„Gute PR zeichnet sich durch hervorragendes Storytelling und durch Individualisierung aus“ – Meike Neitz, »Die Zukunftsmanufaktur«

Meike Neitz

Meike Neitz habe ich im vergangenen Jahr durch das Interview mit Sibilla Kawala für die Interviewreihe #HamburgDeineGründerinnen kennen gelernt, welche sie PR-seitig unterstützte.

Nun ist Meike Interviewpartnerin meiner Begierde, schließlich ist sie als Inhaberin der Kommunikationsberatung “Die Zukunftsmanufaktur selbst Gründerin der Hansestadt.

Liebe Meike, wie wir uns beide kennengelernt haben, habe ich eingangs erwähnt. Neben Sibilla hast Du auch andere Teilnehmer_Innen von “Die Höhle der Löwen” wie z. B. Mareike Awe betreut. Ich nehme an, diese Zusammenarbeit ergab sich aus Deiner Arbeit für Vural Öger, oder? Erzähl uns mehr von Deinem beruflichen Engagement für den ehemaligen Löwen.

Ja das stimmt! Ich habe für Vural Öger, der vorher weder in Start-ups investiert- noch Fernseherfahrung hatte, die komplette Die-Höhle-der-Löwen-Teilnahme organisiert und betreut. Dies fing mit dem grünen Licht, überhaupt bei der Sendung mitzumachen an, ging über die Vertragsverhandlungen mit der Produktionsfirma, die Koordination der Drehs, Foto- und Pressetermine und der Konzeption seiner Unternehmerporträts.

Nach den Dreharbeiten habe ich dann gemeinsam mit den anderen Löwen-Teams die Due Diligence und Investitionsverhandlungen übernommen, habe die Kommunikationsarbeit geleitet und war Ansprechpartnerin für die Start-ups aus der Sendung, aber auch für neue Investitions- und Kooperationsanfragen. So habe ich in der Zeit viel gelernt und ein gutes Netzwerk aufgebaut.

Auf Deiner Website ist zu lesen “Die zwei Jahre, in denen ich „Die Höhle der Löwen“ begleitete, waren mein Einstieg in die Startup-Welt.” Was fasziniert Dich daran?

Mich fasziniert der Mut der Gründer, die Innovationskraft und der Willen, es selbst anzupacken! Ich persönlich habe durch meine Arbeit mit den unterschiedlichsten Start-ups zudem das Glück, in viele verschiedene Branchen „hereinschnuppern“ zu dürfen und so sehr spannende Einblicke zu bekommen.

Du hilfst nun mit Deinem eigenen Start-up anderen “Start-ups und kleinen sowie mittelständischen Unternehmen bei allen Fragen rund um die Kommunikation”. Was war der entscheidende Impuls für Dich Deine Zukunftsmanufaktur zu gründen?

Es war tatsächlich ein natürlicher Prozess: Schon während der Insolvenzzeit kamen Start-ups auf mich zu, weil die Dreharbeiten für die nächste Staffel „Die Höhle der Löwen“ kurz bevorstand. Sie fragten mich nach Rat in Bezug auf die Sendung und in allgemeinen Kommunikationsfragen. So reifte die Idee, dass ich mich selbstständig machen könnte, um beratend, aber nicht mehr investierend tätig zu sein.

Damit nicht genug. Du bist Mitgründerin von w3alpha, suchmaschinenoptimiertes Content-Management-System für die Touristikbranche. Wie hast Du Deinen Mitgründer Alexander kennen gelernt und wie seid Ihr auf die Idee zu Eurem Produkt gekommen?

Ich war in meiner Zeit für Vural Öger neben der Höhle der Löwen auch für das Aufsetzen des Onlinebuchungsportals seines neuen Reiseveranstalters zuständig. Darüber habe ich Alexander und sein System kennen- und schätzen gelernt: Wir haben in kürzester Zeit eine hoch performante B2C-Buchungsseite gebaut, über die bis zur Insolvenz fantastische Umsätze liefen.

Es war eine schmerzhafte Erfahrung, dieses Projekt in das wir viel Herzblut gesteckt hatten dann so schnell wieder offline gehen zu sehen. Schon damals hatten wir jedoch die Idee, das CMS, welches Alex bis dahin nur selbst für seine eigene Webagentur genutzt hatte, als SaaS-Modell auszurollen und haben die Idee sogar Vural Öger vorgestellt. Als ich dann doch so überraschend beruflich „frei“ wurde, hat Alex mich angesprochen ob wir das Projekt angehen wollen.

Du hast sowohl alleine, als auch im Team gegründet. Welche Vor- und Nachteile siehst Du in jeder Gründung?

Im Team hat man immer jemanden, der ebenso tief im Thema drinsteckt wie man selbst; mit dem man also alle Dinge besprechen und sich intensiv beratschlagen kann. Außerdem kann man als Gründerduo natürlich je nach Kompetenzlage die unterschiedlichen Aufgaben verteilen. Dies fehlt natürlich, wenn man alleine gründet! Dafür hat man aber auch die alleinige Entscheidungsgewalt und es gibt keine Auseinandersetzungen, wenn die Meinungen über Strategie und Taktik auseinandergehen.

Zurück zu Deiner Arbeit als Kommunikationsberaterin: Was macht Deiner Meinung nach gute PR für Start-ups und Selbstständige aus? Unterscheidet sich diese vielleicht sogar?

Ich glaube, der Kern der Öffentlichkeitsarbeit unterscheidet sich da tatsächlich kaum. Gute PR zeichnet sich durch hervorragendes Storytelling und durch Individualisierung aus. Man sollte eine gute Geschichte erzählen können und in der Ansprache immer individuell und so konkret wie möglich sein: Das heißt die Rubriken der unterschiedlichen Zeitungen gut kennen, wissen welcher Redakteur sich mit genau dem Thema beschäftigt, um das es geht, sich in aktuelle Diskussion einschalten, und gut einschätzen können, mit welcher Geschichte man wo/bei wem Interesse wecken kann.

Gibt es Fehler, die Start-ups in diesem Bereich des Öfteren begehen, die sie jedoch tunlichst vermeiden sollten?

Ich glaube, der größte Fehler ist, Massen-Mails mit Pressemitteilungen herauszuschicken, die dann einfach in der E-Mail-Flut der Redaktionen untergehen. Oft genug sind die Meldungen einfach nicht relevant genug und Start-ups verschwenden ihre Zeit für das Aufsetzen einer Nachricht, die außer sie selbst leider niemanden interessiert.

Von Fehlern zum Scheitern. Du hast die Insolvenz von Vural Öger unmittelbar miterlebt und sogar die Insolvenzverwaltung übernommen. Was hast Du aus diesem Prozess für Dich – und vielleicht auch Deine Selbstständigkeit mitgenommen?

Diese Erfahrung hat mich noch pragmatischer werden lassen und mich vielleicht auch ein wenig „ent-romantisiert“. Es hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich selbst und sein Unternehmen immer wieder kritisch zu hinterfragen, sehr reflektiert zu sein, sowie Warnzeichen nicht auszublenden. Egal ob in der Start-up-Welt oder in der Selbstständigkeit ist es wichtig, nah an der Realität zu bleiben und früh Produkttests, sowie Meinungsumfragen zu machen, um sich nicht blind zu verrennen.

Zudem ist gute Menschenkenntnis sehr wichtig: Alles steht und fällt mit dem Team – wenn man den falschen Leuten vertraut, kann es schnell schiefgehen.

Scheitern ist hierzulande ein Tabuthema und für viele Betroffene Unternehmer ein Stigma. Warum glaubst Du ist das so?

Ich glaube, dass in unserer Kultur ein gewisses Sicherheitsdenken tief verankert ist, das sich nur langsam löst. Dies ist sicherlich auch historisch bedingt und führt dazu, dass immer noch eine große Angst davor besteht, nicht erfolgreich und finanziell abgesichert zu sein. Wir haben da einfach keine Abenteurer-Mentalität in die Wiege gelegt bekommen, sondern eher den Hang zum Beamtentum 😉

Du als Weltenbummlerin – ich habe gelesen, Du hast über 80 Länder bereist (wow!) – kannst mir sicher sagen, wie es in anderen Ländern um die Selbstständigkeit steht. Gibt es ein Land, das Dir besonders geeignet für Gründer_Innen aufgefallen ist?

Ich persönlich war und bin immer sehr fasziniert von den asiatischen Ländern: Egal ob Indonesien, Thailand oder seit ein paar Jahren Myanmar – hier gibt es noch viel Potential, dynamische Märkte, viele sehr „streetsmarte“ Unternehmer und ein wachsendes Verständnis von Seiten der Regierungen, dass man den Unternehmergeist fördern sollte.

Im Chapter One Mag hast Du im Frühjahr einen wunderbaren Beitrag mit dem Titel “Wenn das Glück kommt, musst du ihm einen Stuhl hinstellen”. In Deinem Artikel berichtest Du offen und ehrlich von Deinen Gedanken im Gründungsprozess und Deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit. Magst Du an dieser Stelle einmal die Vorteile zusammenfassen, die diese Form der Selbstständigkeit mitbringt?

Die nebenberufliche Selbstständigkeit hat vor allem im Finanziellen den Druck heraus genommen. Ich wusste: Auch wenn es nicht viel ist, habe ich ein gesichertes Grundeinkommen und so große Bürden wie zum Beispiel die Krankenkasse wurden mir abgenommen. Dies hat es mir erlaubt, mich nicht mit voller Wucht, sondern langsam an die Selbstständigkeit heranzutasten. Ich konnte erst einmal herauszufinden, ob ich in der PR erfolgreich sein werde und ob es mir überhaupt langfristig zusagt.

Ich habe vorher immer als Generalistin auf tausenden Baustellen gearbeitet und so war die Fokussierung für mich neu, aber strategisch ein wichtiger Schritt. Aber da ich mir auch in der Kommunikation vieles autodidaktisch beigebracht habe, half es sehr, dass ich weniger Geld- und Zeitdruck hatte.

Kommt Dir Deine Arbeit für w3alpha manchmal in die Quere? Oder anders gefragt: Musst Du manchmal Aufträge im Rahmen Deiner PR-Arbeit absagen, weil Du diese Ressourcen-seitig nicht abbilden kannst?

Ja, das ist natürlich einer der Nachteile: Ich muss immer sehr genau schauen, was ich zeittechnisch abbilden kann und musste schon Projekte ablehnen. Das ist zwar schade, aber man kann eben nicht alles haben.

Apropos Aufträge: Wie findest Du Deine Kunden? Ich würde sagen, dass 80% meiner Kunden durch Empfehlungen zu mir finden. Vitamin B. Wie sieht es bei Dir aus?

Das ist bei mir tatsächlich genauso. Bis dato habe ich noch keine Akquise betreiben müssen, sondern neue Aufträge kamen immer über das Netzwerk.

Wie wird es für Dich und Deine Selbstständigkeit weitergehen? Wie sehen Deine kurz- bis mittelfristigen Ziele aus?

Ich würde gerne wieder internationaler arbeiten – das ist das einzige, was ich derzeit wirklich vermisse, weil ich ja früher jahrelang im Ausland tätig war. Daher werde ich mich stärker dahingehend ausrichten. Zudem habe ich noch ein größeres Überraschungsprojekt, von dem ich Euch hoffentlich bald mehr berichten kann 🙂

Dafür wünsche ich Dir viel Erfolg, liebe Meike, bedanke mich für dieses tolle Interview und bin schon ganz gespannt auf Dein neues Projekt! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen