„Hektik & Stress führt zu absolut gar nichts“ – Interview mit der Camp-Breakout-Gründerin Maike Engel

Maike Engel, Gründerin Camp Breakout

Als ich letztens so durchs Internet surfte, wurde ich zufällig auf eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Titel “Camp Breakout – A summer camp for adults” aufmerksam. Es geht um ein 4-tägiges Feriencamp, mithilfe dessen man dem Alltag entfliehen kann. Da mein Freund und ich schon seit längerem darüber nachdenken eine Wanderung zu machen, z. B. auf dem Jakobsweg, dem Appalachian Trail oder ganz “uncool” auf dem Heidschnuckenweg ;), musste ich ihm sofort den Link zur Kampagne schicken, quasi als Vorbereitung für die Tour (Kommen wir in der Natur überhaupt klar?). Bei mir wurde der Wunsch zu wandern übrigens durch das Buch Wild* von Cheryl Strayed hervorgerufen (auch wenn sie darin 5-Fußnägel verliert… bäh!) – Danke übrigens an Aimie, die mir das Buch geschenkt hat!

Maike, lass uns mit den Fragen chronologisch entlang Deiner Vita langhangeln: Du hast vor Deinem Ausstieg aus der Festanstellung sieben Jahre als Mediaplanerin gearbeitet. Was hat dazu geführt, dass Du Ende 2014 diesen Job gekündigt hast?

Ich war schon lange nicht mehr glücklich in meinem Job und der Gedanke mich selbständig zu machen schwirrte schon lange in meinem Kopf herum. Wie das halt so ist, habe ich es nie geschafft den ersten Schritt zu machen. Anfang des Jahres 2014 versuchte ich es dann mit einer 4-Tage-Woche, um mehr Zeit und Muße für die Ideenfindung und den Aufbau einer Selbständigkeit zu haben. Jedoch klappte das nicht wirklich, denn ich war einfach zu ausgebrannt, um mich in etwas Neues zu stürzen. Als dann jedoch meine Beziehung zu Bruch ging, kündigte ich sofort meinen Job und meine Wohnung.

Nach der Kündigung hast Du Dich auf nach Asien gemacht. Warum hast Du Dich ausgerechnet für den asiatischen Kontinent entschieden?

Einige Jahre zuvor hatte ich bereits einen Urlaub in Thailand verbracht und war beeindruckt von der Mentalität der Menschen. Mit meinen damals relativ geringen Ersparnissen wollte ich zudem solange wie möglich reisen und so viel wie möglich sehen. Dafür ist Asien das optimale Reiseziel. Hinzu kam noch, dass zwei gute Freunde von mir zu diesem Zeitpunkt gerade in Vietnam ein Auslandssemester machten und in Saigon (Vietnam) einen vorübergehenden Wohnsitz hatten. Hier konnte ich einige Zeit bleiben und hatte somit immer eine zwischenzeitliche Homebase und einen guten Ausgangspunkt für meine Trips durch Südostasien.

Du hast sicher nicht nur viel gesehen, sondern in den sechs Monaten in denen Du unterwegs warst, auch viel gelernt. Magst Du vielleicht die ein oder andere “Lektion” mit uns teilen?

Bereits zu Anfang der Reise habe ich gemerkt wie viele Ängste sich im Laufe des Lebens aufbauen können, mit denen man erst auf Reisen konfrontiert wird. Diese gilt es dann zu überwinden und danach wird es immer einfacher. Um etwas Neues kennenzulernen, muss man ab und zu seine Komfortzone verlassen und sich in Unbekanntes stürzen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass in Asien nie wirklich Stress ausbricht und trotzdem alles irgendwie funktioniert. Das führt dazu, dass die Leute wesentlich entspannter und fröhlicher durchs Leben gehen. Davon können wir uns hier in Deutschland definitiv eine Scheibe abschneiden. Hektik und Stress führt zu absolut gar nichts. Dadurch kommt man auch nicht schneller voran – im Gegenteil.

Wieder zurück in Deutschland hast Du dann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Hat Dich Deine Reise nach Asien dazu bewogen oder wie ist der Wunsch Dich selbstständig zu machen entstanden?

Ich würde sagen, dass die Reise meinen Wunsch bestärkt und gefestigt hat. Ich bin kein Mensch, der sich in vorgegebenen Strukturen und Hierarchien wohl fühlt. Das war schon immer so. Der Wunsch mein eigenes Ding zu machen war deshalb schon sehr lange vorhanden, jedoch hat der Job mich so eingenommen, dass ich nie die Kraft gefunden habe es letztendlich auch umzusetzen.

Mit der Reise habe ich den ersten Schritt in die Unabhängigkeit gewagt und von da an war es gar nicht mehr so schwer weitere Schritte zu machen. Es öffnen sich auf einmal Türen und man ist offener für Neues und Inspirationen. Ich habe auf Reisen Eindrücke und Ideen gesammelt und als ich zurück in Deutschland war. fiel es mir viel leichter diese auch umsetzen. Ich fühlte mich frei und war bereit für einen neuen Lebensabschnitt.

Und wie kamst Du dann letztendlich auf die Idee zum Camp Breakout und der dazugehörigen Crowdfunding-Kampagne?

Ich habe damals viele Bücher zum Thema Gründen, Neuorientierung, Selbstfindung etc. gelesen. Mir fiel es jedoch besonders schwer, möglichst viele meiner Interessen und Leidenschaften in einer Idee zu vereinen.

Eines Tages spazierte ich dann mit einer Freundin durch die Hamburger Schanze und sah ein Kind in einer Wasserpfütze spielen. Ich sagte zu ihr „Wäre es nicht schön, wenn es einen Orte gäbe, wo man wieder ganz Kind sein dürfte ohne, dass es einem peinlich ist“. Das war wohl der ausschlaggebende Moment für die Weiterentwicklung der Idee von Camp Breakout.

Mit der Crowdfunding-Kampagne und dem dazugehörigen Video wollte ich eine kleine Geschichte erzählen und die Leute dort abholen wo sie sich gerade befinden. In unserem Beispiel ist es ein Büro, wo Stress, Lärm und Hektik den Alltag bestimmen. Nicht selten gibt es Momente in denen alles zu viel wird, man starrt auf den PC-Bildschirm und will in diesem Augenblick einfach nur aus dem Hamsterrad „ausbrechen“.

Erzähl uns bitte ein wenig mehr über das Camp. Ich muss gestehen, dass ich anfangs dachte, es handle sich mehr um ein Survival Camp, ganz ohne jeglichen Komfort, bei dem man in Zelten statt in Holzhütten schläft. Da liege ich nicht richtig, wie ich jetzt weiß…

Es geht im Camp Breakout nicht darum, sich damit zu beschäftigen wie man in der Wildnis überlebt. Es geht darum wieder zu entdecken, dass auch die einfachsten Dinge Spaß machen können und es egal ist, ob die Betten ausreichend groß sind oder der Kaffee zum Frühstück ein Schaumkrönchen hat. Im Camp geht es darum, dem Alltagsstress, der Großstadthektik und dem digitalen Wahnsinn zu entkommen. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, wie wir es aus unserer Kindheit im Ferienlager kennen. Mit dem Unterschied, dass wir mittlerweile erwachsen sind, wir keinen Küchendienst übernehmen müssen und nicht bereits um 20 Uhr Bettruhe ist. Wir möchten 4 Tage mit Abenteuer und Action füllen. Dazu gehören altbekannte Gruppenspiele, Rallyes, kreative Workshops und Entspannung in der Natur. Die Teilnahme an den Programmpunkten ist immer freiwillig. Jeder kann das machen, wonach ihm gerade ist.

Das Camp ist kein 5-Sterne-Resort, sondern ein Feriencamp in direkter Wald- und Seelage mit einfachen, aber gemütlichen Mehrbett-Hütten und viel Platz für Aktivitäten in der Natur. Es gibt leckere Snacks und ein Grill-Buffet am Abend. Heutzutage haben sich auch die Ferienlager an den wachsenden Anforderungen der Gesellschaft orientiert und ich war überrascht wie komfortabel es mittlerweile in den Anlagen im Vergleich zu meiner Kindheit ist.

Wie passt das Camp in das “Gesamt-Konzept” für Deine Selbstständigkeit? Ich nehme an, es ist nur ein Puzzle-Teil von vielen, oder?

Woher weißt du das? 🙂

Richtig, Camp Breakout ist nur ein Teil meines Gesamtkonzeptes. Unter dem Schirm „Breakout Experiences“ möchte ich noch weitere meiner Ideen verwirklichen. Das Camp ist nur der Anfang und soll auch als Inspirationsquelle für weitere Projekte dienen. Ich möchte mit möglichst vielen Teilnehmern sprechen und Anregungen und Ideen mit in weitere Projekte einfließen lassen. Mehr dazu kann ich leider noch nicht verraten, aber ich werde euch auf auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Es sind jetzt noch genau 8 Tage bis zum Ende der Crowdfunding-Kampagne. Was wäre, wenn die Fundingschwelle nicht erreicht würde? (Was wir nicht hoffen wollen!) Wie stehst Du generell zum Thema Scheitern?

Hättest du mir diese Frage vor 3 Wochen gestellt, hätte ich vermutlich gesagt „Wenn ich es nicht schaffe die Leute zu begeistern mein Projekt zu unterstützen, dann ist es wohl keine gute Idee“. Im Laufe der Kampagne habe ich aber gelernt, dass das Thema Crowdfunding noch nicht allen ein Begriff ist und es seine Zeit braucht bis man versteht, was die Kampagne zum Ziel hat. Vielen ist nicht klar, dass der Ticketverkauf aktuell nur über die Plattform stattfindet und der Kauf auf das Erreichen der Fundingsumme einzahlt.

Jeder Misserfolg treibt mich noch mehr an. Ich lerne daraus und kann es beim nächsten Mal anders angehen. Ich sehe das Ganze als einen Versuch, der mich in die richtige Richtung lenkt und nicht als Scheitern. „Jetzt erst recht“ lautet da mein Motto.

Egal, wie das Crowdfunding am Ende ausgehen wird, what’s next? Wie wird es bei Dir in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen?

Die nächsten 8 Tage werden wir auf jeden Fall nochmal alles geben, um die Fundingschwelle zu erreichen. Danach steht dann ein „Test-Camp“ auf Usedom mit privaten Freunden an. Hier werden wir direkt vor Ort einige Aktivitäten und die Abläufe durchgehen, sowie die Location und die Umgebung für weitere Möglichkeiten zur konkreten Programmgestaltung unter die Lupe nehmen.

Na dann, viel Spaß Euch und viel Erfolg für die Kampagne. Auf das Du Dein Funding-Ziel erreichst!

Update: Die Crowdfuning-Kampagne war erfolgreich

 

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