„Auch Behördengänge gehören zum Alltag einer Café-Besitzerin“ – Ilona Troncoso, Kindercafé Fräulein Knopfauge

Ilona Troncoso

Nachdem wir im März mit unserem Frau, frei &-Frühstück in Leipzig zu Gast waren, machen wir im Mai in der Hauptstadt halt – und zwar im Café von Ilona Troncoso. Damit folgen wir ihrer Einladung, für die wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken!

Bevor wir Euch ein bisschen mehr über unsere Gastgeberin und ihre Selbstständigkeit erzählen, möchten wir Euch verraten, dass wir in diesem Jahr noch weitere Städte in Deutschland besuchen werden. Auf unserer Liste stehen München, Münster und Frankfurt. Falls Ihr dort zufällig wohnt und ein tolles Café einer Gründerin kennt oder selbst eine Café-Besitzerin seid, freuen wir uns über Eure Kontaktaufnahme und Vorschläge! 🙂

Liebe Ilona, Du hast vor knapp einem Jahr Dein Kindercafé Fräulein Knopfauge eröffnet. Wie kamst Du auf diesen Namen?

Als vor gut 2,5 Jahren meine Tochter geboren wurde, hörte ich immer wieder: „Oh, die hat aber süße Knopfaugen!“.
Ich nannte sie oft „Miss Knopfauge“ und kam dann auf „Fräulein Knopfauge“.

Was ist das Besondere an Deinem Café?

Bei mir gibt es ganz klassisch das Eltern-Kind-Programm mit Bällebad, Spielraum, Sofa und Café. Alles ist auf die Familie und auf Kinder ausgerichtet. Dabei verzichte ich aber nicht auf Qualität und bereite mit der besten Espressomaschine am Markt hochwertigen und sehr leckeren Kaffee zu.

Wie hast Du die Räumlichkeiten für Dein Café gefunden? Gestaltete sich die Suche schwierig?

Schwierig war es nicht wirklich, aber dennoch hat es zwei Jahre gedauert. Dann floss es und es wurde gar schon magisch. Ich ging durch Moabit spazieren, als ich sah, das hier renoviert wurde. Ich schaute mehrmals vorbei und eines Tages half mir ein Mann endlich den Kontakt zum Hausverwalter zu bekommen. Die Verwaltung und der Eigentümer waren gleich dabei und fanden das Konzept gut.

Gibt es Dinge, die man bei der Suche nach einem geeigneten Café beachten muss?

Ja, definitiv. Es muss gut mit der Hausverwaltung ausgearbeitet werden, das baulich alles stimmt. Ich war da sehr naiv. Bei mir ist nichts gedämmt und der Sohn des Eigentümers lebt über mir und beschwert sich nun über den Lärm der Kinder.

Die Räumlichkeiten waren gefunden. Und dann?

Ich habe einen Kredit beantragt und einen privaten Geldgeber gefunden. Nach einem kleinem Stop ging es dann richtig los. Alles und nichts zu gleich! Boden verlegen, Einrichtung suchen, Verträge ausarbeiten und auch mal schlafen.

Welche Behördengänge musstest Du erledigen; welche Papiere zusammen sammeln, bevor Du Dein Café eröffnen konntest?

Ich erinnere mich nicht ganz, aber das hielt sich in Grenzen. Klar sind Gewerbeanmeldung und Finanzamt die ersten Stellen bei denen ich mich melden musste. Dann Gesundheitsamt, als eine der wichtigsten Adressen nicht zu vergessen.

Klar ist, wer mit Behördengängen und Papier nicht klar kommt, macht was anderes. Wie Kaffee machen, gehört auch das zum Alltag einer Café-Betreiberin.

Vor kurzem haben wir auf unserem Blog über Maike Steuer aus Leipzig berichtet, die ein Café mit ähnlichem Konzept in ihrer Stadt eröffnet hat. Ebenso wie sie, hast Du begleitend zur Eröffnung Deines Cafés eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext gestartet. Warum?

Ich hatte einfach nicht genug Startkapital.

Welche Learnings hast Du aus der Umsetzung der Crowdfunding-Kampagne gezogen?

Es kann helfen, aber ist einfach wahnsinnig Betreuungsintensiv. Es braucht ein kleines Team bzw. eine Person die sich Vollzeit kümmern kann, wenn es um mehr als 3.000 Euro geht. Ich wollte eigentlich mehr crowdfunden, hatte jedoch nicht die Kapazitäten mit der Kampagne auf allen Kanälen rauszugehen.

Learnings – gutes Stichwort. Was hast Du in einem Jahr als Café-Besitzerin gelernt? Gibt es Lektionen, sowohl positiv als auch negativ, die Du an Frauen weitergeben möchtest, die auch mit dem Gedanken spielen ein Café zu eröffnen?

Wenn Ihr das Calling habt, macht es!!!

Auch wenn ich keine Wochenenden mehr habe, kaum eigenes Geld und meist sehr überarbeitet bin, bin ich gewachsen – unendlich.

Hört auf Eure unendliche Quelle in Eurem Bauch!!! Plant alles in Euren Monatszyklen und nicht wöchentlich.

Du bist Quereinsteigerin – hast Medienmanagement studiert und lange Zeit selbstständig als Kindermädchen gearbeitet. Empfindest Du Deinen Quereinstieg als Vor- oder Nachteil?

Absolut nur Vorteile. Mein Ausbildungs- und Studienweg macht diese Unternehmung erst möglich. Alles andere kann man lernen!

Wenn wir erst aufhören wie Männer zu denken, haben wir unendliche Möglichkeiten.

Als wir Maike im März in ihrem Café in Leipzig besucht haben, war ihr Sohn Oskar mit von der Partie, bevor er von den Großeltern zum Schwimmen abgeholt wurde. Du hast eine Tochter. Wo ist sie während Du arbeitest?

Sie ist in der Kita, mit Oma, bei Papa, mit Tante Cynthia, bei Freunden oder bei mir im Café. Ich habe eine wundervolle Familie und Freunde. Ich bin sehr gehalten im Leben und meine Tochter erfährt dieses Geschenk auch!

Lässt sich Deine Arbeit im Café gut mit Deiner Tochter vereinbaren oder stößt Du hin und wieder an Deine Grenzen?

Es kommt ganz auf ihre Phase an. Sie ist 2,5 Jahre und entwickelt sich prächtig. Aber hätte ich einen „Fulltime-Job“, würde ich nicht so viel Zeit mit ihr haben. Ich bin sehr dankbar.

In Deinem Café werden auch Kurse angeboten. Welche Kurse kann man bei Dir besuchen und warum hast Du Dich für ein solches Angebot über den normalen Café-Betrieb hinaus entschieden?

Es schafft einfach eine gewisse Energie! Wir haben Babyturnen, Fitness für Mamas, Musik für Kinder, Erste-Hilfe-Kurse am Kind, Natürliche Familienplanung und sogar spirituelle Frauenkreise nebst regelmäßigem Kleidermarkt und Tauschparties. Und es wird noch mehr geben 😉

Ich liebe alle Arten an Events. Am 5.5. werden wir mit der Moabiter Blumenwiese gemeinsam draußen aufräumen und pflanzen.

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