„Texte zu schreiben ist nur ein kleiner Teil meiner täglichen Arbeit“ – Im Gespräch mit der freien Redakteurin Marion Müller-Klausch

Marion Müller-Klausch

Erinnert Ihr Euch noch an Marion Müller-Klausch? Sie hat den ersten Gastartikel hier bei uns auf dem Blog geschrieben. Heute möchten wir Euch die Möglichkeit geben sie etwas besser kennenzulernen, weshalb ich ihr ein paar neugierige Fragen zu ihrer Arbeit als freien Redakteurin, ihren Träumen und Zielen sowie ihrem Marktwert gestellt habe.

Marion, Du bist seit fast 10 Jahren als freie Redakteurin selbstständig – wow! Warum hast Du Dich damals für den Weg der Selbstständigkeit entschieden?

Das war damals weniger eine bewusste Entscheidung als eine günstige Fügung. Ich kam von meinem Auslandssemester in Schweden zurück und musste mich nach einem neuen Studentenjob umschauen. Gelandet bin ich dann bei einer Medienagentur in Frankfurt am Main, die für verschiedene Automobilhersteller Kundenzeitschriften produziert hat. Die redaktionelle Mitarbeit lief immer projektweise und auf Honorarbasis – und so musste ich mich schon sehr früh mit der Anmeldung beim Finanzamt und all dem rechtlichen Kram befassen, der viele abschreckt. Ungefähr zur gleichen Zeit habe ich auch angefangen, für Blogs und Musikmagazine zu schreiben, erstmal online und später auch print.

Eine Festanstellung kam für Dich nie in Frage?

Nach dem Studium bin ich den klassischen Weg einer Geisteswissenschaftlerin gegangen: Praktikum und Volontariat im Buchverlag und Medienunternehmen, danach dann ein befristeter Job als Lektoratsassistentin. Das waren alles Festanstellungen, nebenher war ich aber weiter als Freiberuflerin unterwegs.

Hattest Du die Selbstständigkeit denn nie satt? Es gab doch sicher auch schwierige Momente, oder? Erzähl uns davon!

Eher hatte ich immer wieder die Festanstellungen satt. Das hat dann auch dazu geführt, dass ich die letzten beiden Jahre fast ausschließlich als freie Redakteurin gearbeitet habe. Ich hatte in dieser Zeit das Glück, die Hälfte meiner Zeit als feste Freie bei einem Printmagazin aus dem DIY-Bereich arbeiten zu können, was den Umstieg sehr erleichtert hat. Allerdings gab es auch immer wieder Momente, in denen ich mir mehr Struktur und längere Perspektiven gewünscht hätte. Deshalb bin ich aktuell wieder in Teilzeit fest angestellt und mache in dem Unternehmen etwas komplett anderes als in meiner „freien“ Zeit. Beide Arbeitsweisen miteinander kombinieren zu können ist für mich momentan super.

Und was waren Deine persönlichen Highlights?

Das Gefühl, mir meine Aufgaben selbst zu suchen und nicht bloß auszuführen. Und mit der Zeit, die ich habe, sehr effektiv umgehen zu können. Das hat mich definitiv zufriedener gemacht. Ein absolutes Highlight für mich war das Interview mit Biffy Clyro, das auf popfrontal.de erschienen ist – nach der grandiosen halben Stunden mit den Jungs hat auch für mich das Leben den perfekten Sinn ergeben.

Du hast ja bei uns vor Kurzem in dem Artikel “Die halbe Wahrheit über Crowdfunding” über Deine Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der FahrradGarderobe geschrieben. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Michael Kellenbenz, der zusammen mit Helen Schepers die FahrradGarderobe gegründet hat, und ich haben uns vor Jahren bei Thees Uhlmanns Homecoming-Show in Hemmoor kennengelernt. Er war zu der Zeit Chefredakteur beim Hamburger Konzertblog concert-news.de, für den ich dann auch geschrieben habe. Als es mit der ersten FahrradGarderobe beim Dockville Festival losging, war ich als Helferlein mit dabei – und so kam es, dass die beiden mich gefragt haben, ob ich sie bei der Crowdfunding-Kampagne unterstützen möchte.

Wie findest Du neue Kunden und gelangst an neue Aufträge?

Das ist ganz unterschiedlich. Oftmals ist es aber so, dass ich ein Projekt, einen Blog oder ein Magazin sehe, das mich anspricht und ich einfach der Chefredaktion maile und mich vorstelle. Aber natürlich kommen manche Aufträge auch über Auftraggeber zustande, die mich weiterempfehlen. Da ich eben nicht ausschließlich redaktionell und freiberuflich arbeite, ist für mich auch das Spektrum an möglichen „Andockstellen“ insgesamt größer.

Ich bekommen hin und wieder Projektanfragen über XING. Die letzte habe ich aus Mangel an Zeit absagen müssen. Nimmst Du Aufträge auch mal nicht an? Wenn ja, warum?

Mir fällt es tatsächlich schwer, aber ich übe mich darin. Denn am Ende des Tages macht es niemanden glücklich, wenn der Auftrag nur halbherzig fertiggeschustert wurde.

Was wäre Dein Traumprojekt? Oder anders gefragt: Für welches Magazin, welchen Verlag oder Blog möchtest Du gerne einmal schreiben?

Das Medium wäre mir da nicht so wichtig. Wenn es so etwas wie einen Traum gäbe, dann irgendwann so sagenhaft gute Texte wie Laurie Penny schreiben zu können, die Pop und Politik miteinander verweben. Und sie genau dort zu platzieren, wo sie auch gelesen werden.

Welche beruflichen Ziele magst Du im Jahr 2016 erreichen?

Für 2016 habe ich mir vorgenommen, endlich einen Schritt in Richtung eigenes Online-Musikmagazin zu wagen. Das ist etwas, was ich schon sehr lange machen möchte.

Ich träume ja schon seit ich 14 bin davon ein eigenes Buch zu schreiben. Kannst auch Du Dir das vorstellen? Quasi als einen weiteren Next Step.

Als kleines, persönliches Selfpublishing-Experiment habe ich das tatsächlich schon gemacht – allerdings unter einem Pseudonym und als E-Book only. Die Hürden, eine eigenes Buch herauszubringen, sind dank der Selbstvermarktungsmöglichkeiten über Social Media in den letzten Jahren ja viel niedriger geworden. Man muss eben „nur“ die Muße und Zeit finde, die Ideen zu Papier zu bringen… Und nicht die Illusion haben, mit einem Buch gleich reich zu werden.

Wie sieht eigentlich ein Tag im Leben einer freien Redakteurin aus? Ich glaube, dass viele sich vorstellen, Du wärst von morgens bis abends dabei Texte zu schreiben. Da gehört doch sicher noch viiieeel mehr dazu, oder?

Texte zu schreiben ist nur ein kleiner Teil meiner täglichen Arbeit, ich bin eben keine Journalistin. Hefte planen, Themen finden, Seitenpläne füllen, freie AutorInnen briefen, Bilder und Rezensionsexemplare anfragen, Shootings vorbereiten und dabei sein, Texte redigieren, Druckfahnen korrekturlesen und natürlich sehr viele Mails schreiben und beantworten – das alles gehört dazu. Genau wie die Bespielung von Social-Media-Kanälen, die Konzeption von Newslettern und die Pflege von Blogs – es ist also immer was zu tun!

Du wirst für Deine Arbeit hoffentlich fair bezahlt. Wie wusstest Du damals zu Beginn Deiner Freiberuflichkeit, wie viel Du für Deine Leistungen verlangen kannst?

Nein, ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung. Damals habe ich mich mit dem zufrieden gegeben, was mir angeboten wurde und war schon glücklich damit, Platten vorab hören zu dürfen und bei Konzerten auf der Gästeliste zu stehen. Das war natürlich viel zu wenig und in keinster Weise angemessen. Und auch heute noch ist es für mich nicht einfach, das zu bekommen, was meine Arbeit wert ist. Die Gefahr der Selbstausbeutung ist deshalb leider sehr groß.

Hast Du Tipps für Frauen, die noch ganz am Anfang stehen? Wie können sie ihren Marktwert rausfinden?

Der Marktwert ist ein Arschloch – um es mal vorsichtig auszudrücken. Denn wenn es nach dem ginge, würden wir noch draufzahlen, um überhaupt irgendwo im Medienbereich arbeiten zu dürfen. Ich kann nur jeder Frau den Tipp geben: Redet mit euren KollegInnen über Honorare, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, was Auftraggeber zahlen. Und kalkuliert realistisch, was ihr braucht, um gut leben und vorsorgen zu können. Von Spaß an der Arbeit allein lässt sich eben keine Miete bezahlen, geschweige denn etwas für’s Alter und schlechte Zeiten zurücklegen. Die wichtigste Frage für mich ist also: Was bin ich mir wert und wer ist bereit, das zu zahlen? Wenn man das im Hinterkopf behält, dann fällt es auch leichter, miese Angebote zu erkennen und auszuschlagen.

Sonst noch irgendwas, was Du ihnen mitgeben willst?

Sucht euch gleich eine gute Steuerberaterin – das zahlt sich tausendmal aus und spart Nerven!

Liebe Marion, herzlichen Dank für das Interview! 🙂 Wir hoffen, bald mal wieder ein Gastartikel von Dir in unserem Blog zu lesen und sag uns Bescheid, wenn Dein Online-Musikmagazin an den Start geht – wir lesen rein.

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