„Ich kann jedem Gründer nur raten, sorgfältig zu planen, bevor er den Schritt in die Selbständigkeit macht“ sagt Steuerberaterin Agnes Musfeldt

Agnes Musfeldt

Auf das heutige Interview freue ich mich besonders, denn ich habe die Ehre Euch eine unserer Gastautorinnen vorstellen zu dürfen: Agnes Musfeldt. Agnes ist selbstständige Steuerberaterin und wird der Kategorie “Bürokratie” ab sofort mehr Leben einhauchen.

Kennengelernt habe ich Agnes auf einem Frühstück, das wir gemeinsam mit dem Hamburger betahaus ausgerichtet haben. Auf meine Frage hin, wie man Frau, frei & weiter nach vorne bringen könne, meldete sie sich und bat ihre Hilfe an. Die wir natürlich dankend angenommen haben.

Und damit Ihr wisst mit wem Ihr es zutun habt, folgen nun meine neugierigen Fragen an Agnes und ihre Antworten.

Agnes, ehrlicherweise ist mir unverständlich wie man an steuerlichen Themen Freude finden kann und damit seinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Bin aber dankbar für Menschen wie Dich, die genau das tun. 🙂 Woher kommt Deine Affinität für das Thema Steuern und wie kam es dazu, dass Du Dich als Steuerberaterin selbstständig gemacht hast?

Diese Frage bekomme ich sehr häufig gestellt. 🙂 Es macht wirklich ganz viel Spaß und ist überhaupt nicht langweilig. Das kurz vorweg. Ich weiß und höre es auch häufig, dass Steuerberater manchmal oft etwas eingestaubt sind. Viele denken, es liegt an dem Thema Steuern. Aber dem ist gar nicht so! Später dazu mehr.

Wie ich zu dem Beruf kam? Ein Lehrer, dessen Frau ebenfalls Steuerberaterin ist, hat mir den Ausbildungsberuf Steuerfachangestellte ans Herz gelegt. Und da ich nach dem Abitur nicht so recht wusste, was ich machen sollte und wollte – Studium oder Ausbildung – habe ich mich erstmal für die Ausbildung entschieden. Ich wusste ehrlich nicht, was mich erwartet.

Doch nach sehr kurzer Zeit habe ich gemerkt – das ist es. Dazu muss ich auch sagen, dass ich eine tolle Steuerberaterin als Ausbilderin hatte, die für mich ein Vorbild war.

Nach der Ausbildung habe ich dann noch die Fortbildung zur Steuerfachwirtin gemacht bevor ich die Steuerberaterprüfung absolviert habe.

Was ich an meinem Beruf liebe? Das ist die Zusammenarbeit mit dem Menschen hinter der Steuererklärung. Dazu gehört auch sehr viel Vertrauen seitens der Mandanten.

Ich arbeite natürlich auch viel mit Zahlen, aber auch mit der Sprache. Und diese Vielfalt macht es eben spannend.

Ich hatte von Anfang an eine klare Vorstellung davon, wie ich meine Mandanten beraten möchte und was wichtig ist.

Der Schritt in die Selbständigkeit war dann nur noch eine Frage der Zeit.

Hattest Du Hürden bei Deinem Einstieg in die Selbstständigkeit zu überwinden? Wenn ja, welche?

Oh ja, auch ich hatte Hürden zu bewältigen. Eine große Hürde für mich war die Frage der Absicherung im Krankheitsfall. Privat versichern lassen oder doch freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben? Auch wenn ich mich als Steuerberaterin im Wesentlichen damit auskenne, fiel mir die Entscheidung nicht leicht.

Das liegt daran, dass ich am Anfang keinen kompetenten Ansprechpartner hatte. Auch der Fragebogen der Krankenversicherung war nicht eben mal schnell ausgefüllt. Inzwischen habe ich das Richtige für mich gefunden. Aber dadurch habe ich halt gemerkt, wie schwer eine Gründung für jemanden sein kann, der sich nicht so gut auskennt. Auch aus meiner täglichen Praxis kann ich sagen, dass das Thema Krankenversicherung immer wieder ein Problem darstellt.

Folgende Frage, habe ich schon mal einer anderen Selbstständigen gestellt: Würdest Du sagen, es ist einfach sich in Deutschland selbstständig zu machen? Annika antwortete damals, dass sie es nicht sonderlich leicht fand. Siehst Du es ähnlich? Wenn ja, was könnte Deiner Meinung nach seitens des Landes besser gemacht werden?

Ich muss ehrlich sagen – teils, teils. Ich finde, es sollten mehr Kurse für Existenzgründer angeboten werden, die den Gründern einen kurzen und knappen Rundumblick vermitteln.

Aus Interesse habe ich selber ein Existenzgründerseminar besucht. Dieses dauerte nur einen Tag und ich fand es leider nicht ausreichend. Ein Gründer hat sich mit vielen verschiedenen Themen auseinander zu setzen. Dazu gehört eben nicht nur die steuerliche Seite. Vielen fehlt auch der Überblick, was alles dazu gehört, sprich Absicherung, Steuern, Werbung usw.

Ich kann jedem Gründer nur raten, sorgfältig zu planen, bevor er den Schritt in die Selbständigkeit macht.

Ich habe den wertvollen Tipp bekommen, mit allem fertig zu sein, bevor ich meine Kanzlei aufmache, damit ich mich gleich aus das Wesentliche, meine Arbeit konzentrieren kann.

Besser machen – ein gutes Stichwort. Du schreibst ja nun für uns als Gastautorin über steuerliche Themen, damit wir diese zukünftig besser bewältigen können. Gibt es eigentlich eine Frage, die Du in Deinem beruflichen Alltag häufiger, als andere beantworten musst?

Ja. Wie teuer die Erstellung der Steuererklärungen durch einen Steuerberater ist. Viele wissen nicht, dass wir Steuerberater an die Steuerberatervergütungsverordnung gebunden sind und dass die Rechnungshöhe u.a. abhängig vom Einkommen ist.

Viele sind dann erschrocken, wie hoch die Rechnung dann tatsächlich ist. Deswegen gebe ich den Hinweis, vorher nach zu fragen. Die Frage ist zwar nicht einfach zu beantworten, aber ein guter Steuerberater nennt die ungefähre Spanne.

Die Zweit häufigste Frage ist die Frage nach den Abgabefristen für Steuererklärungen.

Hier herrscht eine große Unsicherheit. Was auch daran liegt, dass es auch mal sein kann, dass man eine Erinnerung zur Abgabe der Steuererklärung vom Finanzamt erhält.

Und bei solchen Schreiben reagieren viele leicht panisch. Hierzu kommt aber ein Artikel im nächsten Jahr. 😉 Grundsätzlich kann man sagen, das die gesetzliche Frist zur Abgebe der Steuererklärung der 31.05. des Folgejahres ist. Steuerberater haben längere Fristen.

Wie sieht Dein Alltag aus? Wälzt Du Stunde um Stunde die Steuererklärungen Deiner Mandanten oder …?

Nein, das kommt nur ganz selten vor. Mein Alltag besteht aus vielen verschiedenen Aufgaben und sieht jeden Tag anders aus. Zum Glück, das macht es ja spannend.

Ich telefoniere viel mit meinen Mandanten, habe Termine, beantworte Emails, kommuniziere mit dem Finanzamt, erledige die Post. Das sind meine täglichen Aufgaben.

Ich versuche mir aber den Tag einzuteilen, d. h. den halben Tag die oben erwähnten Aufgaben und die restliche Zeit erstelle ich Lohnabrechnungen, bearbeite Buchführungen und erstelle Jahresabschlüsse. Und natürlich dann auch die Steuererklärungen 🙂

Ein weiterer wichtiger Punkt ist bei mir auch die Fortbildung. Ich besuche häufig Seminare um immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Das Steuerrecht ändert sich ja gerne mal und Fachliteratur gehört ebenfalls wöchentlich dazu.

Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt, um meine Mandanten immer rechtzeitig und aktuell beraten zu können und Hinweise auf Änderung zu geben.

Wie ich weiß, wirst Du bald eine Steuerkanzlei übernehmen. Die derzeitige Besitzerin wird sich nach und nach aus der aktiven Steuerberatung zurückziehen. Das erscheint mir als großer Schritt für Dich. Warum hast Du Dich für die Übernahme entschieden?

Dazu muss ich sagen, dass ich es anfangs gar nicht geplant habe. Ich habe mich als Einzelsteuerberaterin selbständig gemacht und bekam die Anfrage, ob ich stundenweise eine Kollegin unterstützen könnte.

Relativ schnell habe ich gemerkt, dass es genau das richtige für mich ist und wir uns trotz großem Altersunterschied ähnlich sind. Es passt einfach. Natürlich ist das ein großer Schritt und eine Herausforderung für mich, aber ich stehe voll dahinter und habe große Lust, diese Herausforderung anzunehmen.

Dazu muss ich sagen, dass es auch ein ganz tolles Team ist und es wirklich Spaß macht zusammen zu arbeiten.

Wir, als Selbstständige, haben ja wegen der Steuer ein paar andere Dinge zu beachten wie Festangstellte. Magst Du uns vielleicht ein, zwei Tipps verraten, die wir auf jeden Fall beachten sollten, wenn es um die Steuer geht?

Ein wichtiges Stichwort – Steuervorauszahlungen. Das bedenken viele am Anfang nicht.

Als Angestellter wird monatlich die Lohnsteuer vom Arbeitgeber einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Die Lohnsteuer ist eine Art Vorauszahlung für die Einkommensteuer.

Als Selbständiger hat man selber darauf zu achten. Die Vorauszahlungen sind viermal im Jahr an das Finanzamt zu leisten. (Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer).

Viele denken wie gesagt nicht daran und bei Einreichung der Steuererklärung kommt es dann zu hohen Steuernachzahlungen, die vor allem Gründer ganz schnell in Existenzschwierigkeiten bringen.

Da die Vorauszahlung viermal im Jahr fällig ist, nicht wie bei Angestellten monatlich, sollte man monatlich was zur Seite legen.

Was sind die häufigsten bürokratischen Fehler die Selbstständige begehen?

Ordnung in der Buchführung. Viele Gründer haben am Anfang aus Kostengründen keinen Steuerberater und bewahren ihre Belege in Klarsichtfolien auf. Das führt aber zu mehr Arbeit.

Ich kann jedem nur den Tipp geben – Belege lochen und abheften. Und auch ich weiß, dass die Buchführung anstrengend sein kann und Zeit kostet.

Deswegen empfehle ich es sogar, es wöchentlich zu machen.

Hört sich schräg an, spart aber Zeit und Nerven und die Buchführung wird so ein ganz normaler Bestandteil der Selbständigkeit.

Da wir beide uns regelmäßig auf einen Kaffee treffen, weiß ich auch von Dir, dass Du einen Hund hast und Yoga betreibst. Wie wichtig ist Dir der Ausgleich zu Deiner Arbeit? Ich selbst halte nicht viel von der Begrifflichkeit, aber andere würden es “Work-Life-Balance” nennen. Wie steht es bei Dir darum? Oder gilt für Dich “selbst und ständig”?

Mir war es von Anfang an wichtig, dass es nicht nur ein Beruf ist, sondern Leidenschaft und ja, auch Berufung.
Deswegen empfinde ich meine Arbeit oft nicht als Arbeit und habe Spaß an der Sache.

Aber auch ich habe oft Termindruck und Stress. Da hilft mir nur eins – Matte ausrollen und ein paar Sonnengrüße machen.

Ich halte ebenfalls nicht viel von “Work-Life-Balance”. Dafür arbeite ich zu gerne.

Und wenn ich mal eine Auszeit brauche, gehe ich zum Yoga oder eine Runde in der frischen Luft mit meinem Hund. Das reicht mir oft aus.

Aber ich muss dazu auch sagen, dass ich ganz tolle Menschen hinter mir stehen habe, die mich unterstützen und mir Rückhalt geben.

Noch eine Frage über die ich vom Thema Freizeit komme: Gibt es ein Buch, von dem Du glaubst, dass es jede Selbstständige gelesen haben sollte?

Ehrlich gesagt – nein. Ich hatte in der Gründerphase kaum Zeit zum Lesen. Es kamen immer neue Aufgaben auf mich zu. Und als Steuerberater habe ich auch da leider nicht viel Auswahl 🙂

Welche Pläne hast Du für das Jahr 2017?

Das Jahr 2017 wird für mich richtig spannend. Ich habe gerade diese Woche eine Anfrage erhalten als Dozentin zwei Steuerfächer ab Februar zu unterrichten. Das ist eine neue Herausforderung, zur Kanzleipartnerschaft. Aber ich freue mich darauf. Und es macht mir Spaß, Menschen das Steuerrecht etwas näher zu bringen und zu zeigen, dass es doch nicht ganz so langweilig und staubig ist.

Meine weiteren Pläne? Viel Yoga, Tee trinken, mehr lesen und vielleicht ein Wochenende ans Meer. Aber erstmal die Steuererklärungen fertig stellen 🙂

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