„Menschen sollen die Möglichkeit haben, den Raum für Ihren Traum zu nutzen“ – Nadine Valet, Gründerin vom projekt|t|raum

Die heutige Gründerin im Interview, Nadine Valet, habe ich vergangenen Herbst bei einem Treffen der Hamburger Mompreneurs kennen gelernt.

Wobei, das ist nicht ganz richtig. Wir haben Visitenkarten ausgetauscht und erst bei Treffen im Nachgang wirklich ausführlicher gesprochen. Dabei wurde eins sehr schnell klar: Diese Frau sprudelt vor Energie und ist ein Quell an Inspiration – ich finde, dass ist auch deutlich im Interview spürbar. 🙂

Liebe Nadine, wenn ich an Dich denke, fällt mir zuerst Dein Claim “Ein Traum braucht Raum” ein. Mal abgesehen von der Bedeutung, den der Spruch für Dein Business hat, wie viel Wahrheit steckt in ihm, wenn man dabei an die Selbstständigkeit denkt?

Liebe Sandra, für mich ist ein Traum wahr geworden, ich habe meinen Traum von der Selbständigkeit mit einem Ladenlokal wahr gemacht. Ich kenne die Neustadt gut, habe mir immer vorgenommen, entweder am Venusberg oder in der Poolstrasse/Kohlhöfen/Großneumarkt einen Ort zum Arbeiten zu finden. Zwei Jahre hat die Suche gedauert. Aber mit der Vision und dem festen Ziel im Kopf, den eigenen Raum zu finden, hat es geklappt.

Ich bin schon seit meinem sechzehnten Lebensjahr selbstständig tätig und das allerwichtigste, um auf deine Frage zurück zu kommen, ist es Ziele zu haben, kurzfristige, mittelfristige und langfristige. Wo will ich hin, was kann ich und was biete ich. Sich darüber Gedanken zu machen, sich Zeit für diese Fragen zu nehmen und nicht in den Alltagsaufgaben zu versinken, wie eine Marionette der Gesellschaft zu funktionieren, lohnt sich.

Wie eben schon angesprochen enthält der Satz einen Hinweis darauf, womit Du Dein Geld verdienst. Nämlich mit der Vermietung Deines Projekt|t|raum’s. Bitte verrate uns wie Du auf die Idee zu Deinem Business gekommen bist.

Der projekttraum basiert auf mehren Ebenen, da gibt es einmal die künstlerische, nämlich die Wände zu inszenieren. Kunst bildet den Rahmen des projekttraums. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es Menschen, die künstlerisch sehr viel drauf haben. Ich glaube schon lange an Ihr Tun und Wirken, an Ihre Kunst. Und jetzt, mit dem projekttraum kann ich Ihnen endlich die Möglichkeit geben, sich der Welt zu zeigen. Woraufhin mittlerweile Anfragen von Menschen kommen, die auch Ihre Kunst ausstellen möchten.

Eine weitere Ebene ist die gesellschaftliche Ebene, Menschen sollen die Möglichkeit haben, den Raum für Ihren Traum zu nutzen. Sei es für die Beratung von Kunden, für die Vorstellung von Produkten, den Verkauf von Vintagemöbeln, den eigenen Kinoabend, ein Geburtstagsfrühstück, das Vorstellen einer neuen Kollektion, einen Workshop. uvm.

Projekt|t|raum

Davon allein kannst Du doch aber nicht leben, oder? Wie finanzierst Du Dich?

Ich bin noch beratend tätig. Ursprünglich bin ich Wirtschaftswissenschaftlerin, Juristin und habe Entrepreneurship habe in Hamburg studiert. Und genau in dem Bereich kann ich auch am meisten helfen. Ich unterstütze Menschen bei der Gründung oder Umorientierung. Stehe ihnen solange mit Rat und Tat zur Seite, bis sie ihr Ziel verwirklicht haben. Die Leute rufen mich an und brauchen einen Input, in einem bestimmten Bereich, wo es gerade hakt. Wir lösen das Problem entweder gemeinsam, oder ich empfehle einen Experten aus meinem Netzwerk und schon kann es weiter gehen und dem nächsten Ziel steht nichts mehr im Wege.

Wir haben uns im letzten Jahr bei einem Mompreneurs-Treffen, zu dem ich von Susi Leyck eingeladen wurde, kennengelernt. Heißt, Du bist selbstständig und Mutter. Wie gestaltet sich Deine Selbstständigkeit mit Kind?

Relativ gut. Ich lebe genau das, was ich mir gewünscht habe. Wir haben drei eigene Kinder und zwei große Kinder aus der früheren Partnerschaft meines Mannes. Filippa ist gerade 3 Jahre alt und die Kleinste, Frizzi und Oscar sind 8 und 9 Jahre. Lillith und Jesse studieren mittlerweile in Giessen und Berlin. Für die 3 Kleinen ist einer von uns Erwachsenen ab 15 Uhr da. Wir verbringen am Nachmittag viel „Quality-Time“ miteinander, machen etwas Kreatives, gehen zu Planten und Bloomen oder Eis essen.

Ich träume momentan von einem neuen Konzept. Selbstständige Eltern arbeiten im Coworking-Space mit angeschlossener Kita und in den Pausen werden die Mahlzeiten von Eltern und Kindern gemeinsam eingenommen.

Wie wichtig ist Dir der Austausch mit anderen selbstständigen Müttern? Wie profitierst Du davon?

Wir unterstützen uns gegenseitig, sei es bei der Kinderbetreuung oder beim Vergeben von Aufträgen. Zudem finde ich Treffen wichtig, wie z. B. Eure Frau, frei &- Runden. Bei dem letzten Treffen habe ich einige interessante Frauen kennengelernt und wir haben unsere Kontaktdaten ausgetauscht.

Auf Xing habe ich gelesen, dass Du an der Universität Hamburg den Studiengang Entrepreneurship absolviert hast – dieser läuft leider aus. Was konntest Du aus dem Studium für Dich und Deine Selbstständigkeit mitnehmen?

Das war ein super Studiengang, wie schade das er nicht mehr angeboten wird. Es wurden nur 20 Personen zugelassen, alle mussten sich mit einer tatsächlichen Gründungsidee bewerben, an Ihrer Idee arbeiten, feilen und sie in die Tat umsetzten. Das war spannend, nicht alle haben es geschafft, Leute sind gescheitert, sind an finanzielle Grenzen gestossen. Wir haben viele Experten getroffen, Erfolgsgeschichten gehört und natürlich das Handwerkszeug rund um Gründung gelernt bekommen.

Der Studiengang gehört meiner Meinung nach, an jede Uni oder FH in Deutschland. Die Teilnehmer werden getragen durch die Gruppe, Professoren und Experten. Eigentlich kann, wenn die Idee stimmig ist, nicht mehr viel schief gehen. Der Weg in die Selbstständigkeit wäre für viele Menschen leichter, gerade für Menschen aus der Kreativwirtschaft. Sie würden so auch das wirtschaftliche Verständnis erlernen.

Gibt es Lektionen, die Du in Deiner eigenen Selbstständigkeit gelernt hast – sowohl positiv als auch negativ –, die Du an unsere LeserInnen weitergeben kannst?

Nichts währt ewig. Sollte einer selbstständigen Tätigkeit die Leidenschaft verloren gehen, die Auftragslage sinken, dann lieber früher als zu spät handeln und sich eingestehen, das es keinen Sinn mehr macht. Meine erste selbstständige Tätigkeit war ein Fachgeschäft für digitale Technik. Ich musste einen Laden aus familiären Gründen übernehmen und bin dafür vom Gymnasium runter gegangen.

Das hat mir viele Jahre große Freude gemacht, war aber nicht meine Leidenschaft und ich wollte studieren, so habe ich von einen Tag auf den anderen, entschlossen, das Abitur nachzuholen, ein Studium zu beginnen und nach Hamburg zu ziehen. Die letzten 10 Jahre war ich dann in Kanzleien, NGO’s und großen Unternehmen tätig. Mit der Geburt des 3. Kindes habe ich festgestellt, das ich nicht mehr in die Unternehmenswelt zurück möchte, sondern frei über meine Zeit verfügen will.

Apropos Lektionen: Du als Juristin, hast doch sicher auch gute Ratschläge für uns selbstständigen Frauen. Gibt es aus Deiner Erfahrung heraus Fehler, die von Gründerinnen immer wieder begangen werden und auf die Du an dieser Stellen hinweisen magst?

Zu glauben, immer und ständig erreichbar sein zu müssen. Es ist wichtig Freiraum zum Denken zu haben.
Ich nehme mir einmal die Woche etwas „Schönes“ vor, sei es ein Besuch im Museum für Kunst und Gewerbe mit einen anschliessenden Kaffee im Restaurant Destille, oder das ich mir einen halben Tag Radfahren an der Elbe gönne, einen Spaziergang durch den Jenisch-Park, uvm. Inseln schaffen ist das Stichwort. Um runterzukommen, neue Inspirationen zu bekommen, andere Wege als die Üblichen einschlagen.

2011/12 hast Du von Der Uni Hamburg eine Auszeichnung für den Besten Businessplan bekommen – das konnte ich auch Deinem Xing-Profil entnehmen. Für welches Projekt hast Du den Businessplan geschrieben – Deinen Projekt|t|raum?

Den habe ich für meine vorherige Tätigkeit erhalten. Ich habe Unternehmen im Bereich Compliance und Datenschutz beraten. Große Themen, die nach wie vor sehr gefragt sind und wichtig. Ich bin nicht ausgestiegen, weil es nicht lief, eher im Gegenteil. Mein Partner hat mittlerweile über 100 Kunden. Ich musste viel arbeiten, war viel unterwegs und irgendwann habe ich die Leidenschaft nicht mehr verspürt. Die Kinder waren mir sehr wichtig und für sie da zu sein.

Was macht einen guten Businessplan aus? Sollte jeder einen haben?

Viele Selbstständige, gerade die Einzelkämpfer haben keinen Businessplan. Die Inhalte mit denen sich der Businessplan beschäftigt sind für alle relevant, jedoch vertrete ich nicht die Meinung das jeder Mensch einen Businessplan braucht. Wichtig ist zu wissen: Wer man ist, was man kann und was man bieten kann und wie schon gesagt: Ziele zu planen, große Pläne in kleine, umsetzbare Schritte herunterzubrechen und Menschen zu haben, die einen motivieren dran zu bleiben, die an einen glauben.

Und was macht Deiner Meinung nach eine gute Gründerin aus? Welche Charaktereigenschaften sollte sie auf jeden Fall mitbringen?

MUT. Mutig zu sein und den Schritt nach vorne zu wagen und über die Türschwelle zu gehen und nicht nur Drinnen stehen zu bleiben.

Gibt es noch etwas, dass Du angehenden selbstständigen Frauen mit auf den Weg geben willst?

Walt Whitman, hat mal gesagt, „Niemals war mehr Anfang, als jetzt.“

Unsere Welt verändert sich zur Zeit massiv, die Menschen setzen sich mit neuen Wohnformen auseinander, verändern ihre Einstellung zur Arbeit, der Übergang zu Beruf und Freizeit wird fließender, die industrielle Ernährung wird in Frage gestellt, Digitalisierung, Globalisierung. Die Veränderungen bieten so viele Möglichkeiten, kleine Ideen haben das Potenzial ‚groß‘ zu werden. Traut Euch.

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