„Hatte ich schon vor dem Buch viel zu tun, ist es jetzt endlos viel Arbeit geworden“ – Interview mit Katja Just, Inhaberin des Haus am Landsende und Autorin von „Barfuß auf dem Sommerdeich“

Katja Just

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne lese. Viel. Sehr viel. Aber nur wenige Bücher überzeugen mich so, dass sie in meinem Besitz bleiben. Nur die Werke, die mein Herz berühren; die, die mich auf eine besondere Weise nachhaltig beeindrucken, finden in meinem Bücherregal langfristig Platz [aktuell sind das 30 Bücher, gelesen habe ich bestimmt 20-30 Mal so viel] – die anderen verschenke ich oder verkaufe sie auf dem Flohmarkt.

Eines dieser Bücher, dass es in die Kategorie LadenRegalhüter geschafft hat, ist „Barfuß auf dem Sommerdeich„* von Katja Just – das ich, wie sollte es anders sein, bei Globetrotter entdeckt habe. Es beschreibt die Geschichte der Großstädterin, die „ihr Leben im turbulenten München gegen den beschaulichen Alltag auf der Marschinsel“ eingetauscht hat und dort selbstständig ihr Geld verdient.

Wie? Das erfahrt Ihr im Interview mit Katja – versteht sich von selbst, dass ich nicht widerstehen konnte sie um ein Interview zu bitten, nech? 😉

Liebe Katja, Du bist im Alter von 25 Jahren auf die knapp sechs Quadratkilometer große Hallig Hooge gezogen und betreibst dort seit fast zwei Jahrzehnten das Haus am Landsende mit zwei Ferienwohnungen “in liebevoll gehobener Ausstattung”, dass Du von Deinen Eltern übernommen hast. Wie kam es zu diesem Schritt?

Ich durfte Hooge schon als Kind erleben und habe mich in die Hallig verliebt. Später zogen meine Mutter und mein Stiefvater dort hin. Zuerst kam ich regelmäßig als Besucherin und im Oktober 2000 bin ich dann selbst auf die Hallig gezogen. Inzwischen leben meine Eltern wieder auf dem Festland und ich führe Haus und Betrieb alleine.

Vorher hast Du bei der Lufthansa Technik in München gearbeitet. Wie hast Du Dir das Wissen angeeignet, dass es zum Führen eines kleinen Gasthauses bedarf?

Ich habe mir das Meiste bei meiner Mutter abgeguckt, denn sie ist mit Leib und Seele Gastgeberin. Ein Praktikum in einem tollen Hotel in Husum hat mir sehr viel gebracht und dann war ich noch ein Jahr auf einer Fachschule für Hauswirtschaft. Alles andere kommt aus dem Herzen.

Inwieweit hat Dir Deine kaufmännische Ausbildung und Deine Arbeit beim zweitgrößten Luftfahrtunternehmens Europas in Deiner Selbstständigkeit geholfen? Ich nehme an, dass Du dort Gelerntes auch hier einbringen konntest?

Freude am Kundenkontakt, strukturiertes Arbeiten und Offenheit für alles, was auf einen zukommen kann, habe ich mitgenommen.

Die Vermietung von Ferienwohnungen sowie die damit zusammenhängenden Aufgaben sind sicher sehr umfangreich und vielfältig. Kannst Du uns trotzdem einen Einblick geben, worauf es ankommt, wenn man sich entscheidet, damit sein Geld zu verdienen? Was ist besonders wichtig? Worauf sollte man unbedingt achten?

Der Service am Gast und die Gastfreundschaft an sich sollten aus dem Herzen kommen. Ich muss bereit sein, meine Türe mehr zu öffnen, als zu schließen. Wer auf selbständiger Basis ins Gastgewerbe nicht aus tiefster Überzeugung eintritt, sollte es lieber lassen.

Welche Abstriche muss man möglicherweise finanziell oder auch privat machen, wenn man in Deiner Branche arbeitet? Viele Frauen träumen ja u. a. davon mal ein eigenes Café zu besitzen und ver”romantisieren” diese Arbeit. Jetzt hast Du die Gelegenheit diejenigen auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. 😉

Wenn das ein wirklicher Traum ist, wird das klappen! Aber neben aller Träumerei, gibt es auch so realistische Dinge wie: Einkauf, Abrechnung, Monatsabschluss, Steuer, ggf. Mitarbeitergespräche… und natürlich jeden Tag aufräumen und putzen – zumindest in den Küchenbereichen. Die Vorschriften und Kontrollen sind nicht zu unterschätzen. Selbständigkeit heißt: erstens selbst und zweitens ständig. Die Verantwortung die man trägt, ist eine ganz andere, wie als Angestellte/r. Zeit, Raum und Spontanität für mich ganz privat vermisse ich manchmal.

Wie bei den Gezeiten gab es in Deiner Selbstständigkeit doch auch sicher schon Höhen und Tiefen. Magst Du uns davon berichten?

So richtig tief waren meine Tiefs selten. Aber tatsächlich gibt es zwischendurch mal einen Tag, an dem ich mir wünschte, angestellt zu sein, um mich krank melden zu können, wenn es mir wirklich schlecht geht. Eine wirkliche Höhe ist die, dass ich keinen Vorgesetzten habe, sondern „nur“ mich. Ist auch nicht immer einfach, denn das erfordert Disziplin. So sehr ich mein Lufthansa-Team vermisse, ich bin sehr gerne selbständig.

Gerne würdest Du Deine zwei Ferienwohnungen um weitere, ein Café und einen kleinen Wellnessbereich erweitern. Warum ist es dazu bislang nicht gekommen?

In erster Linie aus baurechtlichen Gründen. Verschiedene Vorschriften geben manches leider (noch) nicht her. Und um ein anderes Haus dazuzukaufen, fehlen mir finanzielle Mittel. Ich werde wohl noch Geduld aufbringen müssen.

Du arbeitest aber weiter an der Realisierung, oder?

Arbeiten nein. Daran denken immer wieder mal. Es gibt immer noch viele Ideen und Wünsche in meinem Kopf. Mal sehen. Frau muss ja schließlich auch Träume haben….

Vor zwei Jahren hast Du dann Dein Buch “Barfuß auf dem Sommerdeich”* veröffentlicht. Du warst ja sehr skeptisch, was an Deiner Lebensgeschichte so spannend sein könnte, dass Du darüber ein ganzes Buch schreiben solltest. Wie kam es zu Deinem Buch-Deal?

Vor einem Jahr ist das erst geschehen. Im Mai 2017. Die Verlagschefin ist über ein Portrait über mich gestolpert. Daraufhin hat sie den Kontakt zu mir gesucht und mich gefragt, ob ich Lust auf ein gemeinsames Projekt hätte. Das Buch ist das Ergebnis.

Hatte die Veröffentlichung des Buches merklichen Einfluss auf Dein Geschäft und Leben?

Deutlich! Hatte ich schon vor dem Buch viel zu tun, ist es jetzt endlos viel Arbeit geworden. Es ist wirklich unglaublich. Ich komme überhaupt nicht mehr hinter her, Post (auf sämtlichen Wegen) einigermaßen zeitnah zu beantworten. Mindestens einmal pro Woche stehen Menschen vor meiner Tür, die mir etwas zu meinem Buch sagen möchten. Zum Glück bis jetzt immer positive Rückmeldungen. Es ist großartig auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite weiß ich nicht, wie ich das in Zukunft alles noch schaffen soll.

In Deinem Buch schreibst Du von einem Mann, “ein drahtiger Mitfünfziger aus der Nähe von Zürich”, der “bei der Sitzgruppe unter dem Kirschbaum Platz genommen und vor sich auf dem Tisch Aufnahmegerät, Handy, Terminkalender und Laptop ausgebreitet” hatte – und der eigentlich bei Dir zu Gast war um mal abzuschalten, zur Ruhe zu kommen und Kraft zu tanken. Das Kapitel in dem er auftaucht, heißt “Anleitung zur Entschleunigung”. Glaubst Du, dass wir das bewusst wahrnehmen; das Abschalten verlernt haben?

Nein. Bewusst nehmen das leider die Wenigsten wahr. Aber z. B. auf Hooge kann man damit konfrontiert werden. „Oh, so viel Himmel/Weite/etc. oder so viele Schmetterlinge/Sterne/etc. habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen….“. Ich merke ja schon, dass mir das Abschalten immer schwerer fällt. Es ist so einfach in einen Strudel voller Arbeit und Gewohnheiten zu fallen. Leider.

Wie wichtig ist das Durchatmen, das Achtsam-mit-sich-selbst-sein für Selbstständige?

Sehr wichtig! Immer wieder stehen bleiben und durchatmen! Und immer bei sich bleiben! Sonst wird es ganz plötzlich zu viel.

Was tust Du zum Ausgleich für Dich? Wenn ich das richtig sehe, kommen alte Hobbies wie das Motorradfahren auf der Hallig zu kurz.

Von meinen Hobbies ist leider nichts mehr geblieben. Chico, mein Hund, hat mir früher dabei geholfen. Jetzt ist es meine Kuh. Sie holt mich raus, holt mich runter.

© Beitragsbild: Eden Books 2017 | NORDNORDWEST – Carlos Arias Enciso

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

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