„Man verliert sehr schnell den eigenen Traum aus den Augen.“ – Ein Interview mit der Hamburger Fotografin Sabine Skiba

Hamburger Fotografin Sabine Skiba bei der Arbeit

Vor Kurzem haben wir auf unserer Facebook-Seite eine runde Fanzahl gefeiert (darauf noch mal Prost?) und gefragt, wer von unseren „Fans“ denn mal von uns interviewt werden möchte. Darauf hat sich die Hamburger Fotografin Sabine Skiba gemeldet. Glück für mich, denn ich setze mich gerne mit Kreativen auf ein Käffchen zusammen 🙂 Also habe ich Sabine im Café Mimosa in Hamburg getroffen, wo wir von Träumen und Künstler-Geschichten über den Playboy und Instagram bis zu Skype-Dates ausgeschweift sind. Aber mal der Reihe nach…

Hamburger Fotografin Sabine Skiba
Sabine Skiba, Hamburger Fotografin

Sabine, bei uns geht es ja um die Selbstständigkeit. Warum hast Du das mit der klassischen Festanstellung sein lassen?

Ich fang mal ganz von vorn an: Ich wusste immer, dass ich etwas Kreatives machen wollte und hatte ursprünglich vor, Grafik Design zu studieren. Dafür brauchte ich ein dreimonatiges Praktikum, das ich bei einem Fotografen in Bonn gemacht habe. Bernd Spitzkatz. Er war schon etwas älter, so um die 60. Er hat viel in der Werbung gearbeitet und Künstler portraitiert. Ich mochte diese Welt, in der er sich bewegte, so gerne. Die Leute waren zwar alle sehr verrückt, aber auch so kreativ. Und da wusste ich schnell: Ich will genau das machen. Ich will auch zu dieser Welt gehören. Und irgendwie war mir immer klar, dass man als Fotografin eben frei, also nicht festangestellt, arbeitet.

Hast Du noch Kontakt zu Bernd Spitzkatz? 

Ja, ich besuche ihn immer, wenn ich in Bonn bin. Mittlerweile ist er ein gutes Stück älter und ich habe immer Angst, dass er stirbt, bevor ich das nächste Mal hinkomme. Ich habe auch immer noch eines seiner Bilder in meiner Wohnung hängen. Das Bild erinnert mich daran, wie viel Leidenschaft in diesem Beruf stecken kann. Bernd hatte das Motiv zufällig bei einem nächtlichen Streifzug entdeckt und ist extra eine Stunde lang im strömenden Regen nach Hause gelaufen, um seine Kamera zu holen. Die Leidenschaft, die er für seine Arbeit empfand und heute noch empfindet, hat mir imponiert. Denn genau diese Leidenschaft sieht man dem Bild auch an.

Wurde er nach der Zeit zu einem Mentor, den Du jederzeit um Rat fragen konntest?

Bernd ist bis heute ein wichtiger Ratgeber. Ich mag seine Art, die Dinge zu sehen. In der Ausbildung, die ich danach angefangen habe, habe ich ihn immer nach seiner Meinung gefragt, ja. Die war mir sehr wichtig.

Wie ging es nach Deiner Ausbildung weiter?

Ich habe sehr viel assistiert. Leider so viel, dass ich mir wenig Zeit für eigene Projekte nahm. Dann zog ich nach Hamburg.

Warum Hamburg?

Ich wollte raus aus der Kleinstadt. Dann war klar: Berlin oder Hamburg. Berlin war mir aber etwas zu groß und an Hamburg schätze ich die Nähe zum Wasser. Ich liebe den Hafen und die Atmosphäre auf St. Pauli. Hier leben viele Kreative und Künstler. Das mag ich sehr. Außerdem ist es ja nicht weit bis in die Hauptstadt und gerade als Fotografin kann man auch viel unterwegs sein, wenn man möchte.

Wie hast Du dann angefangen? Ich stelle mir das so schwierig vor, wenn man so ganz ohne Netzwerk startet.

Zu Beginn war es wirklich sehr schwierig. Anfangs habe ich in den Schauspielschulen ausgehangen, dass ich Portraitfotografien anbiete. Darüber habe ich erstmal etwas Geld verdient und nette Leute kennengelernt, die mich auch weiterempfohlen haben. An Modeschulen habe ich es genauso gemacht. Über sogenannte Testshootings habe ich mir mein Portfolio aufgebaut und dann auch bei Verlagen den Fuß in die Tür bekommen.

Jetzt wo Du selbstständig bist: Ist es so, wie Du es bei Deinem „Lehrmeister“ Bernd Spitzkatz, von dem Du erzählt hast, gesehen und Dir auch für Dich selber vorgestellt hast?

Nein. Ich bin zwar nicht desillusioniert, aber habe es mir viel einfacher vorgestellt. Ich dachte, es würde alles etwas schneller gehen. Außerdem verliert man auf der Suche nach bezahlten Jobs schnell den eigenen Traum aus den Augen. Ich wollte z.B. schon immer gerne für den Playboy oder den Pirelli-Kalender fotografieren. Mein jüngeres Ich hätte wohl geglaubt, dass ich das bis heute mal geschafft hätte. Ich denke, dass es deshalb wichtig ist, dass man sich immer wieder an seine Träume erinnert und sich nicht unterkriegen lässt. Aufrappeln und Weitermachen ist in meinem Job sehr wichtig.

Ich kenne das! Das gerät immer so schnell in Vergessenheit, sobald sich ein „Brot-und-Butter-Job“ ergibt. Eigentlich traurig! Aber was nicht ist… Auf Deiner Homepage gibt es ja auch Fotos von einer Indien-Reise. Ist das auch ein Traum, mehr in fernen Ländern zu fotografieren?

Das schon. Allerdings nicht unbedingt als Reise- oder Naturfotografin, sondern bei Shootings in beispielsweise Kapstadt oder Los Angeles. Das wäre noch so ein Traum. Dafür bin ich aktuell auch auf der Suche nach Stylisten, Models, Visagisten usw., die Lust haben, sowas mit mir umzusetzen.

Aaaah, also Leute, wenn ihr aus Kapstadt auf diesen Blog geschaltet habt oder in Deutschland sitzt und auch diesen Traum träumt: Bei Sabine melden! 😉
Wie kommst Du eigentlich an Deine Kunden? Durch Empfehlungen oder Akquise?

Wenn man in einem Bereich einen Namen und gute Referenzen hat, kommt viel über Empfehlungen rein. Das klappt bei mir z.B. bei der Portraitfotografie schon ganz gut. In anderen, kommerzielleren Bereichen muss man tatsächlich Kaltakquise machen. Dies mache ich aktuell vor allem im Bereich der Unterwäsche- und Bademodenfotografie. Hier schreibe ich z.B. Unterwäsche-Designer und Agenturen an, um mich und mein Portfolio vorzustellen. Das ist oft sehr mühsam und kräfteraubend. Häufig möchte man alles hinschmeißen oder beginnt sich und sein Können zu hinterfragen. Das ist der Teil meines Jobs, den ich am wenigsten mag.

Wichtig ist allgemein einfach, dass man sich – selbst, wenn es gut läuft – um neue Jobs kümmert. Das habe ich immer vernachlässigt, so lange es gut lief.

Das hat Alexandra Reiter im Interview auch gesagt. Sie meinte, sie plant da ein halbes Jahr im Voraus…

Ja, das haut gut hin! Ich bekomme teilweise jetzt erst Feedback von Kontakten, die ich im Oktober angeschrieben habe.

Nutzt Du beruflich auch Instagram? Dadurch könnten sich ja sicherlich auch Aufträge ergeben, oder?

Jetzt schon. Aber da könnte ich noch etwas Nachhilfe gebrauchen 😉 Mein Account war ganz lange auf privat gestellt, sodass niemand meine Fotos sehen konnte. Ich wusste das gar nicht, bis eine Visagistin bei einem Shooting mir das sagte. Nun ist er offen für alle und mittlerweile haben mich dort schon Models angeschrieben. Ansonsten ist Instagram auch super, um nach neuen Magazinen zu suchen und sich inspirieren zu lassen.

Gibt es hier in Hamburg eigentlich eine enge Fotografenszene, die sich gerne die Jobs zuschiebt?

Das weiß ich leider nicht so genau. Wahrscheinlich schon. Leider habe ich hier gar nicht so viel Kontakt zu anderen Fotografen habe. Ich fände es schön mich mehr mit Kollegen und Kreativen auszutauschen. Momentan mache ich das mit einer Freundin, die auch Fotografin ist und die es nach England verschlagen hat, per Skype. Dann besprechen wir, wer in der neuen Woche welche To Dos auf dem Zettel hat und checken dann gemeinsam, was man auch tatsächlich geschafft hat. Das ist super, weil man oft dazu tendiert, viel zu lange To-Do-Listen zu schreiben und am Ende frustriert zu sein, weil man das alles gar nicht auf die Reihe bekommen hat. Sie sagt dann eben auch: „Das kannst Du alles gar nicht schaffen“. Und dann plane ich etwas realistischer. Das ist super!

Ha! Das sollte ich auch öfter machen. Meine Listen sind definitiv zu lang und am Ende denke ich immer, ich sei ein Faulpelz, weil ich längst nicht alles abhaken kann. Guter Tipp also 🙂
Bist Du eigentlich glücklich mit Selbstständigkeit oder denkst Du doch ab und an über einen festen Job nach?

So lange es gut läuft, würde ich die Selbstständigkeit im Leben nicht in Frage stellen. Das geht wohl jedem so 🙂 Wenn es mal nicht so gut lief, habe ich schon gedacht, wie viel einfacher es wohl wäre, einen „normalen“ Job zu haben. Aber ich würde immer alles probieren, um die Selbstständigkeit nicht aufgeben zu müssen. Ich mag das Freisein einfach zu sehr.

Sabine, vieeelen Dank für das Interview. Und ich drücke Dir die Daumen, dass das mit dem Playboy noch was wird 🙂

Und Leute, Ihr könnt Sabine jetzt gerne auch auf Instagram folgen (der Account ist jetzt auch freigeschaltet 😉 ) oder ihre Arbeiten auf ihrer Homepage anschauen.

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