„Ich möchte einen Beitrag in dieser Welt leisten; mehr Liebe, Respekt, Wertschätzung für sich selbst und für andere zu entwickeln“ – Marion Lange-Hoppe, Coachin & Organisationsentwicklerin

Marion Lange-Hoppe
[Anzeige]

 

Über meine heutige Interviewpartnerin freue ich mich sehr. 🙂 Ich blogge bereits seit mehr als vier Jahren über die Selbstständigkeit auf FF& und stelle Euch selbstständige Frauen vor. Bislang war noch keine dabei, die seit über 25 Jahren ihre eigene Chefin ist und damit über einen sooo bunten und reichen Erfahrungsschatz verfügt.

Lasst mich Euch Marion Lange-Hoppe vorstellen, die ihre gesamte Erfahrung aus der Arbeit als Coachin und Organisationsentwicklerin nimmt und in ihr neues Projekt, das Wunderweib Coaching, steckt. Was sich dahinter verbirgt und an wen es sich richtet, wird sie Euch im Verlauf des Interviews erzählen.

Liebe Marion, Du bist ganzheitliche Coachin und Organisationsentwicklerin. Letztgenannte Berufsbezeichnung war mir bislang kein Begriff. Was macht eine Organisationsentwicklerin? Wem leistest Du bei welchen Problemen Hilfestellung?

Liebe Sandra, danke, dass du mich zu einem Interview eingeladen hast. Eine Organisationsentwicklerin wird in ein Unternehmen gerufen, wenn global was klemmt. Sehr oft heißt es, dass die Stimmung schlecht ist und keiner kennt den Grund. Ich finde dann mehrere Gründe. In einem Prozess erarbeiten wir gemeinsam was die Firma, der Mitarbeiter braucht, um wieder mehr Spaß zu haben. Diesen Prozess begleite ich dann. Es werden Strukturen verändert und der Umgang miteinander, angefangen bei der Geschäftsleitung. Dabei geht mir immer mein Herz auf. Das ist für mich eine sehr, sehr dankbare Aufgabe. Hier sind Erfolg, Motivation und Freude an der Arbeit schnell erkennbar.

Ich habe schon einige Coachinnen interviewt. Sandra Brauer zum Beispiel. Oder Jona Armborst und Sarah Jankowsky vom Wild Heart Club. Dadurch konnten wir bereits unterschiedliche Coaching-Ansätze und Methoden kennenlernen. Welche verfolgst Du?

Hier gibt es einen Unterschied, ob jemand mit Businessthemen kommt oder ob jemand für persönliche Themen eine Lösung braucht. Bei Businessthemen ist es ganz einfach. Oft sind es Lösungen für Vertriebsstrategien, für Personalentwicklungen, für Visionen oder für interne Konflikte.

Wenn Menschen zu mir kommen, weil sie ratlos sind, im Hamsterrad sitzen, ihre Energie knapp wird, sie unzufrieden sind und nicht wissen warum; gilt es herauszufinden, was die Ursachen dafür sind. Es geht in erster Linie um Selbsterkenntnis und Selbstreflexion. Das erreiche ich dadurch, dass ich empathisch, liebevoll, wertschätzend mit diesen Menschen ins Gespräch gehe. Unterm Strich geht die große Reise, fast immer, zur Selbstliebe. Das Ergebnis ist in allen Situationen ein ganz konkreter Handlungsplan.

Dein Ziel ist es, Menschen zu unterstützen und inspirieren, damit sie ihr berufliches und privates Leben mit mehr Leichtigkeit gestalten. Wer sind diese Menschen? Kann jede*r zu Dir kommen?

Da gibt es keine Unterschiede. Es sind Menschen aller Altersklassen. Berufstätige in allen Positionen. Angefangen bei Vorständen, Selbständige, Hausfrauen und Mütter. Mehr Leichtigkeit in unserem Leben und in unserer Gesellschaft ist für viele Menschen eine Herausforderung und am Anfang fast eine Unmöglichkeit.

Dazu fällt mir ein Zitat von Kurt Marti ein:

„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“

Auf Deiner Website steht: „(…) meine Arbeitsweise ist unkonventionell“. Inwiefern?

Ich habe oft das Gefühl, dass die Menschen nach dem Coaching erleichtert nachhause fahren. Ich begegne allen Menschen auf Augenhöhe, ich bin liebevoll und das Anliegen meiner Kunden ist für mich Herzenssache. Ich schließe fast jeden Coachee in die Arme, wenn er geht. Ich lasse mich von meiner Intuition treiben und nicht von Tools und Methoden. Ich möchte einen Beitrag in dieser Welt leisten; mehr Liebe, Respekt, Wertschätzung für sich selbst und für andere zu entwickeln. Und das Lachen und der Spaß sollten in unserem Leben wieder in den Vordergrund rücken.

Durch das Studieren Deiner Angebote weiß ich, dass es Fördermöglichkeiten für Coachings gibt. Das war mir bis dato nicht bewusst. Kannst Du uns weitere Informationen geben und ggf. Anlaufstellen nennen?

Es gibt viele Fördermöglichkeiten. Diese haben unterschiedliche Ausrichtungen und sind sehr individuell. Es geht z. B. um Dauer, Themen und welches Bundesland. Ganz besonders Selbstständige werden im Coaching gefördert. Aus meiner Erfahrung ist die Recherche im Netz hilfreich. Einige Links findest du auf meiner Homepage.

Lass uns nochmal auf das Thema Leichtigkeit zurückkommen. Du selbst hast mir Dein früheres Ich als zu kopflastig, kämpferisch, vom Ego gesteuert beschrieben. Warum zählst Du diese zu Deinen damaligen Eigenschaften? Wann kam der Wandel hin zu mehr Unbekümmertheit und Selbstliebe? Spielte Dein Burnout dabei eine Rolle?

Ich war sehr im Außen fokussiert. In meiner kleinen Familie musste alles perfekt laufen und organisiert sein, im Haushalt musste alles blinken, mein beruflicher Erfolg hatte eine sehr hohe Priorität. Mein Verstand gab zu allen Themen die Richtung vor. Ich war anstrengend für mich und für andere. Man muss doch; war mein Slogen. Und, mein Herz und ICH blieben vollkommen auf der Strecke. Der Wandel zu mehr Unbekümmertheit, waren die ständigen Fragen nachdem, wohin, woher und wofür. Das Gefühl zwischen zwei Welten zu stehen. Und dann, ganz klar, nach einer Nacht mit 16 Stunden Schlaf, der völlige Zusammenbruch. Körper, Geist und Seele waren lahmgelegt. 7 Monate apathisch auf dem Sofa sitzen. Bis ich wieder den Himmel gesehen haben und die ersten Gehversuche zur Mülltonne folgten.

Marion Lange-Hoppe

Mittlerweile nimmst Du das Leben also leichter und sagst von Dir selbst „Kraft schöpfe ich auch aus dem NICHTS-TUN“. Wie macht man das? Also: Wie macht man nichts? Eine Frage, die sich in unserer heutigen, schnelllebigen Welt wohl viele stellen…

*lach*, ich glaube, wirklich nichts zu tun, das ist nur sehr wenigen Menschen möglich. Aber, da wo ich herkomme und da wo ich hingegangen bin, macht es mir möglich, mich auf meine Terrasse zu setzten, die Augen zu schließen und zu träumen. Oder, ich gucke einfach nur in den Himmel und bin dankbar für das, was ist. Ich liege auch stundenlang im Stuhl, eingewickelt in einer Decke, auf meiner Terrasse und lese. Mir fällt dazu ein; einfach zu sein, ohne eine Absicht. Und, das kann ich oft, sehr oft, mit einem super guten Gefühl. Das ist bei Weitem nicht NICHTS-TUN, doch kurz davor *grins* Ich nenne es Selbstliebe und Dankbarkeit. Auch das können wir lernen, wenn wir erkennen, dass wir uns lieben dürfen.

Im Blog Deines neuen Projekts – auf das wir gleich zu sprechen kommen – ist ein Artikel mit dem Titel „Auch Kämpferinnen brauchen mal eine Pause“ zu finden. Darin geht es um Glaubenssätze. Du nennst sie Prägungen, Programme, Muster. Warum ist es wichtig, seine eigenen zu kennen? Hast Du einen Tipp, wie wir mit negativen schattigen Prägungen am besten umgehen können?

Der erste Schritt ist zu erkennen, welche Muster und Überzeugungen haben JETZT nicht mehr ihre Berechtigung, was schränkt mich heute ein. Viele Überzeugungen unserer Eltern hatten lange ihren Sinn, vielleicht heute nicht mehr. Mein Tipp, eine Herausforderung; die Reise nach Innen. Wozu in meinem Leben sage ich aus ganzem Herzen, in voller Liebe JA und wozu nicht. Sage ich ganz tief aus meinem Inneren JA zu meinem Partner, zu meinem Job, zu meiner Wohnsituation usw. Sandra, glaube mir, das ist eine sooo ehrliche Reise, die am Anfang schmerzt. Und dann Kurskorrektur vorzunehmen, das kostet viel Mut. Manchmal verlieren wir auf dieser Reise auch Wegbegleiter. Doch die Ernte, die wir dann einfahren, die ist von soviel Leichtigkeit, Glück und Wahrheit geprägt.

Im Artikel sagst Du: „Ich wollte alles alleine bewältigen und habe immer für alles gekämpft. Ich wollte mich behaupten und immer allen Aufgaben und Menschen gerecht werden“. Den letzten Punkt, immer anderen Menschen gerecht werden, kenne ich von mir selbst nur zu gut. Typisch Frau?

Danke Sandra, dass du das so offen sagst. Das kann ich so global nicht beantworten. Da gibt es Unterschiede. Vielleicht kämpfen wir Frauen ein wenig mehr, wollen uns behaupten. Vielleicht historisch bedingt. Wir mögen es kaum glauben, dass immer noch sehr wenig Frauen in den obersten Etagen einer Firma zu finden sind. Aber auch viele Männer wollen den Aufgaben und Menschen gerecht werden. Dahinter steckt das starke Bedürfnis nach Anerkennung. Der Schlüssel ist hier wieder, die Selbstliebe. Selbstliebe ist der Schlüssel für Unabhängigkeit. Ich brauche dann niemandem etwas beweisen.

Marion Lange-Hoppe

Weibliche Eigenschaften werden im beruflichen Kontext oft als Defizit ausgelegt. Das hast auch Du erkannt – (…) „als ‚weiblich‘ definierte Skills gelten nach wie vor als Nachteil im Wettbewerb“ – und Dein Wunderweib Coaching initiiert, das sich an Frauen in Führungspositionen richtet. Erzähl uns mehr.

Ich habe ein zweites Business entwickelt, weil ich etwas zurückgeben möchte, von dem, was ich erfahren durfte. Es ist eine große Herausforderung sich als Frau in der Wirtschaft zu behaupten. Viele erfolgreiche Frauen in meinem Alter sind einsam. Entweder hatten sie nie Familie oder die Kinder sind aus dem Haus, der Ehemann hat sich von einer anstrengenden Frau getrennt und hat Leichtigkeit und Lebensfreude woanders gefunden. Dazu muss es nicht kommen. Andere Frauen sind überfordert und verlieren sich selbst, weil sie Familie und Selbständigkeit unter einem Hut bekommen wollen. Auch das lässt sich ändern.

Mit Wunderweib-Coaching unterstütze ich Frauen ErfolgReich und ganz Frau zu sein. Oft schließen wir aufgrund unserer Programme/Muster und ÜBERZEUGUNGEN etwas aus. Bei Wunderweib-Coaching geht es darum, zu erkennen, dass wir alles haben können. Wer sagt, dass Erfolg hart erarbeitet werden muss? Wer sagt, dass ich Kompromisse eingehen muss? Wer sagt, dass ich kämpfen muss? Wer sagt, dass ich Opfer bringen muss? Nur weil wir einige dieser Erfahrungen gemacht haben, nur, weil uns Lebenslehrer das erzählt haben, nur weil wir das in Büchern lesen oder uns in Seminaren/Weiterbildungen gelehrt wird? Wir sollten unsere eigene Wahrheit finden. Es geht darum, dass wir unsere eigene Geschichte schreiben.

Eine Frage in meinem Coaching ist IMMER: „Was wünscht du dir von deinem Leben? Erzähle es mir es mir in deinen schönsten Farben.“ Ich begleite meine Coachees dieses Bild real werden zu lassen.

Es ist lange schon wissenschaftlich erwiesen, dass Gedanken unsere Realität/Materie verändern. Ganz viele Menschen beweisen und erschaffen sich das im negative Sinne. „Ich kann ja nicht alles haben.“ „Ohne Fleiß keinen Preis.“ „Wer Erfolg haben viel, der muss mehr tun als andere“. usw.

Es entsteht ein Konflikt; die Reise ins Hamsterrad und der Verlust der Weiblichkeit. Frauen versuchen sich gegen die Männerwelt oft zu behaupten mit mehr Stärke, Willenskraft, Engagement, Härte zu sich selbst. Sie wollen akzeptiert werden in ihren Leistungen. Durch dieses Kämpfen verlieren sie zu einem großen Teil ein Stück Weichheit, Weiblichkeit und zum Teil ihren Zauber, der in jeder Frau innewohnt.

Du hast zwei Töchter. Als Du Dich selbstständig gemacht hast, waren sie acht und 15 Jahre. Selbstständigen Müttern begegnet so manche Herausforderung. Auch Dir? Was waren das für Situationen?

Diese Frage macht mich emotional. Vor 10 Jahren haben meine Töchter gesagt: „Mutti, du hast alles richtig gemacht. Du hast uns zu selbstständigen Töchtern erzogen.“ Das mag die halbe Wahrheit für mich sein. Der Spagat zwischen Selbstständigkeit und Kindern ist ein sehr großer. Ich bin nach wiederholter Aufforderung nicht zum Elternabend erschienen. Meine jüngste Tochter ist mit sechs Jahren mit einem Fahrrad über eine Schnellstraße alleine zum Kindergarten gefahren. Meine älteste Tochter ist mit zehn Jahren von Stade nach Hamburg zum Augenarzt gefahren. Da war mein Gewissen so schlecht.

Ich habe mich ständig unter Druck gesetzt, um meinen Töchtern einigermaßen gerecht zu werden. Ich habe mit ihnen von unterwegs Radtouren, Spieleabende oder Schwimmbadbesuche vereinbart. Dabei habe ich mir immer eingeredet, dass es mir ja auch gut tut. Ich war stolz darauf, dass ich in all den Jahren (20) durchschnittlich 5 Stunden Schlaf hatte. Dabei fällt mir jetzt ein, jede Medaille hat zwei Seiten. Auch diese Zeit hatte für uns Vor- und Nachteile. Helmut Kohl hat einmal gesagt:

“Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“

1993 bist Du in die Selbstständigkeit gegangen. Heißt, Du bist seit über 25 Jahren selbstständig. Wow – da muss ich erst einmal innehalten und Dich beglückwünschen! Wie hat sich Deine Selbstständigkeit mit der Zeit verändert? Und daran anknüpfend eine zweite Frage: Hat sich die allgemeine, gesellschaftliche Wahrnehmung von der Selbstständigkeit über die Jahre geändert?

Meine Selbständigkeit hat sich insofern verändert, als dass ich nicht mehr kämpfe. Ich hatte in meinem Leben so viele Situationen, in denen mir nur noch Vertrauen half. Ich lasse los. Lass kommen, was kommt und gehen, was und wer gehen will. Auch meine Clienten profitieren von meiner Gelassenheit. 🙂 Da habe ich früher auch am Gras gezogen, damit es wächst.

Auf deine zweite Frage, kann ich nur oberflächlich antworten, da ich für meine Selbstständigkeit nichts wahrnehme. Wenn du so etabliert bist über viele Jahre ist es sicher anders, als wenn du dich jetzt selbstständig machst. Es gibt heute viel Unterstützung für Selbständige. Die gab es damals nicht. Ist der Mut heute größer als damals, ich weiß es nicht. Unterm Strich glaube ich, ist es eine Herausforderung.

In Deiner langjährigen Selbstständigkeit – nochmal: wow – hast Du viel erlebt, gesehen und gelernt. Was sind Deine Top 3 Learnings?

  1. Vertraue dir und dem Leben – das Leben ist immer auf deiner Seite!
  2. Sei mutig!
  3. Sei selbstbestimmt!

Zum Abschluss: Gibt es noch etwas, dass Du (angehenden) selbstständigen Frauen unbedingt mitgeben willst?

Glaube an dich und deinen Traum!

Setzte dir keine Grenzen, denn dann gehören sie dir!

Sorge gut für dich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen