„Bilder und Worte sind meine liebste Spielwiese“ sagt felt4Books-Gründerin Nicole Carina Fritz

Nicole Carina Fritz

Auch die liebe Nicole Carina Fritz hat uns Notizbücher für unsere Goodie Bags zur Verfügung gestellt, die wir vergangenen Donnerstag auf unserer Blog-Geburtstagsparty an unsere Gäste verteilt haben.

Außerdem hat sie uns für ein Interview Rede und Antwort gestanden. Danke, Nicole! 😀

Du hast ja mehrere Standbeine. Ich kenne Deinen Onlineshop felt4Books und Deine Text- und Layout-Schmiede Finalsatz. Kannst Du mir, um sicher zu gehen, noch einmal all Deine Standbeine aufzählen?

Im Moment liegt mein Fokus tatsächlich auf Text- und Layout für Print- und Web-Produkte, auf Fotografie und Kunsthandwerk. Demnächst kommen neue dazu, zum Beispiel handgebundene Lyrik-Kunst-Editionen und ich werde Kreativ-Kurse geben

Ist eines Deiner Standbeine Dein „Hauptberuf“? Oder widmest Du Dich allem gleich viel?

Fast 20 Jahre lang lag mein Schwerpunkt auf journalistischen Texten – obwohl sich das seit einigen Jahren grundlegend ändert, hat es sich noch eine ganze Weile wie „ein Hauptberuf“ angefühlt und ich habe mich auch als Journalistin definiert. Das ist mittlerweile fast ganz weg, was zum einen am wie ich finde grauenhaften Strukturwandel der Branche liegt und zum anderen daran, dass ich mir viele neue Tätigkeitsfelder erschlossen habe und auch das Gefühl hatte, ich muss mal etwas anderes machen, als jeden Tag um jedes Zeichen zu ringen 😉

Ich sehe mich im „Hauptberuf“ mittlerweile als Gestalterin und gestalten kann ich ja so einiges: vom Zeitungsartikel über die Webseite oder einer Ausstellung für eine Freundin bis zum eigenen Kunsthandwerk und Fotoprodukten. Den Zeitaufwand lege ich nach Lust und Laune oder eben nach den Anforderungen des jeweiligen Auftrages / Projektes fest.

Könntest Du Dich auf einen beruflichen Bereich (Text, Foto, Gestaltung etc.) spezialisieren? Oder ist es Dir wichtig, all diese verschiedenen Talente auch ausleben zu können?

Ich habe ja eine Vorliebe für Spezialisten, die so gut sind in dem was sie machen, dass sie so gut wie unersetzlich sind – als freie Journalistin war ich lange das Gegenteil: eine Allrounderin, die von vielem ein bisschen und nichts so richtig wusste 😉

Aber wenn ich jetzt so zurück blicke, habe ich seit meiner Ausbildung zur Verlagskauffrau gleich nach dem Abitur und meinen unzähligen Text- und Gestaltungsprojekten doch wertvolle Erfahrungen in Sachen Druck, Publikation und Buchherstellung machen können, die tatsächlich auch in die Tiefe gehen. Ja, ich finde Spezialisierung gerade heute sehr wichtig, allein schon aus Gründen der Qualitätssicherung, aber ich würde stumpfsinnig, wenn ich tagein tagaus nur einen Schwerpunkt bzw. eine Blickrichtung beim Arbeiten hätte – bei mir gehören glücklicherweise viele Fähigkeiten und Werkzeuge dazu.

Früher dachte ich, ich kann auch noch mit Malen, Theater spielen und Singen mein Geld verdienen, aber ich habe gelernt, dass ich mich für einige Dinge ganz bewusst entscheiden muss, um wirklich gut zu sein und zu werden. Das heißt ja nicht, dass ich manches für immer aufgebe. Das reift eben oft so im Hintergrund: Dieses Jahr werde ich zum Beispiel endlich wieder Klavierunterricht nehmen und vielleicht finde ich wieder einen Gitarristen der mich als Sängerin begleitet.

Wie bekommst Du das alles unter einen Hut? Fällt es Dir manchmal schwer, Prioritäten zu setzen?

Definitiv: ja, es fällt manchmal sehr schwer Prioritäten zu setzen. Aber ich habe mir angewöhnt, diszipliniert zu sein, wenns erforderlich ist. Früher wurden meine Prioritäten hauptsächlich von Kunden, Redaktionsschlüssen oder anderen Terminen gesetzt. Da habe ich mich bewusst frei geschwommen, in dem ich zum Beispiel mehr für Monatsmagazine oder Privatkunden statt im Takt der Tageszeitung arbeite.

Und ich genieße meine neue gestalterische Freiheit beim Kunsthandwerk: da lege ich die Termine und Arbeitsphasen genau so, wie sie sich gut anfühlen, außer es steht ein für mich wichtiger Markt an, für den ich dringend noch einige Produkte fertig machen möchte.

Du hast lange im Verlag und als freie Journalistin gearbeitet. Wie kam es zur Idee von Felt4Books?

Der Plan für felt4Books überraschte mich wie fast alle meine Ideen irgendwann in der Nacht bzw. morgens im Halbschlaf. Da sehe ich den Impuls bildlich vor mir und bis jetzt hab ich noch jeden umgesetzt. Im Grunde ist eine Fortführung dessen, was ich schon immer mache: mit Büchern und Publikationen arbeiten, nur, dass ich sie jetzt komplett selber mache. Unterm Label felt4Books gibt’s im Moment auch noch Bücher mit Inhalt, Lyrik zum Beispiel.

Kannst Du uns etwas über den Entstehungsprozess Deiner Notizhefte, Schachteln und Postkarten erzählen? Woher kommen die Designs? Wie werden die Handarbeiten gefertigt?

Durch meine Ausbildung zur Verlagskauffrau hatte ich ja schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie Bücher entstehen und ich hatte ja schon selbst welche publiziert. Ich wollte aber weg vom maschinell hergestellten Massenprodukt und hin zum Kunsthandwerklichen, Kreativen. Also lernte ich, wie man Bücher, Schachteln, Leporellos und Mappen von Hand bindet – daraus wurde eine Leidenschaft.

Ich arbeite also recht traditionell, verarbeite jedes einzelne Teil des Produktes mit der Hand, allerdings in Kombination mit modernen Designs oder Materialien, die man im Buchbinderischen nicht vermutet. Außerdem lasse ich mich gerne von der Natur inspirieren. Und ich habe vor, für ein paar Editionen mein Papier selbst zu schöpfen. Das alles mache ich in meinem effektiv ausgestatteten „Werkstatt-Büro“ in meiner Wohnung.

Du hast ja auch an verschiedenen Anthologien mit Kombinationen von Text und Kunst aus dem Raum Stuttgart gearbeitet. Was bedeutet für Dich die Verbindung von Bild und Wort?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht, wahrscheinlich weil es von Kindheit an selbstverständlich für mich ist. Das klingt jetzt ziemlich strebermäßig, aber ich habe mir bereits im Kindergarten lesen und schreiben beigebracht und zwar mit einem Spiel, bei dem man mit Bildern Wörter lernt und diese dann Buchstabe für Buchstabe stempelt. Heute sind Bilder und Worte immer noch meine liebste Spielwiese.

Du bist seit über 20 Jahren selbstständig. Wie kam es damals dazu?

Nach dem Abi hatte ich eigentlich vor, Karriere im Verlag zu machen. Wie bei so vielen kam es anders und ich bekam massive gesundheitliche Probleme, die mich zum Umdenken zwangen. Da ich bereits während meiner Ausbildung sehr erfolgreich nebenberuflich für Tageszeitungen und Wochenmagazine geschrieben habe, machte ich daraus meine neue Berufung. Irgendwie findet seither eines zum anderen.

Hast Du nach so langer Zeit viele Bestandskunden? Oder nimmst Du auch immer wieder neue Aufträge an? Wenn ja, wie findest Du neue Kunden bzw. wie finden Deine Kunden Dich?

Es gibt Redaktionen, für die schreibe ich seit über 20 Jahren und gleichzeitig gibt es immer Anfragen und Aufträge von neuen Kunden. Meistens läuft das über Empfehlungen oder Gespräche mit Kollegen, aber manche Kunden finden mich auch einfach im Internet. Oder ich akquiriere selbst.

Das ist gerade das Tolle am Texten: das „Handwerk“ bleibt, doch durch die ständig wechselden Aufträge und Themen ist jeder Auftrag interessant und einzigartig.

Habe ich es richtig gedeutet, dass Du zuerst nebenberuflich selbstständig warst? Wenn ja, war das für Dich so eine Art Test? Wolltest Du erst einmal sehen, ob die Selbstständigkeit das richtige für Dich ist?

Nein, eine Art Testlauf gab es nicht. Ich habe neben meiner Ausbildung und später neben meiner Arbeit im Verlag für verschiedene Redaktionen geschrieben und als ich dann gezwungen war, mich neu zu orientieren, gab es im Grunde keine Alternative, als mich mit dem selbständig zu machen, was ich damals am besten konnte: Schreiben. Ich weiß nicht, ob ich mich das ohne ernsthafte Lebenskrise überhaupt so früh getraut hätte.

Woher weiß man, dass die Selbstständigkeit zu einem passt?

Ganz ehrlich: es gibt Phasen, da frage ich mich heute noch, ob ich nicht doch wieder zurück in einen Verlag gehen sollte. Dabei bin ich wirklich ein Mensch, für den es im Grunde keine Alternative zur Freiberuflichkeit gibt und ich glaube, ich bringe auch ganz gute Fähigkeiten dafür mit. Ich denke, die Entscheidung für oder gegen die Selbstständigkeit kann immer wieder neu getroffen werden. Je nachdem, wie viel jemand investiert hat bzw. was für ein Mensch er oder sie ist, fällt es eben leichter oder schwerer, sich neu zu orientieren. Ich kenne Leute, die haben nach fast 50 Jahren Selbständigkeit entschieden, wieder ins Angestelltenverhältnis zu wechseln und manche gründen kurz vor der Rente ihr eigenes Unternehmen. Ich glaube, das einzige das zählt, ist eine innere Berufung.

Was ist für Dich das Beste an der Selbstständigkeit?

Dass ich mich selbst organisieren kann. Dass ich fast immer die Gelegenheit für neue Experimente und Weiterbildung habe. Und auch wenn man es als Freiberufler gerade in der Anfangszeit so gut wie gar nicht macht: dass ich im „Ernstfall“ nein sagen kann und die Konsequenzen für mich gut kalkulierbar und absolut vertretbar sind. Allein das Gefühl – oder auch die Illusion – der Entscheidungsfreiheit, gibt ein Gefühl innerer Stärke.

Und was ist das Schwierigste?

Durchzuhalten, wenn die Auftragslage mal mau ist oder die Jobs eine Weile nicht all zu großen Spaß machen. Auch in Zeiten persönlicher Krisen scheint Routine ja irgendwie angenehmer und einfacher, als sich ständig neu zu erfinden bzw. Auftraggeber mit neuen Ideen mitzureißen. Der Gewinn an Selbstvertrauen ist hinterher aber ungleich höher.

Als Journalist eine Festanstellung zu bekommen wird immer schwieriger. Gerade Berufseinsteigern bleibt oft gar keine andere Möglichkeit, als sich selbstständig zu machen. Was ist Dein Tipp für junge Journalisten, die ins Freelancertum starten wollen?

An sich glauben und sich ins Gespräch bringen – Redaktionen anschreiben, besuchen, Branchenevents besuchen, sich mit anderen freien Journalisten vernetzen und Soziale Netzwerke nutzen. Mit eigenem Mehrwert präsent sein und sich als Experte positionieren, zum Beispiel mit einem Blog – und da macht es nichts, wenn es „nur“ ein Thema ist, für das man einfach persönlich brennt, wie Kochen, Fotografie, Heilkräuter oder weiß ich was. Es braucht ja zum Glück nicht allzuviel um loszulegen: jeder mit Notebook, Telefon, Kamera und Talent kann im Grunde loslegen.

Gerade hat ein neues Jahr begonnen. Was steht für Dich in der Zukunft an? Gibt es Projekte, auf die Du Dich besonders freust?

Ich möchte dieses Jahr eine Reihe mit Lyrik-Kunst-Editionen etablieren, neue Kunsthandwerk-Produkte an den Start bringen, meine Fotografien vielfältiger vermarkten und Kreativ-Kurse geben. Außerdem möglichst jeden Tag an die frische Luft gehen und vor allem wieder Musik machen 😉

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