„Die besten Sachen sind mir passiert, als ich auf mein Bauchgefühl gehört habe!“ – Maria Panzer, Foodfotografin & Autorin

Maria Panzer

Ich bekenne mich schuldig. Auch ich greife im Restaurant zu meinem Smartphone, um das Essen zu fotografieren, wenn es schön aussieht – hin und wieder schafft es solch ein Bild dann auch mal auf Instagram. Aber eher selten, denn zu richtig toller Foodfotografie gehört mehr als nur auf den Auslöser zu drücken.

Das weiß auch Maria Panzer, die ich zum Interview gebeten habe.

Liebe Maria, Du bist freiberufliche Foodfotografin und Autorin. Naheliegend wäre jetzt du denken, dass Du als Fotografin gestartet bist und im Bereich Essen Deine Spezialisierung gefunden hast. So war es aber nicht. Studiert hast Du Ernährungswissenschaften, richtig? Wie bist Du von dort zu Deiner heutigen Passion gekommen?

Offiziell stimmt das. Obwohl… meine erste Fotokamera habe ich schon zur Kommunion bekommen und immer liebend gerne fotografiert. Nach der Schule hatte ich aber Sorge die Lust am Kreativsein zu verlieren, wenn ich mich beruflich in diesem Bereich verwirkliche. Mittlerweile weiß ich es besser. Das wissenschaftliche Studium war interessant, für mich persönlich aber doch etwas trocken. Als Ausgleich habe ich wieder mehr fotografiert und so hat sich die Kombination ganz zufällig ergeben.

Auf Deiner Website sind ein paar Schlagworte zu Deiner Arbeit zu finden: Foodstyling. Konzeption. Rezeptentwicklung. Foodfotografie. Dadurch kann ich mir schon in etwa vorstellen, was Du machst, möchte es aber gerne genauer wissen. 😉 Welche Aufgaben hat eine Foodfotografin? Wie sieht so eine Arbeitswoche in Deinem Leben aus?

Mein Alltag ist sehr vielfältig und variiert von Projekt zu Projekt. Häufig starte ich mit einer Rezeptplanung in die Woche und überlege, wann ich was fotografiere. Dabei spreche ich mich teilweise auch mit einem Foodstylisten ab, wenn ich nur die Fotografie übernehme. Andernfalls erstelle ich basierend darauf eine Einkaufsliste und geh dann erstmal in Ruhe einkaufen – da wird der Wagen schon mal ganz schön voll, weil ich für sehr viele Rezepte auf ein Mal einkaufe.

Dann geht’s auch schon in die Küche und bald duftet es herrlich. Sind einige Gerichte fertiggestellt, beginne ich meine ersten Settings aufzubauen und nach und nach alle Leckereien zu fotografiere. Da wir nicht alles selbst aufessen können, laden wir häufig Freude zum Abendessen ein. Am nächsten Tag geht es dann wieder mit Kochen, Backen und Fotografieren weiter. Außerdem besorge ich alle ein, zwei Tage eine neue Ladung frischer Lebensmittel, wie Obst, Gemüse und auch mal Fisch. Die sollten für das Foto nämlich möglichst frisch sein.

Maria Panzer

Ich muss gestehen, dass es mir unheimlich schwer fällt mir vorzustellen, dass frau mit der Foodfotografie Geld verdienen kann – ausgehend von meiner persönlichen Erfahrung als freie Social Media und Content Marketing Managerin. Wie generierst Du Einkommen? Hast Du mehrere Standbeine?

Fotos werden einfach immer wichtiger. Fast alle Firmen bieten Rezepte auf ihren Websites an und auch auf Social Media benötigen sie regelmäßigen Content. Da Stockmaterial nicht gebrandet ist und keine Packungen im Foto gezeigt werden können, brauchen sie natürlich jede Menge personalisiertes Material. Dennoch bin ich froh mehrere Standbeine zu haben und mit meinen Workshops und Coachings eine zusätzliche, ganz andere Zielgruppe ansprechen zu können.

Du hast bereits mit namenhaften Kunden wie Ritter Sport, Melitta und Rotkäppchen zusammengearbeitet. Wie findest Du diese Unternehmen? Oder sollte ich fragen, wie finden sie Dich?

Die von dir erwähnten Kunden haben mich alle über meinen ehemaligen Foodblog gefunden. Es ist wirklich wichtig online präsent zu sein, denn auch die Mitarbeiter großer Firmen sind natürlich im WWW unterwegs. Mit guten Konzepten lohnt es sich aber auch auf die Firmen selbst zuzugehen. Dadurch hat man die Möglichkeit Kooperationen oder Fotokonzepte umzusetzen, die einem selbst sehr am Herzen liegen.

Neben Auftragsarbeiten für Marken bietest Du auch Workshops und Coachings für Privatkunden an. Diese Angebote sind auf Deiner Seite yummyklick zu finden – ich liebe ja den Namen! <3 Wann hast Du gemerkt, dass es einen Bedarf dafür gibt? Woher wusstest Du, welche Inhalte gewünscht sind? Welcher Workshop „funktioniert“ am besten?

Danke, das freut mich so sehr! Angefangen habe ich eigentlich nur aus der Lust mein Wissen weiterzugeben. Außerdem hatte ich mir am Anfang selbst jemanden gewünscht, der mir unter die Arme greifen kann. Das gab’s damals kaum. Einsteiger-Kurse werden mittlerweile immer häufiger angeboten, auch von anderen Foodfotografen oder Bloggern. Genau deswegen ist es mir so wichtig weiterführende Workshops auf die Beine zu stellen. Auch wenn man die Basics beherrscht, möchte man ja weiterlernen! Außerdem ist der Anspruch an die eigenen Fotos gestiegen. Das (Mirko-)Blogging hat sich in den letzten Jahren stark professionalisiert und da sollte man sich am besten weiterbilden, um langfristig mithalten zu können.

Ich weiß, wie viel Zeit und Liebe in die Konzeption, Vorbereitung und Durchführung eines Workshops fließt. Wie gehst Du daran? Wie findest Du z. B. entsprechende Locations? Wie vermarktest Du Deine Veranstaltungen? Genügend Anmeldungen zu bekommen ist doch gar nicht so leicht, oder?

Die Locationsuche ist wirklich das schwierigste! Da greift mir mittlerweile zum Glück meine Assistentin unter die Arme. Werbung mache ich nur per Social Media. Ich habe auch mal Flyer verteilt, das war ein echter Fehlgriff. Dafür ist die Foodfotografie eine zu kleine Nische.

Bei Offline-Workshops gibt es zahlreiche Variablen, die mit reinspielen. Künftige Teilnehmer müssen an besagtem Datum Zeit haben und am besten einigermaßen aus der Nähe kommen. Zudem müssen sie ja auch erstmal vom Workshop erfahren. Das Konzept für meine Workshops steht immer schnell fest, weil ich so viele Ideen habe. Manches funktioniert besser und manches schlechter. Deswegen analysiere ich meine Workshops hinterher immer und optimiere sie jedes Mal.

Blick doch für uns einmal auf Deine letzten Workshops zurück. Welche Learnings – sowohl positiv als auch negativ – hast Du gemacht? Vielleicht kann die ein oder andere von Deinen Erfahrungen profitieren…

Jede Gruppe ist anders! Ich habe gerne einen Plan, doch habe ich lernen dürfen spontaner und intuitiver zu unterrichten. Außerdem ist es immer eine Herausforderung die Waage zwischen Theorie und Praxis zu finden. Ich möchte so viel Wissen wie möglich zu vermitteln, ohne dass es zu trocken wird. Zu viel neues Wissen kann auch erschlagend sein, wenn man noch am Anfang steht. Auch das ist Lernprozess als Workshopleiterin. Deswegen sind meine Materialien zum Nachlesen immer möglichst kurz und knapp gehalten.

Kürzlich ist im Rheinwerk Verlag Dein Buch „Foodfotografie – Genuss und Lifestyle in Szene setzen“ erschienen – herzlichen Glückwunsch! 😊 Wie kam es dazu?

Die Idee schwirrte mir schon länger im Kopf herum. Die Foodfotografie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und die Bücher, die es gab, waren ein wenig in die Jahre gekommen und gingen mir nicht genug ins Detail. Also habe ich kurzerhand ein Konzept geschrieben und bin damit auf den Rheinwerk Verlag zugegangen. Eine begeisterte Antwort habe ich sogar schon nach weniger als einer Stunde bekommen.

Buch "Foodfotografie" von Maria Panzer

An wen richtet sich das Buch? Wer sollte es auf jeden Fall lesen? Und: Was kann man daraus alles lernen? Es ist mit 350 Seiten ja sehr umfangreich.

Ich habe mein Buch für kreativen Foodies geschrieben, die ihre Köstlichkeiten endlich auf schönen Foodfotos festhalten wollen. Deswegen habe ich mit den Basics (etwa der Technik) gestartet und versuche möglichst praxisnah auf die wichtigen Bereiche wie Setstyling und Foodstyling einzugehen. Wichtig ist mir das Fachchinesisch außen vor zu lassen und so zu erklären, dass man gleich loslegen möchte. Aber auch fortgeschrittene Hobby-Foodfotografen können einiges lernen – besonders im Bereich Licht und Komposition ist häufig noch viel Luft nach oben. Da habe ich selbst beim Schreiben noch viel lernen können.

Da die Bildbearbeitung auch einen großen Einfluss auf das finale Bild hat, habe ich mich auch dieser gewidmet und motiviere im Kapitel Branding die Leser ihr eigenes Ding zu machen und ihren persönlichen Stil zu finden.

Ich kann mich noch gut an unser Gespräch erinnern, indem Du mir von Deiner Idee zum Buch erzählt hast – und schwups, stand es im Bücherregal. Ganz so einfach war das natürlich nicht… Dennoch: Du hattest eine Idee im Kopf und hast sie umgesetzt. Bewundernswert! Wie machst Du das? Bei vielen bleibt eine Idee was sie ist, eine Idee – für immer.

Der Schlüssel ist schnelle Entscheidungen zu treffen, nicht zu viel zu planen oder zu überlegen, ob es klappen könnte oder nicht. Man muss einfach anfangen. Klar, da ist immer die Angst auf Ablehnung zu treffen. Aber meistens spüren andere Menschen die eigene Begeisterung und lassen sich davon anstecken.

Außerdem ist es meist zielführender an nur einer Idee zu arbeiten. Sonst fängt man an sich zu verzetteln und ist frustriert, dass gefühlt gar nichts nach vorne geht. Ich kenne selbst sehr gut… Aber man lernt ja zum Glück aus seinen Erfahrungen.

Apropos Gespräch… kannst Du Dich noch erinnern wie wir uns kennengelernt haben? Instagram hat uns „verkuppelt“ bzw. wir uns selbst über das soziale Netzwerk. <3 Wie wichtig ist die Plattform für Dich als selbstständige Foodfotografin?

Ich bin so dankbar, dass du mir vor meinem Hamburg-Besuch geschrieben hast! Über Instagram habe ich schon so viele tollen Menschen kennenlernen dürfen. Ich fokussiere mich bei Instagram hauptsächlich auf yummyklick. Dafür ist es extrem wichtig, weil Instagram ja als fotobasierte Community genau die Plattform ist, auf der ich begeisterte Foodies finden kann. Zeitweise hatte ich einen zweiten Account als Foodfotografin, da habe ich mich aber zu wenig gekümmert und hat sich daher kaum gelohnt.

Wenn ich mir Deine Bilder anschaue fällt mir auf, dass sie minimalistisch gehalten sind. Der Eindruck täuscht doch nicht, oder? Besticht auch Dein(e) Leben(sweise) durch Minimalismus? Wie sieht es in Bezug auf Deine Selbstständigkeit aus?

Das hast du gut beobachtet! Mir tut Minimalismus und die Konzentration auf das Wesentliche einfach gut und hilft mir auch mal abzuschalten. Besonders wenn in meinem Kopf ein großes Feuerwerk an ständig neuen Ideen ist… In der Foodfotografie mag ich den Minimalismus so gerne, weil der Fokus wirklich auf das Essen gelenkt wird und um das geht es ja letztendlich auch.

Weißt Du, was ich ungewöhnlich finde, dass Du als Fotografin einen Podcast hast – auf die Ohren statt auf’s Auge. 😉 „Foodphotgraphy for business“ heißt er. Seit Ende 2017 hast Du schon mehr als 50 Folgen aufgenommen. Wie bist Du auf die Idee gekommen? Welche Technik nutzt Du? Wo wird es mit Dir und dem Podcast hingehen? Du nimmst doch weitere Folgen auf?

Ich mag die Herausforderung im Podcast Fotografie ohne Fotos zu erklären! Dennoch freue ich mich, dass mittlerweile fast alle Folgen – mit Bildern untermalt – als ausformulierte Beiträge auf meiner Homepage zu finden sind. Entstanden ist die Idee, da ich die Euphorie der Teilnehmer nach den Workshops füttern und eine Möglichkeit bieten wollte, langfristig an der Foodfotografie dran zu bleiben und weiter zu lernen. Diesen Ansatz verfolge ich noch immer!

Toll ist es beim Podcasten, dass man nur ein Mikrophon mit Popfilter (für einen besseren Ton) und kostenlose Software benötigt. Endlich mal keine großen, sperrigen Anschaffungen! Und auch der zeitliche Aufwänd hält sich, z. B. im Gegensatz zu einem Video, deutlich in Grenzen.

Maria Panzer

Die Zukunft, ein gutes Stichwort: Wie sieht die Vision für Dich und Dein Business aus? Ein weiteres Buch, mehr Workshops…?

Ich möchte eine bessere Balance zwischen meiner Arbeit als Foodfotografin und yummyklick finden. Mir macht beides super viel Spaß, doch lässt es sich manchmal nicht ganz unter einen Hut bringen. Ein weiteres Buch ist aktuell nicht geplant – alles was ist bisher weiß, steht ja schon in „Foodfotografie – Genuss und Lifestyle in Szene setzen“. Es soll aber langfristig mehr Workshops geben und gerne möchte kreative Foodies persönlicher in Form von Coachings unterstützen. Die Ideen gehen mir auf jeden Fall nicht so schnell aus!

Eine letzte Frage – vom Blick in die Zukunft zum Blick in die Vergangenheit. Du hast Dich Anfang 2018 selbstständig gemacht. Was hast Du als Selbstständige seither gelernt? Hast Du abschließend Tipps für angehende selbstständige Frauen?

Die besten Sachen sind mir passiert, als ich auf mein Bauchgefühl gehört habe! Ich glaube, dass wir Frauen meistens intuitiv die richtigen Entscheidungen treffen, dann zu viel darüber nachdenken und uns häufig doch anders entscheiden. Wichtig ist auch einfach loszugehen, vielleicht läuft man auch mal in die falsche Richtung oder biegt mal falsch ab. Aber indem man in Bewegung bleibt, lernt man so viel und findet am Ende seinen ganz persönlichen und richtigen Weg. Ich bin auch richtig gespannt, wo dich deiner noch hinbringen wird.

Hahaha, ich auch… 😉 Danke Dir für das Interview, Maria!

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