Sozial-innovativ gründen? Unbedingt. Ein Interview mit selosoda-Gründerin Laura Zumbaum

Interviews | 0 Kommentare

Ein Beitrag von Sandra

22. Februar 2016
Laura Zumbaum, Gründerin von selosoda

Morgen ist es soweit, unsere Session auf der Social Media Week Hamburg 2016 geht an den Start. Eine leckere Blog-Lesung zur Selbstständigkeit. Oh weh, beinahe hätten wir das „lecker“ aus dem Titel streichen müssen. Denn unsere ursprüngliche Idee, die Veranstaltung in einem kleinen Frühstücks-Café stattfinden zu lassen, war leider nicht umsetzbar, da in diesem Jahr nur Hauptveranstaltungsorte zugelassen waren. Zum Glück gibt es tolle Gründerinnen, die sich bereit erklärt haben durch Sponsoring unseren Brunch möglich zu machen. Ein Hoch auf Frauenpower! Wir werden Euch in den nächsten Tagen alle Frauen und ihr Business vorstellen, denn wir haben neugierig nachgefragt: Wie lief das bei Ihnen mit der Selbstständigkeit? Wie sind sie an den Punkt gekommen, an dem sie jetzt sind? Nämliche erfolgreiche Gründerinnen.

Den Anfang machen wir heute mit Laura Zumbaum. Gefühlt führt dieser Tage sowieso kein Weg an ihr vorbei. Erst kürzlich ist wieder ein Porträt mit ihr erschienen. Diesmal in der Gründerszene. Dort heißt es: „Der größte Teil der Kaffeepflanze landet im Müll, verwendet wird nur die Bohne. Eine Gründerin will das ändern – und aus der Kaffeekirsche ein In-Getränk brauen.“ Laura hat sich mit selosoda zur Aufgabe gemacht, die Wirtschaftlichkeit der Kaffeepflanze zu steigern. Uns erzählt sie davon. Aber im Vordergrund stehen diesmal ihre Antworten auf unsere Fragen zu ihrer Selbstständigkeit.

Liebe Laura, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu einem Jahr Selbstständigkeit! Ende Februar 2015 hast Du Deinen festen Job als Marketing- und Produktmanagerin bei mymuesli gekündigt. Was hast Du im Moment der Kündigung empfunden? Warst Du nur von Euphorie getragen oder hast Du auch ein wenig Angst verspürt?

Dankeschön!

Ein bisschen Aufregung ist denke ich dabei gewesen, aber die Selbstständigkeit ist, wenn einmal beschlossen, in erster Linie eine Herausforderung, die am besten sofort beginnen soll! Vorfreude, Euphorie… Obwohl mir die Projektarbeit bei mymuesli auch viel Vergnügen bereitet hat und ich in dem Umfeld viel lernen konnte. Ein festes Team zu verlassen, um alleine los zu ziehen, ist schon eine Ansage.

Deine Idee zu selosoda, ein von Natur aus koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk aus der sonnengetrockneten Kaffeekirsche, ist aber nicht erst kurz vor der Kündigung entstanden, sondern bereits ein halbes Jahr zuvor. In einem Interview mit dem Online-Magazin Green Friday verrätst Du, welche Schritte es bis zur Umsetzung gebraucht hat. Es ist von Verkostungsrunden und Expertengesprächen die Rede. Woher nimmst Du all Dein Wissen um die Kaffeepflanze?

Ich begeistere mich tatsächlich schon länger für dieses Alltagsprodukt, welches Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbindet. Konsumenten, Einkäufer, Händler, Produzenten, Gastronomen… Die Wertschöpfungskette und die Arbeitsintensität hinter der Rohware ist enorm, allerdings nicht sonderlich transparent auf Konsumentenseite dargestellt. Hier schlummert viel Potenzial für Veränderung.

Während ein paar Monaten beim Social Startup Coffee Circle erhielt ich erste Einblicke, hier in Berlin tümmeln sich erfahrene Kaffeeröster und Baristas, besonders hilfreich ist der Austausch mit Kaffeeeinkäufern natürlich auch. In der sogennanten „Dritten Welle des Kaffees“ stehen direkte, qualitätsorientierte Handelsmodelle im Vordergrund, man tauscht sich natürlich aus, wo man kann.

Ich weiß, dass Dir Nachhaltigkeit, insbesondere die nachhaltige Nutzung der Kaffeekirsche, sehr am Herzen liegt. Das kann man auch auf Deiner Webseite nachlesen. Ich finde es toll, dass es immer mehr soziale Unternehmen wie Deines gibt. War es Dir besonders wichtig sozial-innovativ zu gründen?

Das hört man natürlich gerne und Du hast vollkommen recht, das Projekt wäre ohne die wirtschaftlich-soziale Intention dahinter nicht zustande gekommen. Wichtig ist mir persönlich, dass unsere nachhaltige Wertschöpfung kein Hilfsprojekt ist, sondern auf einer sehr kundennahen, zeitgemäßen Produktpositionierung basiert. Unsere Vision ist die ganzheitliche Nutzung und Wertschöpfung der Kaffeekirsche und die damit verbundene Steigerung der Einnahmen von Produzenten im Urpsrungsland. Das ist kein Charity. Mit unserem Produkt machen wir lediglich auf eine vergessene Rohware aufmerksam, die voller Potenzial ist. Mehr Kundennutzen und Aufklärung hier, mehr Wertschöpfung dort. Das eine ermöglicht das andere.

Wie habe ich mir dann die Gründung von selosoda letztendlich vorzustellen? Das Produkt war entwickelt, und dann? Wie hast Du z. B. die kleine, familiengeführte Bio-Saftkelterei in Baden-Württemberg gefunden, in der Du selosoda produzieren und abfüllen lässt? Oder wie ist der Kontakt zu Kaffeefarmer Graciano Cruz aus Panama zustande gekommen, von dem Du Deine Rohstoffe beziehst?

Die Qualität von Graciano´s Kaffees und Kaffeekirschen ist einfach unumstritten. Wir haben Kaffeekirschen aus aller Welt verkostet, seine haben uns geschmacklich überzeugt. Er arbeitet extrem umweltschonend, innovativ, teilt sein Wissen mit anderen Kaffeeproduzenten. Das passt einfach sehr gut.

Grundlegend sind alle wertvollen Kontakte über Empfehlungen entstanden, ich habe einfach sehr viele Leute kontaktiert, von dem Projekt berichtet, viel nachgfragt. Fragen, fragen, fragen 🙂 Ein einfaches Geheimnis.

Im Handelsblatt habe ich gelesen, dass Du zum Aufbau Deines Unternehmens ein privates Darlehen aus Deinem Familienkreis aufgenommen hast. Hätte es einen Plan B gegeben, wenn dieses Geld nicht zugänglich gewesen wäre? Wären öffentliche Fördermittel in Frage gekommen?

Ich bin schon sehr privilegiert – die Möglichkeit ohne großes Eigenkapital ein Darlehen aufnehmen zu können, ist sehr wertvoll. Ohne Sicherheiten ist es in der Tat anfänglich schwer möglich an Geld zu kommen, ohne Kompromisse. Man muss allerdings auch berücksichtigen, dass ich sehr „lean“ begonnen habe und die Kosten durch die Unterstützung von großzügigen Freunden, Bekannten und anderen Kaffeekirschen-Begeisterten reduzieren konnte. Selber zahle ich mir bisher kein Gehalt aus, 6 Monate lang habe ich den staatlichen Gründungszuschuss erhalten, den ich sehr zu schätzen wusste.

Mehr Fördermittel, gerade für soziale Innovationen, wären extrem sinnvoll, leider hapert es in Deutschland noch an Gründungsfreundlichkeit.

Weiteres Geld gab es dann ja vor kurzem in einer Crowdfunding-Runde auf startnext. Wie kamst Du auf die Idee zu crowdfunden und wie wirst Du das Geld einsetzen?

Das Crowdfunding ermöglicht die nächstgrößere Produktion, eine riesige Chance! Unsere Produktkosten sind bei der Herstellung sehr kleiner Mengen einfach extrem hoch und dem können wir nun, zumindest in einem ersten Schritt, entgegenwirken.

Über die Kampagne haben wir außerdem extrem viele Leute erreichen können und mitten im Winter auf das Erfrischungsgetränk des nächsten Sommers aufmerksam gemacht.

Gesponserte Selosoda-Flaschen
Laura hat uns für unser #SMWHH-Frühstück einige Flaschen gesponsert – morgen dürft Ihr sie kosten.

Wo möchtest Du in fünf Jahren mit selosoda stehen? Hast Du diese Ziele eigentlich in einem traditionellen Businessplan festgehalten?

Natürlich gibt es einen Businessplan, 5 Jahres Vorausschauen sind im Moment allerdings eher unkonkret. Aber so viel ist sicher, Panama ist nur der Anfang: wir möchten mit Kaffeeproduzenten diverser Urprungsländer zusammenarbeiten, unseren Kunden die Vielfalt der Kaffeekirsche präsentieren – und das nicht nur im deutschsprachigen Raum!

Ein erstes Etappenziel scheint mir auf jeden Fall erreicht: Vor kurzem hast Du den degewo Gründerpreis gewonnen, der zum sechsten Mal an junge Existenzgründer mit innovativen Geschäftsideen vergeben wurden. Dazu: Herzlichen Glückwunsch! Nun darfst Du ein Jahr lang kostenfrei einen 80qm großen Laden in Berlin nutzen. Was bedeutet das für Dich und selosoda?

Danke Dir! Und der degewo, der IHK, der ganzen Jury. 🙂

Wir haben uns unglaublich gefreut. Das Ladenlokal wird Büro und Workshopfläche in einem. Schließlich haben wir mit unserem Produkt viel zu erzählen und möchten Endkunden und Gastronomen in unserer neuen Fläche dazu einladen, die Kaffeekirsche kennenzulernen.

Wie hast Du Dich auf diesen Wettbewerb vorbereitet? Ich nehme an, Du hast einen grandiosen Elevator Pitch ausgearbeitet. Oder? Wie hat ein guter Pitch auszusehe? Hast Du Tipps?

Wir haben einen Businessplan eingereicht, ganz ehrlich, visionär, aber realistisch. Sein eigenes Projekt, für das man unheimlich brennt, ist natürlich immer recht einfach zu verkaufen.

Wettbewerb ist das richtige Stichwort. Zwei Gründer aus Hamburg bringen mit Caté nun auch die Kaffeekirsche in die Flasche. Wie gehst Du mit Konkurrenz um?

Hui, das ist mir um ehrlich zu sein neu. Ich weiß nicht wer dahinter steht, die beiden haben mich noch nicht kontaktiert, ein Austausch wäre natürlich spannend. Besonders, wenn die Vision in eine Richtung geht.

Bevor wir zum Ende, dieses Interviews kommen, habe ich noch zwei letzte Fragen an Dich. Im Interview mit dem Handelsblatt, wurdest Du darum gebeten, Gründerinnen Tipps zu geben. Einer war „einfach zu machen und dabei auch mal auf die Nase zu fallen“. (1) Findest Du, dass das Scheitern hier zu Lande, viel zu wenig toleriert wird? (2) Wenn ja, was muss sich Deiner Meinung nach ändern, damit Misserfolge in der deutschen Gesellschaft auch als etwas Normales angesehen werden?

Hierzulande ist man häufig sehr ängstlich, das hemmt meines Erachtens Innovationen, Mut, Kreativität. Wichtig ist das Vertrauen in sich nicht zu verlieren. Scheitern ist ein großes Wort und meist letztendlich nur der Anfang oder Impuls von etwas Neuem.

Wahre Worte.

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