„Ich habe die beiden Grundbestandteile meines Lebens, Tourismus und Kunst, bei der Gründung meines Online-Reiseanbieters zusammengeführt“ – Nadja Buseck, Where About Now

Nadja Buseck

Ich muss gestehen, mit Kunst habe ich nicht viel am Hut – aber mit dem Reisen. 😉 Meine heutige Interviewpartnerin, Nadja Buseck, hat eine Leidenschaft für beide Themen und vereint diese in ihrem Business, über das wir ausführlich gesprochen haben.

Liebe Nadja, Du bist die Gründerin von Where About Now – Travel Experiences Guided by Art. Verrate uns bitte mehr. Was steckt hinter Deiner Neugründung?

Bei Where About Now (WAN) handelt es sich um einen spezialisierten Online-Reiseanbieter für ein neues Kunstreiseformat, begleitet von einem digitalen Journal.

Unser Ziel sind inhaltlich anspruchsvolle aber zeitgleich entschleunigte Reisen. Wir wollen besonders junge Kunst und Kultur-Interessierte Menschen mit unserem Angebot ansprechen.

Zusätzlich zu den organisierten Reisen, geben wir auch ein Journal heraus. Dieses greift entweder unmittelbar Themen einer jeweiligen Reise auf (z. B. Künstlerinterviews innerhalb einer Destination) oder behandelt allgemeiner Reisen und Kunst (z. B. indem es Kulturschaffende zu ihren Reiseerfahrungen befragt).

Die Community und die Partizipation eines jeden Einzelnen spielt bei Deinen Reisen eine wichtige Rolle, warum legst Du neben der Kunst, darauf besonderen Wert?

Die Community entspricht meiner Meinung nach dem Zeitgeist unserer Gesellschaft in zweifacher Hinsicht – auf der einen Seite gibt es eine Zunahme von Online Communities in sozialen Netzwerken, während ich gleichzeitig einen vermehrten Fokus auf gemeinsame, ganzheitliche Erfahrungen im physischen, realen Leben beobachte. Entgegen globaler Massenstrukturen, ermöglicht die Community eine privatere Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Durch die Digitalisierung und das Internet ist das Informationsangebot so groß wie noch nie. Ich denke, dass es gewissermaßen Filter braucht, ja sozialen Austausch, um sich in einer überladenen Welt zurecht zu finden. WAN möchte den Online-Kosmos durch unser Journal und Social Media mit zwischenmenschlichen Erfahrungen auf den Reisen verbinden.

Was ich an Communities besonders schätze und wieso diese bei uns so einen großen Stellenwert genießen?

Ein Merkmal einer Community ist, dass ihre treibende Kraft aus sich selbst kommt – aktive Partizipation findest du bei uns vor und nach den Reisen, auf unseren Online-Plattformen, aber auch währenddessen. Reiseteilnehmer tauchen durch Workshops, private Gespräche, persönliche Einblicke etc. mit Locals in eine (fremde) Kulturlandschaft ein. WAN fungiert dabei als Vermittler.

Uns ist eine sozial und kulturell verantwortungsvolle Haltung gegenüber den besuchten Orten wichtig. Man wird eben auch Teil einer lokalen Community. Nicht zuletzt bietet gerade die Kunst einen sicheren und vor allem experimentellen Raum für die Einbringung von Persönlichem.

Wie bist Du auf die Idee zu Where About Now (WAN) gekommen und welche Rolle spielt dabei Dein persönliches Interesse für Kunst? Ich habe gesehen, dass Du u. a. einen Master in Kunstgeschichte hast.

Ich denke die Idee hat sich aus meiner Biografie entwickelt. Selbst bin ich in der Hotellerie in Salzburg, Österreich aufgewachsen. Bei uns bin ich Menschen aus allen möglichen Ländern begegnet. Nach meinem Schulabschluss wollte ich dann hinaus in die Welt. Längere Auslandsaufenthalte und zahlreiche auf den Reisen gesammelten Eindrücke führten dazu, dass ich anfing Kunst als hilfreichen Spiegel der Welt zu begreifen, dazu braucht es auch immer einen Blick in die Vergangenheit.

Dies führte mich zu dem Studium der Kunstgeschichte (und in weiterer Folge der Fotografietheorie und Tanzwissenschaften). Begeistert von der Materie fing ich auch noch ein Doktorat an, welches mir schlussendlich dann doch zu asketisch war. So entschied ich mich die beiden Grundbestandteile meines Lebens – Tourismus und Kunst – zusammenzuführen und habe WAN gegründet.

Erzähle uns doch auch ein bisschen mehr über das Geschäftsmodell, das hinter WAN’s steckt? Wie wirst Du damit Geld verdienen?

WAN hat zwei Einnahmequellen: Einerseits die Reisen an sich, andererseits bieten wir bezahlte Kollaborationen an. Diese sind entweder schriftlich in Form eines Interviews/Artikels im Journal oder vor Ort durch gewählte Produktplatzierungen etc.

Und aktuell? Welchen Job machst Du derzeit, um Deine Miete zu bezahlen? Ich nehme nicht an, dass Du mit Where About Now bereits so viel verdienst, dass Du davon leben kannst. Oder?

Schön wär’s. Zusätzlich zu meinen eigenen Reisen konzipiere ich für internationale Unternehmen und Institutionen Reisen, schreibe für Kunst- und Reiseplattformen und arbeite projektbasiert rund um das Thema Kunst-Reisen. Des Weiteren spielt mein Partner eine große Rolle. Sein minimalistischer Lebensstil inspiriert mich in vielerlei Hinsicht. Dazu zählt auch flexibel zu sein.

Zu Deiner Website gehört auch eine Facebook-Gruppe und ein Instagram-Kanal. Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke für den Aufbau Deines Unternehmens. Spielen sie überhaupt eine Rolle?

Soziale Netzwerke sind für die Ausrichtung von WAN zentral, sie fördern das Community-Prinzip. Wir haben eine geschlossene Facebook-Gruppe und wollen in Zukunft auch gerne das Instagram-Profil privat halten. Das erlaubt eine intimere Kommunikation zwischen den Mitgliedern. Instagram bietet sich als bildbasiertes Netzwerk besonders für die Darstellung von Reisen und Kunst an. Ich bewerte die Kanäle jedoch nicht nur positiv, es gilt für mich ein reflektierter Umgang damit.

Apropos Instagram: Ich habe mir auch Deinen privaten Instagram Account angeschaut und dort in einem Bild einen kleinen blonden Jungen entdeckt. Ist das Deiner? Also, bist Du eine Mompreneur?

Nein, die (Teil!)-darstellungen von Kindern sind meine beiden Paten.

Ist das Thema Kinder haben eines, dass Dich aktuell umtreibt und Du Dir vielleicht auch die Frage nach der Vereinbarkeit mit Deiner Selbstständigkeit stellst?

Interessant, dass du den Begriff “umtreibt“ in dem Zusammenhang verwendest. Denn ich bin in einem Alter wo mich das Thema Kinder durchaus bestimmen könnte. Tut es aber nicht. Ich habe nicht die eine Vision für mein Leben. It comes and it goes…

*lach* Außerdem habe ich gesehen, dass Du im März im Hostel Eden von Eva, Juliane, Gabriela und Thea warst. Ein Hostel, das komplett von regionalen Künstlern gestaltet wurde. Da haben wir uns offenbar nur um ein paar Tage verpasst. 😉 Die Gründerinnen sind ja zu viert unterwegs. Wünschst Du Dir manchmal, dass Dir jemand zur Seite steht oder bist Du froh, alleine gegründet zu haben?

Ja, das Hostel Eden in Leipzig ist ein gelungenes Projekt. Inhaltlich ein spannender Ort und organisatorisch imposant – wie leicht das Zusammenspiel zwischen den Gründerinnen wirkt. Da ich aber auch weiß wie schwer Gruppendynamiken sein können, schätze ich durchaus auch die Vorteile davon alleine gegründet zu haben.

WAN bedient eine Nische und bringt zwei unterschiedliche Bereiche (Tourismus und Kunst) zusammen, sodass ich auch nicht wirklich eine Person als Co-Gründer*in im Sinne hatte. Was ich jedoch als Bereicherung empfinden würde, ist eine weitere Meinung bei grundlegenden, strategischen Ausrichtungen. Kritische Reflexionen und konstruktive Meinungen erfahre ich durchaus aus meinem beruflich ähnlich ausgerichteten Freundeskreis und professionellen Netzwerk.

Und schließlich mache ich WAN auch in (oft virtueller) Zusammenarbeit mit anderen Mitwirkenden. Mein Editor sitzt zum Beispiel in Los Angeles. Unser Büro wird über den Winter auch dorthin verlagert. Dank meiner vorwiegend digitalen Tätigkeit kann ich auch nomadisch leben. Ich untervermiete meine Wohnung in Berlin, wohne bei Freunden in der Ferne und habe das Glück durch berufliche Gegebenheiten unmittelbar in ein lokales Umfeld eingebunden zu werden. Es fühlt sich so an als ob ich temporär jeweils dort leben würde.

In Interviews zur Selbstständigkeit ist auch immer wieder von Hürden zu lesen, die der oder die Interviewte auf seinem Weg meistern musste. Welche Hindernisse musstest Du auf Deinem Gründungsweg überwinden?

Mich selbst. Aussenstehende Personen und Faktoren gibt es immer in positiver und negativer Ausführung. Für mich ist es ausschlaggebend wie ich persönlich mit Herausforderungen umgehe.

Deine Selbstständigkeit gegen eine Festanstellung eintauschen, würdest Du aber nicht?

Ich kann es mir nicht vorstellen, aber auch nicht vorhersehen wie sich Wirtschaft, Politik und die Umwelt verändern werden. Schließlich sind Kunst und Reisen sehr davon abhängig, folglich auch WAN.

Welche Vorteile siehst Du in der Selbstständigkeit?

Ich denke man muss allgemein der Typ dafür sein, um die Vorteile nicht als Nachteile zu sehen. Insbesondere bedeutet mir selbstbestimmtes Arbeiten viel.

Lass uns nochmal zu Where About Now zurück kommen. Im nächsten Jahr bietest Du u. a. Reisen in die Provence, nach San Sebastian und Tel Aviv an. Warum wird es in diese Regionen oder Städte gehen? Was macht sie so besonders?

Die Zielorte ergeben sich aus folgenden Komponenten: Sie entsprechen nicht der Route der allgemeinen Kunstweltwanderung und Großevents, sie müssen aktuell und spannend sein und des Weiteren sollte es bestehende Kontakte zu lokalen Akteuren geben.

San Sebastian war 2016 Kulturhauptstadt Europas, Arles in der Provence ist aufgrund des Baus eines riesigen privaten Kulturprojektes im Wandel. Und an Israel fasziniert mich wie politisch die Kunst dort zu sein scheint. Jede Reise hat ihren eigenen thematischen Rahmen.

Für wen eignen sich Deine Reisen? Können auch Menschen daran teilnehmen, die keine Ahnung von Kunst haben? So wie ich zum Beispiel. 😉

Klar, kannst du auch teilnehmen. Die Reisen eignen sich sowohl für Menschen die gerne in die Kunst eintauchen möchten als auch für jene die sich gerne darin vertiefen möchten. Ich finde gerade Kunst braucht kein Vorwissen. Du siehst eben was du siehst und den Rest erarbeiten wir gemeinsam.

Verrate mir dann bitte noch zu guter Letzt, was in dem Ticketpreis enthalten ist, den ich auf Deiner Website für die einzelnen Reisen finde. Anreise und Unterkunft scheinen mir nicht inkludiert – dafür sind die Preise zu niedrig. Was kann ich erwarten?

Ich vermute du hast lediglich die Reservierungsgebühr (10% des Gesamtpreises) erblickt. Der Ticketpreis jeder Reise umfasst ein vielseitiges Angebot: Einen Reader vorab, der das Programm inhaltlich kontextualisiert, Unterkunft (in einem Hotel oder in einem privaten Haus), Transport vor Ort und Programm (Konzept, Ausführung, Koordination, Begleitung, Eintritte, Workshops, Führungen, etc.), das Journal und ggf. auch eine Einbindung in dieses. Wir kümmern uns um alles, lediglich An- und Abreise müssen selbst organisiert werden.

Liebe Nadja, danke für das spannende Interview!

Wenn Ihr noch mehr inspirierende Interviews mit Gründerinnen lesen wollt, schaut doch mal auf Pinterest vorbei!

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