„Für mich ist der kreative Ausdruck meiner Ideen ein wichtiger Zug meiner Persönlichkeit“ – Julia Luftmann, Gründerin juliluft Papeterie

Julia Luftmann

Jetzt darf ich es endlich verraten, was wir am Junggesellinenabschied – den ich für eine Freundin in Bremen organisiert habe – getrieben haben: Wir waren u. a. Teilnehmerinnen eines Handlettering Workshops von Julia Luftmann.

Es war großartigst! Julia hat die drei Stunden für uns ganz liebevoll gestaltet. Wir haben die Stifte geschwungen, viel geschnattert und hier und da etwas Süßes genascht – und möglicherweise auch ein wenig Sekt getrunken. 😉

Zum Dank gibt es ein Interview an dieser Stelle – so wie meine Empfehlung unbedingt mal einen Workshop von Julia zu besuchen! Übrigens handlettert Julia nicht nur, aber lest selbst.

Liebe Julia, wenn man nach Dir im Internet sucht, stößt man zuerst auf Deine handgefertigten Papeterieartikel – Grußkarten, Postkarten, Kunstdrucke. Wie bist Du auf die Idee gekommen Deine juliuft Papeterie zu gründen?

Nach jahrelanger Arbeit in der Werbung, bei der ich meine kreative Seite nur bedingt ausleben konnte, habe ich mich irgendwann entschieden, das zu ändern. Mein Wunsch, Ideen umzusetzen, näher am Endkunden zu sein, Trends aufzuspüren und mein handwerkliches Geschick weiterzuentwickeln war einfach zu groß geworden.

Und nach einigen Monaten des Übens, Probierens und Recherchierens war der Grundstein für juliluft Papeterie gelegt. Ich habe jetzt die ersten Monate viel investiert, vor allem zeitlich, und bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis und der Auftragslage. Ich freue mich aber natürlich über jeden neuen Kunden und Follower.

Du vertreibst Deine Produkte online über Etsy und Dawanda. Liegt es daran, dass eigene Shopsysteme einfach zu komplex sind? Das war jedenfalls der Grund für Claudia Zechner von Catmade ausschließlich auf Dawanda ihre Filztierchen zu verkaufen, wie sie mir im vergangenen Jahr im Interview verriet.

Meiner Meinung nach sind Etsy und Dawanda momentan DIE Plattformen, die den Kreativen unter uns Raum und Möglichkeiten bieten, mit vielen Gleichgesinnten in Kontakt zu treten und Produkte „an den Mann“ bzw. wohl meistens eher „an die Frau“ zu bringen. Ein eigenes Shopsystem erschien mir zu aufwändig – die so gesparte Zeit habe ich lieber in Entwurfsarbeit gesteckt.

Du verkaufst auf den zwei bekanntesten Online-Marktplätzen für handgemachte Produkte in Deutschland. Wo liegen die Unterschiede der beiden Plattformen?

Das kann ich gar nicht so genau beantworten. Zunächst dachte ich Käufer aus Deutschland würden Dawanda bevorzugen (viele die ich ansprach kannten Etsy gar nicht). Aber meine Käufer sind sowohl aus Deutschland als auch aus anderen Ländern der EU.

Welches Portal funktioniert für Dich besser? Oder anders gefragt: Verkaufst Du mehr Deiner Papeterieartikel über Etsy oder über Dawanda?

Hier kann ich wirklich nur für mich sprechen. Ich habe den Eindruck, dass über Etsy sehr viel mehr passiert – auch wenn ich mir die Besucherzahlen meines Shops so anschaue. Ebenfalls verkaufe ich mehr über Etsy als über Dawanda.

Deine Papeterieartikel verkaufst Du allerdings auch in kleinen ausgewählten Läden in Bremen, Münster und Köln. Wie hast Du die Stores gefunden, die nun u.a. deine Grußkarten verkaufen? Bist Du in die Läden gegangen und hast gesagt “Hey, wollt Ihr nicht meine Produkte bei Euch verkaufen?”

Das ging vor allem über Kontakte, die ich über Freunde habe. Ich habe speziell Läden gesucht, die Wert legen auf „handmade“, besonderes Design und kreative Ideen. Da ich zu den genannten Städten auch persönlich eine Bindung habe, war es nicht so schwierig fündig zu werden.

Und ich muss sagen, dass ich gemerkt habe, dass mir der persönliche Kontakt zu den Ladeninhaberinnen ganz wichtig ist. Da lief es tatsächlich so ab, dass ich mit meinem Mäppchen unterm Arm ins Geschäft gegangen bin und mich und meine Produkte vorgestellt habe. Aber so habe ich die Möglichkeit, in jedem Laden das anzubieten, was besonders gut ins Sortiment passt. Im Conceptstore in Havixbeck verkaufen sich beispielsweise meine gedruckten Karten sehr gut und meine Unikate, die ich teilweise mit der Hand arbeite haben z. B. in Köln bei Papelito ihren Platz gefunden.

Wenn man sich Deine Karten anschaut, fällt einem schnell auf, dass Du ein Faible für Handlettering hast. Auf der “Über-mich”-Seite Deiner Website steht, dass es Deine große Leidenschaft wäre. Wie hast Du diese entdeckt?

Ich habe immer schon sehr gerne gezeichnet, gemalt, gebastelt und gewerkelt. Für mich ist der kreative Ausdruck meiner Ideen ein wichtiger Zug meiner Persönlichkeit und auch und vor allem meines Wohlbefindens. Und nicht zuletzt, mein Beruf als Grafikdesignerin hat eine ausgesprochene Liebe zu Typografie, Buchstaben und Layout geweckt.

Wir beide haben uns bei einem Workshop für Handlettering kennengelernt, den Du in Bremen gegeben hast. Sind solche Kurse was, was Du in der Zukunft verstärkt anbieten möchtest?

Ja, das war eine super Sache! Toll, dass es allen Spaß gemacht hat. Ich hatte schon längere Zeit mit dem Gedanken gespielt, mein Wissen weiterzugeben und Menschen bei der Entdeckung ihrer handwerklichen Kreativität zu begleiten. Und hier spielt ja auch wieder der persönliche Kontakt und das Erkennen von Bedürfnissen eine große Rolle. Ich bin gerade in der Planung für weitere Workshops, nicht unbedingt nur hier in Bremen, sondern auch z.B. in Münster und Umgebung.

Wenn ich das richtig sehe, sind die Papeterie und das Handlettering bislang noch Nebenstandbeine, oder? Womit verdienst Du primär Deinen Lebensunterhalt?

Ich habe momentan den Luxus, dass mein Mann genug verdient, so dass wir uns dieses Lebens- und Lohnmodell leisten können. Ich weiß, dass das ein sehr privilegierter Zustand ist. Aber ich hoffe, dass es noch eine Zeit so bleiben kann….

Woher nimmst Du eigentlich Deine Ideen für Deine Arbeit und Gruß- oder Postkarten-Designs?

Aus dem Leben! Wobei ich neben Sprüchen meiner Mitmenschen und meiner Lieblingbands natürlich auch immer in den Weiten des Internets und der Buchhandlungen umherstreife und fündig werde. Ich mag gerne Lebensweisheiten, aber auch gerne Motive mit Humor.

Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke für Dich als Kreativschaffende?

Es wird nicht überraschen, wenn ich den sozialen Medien und dem Internet im Allgemeinen natürlich eine sehr große Rolle beimesse. Das wird Dir der Großteil Deiner Interviewpartner bestätigen können. Es bietet sehr sehr viele Möglichkeiten sich auszutauschen, Fragen zu beantworten und Kunden weltweit zu akquirieren. Aber daneben ist mir der persönliche ‚Offline‘-Kontakt weiterhin sehr wichtig.

Hast Du abschließend noch einen weiteren Tipp für (angehende) selbstständige Frauen? Irgendetwas, dass Du in Deiner Zeit als Selbstständige gelernt hast und von dem Du wünschst, dass Du es schon vorher gewusst hättest?

Achtung, jetzt kommen Tipps, die wahrscheinlich auch in vielen Ratgebern stehen:

  • Nicht aufgeben! Es gibt ja immer mal Tiefpunkte und Phasen, in denen man denkt, jetzt geht’s nicht weiter. Sind aber alles nur Phasen. Wenn man echt hinter der Idee steht, wird das auch was, glaube ich.
  • Und der zweite Tipp ist vielleicht: auch mal Ideen und Vorstellungen fallenlassen oder verändern, wenn sie nicht klappen oder nicht umzusetzen sind. Hört sich jetzt irgendwie widersprüchlich an, ist es aber nicht.
  • Und sich ganz viel austauschen zu seinen Ideen. Ich habe so viel auch von anderen gelernt, sowohl von Freunden, als auch von anderen Selbständigen und auch in Gesprächen mit meiner Familie. Man ordnet ja auch seine Gedanken in solchen Gesprächen. Und das ist viel wert auf dem doch manchmal steinigen Weg in die Selbständigkeit.
  • In dem ganzen (meist schönen) Stress mal innehalten, sich mit einer Tasse Kaffee auf den sonnigen Balkon setzen und einfach mal Pause machen! 😉

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