#Gründerinnen50plus: Aller Anfang liegt bei Dir! Interview mit Heilpraktikerin Ingrid Bartels

Ingrid Bartels

Die meisten Gründerinnen in Deutschland sind zwischen 25 und 44 Jahre alt. Doch die Zahl der Frauen, die im Alter von 50plus gründen, steigt. Und sie haben einen Vorteil: ihre Lebens- und Berufserfahrung – die für das erfolgreiche Führen eines eigenen Businesses hilfreich sein kann. Doch wer sind diese Gründerinnen? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Welche Ängste haben sie? Das wollen wir in unserer neuen Interviewreihe #Gründerinnen50plus herausfinden.

Für das erste Interview habe ich die selbstständige Heilpraktikerin Ingrid Bartels gebeten mir Rede und Antwort zu stehen.

Liebe Ingrid, Du hast Dich vor kurzem erneut als Heilpraktikerin selbstständig gemacht. Dein beruflicher Weg bis dato ist lang. Zuerst hast Du eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin gemacht. In diesem Job hast Du mehrere Jahre gearbeitet, bevor Du ein Studium der Pharmazie angeschlossen hast, um auch als Apothekerin arbeiten zu können. Erzähle uns doch bitte in eigenen Worten von Deinem Werdegang.

Ganz ursprünglich wollte ich Lehrerin werden, weil ich meine erste Lehrerin sehr liebte. Sie war freundlich, liebevoll und aufgeschlossen.

Als sich in der 13. Klasse bei einer Befragung unseres Klassenleiters herausstellte, dass 2/3 der Klasse diesen Beruf ergreifen wollten, lies ich meine Hand unten. Warum? Keine Ahnung. Irgendetwas in mir, sagte NEIN. Das tust du nicht. Vermutlich wollte ich diese Mitschülerinnen nicht gleich nach der Schule wiedersehen.

Abends erzählte ich dies zu Hause und mein Vater gab mir eine Woche später einen Bericht über den Beruf der pharmazeutisch-technischen Assistentin in die Hand und ich sagte: „Ja klingt gut. Mache ich!“

Ich bewarb mich und es klappte.

Ich wurde PTA. Einige Jahre später begann ich dann Pharmazie zu studieren. Ich begann in Frankfurt und beendete mein Studium in Berlin.

Wieder ein bis zwei Jahre später, erzählte mir ein Apothekerkollege auf einem Seminar über Parapsychologie von einer Homöopathie-Ausbildung in Celle.

Mein Inneres wurde hellhörig und ich meldete mich an. Ich hatte ja inzwischen mit der Klassischen Homöopathie in Bezug auf meine chronischen Blasenentzündungen sehr gute Erfolge gehabt.

Ich war in den ersten 10 Minuten schon so begeistert, sodass ich mich entschloss den Beruf der Heilpraktikerin zu ergreifen, da man sonst keine Homöopathie ausüben darf. Gesagt, getan, gelernt, abgeschlossen.

Deine Geschichte kann man auch in Deinem Buch “Aller Anfang liegt bei Dir! … Eine Geschichte des Erwachens”* nachlesen. Wie kam es dazu, dass Du dieses Buch geschrieben hast?

Ich begann dieses Buch zu schreiben, als mir so richtig klar wurde, dass die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben nicht durch meine Kopfentscheidungen getroffen worden waren. Seit mehreren Jahren befasste ich mich mit der Spiritualität im Menschen. Es gab einen Zeitpunkt, da wollte mein Inneres, dass ich meine Geschichte aufschreibe, damit der Leser sich darin mit seiner eigenen Geschichte erkennen kann.

Im Buch schreibst Du, dass es damals in Deinen festen Jobs immer wieder Gründe gab, die Dich “nach einer Zeit nach neuen Stellen suchen ließen”. Es war aber nie das Geld, dass Dich forttrieb. Sondern eher ungeliebte Kollegen und Chefs. “Die Art, wie mit den Angestellten umgegangen wurde (…). Die Weise mit der das ganze Geschäft betrieben wurde. Immer hieß es in meinem Herzen: “Wenn Du Chefin wärst, Du würdest es besser machen”. Mittlerweile bist Du selbst Chefin – und zwar Deine eigene. Bist Du zufrieden mit Dir selbst als Dein eigener Boss?

Nun, das Chefin-sein in einer Apotheke, das durfte ich direkt nach dem Studium ausprobieren, denn mein damaliger Studienkollege und ich kauften gemeinsam eine Apotheke. Und ja, ich war sofort zufrieden mit mir.

Wir hatten sehr nette Angestellte. Wir redeten, worauf wir Wert legten. Wir frühstückten jeden Tag zusammen und hatten ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Angestellten.

Welchen Herausforderungen begegnest Du tagtäglich?

Als meine eigene Praxischefin, das kam ja dann erst später, muss man ja mit sich zufrieden sein und das kann schon schwieriger ausfallen. Der eigene Kritiker ist meistens strenger zu sich selbst als zu Anderen. Allerdings gibt es auch den großzügigen Teil in einem, wenn man mal so gar keine Lust und keine Termine hat.

Selbstdisziplin ist da viel gefragter. In einem Angestelltenverhältnis ist der Wunsch gut zu sein für den/die Chef/in, ein nicht zu unterschätzender Faktor für die eigene Leistung. Meine Erfahrung mit mir ist, dass ich dazu neige, Dinge wie Rechnungen schreiben oder „Papierkram“ erledigen, gerne auch mal so lange liegen lasse, bis es einfach nicht mehr anders geht, als mich dran zu setzen. Und Schwups ist dann alles erledigt.

Das wäre ja gut, wenn der Druck mich nicht doch vorher schon eine Weile beschäftigen würde. Aber auch das wird weniger. Am liebsten arbeite ich aus dem Bauch heraus. Was will heute von mir getan werden? Das geht natürlich nur, wenn keine festen Termine auf dem Plan stehen. Die festen Termine mit meinen Patienten hingegen liebe ich, weil mir diese Arbeit sehr viel Freude bereitet.

Auf Deiner Website schreibst Du: “Ich machte mich auf den Weg zu mir zurück und fand dabei meine Berufung”. Ich nehme stark an, dass Du von der Homöopathie sprichst. Wie hast Du Dein Interesse für die alternative Heilkunde entdeckt?

Sie ist mir zugefallen. Während meines Studiums arbeitete ich als PTA nebenbei in Apotheken. Als mich mal wieder, wie damals regelmäßig, eine Blasenentzündung ereilte, nahm ich mir die passenden Medikamente dazu aus der Schublade, natürlich mit Absprache der damaligen Chefin. Eine Kollegin sah das und fragte mich, wozu ich denn das Antibiotikum bräuchte? Ich klagte ihr mein Leid mit meinen häufigen Blasenentzündungen und darauf folgenden Scheidenpilzerkrankungen, ausgelöst durch das Antibiotikum. Sie gab mir den Rat eine ihr bekannte Heilpraktikerin aufzusuchen, die Klassische Homöopathie ausübte.

Ich war schon lange genervt von diesen ewigen Wiederholungen, da die Schulmedizin eben nicht heilt, nur unterdrückt und vereinbarte sofort einen Termin mit dieser Dame.

Und siehe da, sie half mir. Als ich dann ein Jahr später einen Apothekerkollegen traf, der mir von seiner Ausbildung in Homöopathie in Celle berichtete, war ich Feuer und Flamme und meldete mich sofort für einen Kurs an. Nach bereits 10 Minuten wusste ich, das ist MEINES. Das musst du lernen.

Es folgten eine Ausbildung zur Heilpraktikerin und viele homöopathische Fortbildungen.

Du hast bereits 1998 Deine erste eigene Praxis für klassische Homöopathie eröffnet. Jetzt wagst Du den Schritt erneut. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Meine Praxis machte mir viel Freude und lief gut. Nach einiger Zeit kam der Wunsch mit meinem damaligen Lebensgefährten in ein Häuschen zu ziehen und auch die Praxis zu vergrößern. Gesagt, getan. Ich gab Meditationskurse sowie Kurse für Intuitives Malen und hielt Vorträge.

Durch das Beenden der Lebensgemeinschaft musste ich Kosten sparen und zog mit meiner Praxis in unser gemietetes Haus. Um meinen Lebensunterhalt für mich und meinen Sohn aufrecht erhalten zu können, begann ich wieder als Apothekerin, sozusagen als zweiten Job, zu arbeiten.

Das lief gut und ich viele Patienten kamen aus der Apotheke zu mir in die Praxis. Seit Mitte des Jahres habe ich den Apothekerberuf wieder an den Nagel gehängt, weil sich in meinem Inneren etwas veränderte und es begann sich etwas Neues zu entwickeln.

Ich möchte nur noch Dinge tun, die mir wirklich Freude machen und die aus meinem Herzen kommen.

Ingrid, Du bist 50+ Jahre alt, und schriebst mir im Verlauf unseres Austauschs in einer E-Mail in Bezug auf Deine Selbstständigkeit: “Da ich von den Jahreszahlen her nicht mehr die Allerjüngste bin, fühlt sich jetzt zwar alles sehr gut an, aber mein Kopf bekommt schon leicht Panik”. Warum? Was bereitet Dir Sorge?

Die Art Geld zu verdienen hat sich verändert. Es geht weniger darum Geld pro Stunde zu verdienen, sondern eben im Netz, also online, aktiv zu sein. Zu Bloggen, sich bekannt machen, Webinare halten, sich neu positionieren. Davon habe ich momentan noch recht wenig Ahnung und die Coaches dazu, sind recht kostspielig.

Zu dem habe ich mich verändert und möchte neue Klienten anziehen und mich mehr auf die Klärung von Lebenssituationen und das Finden der eigenen Authentizität konzentrieren.

Sorgen kommen in Bezug auf die Existenz, die laufenden Kosten und mit der Frage, wie soll ich das Alles bezahlen, wenn ich das Alte nicht mehr will und das Neue noch nicht da ist.

In der Einleitung Deines Buches schreibst Du von dem „Gefühl Nicht – gut – genug zu sein“. Glaubst Du das ist der Grund warum viele Frauen sich nicht trauen sich selbstständig zu machen?

Das glaube ich nicht nur, das weiß ich von meinen vielen Patientinnen. Frauen stellen ihr Licht eher unter den Scheffel als oben drauf, um nicht negativ aufzufallen. In meiner Kindheit erfuhr ich dies durch meinen geliebten Vater, der glaubte mich durch Druck anzuspornen. Gut sein, um geliebt zu werden. Ein alt bekanntes Gefühl.

Welchen Vor- und Nachteile siehst Du für Dich und Dein Business als #Gründerin50plus?

Nachteile:

  • Ich muss meine Komfortzone erweitern… Kann manchmal recht unangenehm sein bzw. es kostet Überwindung.
  • Man schlägt sich mit Zweifeln herum, die das Alter betreffen.
  • Man muss auf sich alleine stützen, denn so viele Gründer50plus gibt es ja noch nicht.
  • Man gerät in Versuchung sich vor Anderen zu rechtfertigen, was man natürlich nicht muss.
  • Je mehr Widersacher es gibt, desto mehr eigene Kraft braucht man.

Vorteile:

  • Man kann sich nach all den Jahren wieder selbst erfinden! Das Leben bleibt spannend.
  • Das „Alt-sein kann warten“. Während andere sich auf die Rente vorbereiten, starten wir noch einmal durch.
  • Ich fühle mich freier, denn der Wunsch sich anzupassen, ist quasi verschwunden. Endlich kann man machen, was einem wirklich Freude macht.v/li>
  • Ich lerne viele neue Leute kennen.
  • Ich verfalle weniger in Aktionismus, als ich es früher getan habe.
  • Meine Lebenserfahrung und mein Bauchgefühl helfen mir dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Ingrid, Du siehst phantastisch aus und sagst über Dich selbst “Ich war noch nie so gesund wie heute!” Das steht im Gegensatz zu einem Artikel, den ich im letzten Jahr verfasst habe. Der Titel: Macht Selbstständigkeit dick? Es ist wichtig, sich um sich selbst zu kümmern – besonders als Selbstständige. Stimmst Du mir zu? Hast Du vielleicht Tipps wie man sich im stressigen Alltag einer Gründerin fit und gesund halten kann?

Das glaube ich nicht, denn Selbstständigkeit bringt Freiheit und macht glücklich, wenn wir unser Geld mit dem verdienen, was uns am Herzen liegt. Wenn wir authentisch sein können, uns lieben, uns achten, dann achten wir auch unseren Körper.

Nach Phasen des Futterns, erfolgt also automatisch eine Phase des Leer-Sein–Wollens. Gewichtserhöhung kann auch bedeuten, ich gebe dem ganzen Geschäft zu viel Gewicht. Es verliert im Laufe der Zeit durch Erfolgszwang die Leichtigkeit.

Viele Menschen arbeiten mit Druck und daraus entsteht Bluthochdruck. Dies wird mit Medikamenten quasi ausgeschaltet, so als sei die Blutdruckerhöhung nicht vorhanden, was natürlich nicht stimmt. Wird das Mittel abgesetzt ist er sofort wieder sichtbar.

Diese Medikamente verursachen eine Veränderung im Körper und Gewichtszunahme ist durch die Veränderung im Stoffwechsel die Folge. Es gibt also viele Gründe für Gewichtszunahme. Die tieferen Gründe sehe ich, wenn ich mit dem Menschen beschäftige. Gesundheit macht schlank und hält schlank oder auch der gesunde Körper hat sein Lieblingsgewicht und ist damit gesund.

Hast Du auch einen Rat an Gründerin, die in Deinem Alter sind und mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen, sich aber nicht trauen?

Ich rate, sich auf jeden Fall selbständig zu machen, wenn dies ein tiefer Wunsch ist. Wichtig ist, die größeren Ängste, die damit einhergehen anzuerkennen und nicht mit oberflächlichen positiven Gedanken zu verdrängen. Sie wollen gesehen und geachtet werden. Genau darin werden die Zweifel und alten erlernten Mechanismen, auch unserer Eltern, sichtbar.

Dazu gehört ein großes Maß an Vertrauen in die eigene Kraft und die Klarheit, dass es dabei nichts zu verlieren gibt. Jeder kann nur gewinnen und wenn es die Einsicht in das Innere ist. Wer Sicherheit braucht, der kann nicht so tun, als bräuchte er keine. Wer unbedingt einen Geschäftspartner will, der wird sich einen suchen. Jede Gründerin muss letztendlich ihren eigenen Weg finden und gehen.

Genau das tue ich gerade.

Und das offensichtlich mit Erfolg! Ich drücke Dir weiterhin ganz fest die Daumen und bedanke mich für das tolle Interview, liebe Ingrid!

Wer Lust hat mehr über Ingrid zu erfahren, sollte einen Blick in ihr Buch „Aller Anfang liegt bei Dir!„* werfen.

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