„Ein Startup aufzubauen und ‚großzuziehen‘ ist ein Vollzeitjob“ – intueat-Gründerin Mareike Awe

Nachdem wir erst kürzlich über Sibilla Kawalla von LIMBERRY berichtet haben, die sich in bei Vox den Löwen gestellt hat, präsentieren wir Euch heute eine weitere Gründerin vor, die sich in die Höhle getraut hat: Mareike Awe, die ihr Startup während des Studiums gründete – das übrigens noch läuft. Beeindruckend! 🙂

Liebe Mareike, Du hast letztes Jahr Dein eigenes Startup Intueat gegründet. Bitte erzähle uns, worum es sich bei Intueat handelt und wie es zur Gründung Deines Unternehmens kam.

Intueat ist ein 12-wöchiges Online-Programm mit dem man intuitives Essen lernt und dadurch langfristig sein Wohlfühlgewicht erreicht. Es ist eine Verhaltens- und Bewusstseinsumstellung, in der unsere Teilnehmer wieder lernen, auf ihren Körper zu hören. Das bedeutet, dass man Essensentscheidungen nicht mehr mit dem Kopf, sondern nach den wahren Bedürfnissen des Körpers trifft – so wie wir als kleine Kinder ganz intuitiv ohne Diät gegessen haben.

Wie es dazu kam? Ich selbst fühlte mich vor 5 Jahren unwohl in meiner Haut und entdeckte durch Studien und Bücher das intuitive Essen für mich. Durch diese neue Ernährungsweise fühlte ich mich wieder so richtig wohl und nahm nebenbei 10kg ab. Das war zu Beginn meines Studiums. Als das Studium weiter fortschritt, fing ich an, anderen Menschen intuitives Essen beizubringen. Da dies sehr erfolgreich war und meine „Schüler“ begeistert abnahmen, kam Marc und mir die Idee, dieses Lebensgefühl noch mehr Menschen zugänglich zu machen. Wir entwickelten Anfang 2015 das Online-Programm intueat, für das die Universität Düsseldorf uns beim Ideenwettbewerb auszeichnete.

Ein paar Tage nach unserer Gründung sind wir mit einer ersten intueat-Programmrunde von 25 Teilnehmern gestartet und werden seither vom Life-Science-Center unterstützt.

Mithilfe von wöchentlichen Lektionen in Form von Videos und PDFs, professionell entwickelten Mentaltrainings für die Unterstützung des Unterbewusstseins, einem Erfolgstagebuch zur persönlichen Entwicklung, der Unterstützung durch die gesamte intueat-Community, dem persönlichen Teilnehmersupport durch unser intueat-Team und natürlich mit Hilfe einer ordentlichen Portion Motivation lernen unsere Teilnehmer ihren Körper und ihre wahren Bedürfnisse kennen.

Auf Eurer Website steht geschrieben: “Intuitiv essen. Diäten vergessen”. Was unterscheidet Euer Programm von herkömmlichen Diäten?

Unser Programm ist genau das Gegenteil einer Diät; denn anstatt zu verzichten, strenge Regeln zu befolgen und einen frustrierenden Jojo-Effekt zu erleben, arbeitet man bei uns mit seinem Körper zusammen. Man konzentriert sich bei unserem Ansatz auf die wahren Signale des Körpers und lernt seine natürlichen, körperlichen Bedürfnisse wiederzukennen. Man isst also, wenn man Hunger hat und zwar das, was einem schmeckt und guttut. Dazu gehört auch, den Genuss von Nahrungsmitteln wiederzuentdecken und achtsam zu essen. Ebenso wichtig ist das Beenden einer Mahlzeit bei angenehmer Sättigung.

Du hast zusammen mit Deinem Freund Marc Reinbach gegründet. Was ist Deiner Meinung nach der Vorteil im Team zu gründen?

Im Team hat man sich gegenseitig und fühlt sich nie alleine, egal in welcher Situation oder bei welcher Entscheidung. Der Aufbau eines Unternehmens ist natürlich geprägt von Höhen und Tiefen und diese Phasen erleben wir zu zweit – mittlerweile auch mit drei Mitarbeitern. Ein riesiger Vorteil ist außerdem, dass wir beide für intueat brennen und es zu unserer Lebensaufgabe gemacht haben, das Unternehmen voran zu bringen und wachsen zu lassen. Wir erleben jeden Erfolg gemeinsam und machen uns gegenseitig Mut, wenn es Enttäuschungen oder Herausforderungen gibt.

Außerdem haben wir festgestellt, dass jeder von uns andere Bereiche und Potentiale hat, die er ins Unternehmen einbringt: Marc kümmert sich besonders um technische Aspekte, hat die Finanzen und Steuern im Blick und insgesamt den besten Überblick über alle Prozesse im Unternehmen. Ich bin zur absoluten Expertin für intuitives Essen geworden, konzentriere mich besonders auf die Programmentwicklung und unsere Teilnehmer sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Dennoch treffen wir alle Entscheidungen gemeinsam und unterstützen uns bei jeder Aufgabe, wenn es nötig ist.

Mareike Awe und Marc Reinbach

Während des Studiums zu gründen, insbesondere wenn man promoviert, ist sicher nicht einfach. Wie managst Du Deine Zeit?

Wir haben das Startup parallel zur Uni aufgebaut, oder viel mehr das Studium neben dem Unternehmen geführt. Wir haben die Vorlesungen auf ein Minimum reduziert, so gut es möglich war, und das meiste unserer Energie in intueat gesteckt. Ein Startup aufzubauen und „großzuziehen“ ist ein Vollzeitjob, das wurde uns Monat für Monat bewusster. Momentan befinden wir uns beide in einem Urlaubssemester und arbeiten ohne Unterbrechung an unserem Startup.

Grundsätzlich ist es wichtig, Prioritäten setzen zu können und ein zuverlässiges Team aufzubauen, das flexibel ist und einen unterstützt. Viele Aufgaben fallen spontan an und Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Wir sind mit unserem Unternehmen gewachsen und haben Monat für Monat dazu gelernt. Wenn man eine klare Vision hat und das Ziel vor Augen, kann man alles unter einen Hut bringen.

Ich habe in Vorbereitung meines Interviews viele Artikel über Dich und Intueat gelesen, dabei habe ich sowohl Preise als Laufzeiten gefunden, die sich vom heutigen Programm unterscheiden. Bitte nehme uns mit auf den Entwicklungsprozess. Warum habt Ihr Euch heute für eine Programmdauer von 12 Wochen entschieden und wie erklärt sich das heutige Preismodell? Mittlerweile bietet Ihr auch ein Paket mit persönlichem Mentor an…

Gestartet sind wir im Sommer mit einem 12-wöchigen Programm. Damals habe ich begonnen, den Inhalt, der zum Verstehen und Erlernen des intuitiven Essens notwendig ist, in Lektionen zusammenzufassen. Dabei bin ich genau auf 12 Wochen gekommen. Der Grund, warum wir zwischenzeitlich auf 16 Wochen umgestiegen sind oder sogenannte „Aufholwochen“ eingefügt haben, entstand einzig und allein durch das Feedback unserer Teilnehmer.

Allein dadurch, dass wir unsere Programmteilnehmer regelmäßig nach ihrer Meinung und nach Verbesserungsvorschlägen fragen, verändert sich der Aufbau. Auch wir selbst können durch die Betreuung und die Erfolge der Teilnehmer feststellen, wo es Dinge zu verbessern gibt. Genau aus diesem Grunde sind wir auf die 12 Wochen zurückgekommen und haben die Inhalte kristallisiert, um eine noch größere Lerneffektivität für unsere Teilnehmer zu erreichen. Stattdessen gibt es nun das Angebot einer Weiterbetreuung im intueat-Club.

Die Idee des persönlichen Mentors entstand, als wir feststellten, dass Menschen unterschiedlich lernen und unterschiedliche Lerntypen sind. Viele Teilnehmer können sich gut selbst motivieren oder tauschen sich gerne per Mail mit uns aus. Sie sind aktiv und kommen von sich aus auf uns zu. Andere brauchen einen persönlichen Bezug inklusive Telefon-Coachings zu uns, um einen Ansprechpartner zu haben und eine individuellere Betreuung zu bekommen. Wie Du siehst: ein Prozess, der sich im engen Kontakt zu unseren Teilnehmern entwickelt. Unser Credo ist, dass der Kundennutzen den Preis um ein Vielfaches übersteigt und das bestätigen uns unsere Teilnehmer immer wieder. Intueat ist für die meisten ein lebensveränderndes Programm.

Apropos Mentor: Wie kamen Du und Marc auf die Idee an “Die Höhle der Löwen” teilzunehmen? Warum der Schritt in Richtung möglichem Investment?

Uns war schon lange bewusst und wurden von allen Seiten immer wieder darin bestätigt, dass wir mit intueat etwas Besonderes und derzeit Einzigartiges geschaffen haben. Wir begleiten Menschen zu ihrem persönlichen Wohlfühlgewicht und helfen ihnen, mit einem natürlichen Essverhalten dauerhaft glücklich zu werden. Die größte Herausforderung für uns ist es, diesen neuartigen Ansatz im riesigen Diät-Dschungel bekannt zu machen. Dafür braucht man auf der einen Seite natürlich einen kompetenten Partner und auf der anderen Seite auch die nötigen Mittel. Mit beidem können die Investoren in der Höhle der Löwen dienen, deshalb war es für uns nur logisch, es zumindest einmal zu versuchen. Da in der Höhle gerne Produkte zum Anfassen gezeigt werden, wussten wir von Anfang an, dass der Bewerbungsprozess nicht einfach wird. Dennoch hat unser Geschäftskonzept anscheinend überzeugt und wir waren umso glücklicher, als wir angenommen wurden.

In der Sendung müsst Ihr Euere Idee von Intueat pitchen. Was macht Deiner Meinung nach einen guten Pitch aus? Hast Du Tipps für uns? Worauf müssen man besonders achten?

Das Wichtigste bei einem Pitch ist die eindeutige Message: Warum fehlt genau unsere Idee auf dem Markt? Das Publikum muss gefesselt und binnen weniger Sekunden überzeugt werden, dass das Geschäftsmodell das ist, wonach sie immer gesucht haben. Der Pitch sollte so kurz wie möglich sein und dennoch alle wichtigen Aspekte umfassen. Auch das persönliche Auftreten und die Ausstrahlung sind dabei von großer Bedeutung. Es muss eindeutig zu spüren sein, wie man selbst für diese Idee brennt und dass das eigene Ziel klar ist.

Ich habe gesehen, dass Du unter dem Nickname “Intuitive Mareike” einen eigenen YouTube-Channel zum Thema Intuitives Essen betreibst. Wie kam es dazu und wie wichtig ist Social Media für Dich als Gründerin?

YouTube ist eine Plattform, auf der man mit Persönlichkeit und interessantem Inhalt in kurzer Zeit viele Zuschauer gewinnen kann. Dass ich ausreichend Wissen hab, um mehrere hundert Videos produzieren zu können, von denen Zuschauer einen Mehrwert haben, das weiß ich. Doch ob dieser Kanal der richtige ist, Menschen für unser Programm zu begeistern, das weiß ich noch nicht. Denn unsere Zielgruppe sind besonders Frauen mittleren Alters, die einen langfristigen Weg suchen, mit dem sie dauerhaft glücklich werden können. Dementsprechend versuchen wir, diese Zielgruppe vermehrt anzusprechen und glauben, dass YouTube nicht der Hauptweg dafür sein wird.

Insgesamt ist die Präsenz in verschiedenen sozialen Medien in der heutigen Zeit sehr wichtig, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir sind auf Facebook sehr aktiv und versuchen, unsere Fans auf dieser Plattform durch spannende Beiträge und motivierende Sprüche für uns zu begeistern. Wo wir langfristig am erfolgreichsten sind, werden wir weiter herausfinden.

Wie wird es für Dich und Intueat weiter gehen? Was wird aus Deiner Promotion? Wie wird sich Dein Startup weiterentwickeln?

Intueat ist unsere Zukunft – da sind wir uns sicher. In fünf Jahren soll intueat das Erste sein, woran Menschen beim Stichwort „gesundes und nachhaltiges Abnehmen“ denken. Unser Ziel ist es, den Diätmarkt zu revolutionieren und Menschen hin zu einem unbeschwerten Essverhalten und ihrem langfristigen Wohlfühlgewicht zu führen.

Meine Doktorarbeit befindet sich in der letzten Korrekturschleife und ebenso werde ich natürlich auch das Studium zu Ende bringen. Alle Scheine haben wir bereits gesammelt – sogar beide in Mindeststudienzeit und mit Auszeichnung der Uni. Wir sind nun weiterhin dabei, unser Team zu vergrößern, um die Möglichkeit zu haben, unser Staatsexamen im nächsten Frühjahr zu absolvieren.

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