„Eine Firma zu gründen, aufrecht zu halten und parallel noch arbeiten zu gehen, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch“ – Katrin Lange, Gründerin elikat

Katrin Lange, Gründerin elikat

Katrin Lange stand schon eine ganze Weile als potenzielle Interviewpartnerin auf meiner Liste für unserer Reihe „Hamburg, Deine Gründerinnen.“

Nun habe ich der Gründerin von elikat endlich meine Fragen zu ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit stellen können. Ihre Antworten gibt es, wenn Ihr weiterlest. 😉

Liebe Katrin, Du hast Ende 2015 mit einer Freundin den Onlineshop elikat gegründet. Angeboten werden dort vegane, gluten- und laktosefreie sowie fruktosearme Kuchen im Glas und Backmischungen. Wie kamt Ihr auf die Idee?

Ich habe selbst ein paar Lebensmittelunverträglichkeiten und war frustriert darüber, dass ich keinen Kuchen mehr kaufen konnte, den ich noch essen konnte. Und so begann ich nach alternativen Zutaten zu recherchieren, um endlich wieder einen Kuchen backen und essen zu können.

Eine Freundin von mir machte sich damals auch Gedanken dazu und backte mir den ein oder anderen Kuchen. Da wir bei den Recherchen und unseren Backversuchen feststellten, dass es gar nicht so einfach ist, leckeren Kuchen zu backen, der auch bei verschiedenen Unverträglichkeiten gegessen werden kann und dazu noch schmeckt, dachten wir uns, das könnten wir übernehmen und füllen diese Marktlücke.

Deine Freundin ist mittlerweile nicht mehr von der Partie. Warum ist sie ausgestiegen? Wie war das für Dich von da an alleine weiterzumachen?

Wir haben beide voll gearbeitet. Eine Firma zu gründen, aufrecht zu halten und parallel noch arbeiten zu gehen, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Meine Mitgründerin konnte nicht mehr die Zeit investieren, wie sie es sich gewünscht hatte. Also ist sie ausgestiegen.

Ich versuche immer alles positiv zu sehen. So habe ich auch ihren Ausstieg versucht positiv zu sehen. Ich konnte nun alle Entscheidungen schneller treffen, da ich diese nur mit mir selbst klären musste.

Und wenn man ehrlich ist, mache ich elikat nicht allein. Ich habe meinen Bäckermeister, der meine Kuchen produziert, ich habe meinen Mann, der mir im Bereich Logistik sehr viel Arbeit abnimmt und viele weitere kleine Helfer, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Du bist mit elikat nebenberuflich selbstständig; arbeitest Vollzeit als Projektmanagerin in einer Agentur. Ist diese Doppelbelastung nicht anstrengend?

Interessanterweise finde ich die „Doppelbelastung“ nicht anstrengend. Die Aufgaben und auch die Verantwortungen sind nicht von Anfang an gleich intensiv vorhanden. Ich bin klein gestartet und habe mich Stück für Stück mit elikat weiterentwickelt. Dadurch hatte auch ich die Zeit mich anzupassen und mich an meine steigende Arbeit zu gewöhnen.

Ich finde meinen Tag eher zeitintensiv und stark durchgeplant. Aber da kommt der Projektmanager in mir durch. Wie heißt es so schön, jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und Schritte planen kann ich als PM jeden Tag.

Das Schwierigste an meinem Tag ist es, am Abend die Disziplin aufzubringen und sich nochmal vor den Rechner zu setzen. Hier gibt es schon den ein oder anderen Tag, an dem ich mich lieber aufs Sofa setzen würde.

Überlegungen von Beginn an “all in” zu gehen gab es nicht?

Die Überlegung gab es schon. Aber was wäre, wenn meine Idee nicht gut gewesen wäre? Wenn es Niemanden gegeben hätte, für den meine Produkte interessant gewesen wären?

Und dann hätte ich keinen Job, müsste zusehen, wie ich elikat weiterwachsen lasse oder irgendwann einstelle.

Dies war mir zu unsicher. Ich wollte elikat aufbauen und gleichzeitig meine monatlichen Rechnungen bezahlen, ohne mich sonderlich einschränken zu müssen.

Was glaubst Du sind die Vorteile Deiner nebenberuflichen Selbstständigkeit?

Aus meiner Sicht ist der finanzielle Druck kleiner. Meine Eltern haben immer gesagt, gebe kein Geld aus, welches du nicht hast. Ich gehe jeden Monat arbeiten und weiß so, dass jeden Monat neues Geld für neue Ideen reinkommt. Das finde ich sehr entspannend.

In Startup Valley habe ich gelesen, dass Du bislang alles selbst finanziert hast. Warum und welche Vor-, aber auch Nachteile siehst Du im Bootstrapping?

Ich habe am Anfang schon überlegt, einen Businessplan zu erstellen und mir dann Investoren zu suchen. Aber ich habe mich aus zwei Gründen davon schnell wieder entfernt.

Der erste und für mich wichtigste Punkt ist, wieso sollten andere ihr Geld in mich investieren, wenn ich nicht selbst mein Geld in meine Idee investiere?

Der Zweite Grund ohne Investoren zu starten, war für mich die Selbstbestimmung. Ich unterhalte mich sehr gern mit Freunden oder auch Dienstleistern über meine Firma, tausche Ideen aus, überlege mir neue Aktionen und Möglichkeiten, damit elikat wachsen kann. Aber die Menschen in meiner Umgebung beraten mich nicht, weil sie ein finanzielles Interesse an mir oder elikat haben. Sie unterhalten sich mit mir und entwickeln neue Idee, weil ich ihnen oder meine Produkte am Herzen liegen.

Ein Investor ist aus meiner Sicht immer daran interessiert, sein Geld, seine Investition auch wieder zu bekommen. Eine Investition soll sich ja auch lohnen. Dann kann ich auch komplett nachvollziehen. Meine Befürchtung ist dabei allerdings, dass Investoren zu sehr finanziell getrieben sind und dadurch in eine Richtung gehen, die ich nicht möchte. Ich wollte mir diese Selbstbestimmung nicht nehmen lassen.

Und das sehe ich als riesengroßen Vorteil an. Ich kann mich selbst verwirklichen. Ich spreche mit Kunden, Dienstleistern, Familie, überlege mir neue Idee oder Produkte und kann diese einfach ausprobieren. Verliere ich dadurch Geld, ist es mein eigenes und ich muss mich niemandem gegenüber rechtfertigen.

Der Nachteil ist auch klar. Funktioniert eine Idee nicht, ist es mein eigenes Geld, welches weg ist. Man muss seine Finanzen und sein Geld ständig im Blick haben, Investitionen planen und ggf. auch mal Dienstleister bitten, eine Rechnung erst im nächsten Monat bezahlen zu dürfen. Das kann an manchen Tagen ein wenig nerven.

In der Startup Valley wurde Dir auch die Frage gestellt, wo der Weg mit elikat hingeht. Das Interview liegt noch nicht sooo lange zurück, aber wo stehst Du heute mit Deinem Business? Wie weit bist Du von Deinem Ziel “elikat ist finanziell stabil und trägt sich nicht nur komplett selbst, sondern auch mich und ich kann mich zu 100% auf elikat konzentrieren”?

(Lacht) Ich bin im zweiten Jahr mit elikat und noch ein ganzes Stück davon entfernt, dass ich allein von elikat leben kann. Aber ich habe den ersten Schritt dahin geschafft. Elikat kann sich selbst tragen. Das bedeutet, alle Fixkosten pro Monat werden ohne private Investitionen meinerseits getragen. Und darauf bin ich sehr stolz.

Gehen wir zurück zu den Anfängen elikats… Du und Deine Freundin hatten die Idee zu Eurem Business. Und dann? Was waren die nächsten Schritte?

Wie haben angefangen online zu recherchieren, wie man das macht? Welche Rechtsform sollte man wählen (wir sind anfangs mit einer GbR gestartet), wo muss man sich anmelden, welche Vorschriften gibt es im Lebensmittelbereich, welche Zertifikate brauchen wir etc.

Und dann haben wir es einfach gemacht.

Welche Erfahrungen hast Du bei der Gewerbeanmeldung gemacht? Hast Du Tipps oder Hinweise für uns diesbezüglich?

Ein Gewerbe anzumelden, fand ich gar nicht so schwer. Wer sind die gründenden Personen, in welchem Bereich will man gründen, und wie sehen die Produkte aus. Das war recht schnell ausgefüllt. Viel schwieriger fand ich die Anmeldung beim Finanzamt. Die Formularblätter habe ich einfach nicht verstanden. Das haben wir dann an unseren Steuerberater übergeben. Beim Finanzamt wollten wir nichts falsch machen.

Und das ist auch mein Tipp, egal um was es geht: Hole Dir Hilfe für Themen, von denen man einfach keine Ahnung hat.

Die erste Produktion Eurer Kuchen hat eine Konditor-Meisterin aus dem Jools, ein Hamburger Café, übernommen. Wie habt Ihr zueinander gefunden und warum arbeitet Ihr jetzt nicht mehr zusammen?

Ja, dass Jools hat die ersten Kuchen für uns produziert. Ich habe Johanna vom Jools über eine gemeinsame Freundin kennengelernt. Auf der Suche nach einer Produktion haben wir zunächst nur Absagen erhalten. Johanna von Jools fand unsere Idee super und wollte uns helfen, erstmal zu starten.

Mein Ziel war es von Anfang an allerdings, mit einer Bäckerei zu arbeiten, um hier mehr den fachlichen Austausch für die Produktion zu nutzen. Und aus diesem Grund haben wir die Produktion nach der ersten Startphase dann vom Jools zu „Was das Herz begehrt“ gewechselt.

Die Produktion Deiner Kuchen übernimmt mittlerweile der Bäcker und Konditormeister Detlev Zeitsmann von Was das Herz begehrt. Warum kannst Du die Kuchen denn nicht einfach selbst backen?

Wie du es schon so schön geschrieben hast, ich darf Kuchen nicht selbst backen und online verkaufen. In Deutschland gibt es einen sogenannten Meisterzwang. Nicht jeder der backen kann, darf auch Kuchen verkaufen. Aus diesem Grund brauche ich einen Bäckermeister oder Konditormeister. Dies war die größte Hürde, die elikat bewältigen musste. Ohne Meister in der Produktion hätte es keine Kuchen und somit kein elikat gegeben.

Bist Du über die Problematik – nicht selbst die Kuchen backen zu dürfen – hinaus, auf weitere Hindernisse beim Aufbau von elikat gestoßen? Wie hast Du sie gemeistert?

Für mich die nächste Herausforderung im Wachstumsprozess war und ist weiterhin, sich bekannt zu machen. Niemand sucht explizit nach mir oder meinen Kuchen. Keiner kannte elikat. Meine Produkte sind sehr gut und super lecker, aber woher sollen die Menschen wissen, dass es mich und meine Kuchen gibt. Die Menschen werden überflutet mit Informationen über neue Produkte. Wie wird man sichtbar?

Ich begegne dieser Herausforderung, in dem ich versuche meinen Onlineshop SEO-technisch gut aufzubauen, um online besser gefunden zu werden. Ich nutze verschiedene Social-Media-Kanäle. Zusätzlich versuche ich auf Messen präsent zu sein und mit ausgewählten Bloggern und Influencern zusammen zu arbeiten.

Durch die Interviews mit Katrin und Katharina von .kuchentratsch und die Lektüre von Ran an die Buletten weiß ich, dass es möglich ist eine verkürzte Konditorenprüfung abzulegen. Diese kostet um die 1.000€. Mal abgesehen von der Finanzierung, käme diese Möglichkeit für Dich in Frage, um nicht mehr auf andere Konditoren bei der Herstellung Deiner Kuchen angewiesen zu sein?

Während der Anfangszeit habe ich dies auch recherchiert. Aber das kam für mich nie in Frage. Eine Firma zu führen und auszubauen, bedeutet für mich nicht nur die Produktion zu übernehmen. Es gibt so viele Aufgaben jeden Tag, da überlasse ich das Backen einem Fachmann 🙂

Ich möchte nicht jeden Tag in der Küche stehen und Kuchen backen. Ich probiere lieber neue Rezepte aus, versuche neue Marketing-Maßnahmen, spreche mit Händlern und Einkäufern oder zeige mich auf Messen.

Im Interview mit femtastics habe ich gelesen, dass Du vor hast mit Anna von Gleem, die wir auch schon für diesen Blog interviewt haben, eine Mietküche zu beziehen. Wie steht es um diese Pläne?

Das sieht sehr gut aus. Der Mietvertrag ist unterschrieben und ab März wird die Küche aufgebaut.

Aktuell hast Du 9 unterschiedliche Sorten Deines Kuchen im Glas im Sortiment, die Du zu je 6,49€ verkaufst. Wie setzt sich dieser Preis zusammen?

Ein Hauptteil des Preises nehmen die Zutaten ein. Wer sich schon mal mit glutenfreier Ernährung beschäftigt hat, weiß, dass glutenfreie Mehle um ein Vielfaches teurer sind als einfaches Weizenmehl. Auch fruktosefreier Zucker ist alles andere als günstig.

Zusätzlich im Preis enthalten sind anteilig die Fixkosten für die Produktion, die Kosten für den Betrieb meines Onlineshops, Versicherungen, Mietkosten, Lebensmittelanalysen und natürlich Investitionskosten, um neue Kuchen und auch andere Produkte auszuprobieren, um diese evtl. ins Sortiment aufnehmen zu können.

Wenn ich an die letzte Staffel “Die Höhle der Löwen” und den Auftritt von Susi Leyck denke, höre ich die Kritiker schreien: “Viel zu teuer!” Was entgegnest Du denen?

Natürlich sind meine Kuchen nicht günstig. Aber die Kuchen von elikat sind auch nicht teuer, sondern ihren Preis wert. Elikat sind keine industriell gefertigten Produkte. In liebevoller Handarbeit wird der Teig angerührt, die Gläser einzeln befüllt und die Kuchen gebacken. Wir arbeiten nur mit ausgewählten Zutaten, ohne Konservierungsstoffe, ohne Hefe oder Geschmacksverstärker. Und diese Qualität kann nicht billig sein.

Ich persönlich finde den Billig-Wunsch bei Lebensmitteln auch ehrlich gesagt bedenklich.

Aber ich stelle auch immer wieder fest, wenn ich Kunden vor mir habe, die wissen, was die einzelnen Zutaten kosten, die verstehen auch meinen Preis und sind gern bereit diesen zu zahlen.

Wär ein Format wie “Die Höhle der Löwen” grundsätzlich denkbar für Dich? Oder spricht aus Deiner Sicht etwas gegen die Teilnahme?

Für mich wäre das nicht das passende Format. Ich denke, das Format ist gut, um schnell Werbung zu machen. Allerdings ist dies nicht meine Art, auf mich aufmerksam zu machen.

Ein weiterer Grund für mich nicht an so einem Format teilzunehmen ist, es ist eine Investitionsshow und die Investoren suchen Firmen, bei denen sie denken, dass sich ihre Investition rentieren wird. Und hier schließt sich wieder der Kreis, warum ich keine Investoren habe und mich selbst finanziere. Ein Investor wird alles versuchen, seine Investition wachsen zu lassen. Und vielleicht auch mit Maßnahmen, die ich nicht vertreten will.

© Beitragsbild + Produktbilder 3/4: Romy Geßner
© Produktbilder 1/2: The Fish & The Knife

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