„Keine von uns ist sich zu schade, Kisten zu schleppen“ sagen die 3 HELGA-Gründerinnen Anneliese, Renate & Ute

Ute Petritsch, Renate Steger und Dr. Anneliese Niederl-Schmidinger von Helga

Wir haben schon einige Gründerinnen-Duos interviewt, aber erst ein Gründerinnen-Trio – nämlich die Mädels von Pausenkicker. Schön, dass wir durch den zweijährigen Frau, frei &-Geburtstag nun dazu kommen ein weiteres Dreiergespann vorzustellen: Anneliese Niederl-Schmidinger, Renate Steger und Ute Petrisch.

Die Drei kommen aus Österreich und haben ein neuartiges Erfrischungsgetränk entwickelt. Aus Alge. Das dürfen wir bei unserer Feier testen, denn die Görls haben uns davon einige Flaschen zur Verfügung gestellt. Aber zuerst lest Ihr das Interview mit den Gründerinnen von HELGA.

Liebe Anneliese, liebe Renate, liebe Ute, Ihr habt 2015 ein vollkommen neues Erfrischungsgetränk auf den Markt gebracht: HELGA. Bitte erklärt uns, was HELGA ist und was Euren Drink so besonders macht.

HELGA ist das erste Erfrischungsgetränk mit Chlorella-Alge. HELGA ist auch ein Wortspiel – mit healthy algae. Was wir witzig fanden: HELGA kommt aus dem schwedischen Wort hailac, was so viel heißt wie gesund und von helig (heilig). Holy algae s*!

Die Idee zu HELGA ist bereits 2014 entstanden. Erzählt uns mehr und verratet uns in dem Zuge auch gleich, wie Ihr drei Euch kennengelernt habt.

Also Renate und Ute waren schon einige Zeit vor der ersten Idee zu HELGA befreundet, sie lernten sich über einen gemeinsamen Freund kennen. Renate und Anneliese arbeiteten in der selben Firma – einer Firma, die sich mit der Nutzung von Algen als Treibstoff für Maschinen und Autos beschäftigte. Und da kam ihnen die Idee, dass Algen doch auch ein prima Treibstoff für den Menschen wären.

Von der Idee zur Produkteinführung und Gründung Eures gemeinsamen Unternehmens verging gerade einmal ein dreiviertel Jahr. Welche Schritte habt Ihr unternommen, um HELGA Wirklichkeit werden zu lassen?

Wie viele Schritte macht man in einem Marathon? Hm, also es waren viele – von Meetings, die auch mal bis in die Morgenstunden dauern und bei denen wir von der Logogestaltung bis hin zum Vertrieb vieles an- und durchgedacht haben, die unvermeidlichen Behördenwege, das Zusammentreffen mit Investoren, die ersten Gespräche mit Kunden…

Mit welchen Herausforderungen hattet Ihr zu kämpfen?

Zeit! Ein Tag hat nur 24 Stunden. Und das Klonen ist immer noch nicht erfunden. Denn manchmal bräuchte es eine zweite Anneliese/Renate/Ute, um all das zu machen, was ansteht. Aber wer kennt das nicht…

Und dass an Tagen, die unrund beginnen, z. B. wenn vor einem wichtigen Meeting der Zug Verspätung oder das Rad einen Patschen hat, Murphy’s Law auch weiter voll zuschlägt…

2014 wurde Ihr in Österreich für Eure Idee zum Algen-Drink mit dem RIZ-Genius-Preis ausgezeichnet. Was nach sich zog, dass Ihr in ein Gründerprogramm aufgenommen wurdet. Was beinhaltete dieses Programm und wie habt Ihr davon profitiert?

Es handelt sich dabei um ein klassisches Inkubationsprogramm, in dem man Strategie, Vertrieb und alles, was noch zu einem ausgefeilten Businessplan gehört, schärft und ausformuliert. Nicht zu vernachlässigen: Damit war auch ein Zuschuss vom Land Niederösterreich von 40.000€ verbunden.

Im Herbst 2015 habt Ihr dann eine Crowdinvesting-Kampagne auf der Plattform Conda gestartet. Die Funding-Schwelle betrug 30.000€, die Ihr bereits in wenigen Tagen erreicht habt. Am Ende ist eine Summe von über 150.000€ zusammengekommen. Was habt Ihr mit dem Geld angestellt?

Rohstoffeinkauf und Abfüllungen finanziert, externe Dienstleistungen wie z. B. vom Grafiker und Webdesigner bezahlt, Büroeinrichtung besorgt, Werbematerialien wie Tischaufsteller, Flyer, Poster gedruckt,….

Wir haben jedoch noch keinen Euro in klassische Werbeformen gesteckt, das ist bis dato ein No-Go.

Crowdinvesting ist nicht dasselbe wie Crowdfunding, über das wir bereits hier informiert haben. Könnt Ihr bitte den Unterschied erklären und uns verraten, warum Ihr Euch dafür entschieden habt und nicht das Funding?

Beim Crowdinvesting investieren Nutzer in ein Startup und geben dem Unternehmen eine Art Darlehen. Zusätzlich zu den Zinsen sind sie aber auch an der Wertsteigerung des Unternehmens beteiligt – an HELGA beteiligten sich also Privatpersonen mit kleinen (oder größeren) Beträgen.

Beim Crowdfunding hätten wir ihnen also statt einem Renditeversprechen einfach ein paar Flaschen HELGA im Gegenwert ihrer Investition in die Hand gedruckt – also eine symbolische Gegenleistung erbracht.

Für uns war und ist es aber wichtig diese Personen, die schon in einem frühen Stadium an die Idee geglaubt haben, auch am Erfolg von HELGA teilhaben zu lassen.

Die Entwicklung von HELGA habt Ihr allerdings aus eigener Tasche finanziert. Auch dafür gibt es einen schönen Begriff: Bootstrapping. Wie viel Geld habt Ihr selbst in Euer Produkt investiert und woher habt Ihr es genommen? Ersparnisse, Darlehen von der Familie…

Beides! Nur das Familiensilber blieb verschont….

Investieren – schönes Stichwort. Bevor Ihr Euch auf Conda Klein-Investoren gesucht habt, hattet Ihr fünf Business Angels mit an Bord geholt, wie man in einem Artikel auf derbrutkasten.com nachlesen kann. Wie habt Ihr diese gefunden und wie viel Prozent habt Ihr insgesamt an sie abgegeben?

Es geht darum, Personen mit gutem finanziellen Background von der Idee, Lebensmittel aus Algen zu machen, zu überzeugen. Uns ist das in persönlichen Gesprächen gelungen, und insofern steckt hinter jedem eine eigene „Investiotionsgeschichte“.

Unser einziger Leitfaden und Erfolgsrezept ist neben einem fundierten Businessmodell die Begeisterung und Leidenschaft, die wir zum Thema Alge haben.

Wir haben knapp 20 % der Anteile abgegeben und haben Personen aus unterschiedlichen Branchen (Finanzierung, Marketing, Vertrieb, Management, Design) angesprochen, darunter auch einige „Business Angels“. Besonders letztere haben ihr Wissen und ihre Kontakte eingebracht, um gemeinsam zum Erfolg zu kommen, aber der Networkinggedanke zieht sich natürlich durch solche Gespräche hindurch.

Am Anfang des ganzen Prozesses der Investorensuche stand sicherlich ein Business-Plan. Könnt Ihr uns verraten, wie ein guter Business-Plan auszusehen hat?

Wohlfeil strukturiert, in lehrbuchartiger Manier, aber nichts an den Haaren herbei ziehen, sondern Tacheles schreiben anstatt Marketing/BWL-Blabla copy pasten.

Ich denke, einen guten Business-Plan erkennt man auch daran, dass man ihn sich gerne wieder einmal durchliest, wenn Orientierung gefragt ist – so quasi, um sich „wieder zu erden“ und auf Kurs zu bringen.

Ihr seid mit HELGA mittlerweile in allen deutschen und österreichischen NORDSEE-Filialen vertreten. Wie seid Ihr zu diesem Deal gekommen? Und wo wollt Ihr Euch nach vorne hin platzieren?

NORDSEE wurde auf uns bei der Angua aufmerksam. Auf dieser weltweit führenden Ernährungsmesse für Handel und Gastronomie bekamen wir die Auszeichnung mit dem Anuga-Taste-2015 Innovationspreis. Dadurch wurden viele Einkäufer und Einkäuferinnen aus diversen Branchen auf uns aufmerksam: Neben Feinkostläden, Drogerieketten, Systemgastronomie, Reformhäusern, Einzelhandel und Restaurants war die NORDSEE als neuer Vertriebspartner dabei. Menschen die Fisch mögen, stehen auch auf Algen – ein einleuchtender Gedanke, oder?

Werdet Ihr Eure Produktpalette ausweiten?

Ja, und das sogar schon sehr bald! Es wird ein Chlorella-Pulver geben – für all jene, die die geballte „Mikroalgen-Nährstoffwatsch’n“ suchen und „Alge pur“ wollen.

Wer ist bei Euch eigentlich für was zuständig? Hatte jede von Euch Ihren eigenen Bereich im Unternehmen, um den sie sich kümmert oder macht Ihr alle alles?

Renate kümmert sich um die Finanzen. Anneliese um Produktion und Logistik. Ute ist für Marketing und Einkauf zuständig – so die grobe Einteilung, bei der es durchaus Schnittpunkte und vor allem Erweiterungen gibt.

Keine von uns ist sich jedenfalls zu schade, um Kisten zu schleppen und neue Etiketten auf Flaschen zu kleben.

Und noch eine Frage zum Schluss: Welche Eigenschaft sollte jede Gründerin Eurer Meinung nach mitbringen?

Vitamin B12 gestärkte Nerven. Detox yourself from bad vibes!

Wenn Ihr noch mehr inspirierende Interviews mit Gründerinnen lesen wollt, schaut doch mal auf Pinterest vorbei!

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