Mode- & Beauty-Fotografin Lisa May: „Ich versuche mit meinen Bildern Emotionen auszudrücken“

Lisa May

Wir haben schon einige Hamburger Fotografinnen interviewt – Romy Geßner, Andrea Lang und Sabine Skiba. Heute ist eine weitere tolle Frau dran: Lisa May.

Die sich netterweise dazu bereit erklärt hat, auf der Feier zu unserem 2-jährigen Blog-Geburtstag die Fotos zu machen und den Abend in Bildern festzuhalten. Tausend Dank dafür! 🙂

Liebe Lisa, während sich Romy und Andrea auf die Portrait- und Businessfotografie spezialisiert haben, bist Du, ebenso wie Sabine, eher der Mode- und Beautyfotografie zu getan. Warum? Was fasziniert Dich daran am meisten?

Am Anfang habe ich mir darüber viele Gedanken gemacht. Ich habe mich selber gestresst und fand, dass ich mir schnellstmöglich eine eigene Note und eine Stilrichtung aneignen müsste. Irgendwann wurde mir bewusst, dass sich das von ganz alleine entwickelt. Es ist alles eine Frage der Zeit und letztlich habe ich gemerkt, was mir am meisten Freude bereitet.

Beim Fotografieren sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt und das ist das Schöne daran. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Vor Jahren habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Mode auseinandergesetzt. Aus dieser Zeit sind mir Namen wie Peter Lindbergh, Mario Testino, Patrick Demarchelier oder Terry Richardson bekannt. Einige der von der Vogue genannten erfolgreichsten Modefotografen weltweit. Auffällig ist, dass in dieser Aufzählung fast ausschließlich Männer zu finden sind. Als Fotografinnen werden Annie Leibovitz, Ellen von Unwerth und Diana Vreeland genannt. Würdest Du sagen, dass Die Mode- und Beauty-Fotografie eher von Männer geprägt ist? Diese Vermutung lässt der Artikel ja schlussfolgern.

Warum das so ist, kann wahrscheinlich niemand genau beantworten. Ich weiß nur: „Ändern wir das!“ *lach*

Vielleicht war das die Generation?

Vielleicht wurden/ werden die Frauen in der Fotografie nicht akzeptiert?

Jeder hat seine Geschichte und die muss erstmal geschrieben werden.

Meine ist noch nicht geschrieben und ich hoffe sie wird gut und jeder kann sie am Ende lesen. *grins*

Jeder dieser Fotografen hat eine eigene Handschrift, so unterschiedlich die Bilder auch sein mögen. Gibt es etwas, dass jedes Deiner Bilder ausmacht?

Ich versuche mit meinen Bildern Emotionen auszudrücken. Meine Fotos wirken modern, sollen aber immer mit einem ganz eigenem Charakter das Objekt darstellen.

Gibt es eine Fotografin oder einen Fotografen den Du für ihre bzw. seine Arbeit bewunderst?

Nicht nur große Künstler wie Peter Lindbergh oder Kristian Schuller bewundere ich für ihre Werke. Die Menschen und ihre Individualität sind es viel mehr, die mir imponieren.

Auf Deiner Website kann man lesen, dass Du an der friesischen Nordsee geboren bist und dass man dort schon als Kind lernt sich “gegen jeden ‘Sturm’ zu wappnen”. Welche “Stürme” sind in Deiner Selbstständigkeit bereits aufgezogen und wie hast Du sie überstanden?

Schon in meiner Ausbildung konnte ich schnell feststellen was mir nicht gefällt. Dann hieß es: Was will ich eigentlich, wo sehe ich mich nach meiner Ausbildung?

Als Nordfriesin ist man Gegenwind gewohnt, das stimmt. 😉 Ich habe gelernt schwere Steine, als erstes aus dem Weg zu räumen. Ich wechselte also innerhalb meiner Ausbildung in einen anderen größeren Betrieb, lernte andere Fotografen, Fotoassistenten, Visagisten, Stylisten und Art-Direktoren kennen. Ich stellte schnell fest, hier bin ich richtig. Mir gefiel es, in einem Team zu arbeiten und nicht alleine zu agieren.

Ich machte mich nach meiner Ausbildung ohne einen Cent in der Tasche selbstständig. Auf die Unterstützung meiner Eltern habe ich bewusst verzichtet und wollte wirklich „selbstständig“ sein.

Mir war natürlich bewusst, dass ich nicht direkt die tollsten Fotojobs ergattern werde und habe mich mit Fotoassistenz über Wasser gehalten. Das hat mir verschiedene Stile und Vorgehensweisen der zahlreichen Fotografen gezeigt.

In der Zeit habe ich mich orientieren können.

Mittlerweile mache ich immer noch Assistenz. Die Waage zwischen Fotojobs und Fotoassistenten-Jobs kippt aber gerade.

Im letzten Sommer ist allerdings ein größerer „Sturm“ aufgezogen: Kreuzbandriss am linken Knie. An alle Selbständige da draußen: Lasst euch gut versichern! 😉

Ich konnte jetzt fast vier Monate keine Jobs annehmen. Das kann einen am Anfang ganz schnell das Genick brechen. Mittlerweile bin ich, dank meines Physio wieder fit und kann gesund ins neue Jahr starten.

Seit wann bist Du eigentlich schon als freiberufliche Fotografin unterwegs und wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich brauche das Gefühl von Freiheit.

Ich wusste wie es ist, jeden Tag das Gleiche zu machen und seiner Kreativität keinen freien Lauf lassen zu können.

Somit stand es gar nicht zur Debatte sich fest einstellen zu lassen.

Nach meiner Ausbildung hatte ich das Gefühl, ich schaffe es! Ich kann das hinbekommen. Ich habe keinen Cent in der Tasche, keine Familie zu ernähren! Was habe ich also zu verlieren? Nicht viel.

Bisher habe ich knapp 2 Jahre überlebt und ich bin immer noch froh über meine Entscheidung.

Was magst Du an Deiner Arbeit am meisten? Und: Gibt es einen Aspekt den Du weniger schätzt?

Mir bringt besonders Spaß im Team Ideen zu kreieren und diese in einem Konzept mit einem Moodboard und kurzen Erläuterungen niederzuschreiben. Es ist immer wieder erstaunlich wie sich die Ideen von mehreren Personen zu einer verschmelzen.

Wenn ich dann die Zeit verliere, weiß ich dass das Konzept aufgeht. Es muss meistens nur ein kreativer Funke in die Runde geworfen werden und das Feuer hört nicht mehr auf zu brennen. Wichtig dabei: Nicht zu viel wollen und das Ziel vor Augen behalten.

Was ich gar nicht an meiner Arbeit mag?

Wenn die Technik versagt! Es kann noch so gut organisiert sein. Die Technik spielt einem gerne mal einen Streich. Umso wichtiger ist es ein Backup an Equipment dabei zu haben.

Wie habe ich mir eigentlich einen Monat in Deinem Leben als Fotografin vorzustellen? Viele Mode-Fotoshootings finden an den wunderschönsten Schauplätzen dieser Erde statt. Bist Du oft auf Reisen?

Ein Monat grob zusammengefasst:
E-Mails checken, Recherche, Kundengespräche, Anpassungen von Angeboten, Aufträge einholen, Shootings koordinieren und organisieren, neue Bilder sichten und auswählen, Bilder retuschieren, neue Location finden, Buchhaltung, etc.

Manchmal kommen spontane Aufträge rein.

…alles andere bleibt liegen und los geht´s!

An diesen Ablauf musste ich mich am Anfang erstmal gewöhnen.

Aber ich muss sagen: Ich mag das so.

Reisen? Ich liebe es und ich wünschte, ich kann bald den Winter im Süden verbringen!

Jetzt gerade bin ich im 50. Stock in einem Hochhaus in Dubai. Wir machen uns gleich auf Locationsuche. Hier sind die Wetterbedingungen natürlich nicht zu übertreffen und perfekt zum shooten.

Wie kommst Du an Aufträge? Musst Du viel Kaltakquise betreiben? Und: Wie viele Aufträge ergeben sich durch Weiterempfehlungen?

Es funktioniert tatsächlich am besten durch Weiterempfehlung.

Vitamin B schadet nie. 😉

Nach meiner Ausbildung bei Otto kannte ich schon viele Fotografen, Fotoassistenten etc.. Wenn der eine einen Auftrag nicht annehmen kann, dann wird der Job weiter gereicht.

Das ist super und immer schön zu wissen, dass die anderen einem so vertrauen.

Andersherum ist es genauso.

Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke bei Deiner Kunden- und Auftragsakquise?

Aus der heutigen Zeit sind die sozialen Netzwerke nicht mehr wegzudenken. Für meine Arbeit als Fotografin findet das Marketing kaum online statt. Eine Webseite und SEO sind wichtig, aber ansonsten spielt sich das meiste im realen Leben ab. Wenn ich also beispielsweise bei einer Fotosession vor Ort bin, kann es gut sein, dass ich vor Ort neue Kontakte knüpfe.

Du hast einen Instagram-Account. Was erhoffst Du Dir davon, dort sichtbar zu sein? Welche Ziele verfolgst Du mit Deinem Social-Media-Auftritt?

Die Pflege von Social-Media-Kanälen ist in der Fotografie ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Sie sind die einfachste Möglichkeit, breit zu streuen und so neue Kontakte zu gewinnen. Das Internet vergisst schnell, man muss also immer präsent bleiben.

Ich weiß, dass Du zusammen mit Annika, die wir vor einem Jahr auf dem Blog interviewt haben, ein neues Projekt verfolgst. Ihr kreiert gemeinsam Content für die sozialen Netzwerke. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Das erste Mal habe ich Anni beim Handball getroffen. Wir haben nicht geredet. Sie stand einfach nur da und hat mich angeguckt. Ich habe mich gewundert, warum sie mich so anstarrt und nichts sagt. Im Nachhinein habe ich erfahren, warum sie mich so angeguckt hat. *lach*

Dann hieß es von einer Freundin: „Ich habe Anni deine Nummer gegeben, ist hoffentlich in Ordnung, wenn sie dich die Tage anruft?“, mehr Infos bekam ich leider nicht.

Das Telefon klingelt.

Eine halbe Stunde später legte ich breitgrinsend auf. *lach*

Wo soll es für Dich in der Zukunft hingehen? Was willst Du in 2017 erreichen?

2017 ist für mich ein Jahr voller positiven Überraschungen!

Ich glaube an das Glück und an die Kraft der Gedanken. Versuche Deine Ziele visuell darzustellen und es passiert.

Hört sich verrückt an oder? Es funktioniert, probiere es aus.

2017 wird es viele freie Projekte geben. Einige größere Projekte sind schon in Planung.

Dann erhoffe ich mir Veröffentlichungen in Magazinen und dadurch weitere Fotoaufträge.

Dieses Jahr steht außerdem ganz oben auf der Liste: Neue Kunden akquirieren und neue Kunden gewinnen.

…und mein Fernweh stillen.

Schritt für Schritt.

Ich gehe nur Schritte zurück um Anlauf zunehmen.

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