„Ich kann etwas bewegen, bin kein kleines Rad im großen Getriebe“ – Maxine Heldmann, Inhaberin der Wunderkammer

Maxine Heldmann

Am 4. November findet das letzte Frühstück für selbstständige Frauen und Gründerinnen außerhalb Hamburgs für dieses Jahr statt. Nach Nürnberg, Leipzig, Hannover, München und Köln, werde ich mich diesmal nach Stuttgart aufmachen. Maxine Heldmann wird uns in ihrer „Wunderkammer“ empfangen – im Interview könnt Ihr die Café-Besitzerin kennen lernen. Schaut gerne – bei Eurem nächsten Besuch in der Stadt – bei ihr vorbei.

Ich begebe mich dann bald schon in die Frühstücksplanung für 2019. Möchtest Du, dass ich auch mal in Deiner Stadt ein Gründerinnenfrühstück ausrichte? Dann lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Liebe Maxine, Du hast gemeinsam mit Deinen Brüdern Valentin und Fabian das Tageslokal „Wunderkammer“ mit Café und Bistro in Stuttgart eröffnet. Wie ist es zusammen mit Geschwistern zu gründen?

Toll, da wir uns so gut kennen und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können, war es gleich klar, dass wir das zusammen machen! Da jeder „sein Gebiet“ hat, klappt es prima und wir ergänzen uns perfekt.

Von Deinem Bruder Valentin weiß ich, dass er gelernter Hotelfachmann ist. Wie ist Dein beruflicher Werdegang? Und: welche Aufgaben übernimmst Du in Eurem Laden?

Ich habe nach dem Abitur internationale BWL & interkulturelle Studien studiert, daneben die Ausbildung zur Hotelfachfrau erfolgreich absolviert. Danach ein Master in Hospitality Management gemacht.

Mein Bereich ist das Personal und Buchhaltung bei unserer Wunderkammer – natürlich bin ich auch regelmäßig mit an der Bar und im Café-Service dabei!

Es ist sicherlich nicht immer leicht unter Geschwistern einen Konsens zu finden. Wie geht Ihr vor, wenn Ihr wichtige Entscheidungen zu treffen habt? Siegt die Mehrheit?

Die Entscheidungen müssen sich am Ende für alle gut anfühlen und von allen mitgetragen werden, sonst funktioniert es nicht. Meist argumentieren/diskutieren wir so lange, bis wir einen Konsens für alle gefunden haben.

Auch Euer Vater, Axel Heldmann, ist im Gastrogewerbe tätig. Er ist Inhaber des Zauberlehrling – ein Designhotel und Gourmetrestaurant mit angeschlossener Kochschule. War es für Euch zum Vorteil bei der Gründung, dass Euer Vater bereits so viele Jahre Erfahrung in der Selbstständigkeit mit sich bringt, oder manchmal auch hinderlich? Ich spiele hier auf gut gemeinte Ratschläge an. 😉

Das war von Vorteil, da wir so bei Bedarf nach Rat fragen konnten – denn er hat sich vorbildlich in Zurückhaltung geübt.

Apropos hinderlich: Ich habe in der Südwest Presse gelesen, dass der Umbau Eures Lokals wegen unvorhergesehener Schwierigkeiten ein Jahr länger als geplant gedauert hat. Was sind für Probleme aufgetreten?

Die Lüftungsanlage musste komplett erneuert werden, da dieser Auftrag mit Fristen ausgeschrieben werden musste, zog sich das leider sehr! Ärgerlich, da so Personal und Kalkulationen nicht mehr gepasst haben.

Genug der Herausforderungen… Welche Vorteile siehst Du darin Deine eigene Chefin zu sein?

Ich kann etwas bewegen, bin kein kleines Rad im großen Getriebe – wir treffen Entscheidungen, sehen und spüren schnell das Ergebnis! Vor allem das tolle Feedback der Gäste, das wir direkt bekommen, motiviert. Wohingegen es doch selbst für uns noch überraschend viele Menschen gibt, die Spaß daran haben, das Haar in der Suppe zu suchen – da frage ich mich dann doch auch: warum das Ganze?

Wunderkammer

Kirsten Povny, Inhaberin der Pure Living Bakery in Wien, sagte in Sugar Girls: „Meine romantische Vorstellung vom eigenen Café musste ich überhaupt etwas anpassen“. Wie kritisch siehst Du es, dass sich viele Gründerinnen blauäugig in die Café-Gründung stürzen?

Für eine Gründung benötigt man viel Kraft, Ausdauer, Ideenreichtum und Glauben es zu packen – dazu „hilft“ es manchmal, nicht von Beginn an genau zu wissen, was da alles auf einen zukommt um nicht schon vorab zu resignieren. Dennoch sollte jede*r natürlich ausreichend Realismus besitzen, damit der Betrieb am Ende auch real und nicht nur in Gedanken funktionieren kann!

Gebe uns doch bitte ein paar Tipps, die bei der Eröffnung eines eigenen Gastronomiebetriebes hilfreich sein können!

In der Gastronomie gearbeitet haben. Wissen, was man alleine kann und wo man Hilfe von anderen benötigt. Vertrauenspersonen haben, die unterstützen und auch mal (bspw. bei Krankheit, Personalausfall) einspringen. Das umsetzen, was das eigene Herzblut ist und nicht einfach nach Trends und Preisen gehen.

Wie stand Dein Ehemann [ich habe den Flash-Mob zu Eurer Hochzeit auf YouTube gesehen 😉] zur Gründung? Hat er Dich unterstützt oder stand er dem Vorhaben eher skeptisch gegenüber?

Er hat mich und meine Brüder von Anfang an unterstützt und kümmert sich super nach seinem Arbeitstag um unsere kleine Tochter, wenn ich arbeite.

Was verändert sich eigentlich für Euch durch die „Wunderkammer“? Mit dieser Frage ziele ich sowohl auf die zeitliche, als auch steuerliche Komponente ab. Eine Gründung hat doch für Ehepaare sicherlich auch Steuervor- und Nachteile, oder?

Zeitlich ist es, gerade mit Kind, für mich eine organisatorische Herausforderung, was glücklicherweise mit Oma und Papa super klappt. Steuerlich ändert sich für uns als Paar mit dem GbR-Modell nichts.

Apropos Steuern: Welche Steuern und Kosten fallen bei einem Gastrobetrieb, wie dem Euren, so monatlich an?

Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Gewinnsteuer, Lohnsteuer, Konzession, Pacht, Personal, Waren, Energie/Wasser etc., Berufsgenossenschaft, Versicherungen, Instandhaltung, Reparatur und und und

Wie wird es für die „Wunderkammer“ weitergehen? Wo wollen Du und Deine Brüder in einem Jahr stehen?

Wir wünschen uns, dass wir täglich viele begeisterte Gäste haben, die sehen und verstehen, was wir bieten – Top-Qualität, viel Bio+Demeter+Faitrade und vor allem im Frühstücksbereich leckere, besondere Speisen – weg von 08/15-Brot, Butter, Konfitüre, Ei. Die Wunderkammer ist ein Platz zum Kraft tanken, sich erden, wohlfühlen in gemütlicher, familiärer Atmosphäre.

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