denn, es gibt keinen anderen Anbieter oder das Produkt ist so toll, dass ich die schlechte Webpräsenz in Kauf nehme.

Ich finde es wichtig, dass auf einer Webseite auch mindestens ein gutes Foto des Unternehmers, mit dem ich es zu tun habe, zu sehen ist. Das sorgt für Vertrauen – insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Welche Rolle spielt Social Media für Dich als Selbstständige?

Ohne Social Media geht es nicht. Ich informiere mich hauptsächlich über Social Media über Veranstaltungen, Weiterbildungen usw. Netzwerken ist dank Social Media viel einfacher geworden. Und nicht zuletzt erreiche ich (insbesondere beim Thema Fotos) viele meiner Kunden über diverse Social-Media-Kanäle.

Die Leute wollen wissen, wie meine Fotos entstehen, auf welchen Veranstaltungen ich bin und wie das so beim Shooting abläuft. Und auch wie ich als Selbständige meinen Arbeitsalltag meistere. Ich bin eine One-Women-Show, da zeige ich gerne, wer hinter den Dienstleistungen steht. Das gehört heute einfach dazu.

Wie akquirierst Du Deine Kunden? Wie viel Prozent macht das Empfehlungsmarketing dabei aus?

Empfehlungsmarketing ist das A und O. Mindestens 75% meiner Übersetzungskunden kommen über Empfehlungen, für Fotos ist der Anteil noch etwas höher. Ansonsten lerne ich viele Menschen auf Veranstaltungen, Messen, beim Businessfrühstück und in Workshops kennen oder man findet mich über meine Webseiten.

Wie bist Du eigentlich zur Fotografie gekommen? Hast Du eine Ausbildung gemacht oder hast Du Dir Deine Skills selbst angeeignet?

Wie schon kurz angerissen, war die Fotografie eigentlich ein Hobby. Ich habe mir viele Dinge selbst beigebracht. Vor einigen Jahren besuchte ich dann einen Einsteiger-Fotokurs bei einem People-Fotografen und habe Blut geleckt. Nach 2-3 weiteren Workshops habe ich über ein Jahr geübt, geübt, geübt und dann wieder Workshops besucht. Nebenbei Tutorials online geschaut, Webinare besucht und als Assistenz von anderen Fotografen gelernt. Das mache ich noch heute so. Man lernt ja nie aus.

Romy Geßner

Gibt es einen Kurs, einen Workshop oder eine Weiterbildung die Du Leuten empfehlen kannst, die sich in Sachen Fotografie weiterbilden wollen?

Das kommt natürlich ganz drauf an, in welchem Bereich man unterwegs ist. Zu Beginn ist ein Technik-Einsteigerkurs sehr empfehlenswert, damit man sich gar nicht erst falsche Arbeitsschritte aneignet und von Anfang an weiß, wie man die Kamera richtig bedient. Danach muss man viel ausprobieren. Der eine mag Online-Kurse lieber, der andere bevorzugt einen Workshop, in dem man direkt vor Ort Fragen stellen kann.

Ab einem bestimmten Niveau hat mir der direkte Kontakt mit anderen Fotografen sehr geholfen. So habe ich mir beispielsweise mit einem befreundeten Fotografen ein Thema rausgesucht, ein Model gebucht, dann haben wir zu zweit Technik geübt. Das Model mussten wir kaum anleiten, so konnten wir uns auf unser Thema konzentrieren. Das bringt mir heute oft mehr als ein Workshop mit 10 Teilnehmern.

Ich schaue mir auch gern von anderen Fotografen ab, wie sie arbeiten. Ich bin dann beim Shooting dabei, halte einen Reflektor, schleppe Zeugs hinterher und speichere Bilder ab. Und nebenbei lerne ich wie der Hase läuft. Auch ich nehme gerne Fotografieeinsteiger mit. Das ist meist eine Win-Win-Situation.

Worauf kommt es bei einem guten Foto eigentlich an?

Das liegt im Auge des Betrachters. Für meine Fotos ist mir wichtig, dass der echte Mensch sichtbar wird. Egal ob die Portraits im unternehmerischen oder privaten Rahmen entstehen – nur wenn mein „Model“ (es sind ja fast immer Normalos wie Du und ich) entspannt ist und nicht extrem post und darauf bedacht ist, möglichst perfekt auszusehen, entsteht so etwas wie Magie und ich kann das echte Ich einfangen. Das klappt nicht immer. Es gehört viel Vertrauen dazu – Fotografie ist etwas sehr Intimes.

Regeln, wie ein Bild aufgebaut sein muss oder wie ein Business-Bild auszusehen hat, interessieren mich dabei weniger. Wenn meine Kunden das Shooting mit einem Lächeln beenden und zum Ergebnis begeistert „Das bin ja wirklich ich!“ sagen, dann sind es für mich gute Fotos.

Und was glaubst Du macht eine “gute” Selbstständige aus? Welche Eigenschaften sollte man als Gründer, Solopreneur, Freelancer… mitbringen?

Ganz wichtig: Leidenschaft für die eigene Arbeit, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft immer weiter dazuzulernen. Talent und Können ist eine Grundvoraussetzung.

Als gute Selbständige hat man ein großes Netzwerk und scheut sich nicht, bestimmte Arbeiten auszulagern. Beispielsweise nimmt mir mein Steuerberater den Finanzkram ab und ich arbeite mit einer Marketingstrategin. Außerdem habe im Coaching und in Workshops viel über mich und meine Selbständigkeit gelernt und tausche mich in einer Art Mastermind-Gruppe mit anderen selbständigen Frauen aus. All das hilft mir sehr, meinen Weg zu finden, kleine Tiefs zu überwinden und mich immer weiter zu entwickeln.

Wie sieht eigentlich der perfekte Kunde für Dich aus? Oder anders gefragt: Was macht den Kunden aus der Hölle für Dich aus? 😉

Zum Glück habe ich wenige Kunden aus der Hölle, aber die gibt es natürlich. Für mich sind das Kunden, die nicht wissen, was sie wollen, sich später nicht mehr an das Briefing erinnern und im Nachhinein auf Teufel komm raus rummäkeln müssen. Natürlich läuft auch mal was schief, aber das lässt sich – sowohl bei den Fotos als auch den Übersetzungen – in den meisten Fällen gütlich klären.

Meine liebsten Kunden sind die, die an ihrem Job Spaß haben und auch entspannt und fröhlich an die Zusammenarbeit mit mir herangehen. Dann findet sich selbst in der stressigsten Situation ein nettes Wort und eine gute Lösung.

Lass uns zum Schluss noch einen kleinen Ausblick in 2017 warten: Worauf können wir uns bei Dir im nächsten Jahr freuen? Wird es ein besonderes Angebot geben, einen Workshop…

Nächstes Jahr werde ich auf vielen Veranstaltungen, wie der Social Media Week oder der re:publica, sein. Im Rahmen dieser Veranstaltungen wird es passende Angebote geben, über die ich kurz vorher per Newsletter informiere.

Ich werde online noch öfter einen Blick hinter die Kulissen meiner Fotoarbeit gewähren. Zudem arbeite ich derzeit an Workshops zum Thema Übersetzungen im Büroalltag, damit auch Nichtübersetzer wissen, mit welchen Tipps und Tricks man Texte gekonnt in eine andere Sprache überträgt.

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