„Gründen ist kein Kindergeburtstag“ – Interview mit Susi Leyck von „Gesund & Mutter“ #HamburgDeineGründerinnen

Susi Leyck, Gründerin von "Gesund & Mutter"

Die Hamburger Gründerin, die ich Euch heute vorstellen möchte, Susi Leyck, habe ich im Frühjahr auf einer von mir organisierten Gründerinnen-Veranstaltung kennen gelernt. Sie war die Begleitung einer Speakerin, die ich eingeladen hatte. Nachdem der offizielle Teil zu Ende war, kamen wir ins Gespräch. Nur kurz, weil sie schon im Inbegriff war zu gehen. Sie steckte mir ihre Visitenkarte zu.

Zuhause schaute ich mir Susis Business in Ruhe an. „Gesund & Mutter“, ein Essens-Service, der sich qualitativ und organisatorisch an die Bedürfnisse junger Mutter anpasst. „Mothering the Mother“ – mit leckeren und hochwertigen Gerichten – ist der Claim.

Eine tolle Idee, über die ich einfach mehr erfahren musste.

Liebe Susi, bitte erzähle uns Deine Gründungs-Story. Wie bist Du auf die Idee zu „Gesund & Mutter“ gekommen?

„Gesund & Mutter“ ist aus meinem eigenen Bedarf heraus entstanden. 2013 habe ich meine Tochter Frida bekommen. Vor der Geburt sagten mir viele, dass ich am besten vorkochen solle. Ich habe es abgetan, schließlich war ich ganz gut in der Küche und würde das schon hinbekommen.

Als Frida dann auf der Welt war, habe ich schnell gemerkt, dass alles doch gar nicht so einfach ist. Wenn man ein Baby bekommt ist man erst mal durch ganz banale Sachen, wie dem Windelnwechseln oder Stillen, gefordert. Alltägliche Dinge fallen hinten über, bei mir war es das Essen.

Meine Hebamme fragte mich immer wieder: „Was hast Du gegessen? Hast Du ausreichend gegessen?“ Das nervte mich und brachte mich dazu, nach einer Lösung zu suchen. Lieferdienste für Pizza und asiatisches Essen, waren das allerdings nicht, zumal man dort meist auch nicht weiß, welche Inhaltsstoffe enthalten sind. Das war die Geburtsstunde von „Gesund & Mutter“.

„Gesund & Mutter“ war geboren. Wie ging es dann weiter? Hast Du das Essen selbst gekocht oder hattest Du einen Koch an Deiner Seite?

Ich habe angefangen mit dem Koch Albrecht Schäfer zu arbeiten, den ich durch eine umfassende Internetrecherche gefunden habe. Ich habe mich damals gefragt, wer könnte mir die Kost, die ich mir vorstellte zubereiten. Also, ohne Knoblauch und Zwiebeln; nichts was bläht.

Als erstes kamen mir Caterer für Kindergärten in den Sinn, doch schnell wurde ich eines besseren belehrt. Sie produzieren keine Kleinstportionen auf White Label.

Als nächstes habe ich mich an Bio-Caterer gewendet. Aber auch hier gab es, die gleichen schlechten Voraussetzungen. Einer verwies mich dann an Albrecht, der sich zu diesem Zeitpunkt intensiv mit dem Thema „Einwecken von Gerichten“ beschäftigt hat. Wir telefonierten und starteten eine Zusammenarbeit.

Deiner Website konnte ich entnehmen, dass Du mittlerweile den Produzenten gewechselt hast. Warum war das nötig?

Albrecht hat als One-Man-Show begrenzte Kapazitäten. Mit dem Volumen, das jetzt auf uns zukommt, ist die Zubereitung für ihn nicht mehr machbar.

Er hatte keine eigene Küche, sondern sich tageweise eingemietet. In der neuen Küche haben wir eine Kapazität von 1.000 Gläsern pro Tag, dafür hätte Albrecht eine ganze Woche gebraucht. Außerdem kann ich in der neuen Küchen die Synergien nutzen und dort einlagern, die Konfektionierung machen… Die neue Küche lässt sich derzeit auch Bio-zertifizieren, wovon ich auch profitieren werde.

Ursprünglich bist Du als lokales Unternehmen gestartet. Mittlerweile bist Du auch national aufgestellt und versendest Deine Produkte. Wie kam es dazu?

Ich bin in Hamburg gestartet und habe die Gläser persönlich vorbei gebracht. Alle zwei Wochen bin ich von Bestellerin zu Bestellerin gefahren. Dann war ich mit meinem Sohn Jonathan schwanger und irgendwann nicht mehr in der Lage, problemlos in die fünfte Etage hochzulaufen.

Dazu kamen immer mehr Bestellungen rein und ich arbeitete neben „Gesund & Mutter“ 20 Stunden in einer Festanstellung. Es kamen also viele Faktoren zusammen. Die logische Schlussfolgerung für mich war, auf einen Kurier um zu switchen, um Ressourcen zu sparen.

Du hast es eben schon angesprochen: Du bist mittlerweile Mutter von zwei Kindern. Wie bekommst Du Deine Familie und Selbstständigkeit vereinbart?

Bis Ende August diesen Jahres war ich immer noch ein Ein-Frau-Unternehmen. Ich habe alles selber gemacht. Von der Verpackung bis hin zu den Rechnungen.

Gearbeitet habe ich immer dann, wenn meine Kinder geschlafen haben. Mittlerweile sind sie beide in der Kita. Für mich hieß es: späte, lange Tage.

Neben „Gesund & Mutter“ hast Du eine weitere Marke…

Fein & Fertig“, genau.

Es ging mit „Gesund & Mutter“ los, doch schnell habe ich gemerkt, dass die Väter, obwohl sie das Thema „Essen in der Schwanger- und Mutterschaft“ kennen, bei dem Markennamen sofort raus waren. „Gesund & Mutter“ war für sie, ganz klar, Essen für die Frau.

Da dachte ich mir, wenn sie sich von dem Namen abschrecken lassen, gründe ich eben eine zweite Marke.

„Fein & Fertig“ gibt mir die Möglichkeit mein Sortiment ganz breit aufzustellen und hat das Potenzial sich zu einem klassischen Online-Feinkosthändler zu entwickeln.

Es ist doch aber sicherlich nicht so einfach zwei Marken zu etablieren. Wie gehst Du damit um? Wo liegt Dein Fokus?

Der Fokus liegt ganz klar auf „Gesund & Mutter“, weil es eine sehr spitze Zielgruppe anspricht, die gut zu erreichen ist. „Fein & Fertig“ kann jeder sein und es gibt viele Konkurrenzprodukte. Zwar nicht in der Qualität, aber es gibt sie einfach. Perspektivisch möchte ich damit auch in den Handel gehen.

Aber alles peu à peu.

Und wie soll es mit „Gesund & Mutter“ weitergehen?

Mit einem kleinen Kind stillt man wahnsinnig viel. In den Stunden, die ich mit Jonathan da saß, habe ich viel über die Weiterentwicklung von „Gesund & Mutter“ nachgedacht. Das Thema „Ernährung“ war dabei immer präsent.

Als ich mit Frida schwanger wurde, musste ich mir ein Buch kaufen, in dem ich Nachlesen konnte, was ich als Schwangere überhaupt noch essen darf. Es war eine riesige Verunsicherung da. Ich möchte jetzt mit meinem Kompetenzteam aus Ernährungsberater, Hebamme und Stillberaterin eine Anlaufstelle auf meiner Website anbieten, die qualitativ hochwertige Informationen zu diesem Thema zur Verfügung stellt.

Kannst Du vom Verkauf Deiner Produkte eigentlich leben?

Aktuell kann ich davon noch nicht leben, nein. Das war ein weiterer Grund, den Produzenten zu wechseln. Jetzt komme ich in den Genuss andere Einkaufskonditionen zu erhalten. Je größere die Einkaufsmenge, umso geringer die Kosten.

Das Ziel ist aber ganz klar, vom Verkauf meiner Produkte leben zu können und ich bin auf einem guten Weg.

Ein Schritt näher zum Ziel, war sicher Deine Teilnahme an „Die Höhle der Löwen“ in diesem Jahr. Warum hast Du Dich entschieden an dieser Fernsehsendung teilzunehmen?

Ich habe natürlich Staffel 1 und 2 verfolgt und fand es als Zuschauer unheimlich spannend. Aber auch für Unternehmen hat die Show seinen Reiz. „Die Höhle der Löwen“ wird im Schnitt von 3 Millionen Menschen pro Folge geschaut. Die Aufmerksamkeit ist riesig, die ich man mit Geld nicht bezahlen kann. Vox, Primetime, 20 Minuten on Air. Der mediale Gegenwert ist wahnsinnig.

In meinem Umfeld kamen dann auch Leute auf mich zu und haben mir nahegelegt, mich zu bewerben. Eines Abends saß ich auf dem Sofa und dachte mir: „Ok, komm, schickst Du mal die Bewerbung ab“. Irgendwann kam dann die Zusage und ich fragte mich „Warum mach ich das? Was ist meine Motivation? „Bist Du eigentlich völlig bekloppt?“

Aber ich glaube an die Idee und dass sie für ganz viele Leute eine echte Hilfe ist. Deshalb müssen noch mehr Leute von „Gesund & Mutter“ erfahren.

Was hast Du für Dich durch die Teilnahme an „Die Höhle der Löwen“ mitgenommen?

Wahnsinnig viel. Allein die Vorbereitung war kurz und intensiv.

Man muss sich mit so vielen Themen auseinandersetzen, die einem vielleicht nicht so sehr liegen: Wie ist die Unternehmensbewertung? Wie viel Prozent meiner Unternehmensanteile möchte ich an einen Investor abgeben?

Ich bin im gesamten Prozess wahnsinnig gereift, als Privatperson und Unternehmerin.

Lass uns zu einem anderen Thema kommen, Susi. Du bist Mitglied der Mompreneurs. Netzwerken hat für Dich einen großen Stellenwert. Warum?

Ich habe noch kein Gespräch geführt, dass mich nicht weiter gebracht hat. Bei den Mompreneurs habe ich z. B. meine Unternehmensberaterin kennengelernt.

Leute zu finden, die einen gut finden, die man selber gut findet und mit denen man gut kann, das ist das A und O. Man muss sich gegenseitig unterstützen; rausgehen und über sein Business reden. „Was machst Du? Was mach ich? Wo können wir uns helfen?“

Magst Du uns noch ein wenig mehr über Dein Engagement bei den Mompreneurs erzählen?

Als ich mit Jonathan 2015 schwanger war, habe ich die Mompreneurs für mich entdeckt. Zwei Mal war ich bei deren Meetups. Was mir damals dort aber fehlte, war der Austausch innerhalb der Gruppe.

Irgendwann schrieb dann Diana, dass sie Frauen suche, die die Treffen fortan mit ihr organisierten. Ich meldete mich bei ihr und fand heraus, dass sich noch jemand gemeldet hatte. Cornelia. Seither kümmern wir uns zu Dritt um die Organisation der Mompreneurs-Treffen in Hamburg.

Im Interview mit Smart BusinessPlan sagst Du: „Viele Dinge die ich heute weiß, würden mich dazu veranlassen anders zu gründen. Vielleicht auch gar nicht zu gründen.“ Kannst Du diese Aussage für uns weiter ausführen?

Man geht mit viel Idealismus an eine Gründung ran. Gründen bedeutet wahnsinnig viel Arbeit und eine große Belastung. Das muss man einfach wissen, Gründen ist kein Kindergeburtstag.

Ich bin damals völlig blauäugig an die Sache heran gegangen, aber bin sehr froh, dass ich es gemacht habe. Denn ich liebe was ich tue.

Im gleichen Interview hast Du auch gesagt: „Seid mutig aber realistisch“. Welche weiteren Empfehlungen hast Du für angehende Gründerinnen?

Heute würde ich rückblickend mehr Zeit in die Themen Liquiditätsplanung und Unternehmensberatung investieren. Es reicht nicht, nur fit in Marketing zu sein. Marketing ist schön und gut, aber wenn Du Dein Produkt unter Wert verkaufst oder das Produkt zu teuer anbietest, wird es schwierig.

Auf Biegen und Brechen Dinge zu tun, kann böse Ende. Gerade was auch die Steuer betrifft. Sucht Euch einen guten Steuerberater. Einen, der für das Produkt brennt und Euch nicht das letzte Geld aus der Tasche zieht.

Und: Geht raus! Redet über Eure Idee, Euer Business. Es gibt nichts Schlimmeres, als für eine Idee viel Geld auszugeben, weil aus Angst, dass jemand diese kopieren könnte, darüber geschwiegen wurde.

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