„Mit der Leidenschaft zum Musik machen wird man geboren. (…) Ich kann gar nicht anders als ständig Musik zu machen & zu fühlen“ – Sängerin & Songwriterin Kate Louisa

Kate Louisa
[Anzeige]

 

Das heutige Interview ist eine Premiere – ich spreche nach 4 1/2 Jahren und über 130 Interviews zum ersten Mal mit einer 🎵 Musikerin über ihre Selbstständigkeit. Ist das zu fassen?

Ich kann es selbst kaum glauben und freue mich wahnsinnig durch das Interview mit 🎵 Kate Louisa diese Lücke endlich füllen zu können.

Liebe Kate Louisa, Du bist Sängerin und Songwriterin. War es immer schon Dein Traum als Musikerin Geld zu verdienen? Wenn nicht, wie ist es dann dazu gekommen, dass Du diesen Weg eingeschlagen hast?

Mit 3 Jahren bin ich bei dem Geburtstag meines Großvaters auf einen Stuhl geklettert und habe ihm ein Ständchen gesungen. Die Gäste waren begeistert und mir hat das viel Spaß gemacht. Da ist das Gefühl und die Leidenschaft für die Musik in mir entfacht. Auch wenn ich das mit 3 Jahren bestimmt noch nicht einzuordnen wusste, habe ich gespürt, dass Singen etwas ist, dass mir Freude macht und womit ich gleichermaßen Anderen eine Freude mache.

In einem Sat.1-Beitrag ist zu erfahren, dass Deine gesamte Familie aus Steuerberatern und Juristen besteht. Wie wurde Deine Entscheidung, als Sängerin zu arbeiten, aufgenommen? Hast Du uneingeschränkte Unterstützung widerfahren oder wurden auch Zweifel laut?

Meine Familie ist neben der Steuerberatung sehr musikalisch. Meine Mami singt im Chor, meine Oma war eine tolle Pianistin. Daher war die Liebe zur Musik als Hobby in allen verwurzelt. Als ich mich entschied diesen Weg beruflich einzuschlagen, gab es dann aber schon Irritation. Meine Eltern hatten Bedenken, wie mein Weg als Musikerin aussehen würde, ob ich damit Geld verdienen kann. Aber letztlich haben sie es akzeptiert. Heute erfahre ich uneingeschränkte Unterstützung und gerade meine Mami ist mit Feuereifer überall dabei.

Du hast den Popkurs an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater absolviert. Damit hast Du die erste Sprosse Deiner beruflichen Karriereleiter bestiegen. Welche Schritte folgten?

Ich habe Musik studiert, anschließend in verschiedenen Bands gesungen, Musiktheater am St. Pauli Theater in Hamburg und auf Tour gespielt, unter der Regie von Franz Wittenbrink. Ich habe bei Natasha Bedingfield im Background gesungen und verschiedene Projekte mit tollen Produzenten und Labels gemacht. Aber irgendwie hatte ich oft das Gefühl, dass das nicht wirklich “ich” war.

Nach einer Reise in die USA habe ich 2017 den Mut gefasst, mein eigenes Ding zu machen und mich selbst ans Klavier gesetzt. Zum ersten Mal habe ich meine Gedanken und Melodien in Songs verwandelt und diese mit meinem Produzenten Jo Varain produziert. Es ist eine Mischung aus Elektro und Akustik und in meinen Texten erzähle ich von meiner Vergangenheit, die sehr facettenreich war.

Als Künstlerin braucht man eine Menge Selbstbewusstsein um sich zu zeigen. Das hatte ich lange nicht. Deshalb war es ein harter Weg für mich, bis ich mich getraut habe, mich mit meinen Songs zu zeigen. Heute ist es ein tolles Gefühl und ich bin froh, dass ich mich getraut habe, meine Musik zu machen. Mit meiner Band bin ich seit dem auch viel Live unterwegs. Fühlt sich gut an, mutig zu sein!

Fühlt sich gut an, mutig zu sein!

Kate Louisa

 

Eine Selbstständigkeit als Musikerin stelle ich mir schwer vor – den Start in selbige noch viel schwieriger. Wie hast Du in der Branche Fuß gefasst?

Musik bzw. ein künstlerischer Beruf ist aus meiner Sicht nichts, wofür man sich bewusst entscheidet – man wird mit der Leidenschaft geboren und dann kann man nicht anders als diese Kunst zu leben. Ich höre sehr stark auf mein Bauchgefühl und lasse mich davon leiten. Nachdem ich viel an mir gearbeitet und meine alten Geister verabschiedet hatte, wurde ich mir darüber klar welche Art von Musik ich machen möchte. Daraufhin habe ich mir meinen Platz in der Branche gesucht.

Und dann ist es wie in anderen Branchen auch – Kontakte machen, Marketing, sich vorstellen, schauen wohin ich mit meiner Musik passe. Wichtig ist, offen zu bleiben. Manchmal stehen wir vor einer Tür und denken, nur durch diese geht es ans Ziel. Und dabei verpassen wir die kleine Lücke am Ende des Flurs, die uns viel schneller an den gewünschten Punkt bringt. Diese Lücke versuche ich zu nehmen.

Arbeitest Du als Sängerin freiberuflich oder betreibst Du ein Gewerbe?

Ich arbeite als Sängerin freiberuflich.

Weißt Du auf Deinen Rechnungen die Mehrwertsteuer aus? Wenn ja, 7 oder 19%? – Falls beides zutrifft, erkläre doch bitte, wann Du welchen Steuersatz ansetzt – Wenn nicht, warum? Zählst Du noch als Kleinunternehmerin oder bist Du komplett von der Mehrwertsteuer befreit?

Ich bin Mwst. pflichtig und nehme 7% für künstlerische Leistungen.

Ich nehme an, dass Du mit Veranstalter*innen regelmäßig Verträge abschließt. Worauf kommt es dabei an?

Wichtig ist, dass wir genau wissen wo, wir wann, wie lange auf welcher Bühne spielen. Wie sind die Zeiten für Anfahrt, Aufbau und Soundcheck. Welche Technik ist vor Ort, welche bringen wir mit. Gibt es einen Backstageraum, wie groß ist dieser und gibt es Catering. Was passiert bei Ausfall des Gigs.

Ich habe eben schon Veranstaltungen angesprochen und dabei sowohl an kurze Auftritte auf Straßenfesten oder in Clubs gedacht als auch an ganze Konzerte. Diese machen sicher einen Großteil Deiner Einkünfte aus, aber nicht nur, oder? Womit verdienst Du noch Dein Geld – Plattenverkäufe, Merchandise…?

Live-Auftritte bringen den größten Teil an Einnahmen. Daneben kommen meine EP und Merchandise. Da wir noch nicht so viel Merch haben, ist der Posten bei uns noch klein, aber wir sind gerade in Planung für größere Mengen. Dann wird das einer der Hauptposten werden.

Sicherlich tragen auch die Ausschüttungen der GEMA (oder anderer Verwertungsgesellschaften) zu Deinen Einnahmen bei, oder? Um ein Gefühl dafür zu bekommen: Welchen Anteil (in Prozent) machen diese bei Deinen Gesamterträgen aus? Wie oft wird ausgeschüttet?

Da wir erst Ende 2018 unsere erste EP veröffentlicht haben und seit letztem Jahr Live unterwegs sind, kommen die Ausschüttungen der GEMA noch. Da wir viel Live spielen und meine Songs im Radio gespielt werden, bin ich gespannt, wie sich das auswirkt.

Wo wir gerade bei der GEMA und dem Thema Urheberrecht sind: Judith hat vor drei Jahren mal einen Artikel über „Copyright – Wie schütze ich meine Kreativität?“ geschrieben. Wie schützt Du Deine?

Alle Songs, die ich schreibe, nehme ich in ihrem ersten Entwurf auf meinem Handy auf. Damit habe ich eine Aufnahme, die mit Zeit und Datum versehen ist. Anschließend bearbeite ich den Song mit meiner Band und meinem Produzenten, wodurch wir erneut Dateien herstellen die auf dem Computer mit Zeitangaben versehen sind. In einem Plagiatsfall, könnten wir hiermit beweisen, dass wir die Urheber sind. Prinzipiell poste ich keine unveröffentlichten Songs und die Werke werden bei der GEMA angemeldet.

Gibt es in Deinem Leben eigentlich so etwas wie Alltag oder ist jeder Tag verschieden? Gib uns doch bitte einen groben Einblick.

Jeder Tag ist komplett verschieden. An einem Tag sitze ich in meinem Home-Studio und schreibe neue Songs, am Nächsten arbeite ich mit meinem Produzenten im Studio an unserem Album. Wieder am nächsten Tag habe ich Bandprobe und bereite mich mit meiner festen Band Malte, Emil und Jo auf anstehende Gigs vor. Da ich sehr viel selbst mache und die Zügel gerne in der Hand halte, habe ich jeden Tag neben der Musik viel Organisationsarbeit zu erledigen.

Da geht es um Single Veröffentlichungen, Besprechungen mit dem Team, Fotoshootings und Videodrehs organisieren, Merchandise kreieren, PR- und Marketing Tools erstellen und koordinieren, Meetings mit Grafikern und dem PR Team. Ich habe sehr unbeständige Arbeitszeiten. Es kommt nicht selten vor, dass ich bis 4h nachts am Schreibtisch oder im Studio sitze.

Aber ich brauche diese Flexibilität und genieße die Freiheit, mir meine Zeit selbst einteilen zu können.

Ich stelle mir vor, dass für Euch Musiker*innen gilt: „Nach der Tour ist vor der Tour“ – Tour kann sicherlich auch durch Album ersetzt werden. Ist das nicht wahnsinnig anstrengend? Welch ein Druck, der auf Euch lastet…

Wie ich oben schon sagte, mit der Leidenschaft zum Musik machen wird man geboren. Ich bin sehr kritisch und die Auf und Abs des Musiker-Daseins sind nicht immer leicht. Aber: Ich kann gar nicht anders als ständig Musik zu machen und zu fühlen. Wenn jemand etwas Interessantes sagt, fällt mir eine Textzeile ein die ich sofort aufschreiben muss oder eine Melodie die ich mit dem Handy aufnehme. Musik ist immer und überall um mich herum und in mir drin. Daher hab ich genug Output um nach dem Album ein Neues zu füllen. Anstrengend wird es, wenn ich versuche Urlaub zu machen. Da ist die Musik ja auch immer dabei und so richtig abschalten ist schwierig. 😉

Da sind Zustände der Erschöpfung und Burn-outs – mitunter auch Depressionen (durch ständigen Erfolgsdruck) – doch sicher nicht weit? Was tust Du, um Dich davor zu schützen? Und provokant hinterher gefragt: Wie gesund ist Deine Branche überhaupt?

Ein künstlerischer Beruf bringt viele Tücken und viele Freuden mit sich. Die typische “Künstlerseele” gibt es wirklich, ich habe sie auf jeden Fall. 😉 Damit umzugehen ist nicht immer einfach. Ich bin ein sehr feinfühliger Mensch, ich nehme Stimmungen um mich herum sehr stark auf und an. Das macht meine Gefühlswelt nicht einfach. Gleichzeitig brauche ich das, um Songs zu schreiben. Dafür muss ich mich öffnen und mache mich damit verletzlich.

Wir haben keinen geregelten Alltag als Musiker und Erfolge sind unbeständig. Auch die Bewertung der man andauernd unterliegt sowohl von außen als auch durch einen selbst, ist nicht immer einfach auszuhalten. Da gibt es solche und solche Tage. Mittlerweile kann ich damit aber gut umgehen, weil ich das was ich tue liebe und davon überzeugt bin. Wenn ich auf der Bühne stehe und in glückliche Zuschaueraugen sehe oder Zuschriften von Fans bekomme, weiß ich, wofür sich alles lohnt. Und gleichzeitig ist es eines der schönsten Privilegien, Musikerin sein zu dürfen.

Apropos Gesundheit: Deine Stimme ist Dein Kapital. Was würde passieren, wenn die ausfiel? Gibt es Berufsunfähigkeitsversicherungen für Musiker*innen?

Ja, es gibt Berufsunfähigkeitsversicherungen für Musikerinnen. Ich habe keine. Ich achte sehr auf meinen Körper und versuche ihm Gutes zu tun. Ich glaube, wenn ich mit mir im Reinen bin und auf mein Instrument acht gebe, wird meine Stimme keinen Grund zu Krankheit haben.

Kommen wir zum Abschluss des Interviews zu einem helleren Thema, Deiner EP „Schwerer Rucksack“ und dem ersten daraus erschienenen Song „Mit dem Rücken zur Wand“ – wobei beide Titel auch nicht von Leichtigkeit zeugen. 😉 Worum geht es in Deiner Single? Und: Wie stolz bist Du auf Dein Album? Worauf hast Du besonderen Wert gelegt?

In “Mit dem Rücken zur Wand” habe ich mir die Frage gestellt, wie wir damit umgehen können, dass unsere Welt so unbeständig ist. Ich glaube, wenn wir als Menschen zusammenhalten, Toleranz und Nächstenliebe leben, sind wir stärker und können etwas bewirken.

Bei meiner ersten EP “Schwerer Rucksack”, habe ich von der Organisation, über die Produktion bis hin zur Veröffentlichung alles in der eigenen Hand gehabt, weshalb ich sehr glücklich über das Ergebnis bin. Mir war wichtig, dass alle Song authentisch sind und einen Teil meiner Geschichte erzählen. Das singe ich auch im Intro der EP. Es war der Beginn meiner musikalischen Reise und ich hab es gebraucht, die dunkleren Seiten meiner Vergangenheit in Songs zu verpacken.

Am 7. Juni ist meine neue Single “Mädchen ohne Land” erschienen. Diese erzählt vom nächsten Schritt. Es geht darum, sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sich zu befreien von alten Zwänge und Mauern, einen neuen Platz im Leben zu suchen. Ein neues Land. So erzähle ich meine Entwicklung auch in meinen Songs weiter.

Eine letzte Frage noch – wobei ich noch so viele weitere hätte: Welchen Rat kannst Du Frauen mitgeben, die sich als Musikerinnen selbstständig machen wollen? Vielleicht etwas, dass in dem Interview bislang noch nicht zur Sprache gekommen, aber super wichtig ist…

Das Wichtigste meiner Meinung nach ist, immer man selbst zu bleiben und das zu tun was man selbst machen möchte. Egal gegen wie viele Türen man rennt, egal wie oft das Nein kommt am Anfang der Reise. Authentizität und Qualität setzen sich letztlich immer durch.

In Deutschland sind die Muster der Popmusik sehr eng und alles was nicht exakt reinpasst, fällt aus dem Rahmen. Dabei finde ich gerade die Frische, die neue Musik mitbringt, interessant. Deshalb sollte man immer weitermachen und seinen Traum verfolgen. Es gibt einen schönen Spruch:

„Wenn jemand sagt das geht nicht, vergiss nicht, es sind seine Grenzen, nicht Deine. Und bleib immer du selbst, die Anderen gibt es schon.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen