In Nora Ramms Café »Mit Herz und Zucker« „steckt viel Herzblut drin“. Ein Interview.

Nora Ramm

Was wäre eine Geburtstagsfeier ohne Kuchen, dachte ich mir und machte mich für unsere FF&-Geburtstagsparty vergangenen Donnerstag auf die Suche nach einem Hamburger Café, das uns einen Geburtstagskuchen sponsert. Ich bin fündig geworden!

Am Ende hatten wir sogar drei leckere New York Cheesecake, die uns die liebe Nora Ramm, Gründerin des Cafés „Mit Herz und Zucker“, zur Verfügung gestellt hat.

Liebe Nora, Du hast im September 2016 Dein Café Mit Herz & Zucker eröffnet. Wie liefen die ersten 3. Monate?

Die ersten drei Monate waren natürlich sehr turbulent. Ich konnte mir zwar in etwa vorstellen, was auf mich zukommen sollte, aber dann „live“ mittendrin zu stecken ist doch etwas anderes. 🙂

Man entdeckt noch so vieles, was vielleicht noch nicht ganz fertig ist und möchte alles auf einmal umsetzen, aber darin musste ich mich auch in Geduld üben. Es hat zum Glück aber alles geklappt und die ersten 3 Monate liefen super. Die Kunden fühlen sich wohl und die Produkte und das Konzept kamen gut an.

Wie bist Du auf den Namen gekommen?

Einen passenden Namen zu finden war tatsächlich eine Herausforderung. Ich wollte etwas finden, was – na klar – schön klingt, aber auch zeigt, wofür das Café steht. Wir stellen alle Produkte von Brot über Croissant bis zu den Kuchen selbst und aus ausgewählten Zutaten her, hier steckt viel Herzblut drin. Zucker kann sowohl für die süßen Speisen stehen, aber auch einfach für die umgangssprachliche Redensart „Zucker“ für etwas, das einem dem Tag versüßt.

Und: Wer hat Dein Logo designed? Hast Du bei der Entwicklung mitgewirkt?

Meine beste Freundin ist Grafikerin und hat das Logo designed. Um ehrlich zu sein stand das Corporate Design schon fest, als das Café noch eine Idee war und der Name noch nicht mal gefunden war. Es war irgendwie von Anfang an klar, dass im Logo ein Herz auftauchen soll – natürlich haben wir zusammen noch ein paar Sachen ausprobiert, Farbe und Schrift, verändert. Das Türkis stand dann allerdings erst fest als ich mich für eine Einrichtung entschieden habe. Das geschah relativ kurz vor der Eröffnung.

Wie hast Du die Location gefunden, in der Du Dein Café eröffnet hast? Gab es auch noch andere Räume, die in Frage gekommen wären? Wenn ja, warum sind diese letztendlich ausgeschieden?

Die Idee eines eigenen Cafés schwirrte zwar zu jeder Zeit in meinem Kopf, aber ich war nie krampfhaft auf der Suche nach einem Standort. Schließlich befand ich mich auch in einem festen Arbeitsverhältnis. Ab und zu habe ich auf der Internetplattform „nexxt change“ – eine Art Unternehmensbörse, auf der Kontakte zwischen Betriebsinhabern und Nachfolgeinteressenten geknüpft werden können – geschaut und dort meine Vorgängerin kennen gelernt.

Sie hat am gleichen Ort ein Café betrieben, wollte aber aufhören, um die Zeit ihren Kindern zu widmen. Ich habe dann bei ihr mitgearbeitet und konnte mir ein genaues Bild machen. Es ist keine typische Gegend für ein Café, obwohl hier viele Leute wohnen und arbeiten und auch viele Schulen im Umkreis sind. Ich habe Potenzial gesehen und es dann einfach gemacht. Ich würde es als gut überlegtes Bauchgefühl bezeichnen.

Wenn ich das richtig sehe, haben Deine Eltern eine Konditorei mit angeschlossenem Café in Itzehoe. War es da unausweichlich, dass Du auch mal ein Café besitzt? 😉

Das kann gut sein. Ich bin quasi in einem Café aufgewachsen und habe alles von der Pike auf mitbekommen. Vor allem habe ich mitbekommen, wie schön es ist, seine eigenen Ideen umzusetzen und sich selbst mit der Selbstständigkeit zu verwirklichen, genau das wollte ich auch.

Trotzdem habe ich mich nach der Schule erstmal für ein duales Studium entschieden und danach in verschiedenen Positionen (auch in der Gastronomie) gearbeitet – ohne jemals den Gedanken an eine eigene Selbstständigkeit zu verlieren.

Durch Deinen familiären Background hast Du sicher schon viele Erfahrungen sammeln können und wusstest von Anfang an was auf Dich als Café-Besitzerin zukommt. Welche Tipps hast Du für angehende Café-Gründerinnen? Worauf müssen sie sich einstellen?

Für mich war es sehr hilfreich, dass ich schon Erfahrungen im Gastronomiebereich sammeln konnte – sowohl im elterlichen Betrieb als auch woanders. Nehmt euch also die Zeit, diese Erfahrungen auch zu machen, bevor ihr startet. So weiß man mit allen Vor- und Nachteilen, die ein Cafébetrieb mit sich bringt, ob man sich es wirklich zutraut. Natürlich kann man auf diesem Wege auch viel Knowhow sammeln – von der Gestaltung der Arbeitsabläufe über Mitarbeiterführung bis hin zu lebensmittelrechtlichen Vorschriften.

Gab es dennoch etwas, dass auch Dich überrascht hat? Ist vor, während oder nach der Eröffnung etwas eingetreten mit dem Du so nicht gerechnet hattest?

Ich wollte am Anfang vieles selbst in die Hand nehmen und von heute auf morgen umsetzen, „Das muss irgendwie alles klappen.“ Dann habe ich aber gemerkt, dass ich dann schnell an meine Grenzen stoße. Der Tag hat ja leider nicht mehr als 24 Stunden. Ich habe angefangen, zu delegieren, Prozesse einheitlich zu definieren und auch Verantwortung an das Team abzugeben.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um ein Café zu führen?

Durchsetzungsvermögen, Kreativität, Serviceorientierung und genug Energie 🙂

Wie habe ich mir einen Tag bei Dir im Laden vorzustellen? Beschreibe mir Deinen Alltag.

Der Erste startet morgens schon um 6 Uhr 30 und beginnt damit, die Frühstücksvorbereitungen zu erledigen und das Brot & die Brötchen zu backen. Pünktlich um 8 schließen wir dann auf, begrüßen die ersten Gäste im Café oder verkaufen Kaffee und Brötchen to go.

Schon während des Frühstücksgeschäfts bereiten wir das Mittagessen vor. Neben festen Gerichten in der Karte, z. B. Suppe, Quiche oder Paninis, gibt es immer auch ein Tagesgericht. Dies geht dann nahtlos ins Nachmittagsgeschäft über, wo wir unsere selbstgebackenen Torten und Kuchen und natürlich Kaffee verkaufen, Zwischendurch werden Bestellungen und sonstige Büroaufgaben getätigt, der nächste Tag vorbereitet oder an neuen Kreationen sowohl im süßen als auch herzhaften Bereich getüftelt. Um 18 Uhr ist Feierabend – jedenfalls in der Theorie.

Machst Du im Laden alles selbst oder hast Du Angestellte?

Ich habe zum Glück ein kleines junges Team, das mich unterstützt. Schon vor der Eröffnung habe ich Iris kennengelernt, sie kommt frisch aus der Ausbildung zur Konditorin und mit ihr zusammen entwickle ich viele Produkte. Mir ist es wichtig, dass alle Mitarbeiter hinter dem Konzept stehen, Ideen einbringen wollen, damit wir das Café gemeinsam weiterentwickeln.

Woher hast Du das Geld genommen, um das Café zu eröffnen? Haben Dich Deine Eltern (finanziell) unterstützt?

Ich habe im gesamten Planungs- und Gründungsprozess Unterstützung von meinen Eltern und Freunden bekommen. Über die Zusammenarbeit und liebevolle Unterstützung von Beginn an bis heute bin ich sehr dankbar.

Ich bin froh darüber, dass ich mit meinem geplanten Konzept überzeugen konnte und es privat finanzieren konnte.

Unterstützung… Du hast bereits eine kleine Community auf Deinen zum Café gehörigen sozialen Netzwerken. Welche Rolle spielt für Dich (als Café-Besitzerin) Social Media?

Gerade für Cafés oder Restaurants spielt Social Media eine große Rolle. Es ist die virtuelle Mund-zu-Mund-Propaganda: Gäste informieren sich über neue innovative Angebote, sie sehen, was Freunde liken oder teilen im Idealfall selbst Fotos von ihrem Besuch. Für uns geben die Social-Media-Kanäle, insbesondere Facebook und Instagram, die Möglichkeit, immer präsent zu sein und die Gäste mit neuen Infos z. B. über unsere Produkte zu versorgen.

Auf Deinem Instagram-Kanal habe ich gesehen, dass das ZDF vor ein paar Wochen bei Dir zu Gast war. Warum? Darfst Du uns ein bisschen was verraten?

Leider gibt es keine „Mit Herz & Zucker“-Serie zur Primetime… obwohl wir sicherlich manchmal spannende Geschichten liefern könnten 😉 Wir haben als Hintergrundkulisse für eine Dokureihe des Magazins ZDFzeit fungiert. Im März wird die Folge ausgestrahlt und wir sind schon gespannt, was schlussendlich gezeigt wird.

Dein Café ist ja noch recht jung. Wie sieht Dein Plan für die nächsten Monate aus? Und, wo soll es für Dich persönlich hingehen?

Es gibt noch ganz viele Ideen, die umgesetzt werden wollen – aber alles zu seiner Zeit. Ich freue mich auf die kommenden Monate und darauf, das Konzept weiterzuentwickeln, das Team noch mehr einzubeziehen und Strukturen nachhaltig aufzubauen. Und wenn das geschafft ist, habe ich Zeit, über den Tellerrand hinaus zu blicken und wer weiß, was dann noch kommen kann.

Gibt es einen Rat, den Du angehenden Gründerinnen mitgeben möchtest – unabhängig davon, ob sie ein Café eröffnen möchte oder nicht?

Auch wenn es ganz einfach klingt, bleibt eurem Weg treu und haltet an der Idee fest. Es wird immer viele Hochs und Tiefs geben, und manche Aufgaben erscheinen unlösbar. Bei mir gab und gibt es einige Momente, in denen ich gezweifelt habe und mich gefragt habe „Was mache ich hier eigentlich und schaffe ich das wirklich?“ Das Schöne ist aber, dass man jedes Mal wieder lernt, diese Herausforderungen anzugehen und ein Stück weit über sich selbst hinauszuwachsen. Lasst euch in diesen Phasen nicht unterkriegen, geht weiter Eurer Leidenschaft nach und verliert das Ziel nicht aus den Augen.

Danke Nora für das Interview! Und Euch liebe Leser sei gesagt, der New York Cheesecake von Nora ist einfach himmlisch! 😀

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