„Ich lebe mittlerweile einen gute Mix aus Arbeit und Freizeit“ sagt Solopreneurin Friederike von dem Bussche

Friederike von dem Bussche

Unseren Facebook-Freunden unter Euch wird unsere heutige Interviewpartnerin bekannt vorkommen, schließlich ist sie eine der Erschafferinnen hinter unseren tollen #ThankGodImFree-Grafiken: Friederike von dem Bussche. Ihres Zeichens Pixelpatin im Pixelsyndikat. Wenn Ihr mehr über ihre kreative Arbeit als Solopreneurin erfahren wollt, solltet Ihr an dieser Stelle weiterlesen.

Friederike, Du hast Dich vor einem halben Jahr zum zweiten Mal selbstständig gemacht. Erst einmal herzlichen Glückwunsch dazu! 🙂
Ich weiß, dass Deine erste Selbstständigkeit zwar erfolgreich war, Du Dich aber dennoch entschieden hast sie aufzugeben. Warum?

Hey Sandra, lieben Dank für die Glückwünsche! Ja, das war ein richtig schwerer Schritt damals für mich die (erste) Selbständigkeit aufzugeben, da ich vom Typ her eigentlich extrem freiheitsliebend bin. Aber ich hatte festgestellt, dass mir das Wesen des klassischen Webdesigns und die Aufgaben als Dienstleister überhaupt nicht mehr gefallen hatten.

Ich fühlte mich als Freelancer doch sehr eingeschränkt in der Zusammenarbeit mit den Auftraggebern. Ich hatte immer öfters das Gefühl meine Auftraggeber zu ihrem Glück zwingen zu müssen und sehnte mich danach mit Menschen zusammenzuarbeiten, die richtig Spass an ihrem Projekt hatten, Engagement in der Zusammenarbeit zeigten und auch Lust, mal die herkömmlichen Trampelpfade zu verlassen.

Ich bekam dann in dieser Zeit eine Festanstellung bei einem großen und langjährigem Auftraggeber von mir angeboten. Es klingt vielleicht etwas paradox in Bezug auf mein Freiheitsbedürfnis, aber durch die Anstellung hatte ich bei finanzieller Absicherung die Möglichkeit mich in Ruhe neu zu orientieren und herauszufinden, was ich eigentlich will.

Seit März 2016 bist Du nun als Solopreneurin unterwegs und bietest als Patin des Pixelsyndikats kreativen Existenzgründern Hilfe bei der Erstellung einer erfolgreichen Website an. Erkläre uns zu erst einmal bitte das Konzept hinter Solopreneurship und führe uns dann gerne durch Deine Angebote.

Ich wollte gerne weiter als Webdesignerin arbeiten, aber ich hatte mir damals gewünscht, nicht mehr für andere designen zu müssen. Was jetzt so als Webdesignerin doch irgendwie verrückt und kontrovers klingt.

Durch das Superhelden Training habe ich das allererste Mal von dem Begriff des Solopreneurs gehört und wusste sofort, dass ich genauso leben und arbeiten wollte. Als Solopreneurin verkauft man nicht wie ein Freelancer seine Arbeitszeit an seine Kunden, sondern entwickelt eigene Produkte, die man dann unabhängig von der eigenen Zeit online anbietet.

Bei mir wird dieses Produkt ein Online-Video-Kurs sein, der kreativen Selbständigen dabei hilft, ihre Businesswebseite stressfrei selbst mit WordPress zu erstellen. Ich arbeite derzeit noch an der Erstellung dieses Kurses, dessen Inhalt ich mit gut 10 Jahren Erfahrungen als Webdesignerin auf feste Füße stellen kann.

Und auf diese Weise kann ich tatsächlich meinen Kunden als Webdesignerin mit Rat und Tat bei ihrer erfolgreichen Business-Webseite tatkräftig unterstützen, ohne für sie pixelgenaue Designs entwerfen zu müssen!

Für alle, die schnell, unkompliziert und minimalistisch im Web starten wollen, biete ich das Express-Starter-Paket an. Im Rahmen dieses raketenmässigen Pakets richte ich in Windeseile eine frische WordPress-Installation mit einem schicken und soliden Theme, den wichtigsten Plugins und ersten ausbaufähigen Inhalten ein. Mit dieser Webseiten-Version kann man sofort online gehen und diese dann Schritt für Schritt zur erfolgreichen Business-Website ausbauen.

Allen, die schon eine Webseite haben, aber vor inhaltlichen oder technischen Schwierigkeiten stehen, biete ich mit meiner WordPress-Sprechstunde eine exklusive Untersuchung mit Tipps und Lösungen per Skype an.

Wie habe ich mir die Entwicklung solcher Produkte vorzustellen? Kannst Du uns Tipps geben, wie man als Solopreneurin sein Business am besten aufbaut?

Das Wichtigste ist es Angebote und Produkte zu entwickeln, die von der eigenen Arbeitszeit abgekoppelt sind. Also ganz klassisch wäre das beispielsweise ein kleines eBook auf Basis des eigenen persönlichen Expertenwissen.

Anfangs investiere ich bei der Erstellung des Booklets natürlich auch viel Arbeitszeit. Später können das meine Kunden aber zu jeder Tages und Nachtzeit in theoretisch riesigen Stückzahlen erwerben und anwenden, ohne dass ich zur Stelle sein oder Nachschub in einer Druckerei ordern muss. Das nennt man dann passives Einkommen generieren.

Es gibt viele spannende verschiedene Arten und Möglichkeiten als Solopreneur sein Geld zu verdienen. Über iPad-Halter, Hasen-T-Shirts und Gin ist da alles dabei. Wer sich für das Thema interessiert, der schnappt sich am Besten das Buch “Solopreneur”* von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg. Ich hab letztes Jahr das Intensivseminar Smart Business Concepts bei den Beiden gemacht und das hat mich als Designerin ohne großen BWL-Hintergrund meilenweit nach vorne gebracht.

Du gehörst also zur Zunft der Selbstständigen, die online ihr Geld machen. Leider stößt diese Art seine Brötchen zu verdienen nicht bei allen auf Verständnis. Erst kürzlich habe ich auf FF& einen Kommentar zu einer Kolumne geschrieben, die Onlineunternehmer als Betrüger darstellt. Wie stehst Du zu dieser Debatte?

Ja, den Artikel von dir hatte ich mitbekommen und neugierig zu Gemüte geführt. Was soll ich sagen, ich bin komplett deiner Meinung!

Das Buch von Conni mag im Vergleich zu anderen Büchern recht teuer sein, aber es muss ja niemand kaufen. Man hat außerdem die Möglichkeit sich einen Probeinhalt und die Inhaltsangabe durchzugucken, sowie ein 14-tägiges Rückgaberecht. Hört sich für mich nicht sehr betrügerisch an. Da finde ich die Mode- und Make-Up-Industrie mit ihren wahnwitzigen Versprechen wesentlich besorgniserregender.

Aber vielleicht spielt hier wirklich eher etwas Neid mit rein. Ein Buchautor, der klassische über Verlag und oder Amazon verlegt, verdient von seinem Werk nach allen Abzügen den kleinsten Teil.

Nichtsdestotrotz ist das aber natürlich kein Grund die Arbeit anderer schlecht zu machen. Jeder hat die Möglichkeit etwas in dieser Welt besser zu machen und wenn wir uns dabei gegenseitig unterstützen, haben wir alle gewonnen. Mehr Sisterhood braucht das Land!

Einer Unterstellung der viele Online-Unternehmern immer wieder begegnen ist die, dass sie die meiste Zeit ihres Lebens nur Cocktailschlürfend in einer Hängematte am Strand liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Da Du wie ich in Hamburg lebst, wird letzteres schon mal schwierig. ?  Aber im Ernst: Wie gestalten sich Deine Arbeitstage in der Regel? Arbeitest Du wirklich nur vier Stunden in der Woche?

Also wenn ich mir erfolgreich als Online-Unternehmerin meinen Lebensunterhalt verdiene und trotzdem sehr viel Zeit für Strand und Cocktails habe, ist die Unterstellung, dass ich fokussiert und effizient arbeite, oder? Da hab ich kein Problem mit! Hehe.

Dieses typisch deutsche Bedürfnis, dass Arbeit keinen Spass machen darf und hart sein muss, verstehe ich persönlich überhaupt nicht. Es gibt ja auch mittlerweile immer mehr Studien die aufzeigen, dass ein kürzerer Arbeitstag sogar dafür sorgt, dass dieser wesentlich effizienter von statten geht!

Ich lebe tatsächlich mittlerweile einen für mich richtig guten Mix aus Arbeit und Freizeit. Mein Fokus liegt hier aber auch nicht darauf, mich möglichst viele Stunden in der Woche zu beschäftigen, wie es in einer Festanstellung oder einem Start-up gerne mal der Fall ist.

Mich interessiert, ob ich genug Kohle auf dem Konto liegen habe, die mir ein gutes Leben ermöglicht. Luxus brauche ich aber keinen. Und es ist mir wichtig, dass die Projekte, zu denen ich mich verpflichte, erledigt werden. Ist beides der Fall schieb ich gerne auch mal eine Weile die ruhige Kugel, selbst wenn der Rest der Welt behauptet, dass gerade ein Arbeitstag ist.

Im Urlaub halte ich es umgekehrt genauso. Wenn ich Lust zu arbeiten habe, arbeite ich! So ein Strandurlaub ist mir ehrlich gesagt viel zu langweilig und ich habe unlängst das Format Workation für mich entdeckt und in Lissabon erfolgreich ausprobiert. Und ja, ich gehe das alles sehr achtsam an und weiß sehr genau, wann ich meinem Körper Ruhe gönnen muss.

Meine Arbeitszeiten messe ich eigentlich nur, wenn ich doch mal eine bestimmte Menge an Stunden an einen Kunden verkauft habe. Die vielen Stunden in denen ich netzwerke, Emails und Inhalte für meine Webseite schreibe, das Marketing und spannende Interviews wie dieses hier, messe ich nicht. Ich finde es eigenartig zwischen Leben und Arbeit zu unterscheiden. Mein Leben fängt ja nicht erst nach Feierabend an.

Übrigens ist der Beruf des Online-Unternehmers eher hartes Business. Ich weiß von vielen in der Branche der digitalen Nomaden, dass sie zwar in der Sonne am Strand mit ihrem Rechner sitzen, aber viele viele Stunden Arbeit in ihre Produkte stecken. Einige davon eher auf einem sehr ungesunden workaholischen Level.

Wäre das digitale Nomadentum eigentlich was für Dich? Oder lebst Du es vielleicht sogar schon?

Ich war 2015 tatsächlich auf der DNX Global in Berlin, weil mich das Thema digitales Nomadentum als Solopreneurin natürlich sehr interessiert. Ich war zu dem Zeitpunkt aber total davon überzeugt, dass dieses ganze Rumgereise in asiatischen Ländern für mich, als eher introvertierte Person, so gar nichts ist. Die meisten Nomaden tummeln sich halt gerne auf Bali und Co., weil man bei tollstem Wetter mit wenig Geld ein ziemlich luxuriöses Leben führen kann.

Aber irgendwie hat mich das Reisefieber doch ein wenig gepackt und ich fange langsam an Pläne für eine große Europa-Abenteuer-Reise zu schmieden. Vor allem Skandinavien würde ich gerne länger arbeitend entdecken.

Ein klein wenig Nomadentum lebe ich heute eigentlich auch schon. In meiner Wohnung wechsle ich sehr gerne öfters meinen Arbeitsplatz. Wenn es mir zuhause zu langweilig wird, setzte ich mich in kuschelige Cafes oder in ein Coworking Space in der Stadt.

Bei schönem Wetter packe ich auch gerne mal meine Arbeitssachen und radele in meinen Schrebergarten. An der frischen Luft lassen sich auch schwierige Aufgaben etwas entspannter angehen.

Zurück zu Deiner Selbstständigkeit als Patin des Pixelsyndikats: In einem Beitrag von Dir auf Tanja Lenkes Blog “she-preneur” habe ich gelesen, dass Du zwei Mal den Gründungszuschuss beantragt und auch erhalten hast. Bitte verraten uns, was müssen Frauen tun, um diesen auch zu erhalten? Hast Du super geheime Geheimtipps?

Ich befürchte ich habe leider nur einen total langweiligen Tipp, der für mich immer funktioniert, egal ob ich den Gründerzuschuss beantrage oder 50 andere Leute bei einer Wohnungsbewerbung ausstechen will (true story): be a Streber!

Der Gag beim Gründungszuschuss ist ja, dass man den nur bekommt, wenn die Business-Idee sich eigentlich selbst trägt und ohne Zuschuss Erfolg hätte. Ich bin zu meinem Termin bei der Agentur für Arbeit mit einem Kurz-Konzept inkl. Beispielen und Visualisierungen hin.

Meine Bearbeiterin war dann schon sehr beeindruckt und positiv gestimmt, weil ich gezeigt habe, dass mein Vorhaben Hand und Fuß hat und ich es ziemlich ernst damit meine. Der Rest war dann fast nur noch Formalie.

Du hast Dir auch sonst viel Unterstützung beim Start in Deine Selbstständigkeit geholt. Gibt es Coachings oder Beratungsprogramme die Du empfehlen möchtest?

Oh ja, richtig gut fand ich bei meiner ersten Selbständigkeit das Scheckheft der Hamburger Existenzgründer Initiative kurz H.E.I. Nach dem Motto “Selbständigkeit kann man lernen” bietet hier die Stadt Hamburg jede Menge Kurse und Workshops rund um das Thema Selbständigkeit an und bezuschusst diese sogar mit den Wertschecks in Höhe von 500 Euro. Da hab ich mir damals alles Wichtige in Sachen Buchhaltung, Preisgestaltung und Verhandeln reingezogen und mir auch gleich ein gutes Netzwerk aufgebaut.

Ansonsten kann ich Frederic Breiler sehr empfehlen. Herr Breiler hat bei meiner zweiten Gründung meinen Businessplan unter seine Lupe genommen und wertvolle Tips gegeben. Er bietet übrigens einen rasanten Businessplan-Check innerhalb von 48 Stunden an, der mir sehr zugute kam, da es bei meinem Antrag etwas schneller gehen musste.

Im Rahmen der .garage Hamburg unterstützt er und ein Expertenteam Gründer mit Workshops und anderen spannenden Veranstaltungen.

Wie stehst Du eigentlich zum Ende Deiner ersten Selbstständigkeit? Siehst Du Dich selbst als gescheitert an?

Sowas wie Scheitern gibt es für mich eigentlich nicht mehr. Ich stimme Oprah Winfrey zu, die sagt “Failure is another steppingstone to greatness.” Alles was auf den ersten Blick vielleicht nicht gelingt, bringt mich in meiner Entwicklung einen Schritt weiter Richtung persönlicher Weltherrschaft und macht mich zu dem Menschen, der ich bin.

Ich habe in der Zeit als Angestellte zwischen meinen Selbständigkeiten so viele tolle Erfahrungen und Erkenntnisse gehabt und großartigste Menschen kennengelernt. Das würde ich auf keinen Fall missen wollen. Außerdem habe ich jetzt in meiner zweiten Selbständigkeit so viel mehr Spass. Nicht auszudenken, wie schrecklich das Leben wäre, wenn ich alle diese Schritte nicht gegangen wäre!

Und zum Abschluss verrate uns doch bitte noch Deine Top-3-Learnings aus mehr als fünf Jahren Selbstständigkeit.

Fertig ist besser als perfekt

Ich treffe so viele Menschen, die sich selbst von ihrem eigenen Erfolg oder Glück abhalten, weil die Dinge irgendwie perfekt sein müssen. Perfektion ist eine Illusion im eigenen Kopf, in den bekanntlich keiner reingucken kann. Mach Deine Sache ordentlich, aber viel wichtiger ist: mach sie!

Schritt für Schritt ist schnell genug

Die Welt da draußen suggeriert uns, das alles furchtbar schnell gehen muss. Unsere eigene Welt funktioniert aber irgendwie nie in dem Tempo. Zumindest nicht, wenn man nicht vor hat, sich die Gesundheit zu ruinieren oder hastige Entscheidungen zu treffen. Lass Dich nicht von anderen nervös machen, arbeite Schritt für Schritt in Deinem eigenen Tempo. Der Schlüssel ist die Beständigkeit, nicht die Schnelligkeit.

Arbeit darf Spass machen

Achte gut darauf, welche Arbeiten Dir leicht von der Hand gehen, Dir Freude bereiten und Deine Kunden am Besten unterstützen. Erlaube Dir Spass bei Deiner Arbeit zu haben und ordentlich Geld damit zu verdienen. Bezahle andere für die Dinge, die Du nicht kannst oder tun willst. Its a win win situation!

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

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