„Ein halbes Jahr nach der ersten Spinnerei standen wir schon auf der Baustelle“ sagen die 4 Gründerinnen des Hostel & Garten Eden

Eva, Gabriela, Juliane und Thea – die 4 Gründerinnen des Hostel & Garten Eden

In zwei Tagen machen wir uns auf nach Leipzig, weil wir dort unser erstes Frühstück für selbstständige Frauen und Gründerinnen außerhalb Hamburgs ausrichten werden. Wer noch dabei sein mag, kann sich über Facebook anmelden.

Da unser Frühstück am Sonntag bereits sehr früh beginnt, reisen wir einen Tag zu vor an und übernachten im Hostel & Garden Eden, das von gleich vier Gründerinnen eröffnet wurde. Eva, Juliane, Gabriela und Thea waren so nett und haben Judith und mir für die Nacht ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Tausend Dank dafür! 😀

Wir freuen uns sehr auf unseren Besuch in Leipzig und dem Hostel! Vorab möchten wir Euch aber noch mit dem Interview der vier Gründerinnen beglücken – wir haben stellvertretend mit Juliane gesprochen.

Liebe Juliane, wir haben ja schon einige Gründerinnen-Duos und auch schon zwei Gründerinnen-Trios für unseren Blog interviewt, aber noch nie ein Gründerinnen-Quartett. Premiere. Wie habt Ihr Vier Euch kennengelernt?

Hi, wir kennen uns alle aus Leipzig, haben zusammen studiert oder gearbeitet. Nur Eva und ich kennen uns schon ein paar Jährchen länger aus der Schule.

Auf Lindau lebt – Lindau ist der Stadtteil, in dem Euer Hostel steht – habe ich gelesen, die Idee ein Hostel zu gründen sei Euch in Hamburg gekommen. Erzählt uns mehr – das finden wir natürlich einen witzigen Zufall.

Ja, die Idee wurde tatsächlich in Hamburg geboren. Nach dem Bachelor sind Gabriela und ich beide dort hingezogen. Gabriela für ihren Kulturmanagment-Master und ich um beim Fernsehen zu arbeiten. Wir beiden wollten dann irgendwann zurück nach Leipzig (Sorry, Hamburch) 😉 und als Eva uns bei einem ihrer Hamburgbesuche von interessanten neuen Touristen im Leipziger Westen berichtete, war ziemlich schnell klar, dass wir denen eine nette Unterkunft schaffen wollen. Ein Hostel gab es damals noch nicht im Leipziger Westen. Ein halbes Jahr nach dieser ersten Spinnerei standen wir dann schon auf der Baustelle und bauten das Eden auf.

Auf Eurer Website steht: “Das Eden ist ein alternatives Hostel”, dessen “Zimmer individuell von verschiedenen Künstlerkollektiven konzipiert und gestaltet” wurden. Erklärt uns bitte Euer Konzept.

Von Anfang an war klar, dass die Zimmer trotz einer eher spartanischen Ausstattung eines Mehrbettzimmers Atmosphäre haben sollten. Noch in der Planphase kam die Idee, die Zimmer von Künstlern gestalten lassen. Wir haben dann zunächst befreundete Künstler angefragt, ob sie es sich vorstellen können. Voilà, das Konzept individuelle künstlerische gestaltete Zimmer stand. Gleichzeitig befindet sich das Eden im Leipziger Westen. Eine Gegend, die bekannt für ihre alternative Kunst- und Kulturszene.

Sowohl unsere Lage wie auch die Zimmergestaltung sind daher für alternative Reisende interessant.

A propos Konzept: Auf »Lindau lebt« stand geschrieben, dass Ihr einen Businessplan geschrieben habt. Was stand da so drin und woher wusstet Ihr wie ein guter Businessplan auszusehen hat? Habt Ihr Euch für die Erstellung Hilfe geholt?

Naja, ich würde jetzt nicht sagen, dass einer von uns einen wirklichen Plan hatte, wie so ein Businessplan auszusehen hat. Gabriela musste in der Zeit zufällig einen Businessplan im Rahmen ihres Studiums schreiben und hat das Hostel gleich als Beispiel genommen. Das war natürlich ein glückliches Timing und eine gute Grundlage. Dabei haben wir dann auch gemerkt, dass das Ganze funktionieren kann. Ein Freund und meine Mutter haben dann nochmal darüber geschaut und etwas an den Zahlen geschraubt, der Plan musste ja auch zur Bank.

Wie habt Ihr das richtige Objekt für Euer Hostel gefunden?

Eva wohnte sehr nah an dem damals leerstehenden Gebäude und es war ausgewiesen, dass die Räumlichkeiten wieder vermietet werden sollten. Wir haben uns dann um die Räumlichkeiten beworben und den Mietvertrag bekommen. Es ist allerdings ein etwas anders Mietverhältnis, da das Haus 20 Jahre leer stand und die Mieter einen Großteil der Renovierungen selbst in die Hand nehmen mussten.

Ihr habt zur Verwirklichung Eurer Idee einen Kredit aufgenommen. Wie habe ich mir das vorzustellen? Sondiert man mehrere Banken und wird dann mit seinem Businessplan vorstellig? Oder wie läuft so eine Beantragung eines Kredites ab?

Wir haben uns um einen Gründungskredit der KFW beworben. Dafür mussten wir eine Hausbank finden und von unserer Idee überzeugen. Das hat zum Glück geklappt, denn wie uns später gesagt wurde, ist das so etwas wie ein 6er im Lotto und recht selten.

Problematisch war, dass wir kaum Eigenkapital hatten und eher rudimentäre betriebswirtschaftliche Kenntnisse vorweisen konnten. Aber unser Businessplan überzeugte. Nach den ersten Gesprächen, mussten wir zwar einen riesigen Haufen Papiere nachreichen und manches am Businessplan noch überarbeiten. Doch nach circa einem halben Jahr hatten wir den Kredit.

Neben dem Geld von der Bank habt Ihr zusätzliche eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne durchgeführt. Warum habt Ihr Euch dafür entschieden und war das Geld nach dem Bankkredit überhaupt nötig?

Die Crowdfunding-Aktion haben wir gestartet, um die Künstler zu bezahlen. Das war im ursprünglichen Finanzplan nicht eingepalt. Am Anfang wussten wir nicht, wie wir sie bezahlen können und viele waren bereit auch ohne Bezahlung, also für die gute Sache zu arbeiten. Wir haben aber schnell gemerkt, dass wir das nicht so gut mit unserem Gewissen vereinbaren konnten.

Wie gut ist Euer Hostel nach knapp zwei Jahren ausgelastet?

Also wir sind ziemlich zufrieden mit der Auslastung. Der Winter ist schwächer, aber der Rest des Jahres läuft sehr gut. Gerade bauen wir den zweiten Teil des Hostels aus und es wird nochmal spannend, ob wir die prozentuale Auslastung halten werden, oder vielleicht sogar steigern können.

Und wirft es genug für Euch vier ab – das kann ich mir ehrlicherweise kaum vorstellen, lasse mich aber gerne eines besseren belehren. Oder verdient Ihr Euch anderweitig Geld dazu?

Gabriela und ich arbeiten Vollzeit im Hostel und können auch davon leben. Eva und Thea haben letztes Jahr zeitgleich Kinder bekommen und sind mehr oder weniger noch im Mutterschutz. Thea steigt aber demnächst wieder mit einer halben Stelle ein und wir wollen mit Saisonauftakt auch wieder ein paar Leute einstellen.

Zeit für einen anderen Job bleibt uns hier definitiv nicht. Einen Nebenjob hatten wir das letzte Mal in der Ausbauphase des Hostels, als wir noch frisch waren und uns die 20-Stunden-Tage nichts ausgemacht haben 😉

Wie klappt es mit der Zusammenarbeit? Habt Ihr einen Gesellschaftsvertrag geschlossen?

Wir sind eine 2er GbR, weil es die Bank so wollte. Geplant ist aber uns alle vier in den GbR-Vertrag zu bekommen. Die Zusammenarbeit klappt erstaunlich gut und harmonisch. Das liegt daran, dass wir uns alle recht gut kennen. Außerdem ist es ja das allerbeste mit Freunden zusammen zu arbeiten. Würden wir uns hier ständig die Köpfe einschlagen, wäre der Spaß weg.

Wer von Euch hat welche Aufgaben? Oder seid Ihr alle vier immer anwesend und macht alles?

Wir kennen die Stärken der anderen ziemlich gut, wodurch es auch so eine Art Rollenverteilung gibt. Gabriela macht mehr Buchhaltung, Thea und ich bauen mehr und Eva macht mehr Öffentlichkeitsarbeit. Das kam sehr organisch und von selbst. Die Gästebetreuung, Check-ins, Putzen etc. machen wir aber zu gleichen Teilen.

Wie soll es für Euch und das Hostel weitergehen? Ist eine Expansion in andere Stadtteile Leipzigs oder andere deutsche Städte denkbar oder was habt Ihr vor?

Bis Ende April werden wir den Ausbau des zweiten Teils abschließen und wollen dann selber mal wieder verreisen und unsere Freizeit mehr in den Vordergrund stellen. Man vergisst sich ja selbst schnell mal, vor lauter Zukunftsplanerei. Wenn wir dann wieder mehr Kraft haben, werden wir natürlich überlegen wie wir bestmöglich die Weltherrschaft an uns reißen können. Nein, also eigentlich ist nichts geplant, da wir uns hier sehr wohl fühlen und unsere Hütte Arbeit genug macht.

Wenn Ihr noch mehr inspirierende Interviews mit Gründerinnen lesen wollt, schaut doch mal auf Pinterest vorbei!

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