„Ich punkte mit dem individuellen Angebot, den kleinen Gruppen, der persönlichen Atmosphäre“ sagt Gudrun Queitsch über Alpinkreaktiv, Wander- und Trekkingreisen für Frauen

Gudrun Queitsch

Meine heutige Interviewpartnerin Gudrun Queitsch, die mit ihrem Unternehmen Alpinkreaktiv Wander- und Trekkingreisen für Frauen anbietet, dürfte Euch nicht unbekannt vorkommen – an anderer Stelle auf diesem Blog ist sie Euch schon mal begegnet.

Und zwar in der Vorstellung des Buches „Alles geben – nur nicht auf! Mutmach-Geschichten von Unternehmerinnen für Unternehmerinnen“. Dort konntet Ihr schon ein paar Dinge über Gudrun und die Anfänge ihres Businesses erfahren. Alles weitere dann jetzt hier im Interview. 😉

Liebe Gudrun, im Buch von Stephanie Feyerabend ist zu lesen, dass Du nicht unglücklich in Deinem damaligen Job warst. Und dennoch hast Du entschieden, ihn zu verlassen und Dich als Reiseveranstalterin für Wanderreisen selbstständig zu machen. Warum war diese Veränderung notwendig?

Ich folgte meinem Bedürfnis mich weiter zu entwickeln und mein Potential anders entfalten zu können. Ich ging natürlich wie jede Existenzgründerin ein hohes Risiko ein. Aber kreativ und eigenständig zu arbeiten und dies noch in der Kombination mit Naturerleben und Bewegung und der Arbeit mit Gruppen – das war perfekt.

Bevor Du diese Entscheidung getroffen hast, bist Du selbst zu einer zehntägigen Wanderung aufgebrochen. Eine Pilgerreise zu Deinen Träumen, wie Du rückwirkend sagst. Wieso?

Trekking ist meine Leidenschaft. Im Mittelpunkt stehen nicht extreme Wegführungen oder Leistungen sondern das Naturerlebnis und jeden Tag an einem anderen Ort, also auf dem Weg zu sein. Dabei bekomme ich den Kopf frei und zentriere mich.

Ich hatte damals während dieser einsamen Tour durch die Berge ein Thema im Gepäck: Klarheit zur Gestaltung meiner beruflichen Zukunft. Wohin soll es in meinem Berufsleben gehen und welche konkreten Schritte will und kann ich umsetzen? Beim Bergwandern kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen, sie ziehen hin und her und irgendwann ordnen sie sich letztlich fast von selbst.

Die ruhigen Hüttenabende nutzte ich dafür, das, was mir tagsüber klar geworden ist aufzuschreiben und zu strukturieren.

Du hast Dich im ersten Schritt für eine nebenberufliche Selbstständigkeit entschieden. Bereits von Anfang an All-in zu gehen war nicht denkbar?

Es war ja auch ein Experiment für mich – komme ich mit der Verantwortung klar, der Rund-um-die-Uhr-Anforderung während einer Tour, dem Führen einer Gruppe? Ich hatte zudem ein zu geringes finanzielles Polster, um mich voll hinein zu werfen.

Welche Vorteile siehst Du in einer Gründung im Nebenerwerb? Und: Welche Nachteile haben sich vielleicht gezeigt?

Naja, das finanzielle Risiko war anfangs durch einen zusätzlichen Auftrags-Job reduziert. Andererseits ist man einer Doppelbelastung ausgesetzt und kann sich nicht zu 100 Prozent auf das eigene Projekt konzentrieren. Ich habe nach kurzer Zeit gemerkt, dass ich mich ganz auf mein Business einlassen muss, um wirklich erfolgreich zu sein .

Du und Deine Freundin Angela, mit der Du Alpinkreaktiv gegründet hast, seid nach zwei Wander-Sommern getrennte Wege gegangen. Wie lief das mit ihrem Ausstieg? Habt Ihr einen Gesellschaftsvertrag abgeschlossen, der in diesem Fall zum Tragen kam?

Nein, wir waren ja noch ganz am Anfang. Es drehte sich um ein paar Reisen im Jahr. Angelas Argumente waren absolut nachvollziehbar. Sie merkte auch genau das, was wir eben angesprochen haben – so nebenbei geht das kaum. Sie wollte aber nicht voll ins Reisegeschäft einsteigen, sondern ihrem ursprünglichen Job treu bleiben.

Du kennst sowohl die Arbeit im Gründerinnen-Team, als auch als Einzelunternehmerin. Welche Vor- und Nachteile siehst Du in einer jeden Form?

Teamarbeit hat selbstverständlich Vorteile – man kann sich austauschen, vertreten, unterstützen… selbst wenn jede im Team sehr eigenständig arbeitet, ist Teamarbeit doch sehr hilfreich.

Als Einzelunternehmerin bin ich für alles zuständig. Ich habe das für mich so gelöst, dass ich mir zu schwierigen Themen professionelle Unterstützung hole. Ich habe z. B. zum Thema Marketing ein Coaching erhalten. Und ich suche immer wieder den Austausch mit anderen Fachleuten aus meinem Tätigkeitsfeld. Der Vorteil ist natürlich meinen kreativen Prozessen absolut freien Lauf lassen zu können.

In „Alles geben – nur nicht auf!“ berichtest Du, dass es anfänglich Zweifel am Geschäftskonzept von Alpinkreaktiv – Reiseangebot exklusiv für Frauen – gab. Warum? Zielgruppe zu spitz?

Absolut. Ich bekam so Kommentare: Was, nur Frauen? Warum, die Männer stören doch nicht. Ich wurde gleich mit einem Label bedacht.

Dabei habe ich einfach in verschiedenen Situationen erfahren, dass reine Frauen-Teams einen stärker kooperativen Stil haben, ein großes Potential an Empowerment bieten und mehr Raum ist, eigenen Impulsen zu folgen. Dies hat mich inspiriert Outdoor-Reisen exklusiv für Frauen anzubieten.

Deine Zweifler sollten mittlerweile verstummt sein, denn Dein Konzept geht auf. Wie findest Du die Frauen, die mit Dir auf Reisen gehen? Oder sollte ich fragen, wie finden sie Dich? 😉

Naja, am Berg hört man immer noch: seid ihr ganz alleine unterwegs? Wir = eine Gruppe von 14 Frauen. Der Spruch kommt von einem Mann = alleine!

Heute kommen die meisten Kundinnen über Empfehlungen oder über das Internet zu Alpinkreaktiv. In den Anfangsjahren habe ich in viel Werbung in den Printmedien investiert.

Gudrun Queitsch

Was sind die Beweggründe für Frauen an Deinen Wanderungen teilzunehmen?

Die Beweggründe sind sehr unterschiedlich: mal die Verantwortung abgeben und die Planung und Organisation einem Profi überlassen. Mal etwas Neues ausprobieren – wie z. B. Schneeschuhwandern. Mal möchten sie ihre Grenzen erweitern; Routen gehen, die sie sich alleine nicht zutrauen. Manchmal ist es auch der Partner/ die Partnerin der/die nicht in die Berge geht oder dort zu schnell, in einem anderen Modus, unterwegs ist… so dass es nicht passt.

Und ganz simpel: Frauenpower macht Freude. Es macht einfach viel Spaß in einer Frauengemeinschaft auf Trekking- oder Wanderreisen zu sein.

Wie kalkulierst Du eine Wander- oder Trekkingreise? Wie viel bleibt am Ende für Dich selbst übrig?

Naja, Kosten aufstellen und dann noch ein wenig für mich einkalkulieren.

Natürlich vergleiche ich meine Preise in etwa mit jenen von anderen Agenturen. Meist bewege ich mich im Mittelfeld – wichtig dabei ist, dass man den Preis und die gesamte Leistung vergleicht und nicht nur von rechts nach links liest.

Tatsächlich ist der Tagessatz relativ gering. Für ein kleines Reiseunternehmen wie Alpinkreaktiv ist es schwierig, mit den Hotels und anderen Vertragspartnern Konditionen wie ‚Großabnehmer‘ auszuhandeln. Also sieht bei mir die Kostenseite immer ungünstiger aus, wenn ich einmal im Jahr mit einer Gruppe von 12 Personen komme. Eine Agentur mit 5 Gruppen von 25 Personen pro Jahr bekommt einfach günstigere Konditionen.

Auch andere Kostenpunkten sind bei einem kleinen Unternehmen im Verhältnis hoch, z. B. Werbung.

Ich punkte mit dem individuellen Angebot, den kleinen Gruppen, der persönlichen Atmosphäre. Und das muss ich auf den ersten Blick deutlich machen, um die Kundin zu überzeugen ein paar Euro mehr auszugeben.

Welche Aufgaben fallen in Deinem Business an? Die Durchführung von Wanderungen machen sicher nur einen kleinen Teil Deiner Arbeit aus, oder?

Ja, ich verbringe überraschend viel Zeit am PC. Die Planung, Koordination und Vorbereitung der Reisen ist aufwendig. Bei der Betreuung der Kundinnen von der ersten Anfrage bis zur Durchführung der Reise ist mein Anspruch an Serviceleistung äußerst hoch. So fallen zahlreiche Telefonate und Mails an, noch bevor die Reise überhaupt begonnen hat. Hinzu kommen Dinge wie Buchhaltung, Steuer, PR, Social Media, Kontakt zu den Hotels und Hütten, Pflege der Website. Nicht zu vergessen ist das Erkunden von neuen Reisegebieten.

Du machst nicht alles allein – wirst u. a. unterstützt von Wander- und Reiseleitern. Wie findest Du Leute, die zu Dir und Alpinkreaktiv passen?

Das ist nicht einfach, denn es muss hundertprozentig passen. Den Großteil der Reisen leite ich alleine. Bettina Kiru Weidner vertritt mich immer wieder im Büro und bei den Reisen. Seit kurzem habe ich zudem erfahrene Wander- und Reiseleiterinnen an meiner Seite, die ich persönlich sehr gut kenne. Ich weiß, dass ich mich absolut auf sie verlassen kann.

Der Reisekalender ist für 2019 schon prall gefüllt. Es geht u. a. nach Armenien und Marokko, aber auch nach Nepal zum Everest Basecamp. Wow. Wie findest Du die Reiseziele?

Ich höre mich um, ich lese viel und recherchiere und letztlich reise ich dann in eine Region, die mir spannend erscheint. Oft werde ich auch von Agenturen eingeladen, die mit mir zusammenarbeiten wollen. So sind schon sehr erfolgreiche Kooperationen in Nepal, Marokko, Armenien und der Türkei entstanden.

Wo wir eben schon kurz in der Zukunft waren, lass uns dort auch zum Abschluss bleiben. Wie wird es für Dich und Alpinkreaktiv weitergehen? Hast Du Expansionspläne?

Wenn ich sehr expandiere, dann sehe ich mich nur noch in der Organisation. Ich möchte unterwegs sein mit den Gruppen, mich freuen, wenn die Kundinnen am Ende einer Reise bunte und lebhafte Eindrücke mitnehmen und glücklich und stolz über neue Erfahrungen sind. Aber natürlich gewinnt das Reiseangebot an Attraktivität und Vielseitigkeit, durch die Kooperation mit Agenturen oder Reise- und Wanderleiterinnen. Und es macht auch sehr viel Freude mit anderen zusammenzuarbeiten. Das Programm immer weiter zu entwickeln und neue Reiseziele hinzuzufügen, finde ich immer spannend.

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