Popcorn, Fotos & Design: Lina Loos – Hochzeitsfotografin, Inhaberin eines Designbüros und Vermieterin von Fotoboxen

Lina Loos

Vor zweieinhalb Jahren kam ich auf der Hochzeit einer Freundin zum ersten Mal mit einer improvisierten Fotobox in Kontakt. Ein Highlight, da der Auslöser zum Fotoapparat selbst auszulösen war. Ich hatte sehr viel Freude.

Diesen Spaß wollen wir Euch auch auf unserer FF&-Geburtstagsparty bieten und haben uns mit Lina Loos zusammengetan.

Lina vermietet nämlich Fotoboxen in ganz Deutschland. So auch in Hamburg. Welch ein Glück für uns, denn eine Fotobox wird uns nun am Abend des 19.1. frei zur Verfügung stehen. Yippi. 😀 Und danke! Übrigens kann Lina noch viiieeel mehr als Fotoboxen verleihen. Aber dazu mehr in ihrem Interview…

Liebe Lina, Du hast Dich 2009 als professionelle Hochzeitsfotografin nebenberuflich selbstständig gemacht. Wie kam es zu diesem Schritt?

Wie so vieles in meinem Leben habe ich nicht viel darüber gegrübelt, sondern einfach mal gemacht. Die Fotografie begeistert mich schon seit Ewigkeiten. Zur Hochzeitsfotografie bin ich durch meinen ehemaligen Arbeitskollegen gekommen, der mich fragte, ob ich seine Hochzeit mit meiner Kamera begleiten könnte. „Na klar“, sagte ich ganz blauäugig. War ich doch zuvor noch nie auf einer Hochzeit gewesen.

Aber es war echt besser als ich es mir vorgestellt hatte, es machte mir total viel Spaß. Eine neue, große Leidenschaft wurde entfacht. Damit konnte ich meinen Kellnerjob ablösen und habe mein Gewerbe angemeldet. So kam eins zum anderen, ich habe an vielen Workshops teilgenommen, meine Website erstellt und mich durchgehend weitergebildet, an mir gearbeitet und mich ständig verbessert.

In Deinem Über-mich-Text auf Deiner Website ist ein Statement Deiner Schwester zu lesen, in dem sie Dir “Perfektionismus” als Charakteristikum zuschreibt. Ist das eine Eigenschaft, die man als Hochzeitsfotografin braucht? Welche Eigenschaften sind (noch) wichtig für Deinen Beruf?

Als Fotografin sind diverse Charakteristika wichtig, die allgemein unentbehrlich im Hochzeitsbusiness sind, wie zum Beispiel Pünktlichkeit, Gelassenheit und Geduld mit den Gästen und dann aber auch blitzschnelle Reaktion, falls etwas schief gehen sollte und man sofort da sein muss um zu flicken. Manchmal auch im wahrsten Sinne des Wortes, wenn ich an einen gerissenen Schleier oder einen losen Knopf am Anzug des Bräutigams denke.

Fotografisch muss man sehr aufmerksam sein um keinen Moment zu verpassen. Detailverliebtheit und Kreativität finde ich sehr existenziell, denn meine Hochzeitsfotos leben durch ihre Individualität. Ebenfalls muss man Durchhaltevermögen besitzen, denn bei manchen Hochzeiten ist man vom ‚Getting Ready‘ im frühen Morgen bis hin zum Spiel weit nach Mitternacht mit voller Aufmerksamkeit dabei.

2014 hast Du Dir ein weiteres Standbein aufgebaut – Dein Designbüro, welches wie eine “klassische Werbeagentur“ aufgebaut ist. Wie kam es dazu?

Seit 2004 bin ich Grafikdesignerin. Da immer mehr Anfragen für Webseiten auf mich zukamen, habe ich dann beschlossen meine eigene kleine Agentur aufzubauen und eine eigene Marke zu gründen.

Hochzeitsfotografie und Webdesign passen nicht unbedingt zusammen, daher die Trennung von ‚Lina Loos Hochzeitsfotografie‘ und ‚Designbüro Loos‘. Hier bieten wir ganzheitliche Konzepte an, von der Logogestaltung über Printdesigns bis hin zu Weblösungen.

Seit 2015 bist Du nun Vollzeit selbstständig. Bis dato hattest Du noch als Creative Director in einer Internetmarketing-Agentur gearbeitet. Warum hast Du Dir “so viel” Zeit gelassen? Und: Würdest Du rückblickend betrachtet genau denselben Weg gehen oder vielleicht schon früher den Schritt in die Vollzeitselbstständigkeit wagen?

Ja, das ist eine gute Frage auf die ich keine eindeutige Antwort weiß. Mir gefiel mein sicherer Job, meine Kollegen und das damit verbundene regelmäßige Einkommen. Rückblickend kann man immer so viel hin und her schieben, aber ich bin kein Mensch der gern „ach hätte ich doch“ in den Mund nimmt. Hätte hätte Fahrradkette. Vollkommen egal, ich gucke lieber nach vorne und das sieht gut aus.

Welcher Part – Hochzeitsfotografie oder Designbüro – macht am Ende des Jahres eigentlich den meisten Umsatz aus?

Genau genommen sind es drei Standbeine, die Hochzeitsfotografie (seit 2009), die Fotoboxen von Fotobox-Spaß (seit 2010) und das Designbüro (seit 2014). Drei unabhängige Geschäftsfelder sozusagen. Die Umsatzverteilung variiert monatlich und jährlich, da weiterhin in alle Standbeine viel reinvestiert wird.

Während Du auf Hochzeiten “im ‘normalen Leben’, in der Natur, dort, wo ein Windchen weht und die Sonne lacht” unterwegs bist und laut eigener Aussage auf Deiner Website kein Fotostudio brauchst, hast Du Dich für die Arbeit mit Deinem Designbüro in eine Bürogemeinschaft eingemietet. Wie ist das Arbeiten dort?

Woher hast Du diese Information? Die muss schnell korrigiert werden 😉 Ich habe mittlerweile einen eigenen Laden im Erdgeschoss.

Im Schaufenster steht die Fotobox, auf dem Leuchtschild ist das Designbüro-Logo platziert. Im Büro selbst hängen auch Hochzeitsbilder. So habe ich alles unter einem Dach, die Fotobox-Kunden können sich hier vor Ort die Box anschauen, testen und ausleihen. Meine Brautpaare kommen zu mir zum Erstgespräch, es gibt immer frisches Popcorn in verschiedenen Variationen (Zimt ist mein Lieblingsgeschmack). Aber auch Website-Schulungen können wir hier vor Ort halten.

Du hättest Dich auch gegen die Bürogemeinschaft und für ein Home Office entscheiden können. Welche Vorteile siehst Du im geteilten Arbeitsraum mit anderen? Gibt es auch Nachteile?

In der Bürogemeinschaft war ich etwa 9 Monate mit einem bunten Mix an Kollegen, bis sie sich auflöste. Vorübergehend waren wir dann 4 Monate im Home Office. Florian, mein fest angestellter Mitarbeiter, kam dann zu mir nach Hause ins Büro, genauso wie die Fotobox-Kunden. Das geht zwar über ein paar Wochen ganz gut, ist aber mit eigenem Ladengeschäft deutlich entspannter und zudem professioneller nach außen.

So lang man allein für sich selbst ist, ist ein Home Office total super. Ich arbeite sehr gern von zu Hause aus. Allerdings bin ich auch ein sehr geselliger Mensch, der gern soziale Kontakte pflegt. So habe ich mich in der Bürogemeinschaft sehr wohl gefühlt. Ein eigener Laden hat natürlich seinen ganz eigenen Charme und ist wirklich toll.

Du arbeitest in Deinem Designbüro viel mit Freelancern zusammen. Dazu habe ich zwei Fragen: Erstens, welche Aufgaben übernehmen diese und zweitens, wie habe ich mir den bürokratischen Teil Eurer Zusammenarbeit vorzustellen? Oder anders gefragt: Wenn ich Agenturbesitzerin wäre und auch mit Freelancern zusammenarbeiten möchte, was muss ich beachten? Gibt es Voraussetzungen, die ich erfüllen muss?

Ja, die meisten der Freelancer sind für die Fotoboxen zuständig. Für Dinge die ich selbst nicht anbiete, wie z.B. die Erstellung von Imagefilmen, habe ich Partner mit denen ich zusammenarbeite. Das ist in der Branche so üblich.

Ich denke nicht, dass man als Agentur bestimmte Voraussetzungen braucht um mit Freelancern zusammen zu arbeiten. Immer wenn man selbst etwas nicht leisten kann, sollte man sich an einen Experten wenden, um das Ergebnis für den Kunden perfekt zu machen.

Lass‘ uns noch einmal auf Deine Arbeit als Hochzeitsfotografin zurückkommen. Traditionell finden die meisten Hochzeiten am Wochenende statt. Das heißt, Du bist vermutlich vorwiegend am Samstag unterwegs, um Brautpaare zu fotografieren. Wie lässt sich das mit Deiner Freizeit, Freunden und Familie, aber auch mit Deiner anderen Arbeit im Designbüro vereinbaren?

Ja, das ist ein wichtiger Punkt meiner Selbstständigkeit. Im letzten Jahr habe ich fast immer gearbeitet. 24/7 sozusagen. Natürlich wirkt sich das auf den Freundeskreis aus. Mittlerweile werde ich nicht mehr gefragt, ob ich am Samstag zum Grillen kommen oder freitags Cocktails trinken möchte. Also kümmere ich mich selbst drum, wenn ich dann doch einmal frei habe, was aber nicht schlimm ist.

Da ich Single bin, hab ich meine Freiheiten. Generell versuche ich trotz meines engen Zeitplans so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen und das klappt eigentlich sehr gut.

Judith hat vor nicht allzu langer Zeit einen Artikel zum Thema Copyright geschrieben. Ich habe auf Deiner Website gelesen, dass Du dem Brautpaar private Nutzungsrechte der Bilder einräumst. Diese dürfen allerdings nicht gewerblich genutzt werden. Ist es dennoch schon mal vorgekommen, dass sich jemand nicht an die Vereinbarung gehalten hat?

Ja, klar. Es bringt aber nichts sich hier zu ärgern. Ein netter Hinweis und die Verlinkung auf die eigene Website bringen doch viel mehr als sich zu streiten.

Hast Du einen Tipp an andere (angehende) Fotografen, wie man sein Urheberrecht schützen kann? Gerade in Zeiten von Social Media…

Meine Bilder veröffentliche ich mit Wasserzeichen bei Facebook, bei Instagram nicht. Auf meiner Website gibt es ebenfalls nur Bilder mit Wasserzeichen. Schützen kann man sich nie, aber eigentlich ist es doch auch ein gutes Zeichen wenn das Bild geteilt wird, dann gefällt es und erreicht eine größere Reichweite.

Du hast selbst einen Instagram– und einen Pinterest-Account für Deine Hochzeitsfotografie. Aber auch mit Deinem Designbüro bist Du in den sozialen Netzwerken unterwegs. Warum hast Du entschieden dort präsent zu sein? Welche Vorteile siehst Du in der Nutzung von Social Media für Dich als Fotografin?

Im Social Media bekommt man schnell viel Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist gut für Fotografen. Sobald ein Bild geliked oder geteilt wird erhöht sich die Reichweite. Ebenso ist es ein kostenloses Werbemedium, also warum dann nicht mitnehmen?

Klar ist es mit Aufwand verbunden diese Seiten aktuell zu halten. Häufig kümmer ich mich direkt morgens darum, noch vor dem Aufstehen. Smartphone sei Dank 😉

Welches soziale Netzwerk hat Dir bislang am meisten Mehrwert gebracht?

Facebook.

Akquirierst Du darüber auch Kunden? Gründerin Claudia Zechner von Catmade hat uns in ihrem Interview verraten, dass sie z. B. ihre Cake Topper vorwiegend über Instagram verkauft…

Ja, korrekt. Gerade bei Privatkunden bekomme ich auch Anfragen über Facebook oder Instagram, die meisten jedoch über meine Website, die sehr gut bei Google gelistet ist. Als Fotograf ist es leicht dort Fuß zu fassen, beim Designbüro ist das natürlich schwieriger.

Seit 2010 vermietest Du auch Fotoboxen für Events – in ganz Deutschland wohlgemerkt. Wow. Wie regelst Du das logistisch? Und wie findest Du Kunden dafür?

Mit der Marke Fotobox-Spaß biete ich Kunden deutschlandweit meine Fotobox-Lösung an. Das benötigt vor allem logistisch natürlich Unterstützung. Den Überblick verliere ich nie. Meine Schwester Klara kümmert sich um die Anfragen, checkt die Termine und hält die Buchungen fest.

An den einzelnen der 17 Standorte habe ich Standortleiter (meine Cousine ist auch dabei – also ein kleines Familienunternehmen), die sich um die Abwicklung und die Kunden kümmern. Die Akquise läuft fast ausschließlich über meine Website. Der zentrale Mittelpunkt liegt in Paderborn, in unserem kleinen Büro.

Noch eine abschließende Frage: Das neue Jahr ist frisch angebrochen. Wie wird es für Dich die nächsten Monate weitergehen? Was sind Deine persönlichen und beruflichen Ziele für 2017?

Ich hoffe natürlich, dass die nächsten Monate so spannend bleiben wie die letzten. Es geht kontinuierlich vorwärts. Ich habe eine bestimmte Idee für eine neue Foto- und Videobox, die ich umsetzen möchte. Fotografisch würde ich gern mehr Hochzeiten deutschlandweit begleiten, ans Meer und in die Berge mit meinen Brautpaaren fahren. Im Designbüro warten bereits herausfordernde Projekte, und auch hier hab ich ein paar Dinge im Kopf, die ich umsetzen und noch nicht verraten möchte.

© Beitragsbild: André Heinermann

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