„Ist es nicht toll, dass wir sagen können, wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht und sind ‚Glücklich am Werk´“ – Barbara & Bettina von der Manufaktur am Emmaplatz

Barbara und Bettina von der Manufaktur am Emmaplatz

Im Interview von letzter Woche habe ich Euch erzählt, das Diana mir auch bei der Locationsuche für den von mir ausgericheteten Junggesellinenabschied in Bremen geholfen hat.

So hat sie mich mit den beiden Inhaberinnen der Manufaktur am Emmaplatz Barbara (links) und Bettina (rechts) connectet, die mir nun am kommenden Samstag Ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Zum Dank gibt es ein paar neugierige Fragen von mir. 😉

Liebe Barbara, Du hast vor drei Jahren die Manufaktur am Emmaplatz gegründet – damals noch unter dem Namen Manufaktur am Benqueplatz. Wie bist Du auf die Idee gekommen und was hat der Poetry Slam von Julia Engelmann damit zu tun?

Barbara: Ich hatte schon immer Interesse an alten Möbel, bin eine leidenschaftliche Floh- und Antikmarkt-Besucherin und liebe ausgefallene Dinge. Meine Gedanken kreisen ständig um neue Ideen… das wollte ich endlich bündeln und ein eigenes Ladengeschäft mit antiken und ausgefallenen Möbelstücken eröffnen. Seit Jahren habe an zahlreichen Workshops im Bereich Vintage teilgenommen und wollte mein erlerntes und erprobtes Know-how mit Interessierten teilen und eigene Kurse anbieten.

Allerdings, hatte ich – wie so oft – immer nur davon gesprochen: ich müsste, ich könnte, ich sollte… dann hörte ich den Poetry-Slam-Beitrag von Julia Engelmann ‚Baby, Baby …’ und war gefesselt, tief berührt. In Julias Text geht es um all die verpassten Chancen im Leben und um den Mut, etwas Neues auszuprobieren. Sofort war mir klar: ich möchte nicht in 10 oder 20 Jahren sagen: ‚Damals hätte ich mir beinahe mal meinen Lebenstraum erfüllt und einen eigenen Laden mit Werkstatt eröffnet, aber…’ Also habe ich mich getraut einfach anzufangen, ohne konkreten Businessplan, ohne banktauglich formulierte Ziele, ohne große Formalitäten, sondern einfach ‚Machen’.

Im letzten Jahr seid ihr dann in den heutigen Bremer Standort umgezogen. Warum kam es zu dem Umzug?

Barbara: Aus dem „einfach Machen“ ist ein Erfolgskonzept gewachsen und wir brauchten mehr Platz, die alten Räumlichkeiten am Benqueplatz wurden zu klein. Mit den neuen Läden am Gräfin-Emma-Platz haben wir zudem auch bessere Parkmöglichkeiten und eine Spielwiese direkt vor der Tür. Die wird von den Kindern, während der Kindergeburtstage, intensiv genutzt. Wir arbeiten jetzt auf hellen, freundlichen 180qm und haben große Schaufenster, um unsere Möbel gut in Szene zu setzen.

Seitdem bist auch Du, Bettina, mit dabei. Im “Schwachhauser”-Magazin steht: “Wir haben uns gesucht und gefunden, und ergänzen uns prima”. Erzählt uns doch bitte die ganze Geschichte, wie Ihr zueinander gefunden habt.

Barbara: Die ursprüngliche Manufaktur am Benqueplatz war eine Ateliergemeinschaft mit meinen Freundinnen Jule und Maike, in der jede von uns ihre eigenen Ideen umsetzen konnte, wir uns gegenseitig geholfen und unterstützt haben. Leider konnte Maike aus persönlichen Gründen nicht weitermachen und Jule hat ein wunderschönes, großes, helles Atelier in der Überseestadt gefunden.

Dann kam Bettina – eher zufällig – wie ein Sturm in mein Leben. Eigentlich hatte ich mich von dem Gedanken, mit Partnern zusammenzuarbeiten, verabschiedet, aber sie hatte sich buchstäblich festgebissen und mich nicht losgelassen. Alles hat sich wunderbar gefügt und wir sind zusammen „Glücklich am Werk!“. Die Tage, an denen nur Eine von uns im Laden ist, weil die Andere keine Zeit hat, sind richtig bescheuert! Zum Glück aber selten, da wir Beide mittlerweile „Vollzeit“ in der Manufaktur arbeiten.

Bettina: Wir stehen auch nicht in Konkurrenz zueinander, sondern wirken eher wie ein Katalysator für kreative Ideen! Obwohl Barbara die Begründerin der Manufaktur ist, begegnen wir uns auf „Augenhöhe“ mit Geben und Nehmen, gegenseitiger kreativer Bereicherung und absolutem Vertrauen. Es war ein toller Einstieg für mich!

Barbara: Manchmal überfordert Bettina mich mit ihrer Schnelligkeit. Kaum habe ich einen Gedanken angedacht, geschweige denn ausgesprochen, setzt sie ihn schon um. Wir lernen viel voneinander und ergänzen uns prima.

Ohne, dass wir uns groß absprechen müssen, teilen wir die einzelnen Aufgaben und jede von uns übernimmt ihren Anteil am Gelingen der Manufaktur. Genauso ist es bei den weniger beliebten Aufgaben, die die Selbständigkeit mit sich bringen. Bettina kümmert sich um den ganzen Abrechnungskram, um Steuern und Finanzen, ich erledige den Schriftverkehr, pflege und schreibe den monatlichen Newsletter und den Blog. Die angenehmen Dinge machen wir zusammen, wie beispielsweise die regelmäßigen Besuche und Schulungen bei unseren Händlern in Holland und Dänemark.

Verratet uns, was es genau mit der Manufaktur auf sich hat? Handelt es sich bei Eurer Manufaktur wirklich um eine Produktionsstätte von Handwerkern im eigentlichen Wortsinn?

Bettina: Manufaktur leitet sich von den lateinischen Worten manus (Hand) und facere (tun, machen, herstellen) ab. Laut Wikipedia ist eine Manufaktur eine Produktionsstätte von Handwerkern und Arbeitern verschiedener Professionen, die gemeinsam ein Endprodukt fertigen. Barbara und ich sind beide erfahrene Autodidakten ohne Gesellenbrief, aber geübt im Umgang mit unterschiedlichen Werkstoffen und Maschinen.

Die Manufaktur am Emmaplatz ist ein kreativer und offener Marktplatz. Von fertigen, mit Kreidefarben bearbeiteten Möbelstücken über Auftragsarbeiten bis hin zu Workshops bieten wir für alle Bedürfnisse unserer Kunden das perfekte Angebot.

Barbara: Nicht zu vergessen, unser großes Angebot an Kreidefarben und Zubehör. Im Umkreis von knapp 100km sind wir der größte Händler für die ökozertifizierten Kreidefarben von Jeanne d Árc Living.

Wer also direkt selbst kreativ werden will bekommt bei uns die Farben und natürlich – das ist uns ganz besonders wichtig – eine ausführliche Beratung, wertvolle Tipps und Tricks. Dabei erstaunt es unsere Kunden immer wieder, wie vielfältig die Kreidefarben eingesetzt werden können. Nicht nur für Möbel, sondern auch für Wände, Fußböden, Fliesen, Glas, Metall bis hin zu Textilien und Leder! Unser Motto ist „Rettet Eure Möbel“, wir retten aber auch im Auftrag, so haben wir erst kürzlich drei, optisch in die Jahre gekommene, Küchen wieder zu neuem Leben verholfen! Das Ergebnis war unglaublich – und die Umsetzung geht sehr schnell und ohne viel Dreck und Staub!

Was sind Eure Aufgaben in der Manufaktur?

Barbara: Ich muss immer den Müll rausbringen, fegen und aufräumen 🙁

Bettina: … und ich muss dann immer wieder schnell für Unordnung und Chaos sorgen. 🙂 Nein, ganz so ist es natürlich nicht (immer), Barbara ist eher für das Feine, Filigrane und Dekorative, ich für das Grobe, Großflächige – da ich eher ungeduldig bin!

Ich nähe die Kissenbezüge für unsere Möbel und die Leinen und Halsbänder unserer Marke „Lotta & Liv“.

Barbara: Ich fertige individuelle Fliesen und Bretter mit maritimen Motiven, Fotos, Namen und Mustern an, die wir sogar bis München verkaufen! Eine perfekte Geschenkidee für Geburten, Taufen, Geburtstage und andere Gelegenheiten.

Bettina: Die Vintage-Workshops bieten wir zusammen an, so können wir uns intensiv um die Teilnehmer kümmern.

Wie verdient Ihr mit Eurer Arbeit Geld? Oder anders gefragt: Was ist Euer zugrundeliegendes Geschäftsmodell?

Barbara: Wir bieten individuelle Möbel und ausgesuchte Wohnaccessoires, die es nicht „an jeder Ecke“ gibt. Dabei wollen wir dem Kunden nicht unseren Stempel aufdrücken, sondern machen Angebote. Von Auftragsarbeiten über die Workshops und den Verkauf von Kreidefarben ist unser „Bauchladen“ ein voller Erfolg, da wir gerade durch das breite Angebot und unsere Flexibilität auf Kundenwünsche besser eingehen können als große Anbieter. Gleichzeitig ist diese Abwechslung unser Motor, der uns antreibt und uns glücklich macht.

Bettina: Zusätzlich vermieten wir die Räumlichkeiten der Manufaktur an andere Workshop-Anbieter, für Seminare, Sonderverkäufe und Präsentationen. Darüberhinaus bieten wir ein breitgefächertes Kreativ-Angebot für Feiern, Kindergeburtstage, Firmenveranstaltungen und Junggesellenabschiede – das auch reichlich Zuspruch findet.

In Euren Räumlichkeiten finden auch, wie schon erwähnt, regelmäßig Workshops statt, z. B. auch ein Sketchnotes Workshop von Diana Meier-Soriat. Wie findet Ihr die Inhalte für Eure Angebote? Kommen die Leute auf Euch zu oder Ihr auf sie?

Barbara: Es kommen immer wieder Kreative vorbei, die Ideen haben und gerne Workshops anbieten möchten. Wir setzten uns zusammen und schauen, ob das Konzept zu uns passt und wie wir bei der Umsetzung unterstützen können. So haben wir bis jetzt über 30 verschiedene Workshops zu allen möglichen Themen anbieten können. Einen Überblick über die Angebote findet sich auch immer auf unserem Blog.

Eure Manufaktur trägt auch den Titel “Glücklich am Werk”. Wie seid Ihr auf den Namen gekommen?

Barbara: Ist es nicht toll, dass wir sagen können, wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht und sind ‚Glücklich am Werk’? Auf die Idee hat mich meine Tochter Vivica gebracht. Wir liefen durch Berlin und philosophierten über das Geschäftsmodell der Manufaktur. Plötzlich standen wir vor dem Kaufhaus ‚Kauf dich glücklich’ (was wir natürlich auch getan haben). Shoppen kann glücklich machen, aber selbst etwas herzustellen macht noch viel glücklicher und so sind wir dann auf den Slogan gekommen.

Seid Ihr glücklich in Eurer Selbstständigkeit?

Ja – absolut!!!

Was habt Ihr vorher eigentlich beruflich gemacht?

Bettina: In der Schulzeit habe ich mein Taschengeld mit unterschiedlichen handwerklichen Tätigkeiten aufgebessert, später – im Studium – in der Gastronomie, im Veranstaltungsbereich und im Stahlbau gearbeitet. Die letzten Jahre dann als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Viele Stationen also, die mir alle sehr gefallen haben. Hier kann ich nun viele wertvolle Erfahrungen einbringen und vor allem, Arbeit, Familie und Freizeit wunderbar kombinieren!

Barbara: Ich habe Betriebswirtschaft mit Fachrichtung Außenhandel studiert. Nach meinem Examen habe ich in einer großen Bremer Logistikfirma gearbeitet, bin kurz vor Ende der Probezeit schwanger geworden und habe im Abstand von vier Jahren drei tolle Kinder bekommen. Ich bin nie in meinen ursprünglichen Beruf zurückgekehrt, der mir übrigens auch gar keinen Spaß gemacht hat. Die letzten 15 Jahre hatte ich eine Festanstellung in einem Spielzeuggeschäft, diese aber Anfang 2017 aufgegeben. Nach drei Jahren Manufaktur-Probe-Zeit kann ich mich endlich voll auf meine Selbstständigkeit in der Manufaktur konzentrieren.

Bettina, Du hast zusätzlich zu Deiner Arbeit in der Manufaktur am Emmaplatz eine eigene Kollektion für Hundehalsbänder und Leinen. Du vertreibst sie unter dem Namen “Lotta & Liv”. Magst Du uns die Geschichte hinter dieser Business-Idee erzählen?

Bettina: Wir haben seit knapp drei Jahren eine Weimaraner-Hündin – Lotta – unseren jetzigen „Ladenhüter“. Im Sommer 2015 waren wir bei Freunden in Bayern zu einer „Trachtenhochzeit“ eingeladen. Da war klar, dass der Hund auch eine Tracht braucht.

Ich konnte in den Geschäften und im Internet aber nichts passendes finden, dafür aber in meinem Nähfundus Webband mit Trachtenmuster. Da das Ergebnis so viel Anklang im Freundes- und Bekanntenkreis fand, habe ich daraus die Marke „Lotta & Liv“ entwickelt und nähe nun nicht nur im Trachtenlook, sondern auch maritime und knallige Halsbänder und Leinen mit Sternen und Streifenmustern mit dem Clou, dass ich zwischen die Bänder eine reflektierende graue Paspel einnähe.

Ihr beide seid Mütter. Lässt sich Eure Selbstständigkeit gut mit der Betreuung Eurer Kinder vereinbaren?

Bettina: Wir haben Kernöffnungszeiten in der Woche von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 13 Uhr. So kann ich mich morgens in Ruhe um meine drei schulpflichtigen Kinder kümmern, mittags mit ihnen Essen und bin zum Abendessen wieder zu Hause. Zumindest theoretisch, denn oft sind die Kinder verabredet, beim Sport oder auch hier in der Manufaktur, um eigene Projekte zu verwirklichen. Somit sind wir oft auch früher, durchgehend oder später und am Wochenende in der Manufaktur anzutreffen. So glücklich sind wir am Werk! Und das ist ansteckend …

Barbara: Meine Kinder sind mittlerweile erwachsen und wohnen nicht mehr in Bremen. Mein Mann ist beruflich viel unterwegs. So kann ich mich voll und ganz meinem Fulltime-Job Manufaktur widmen. Wenn ich Kinder und Hund brauche, leihe ich mir Bettinas Tochter Livie und Lotta, den Hund!. 🙂

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