„Ich liebe es, glückliches Essen zu malen, verwirrte Kaffeetassen oder andere Gegenstände“ – Kathleen Pierard, freie Illustratorin

Kathleen Pierard

Ehrlicherweise weiß ich gar nicht mehr so genau, wie ich auf unsere heutige Interviewpartnerin aufmerksam geworden bin. Ich weiß nur, dass ich total begeistert war von Kathleen Pierard’s Illustrationen – so farbenfroh und lebendig.

Deshalb musste ich sie einfach um ein Interview bitten! 🙂


Liebe Kathleen, Du bist derzeit Studentin für Desktop Publishing und arbeitest nebenher als freie Illustratorin. Oder verhält es sich genau anders herum?

Hallo Sandra, erst einmal danke für das Interview.

Es ist so, dass es sich bei diesem Studium um ein Online-Studium handelt. Daher hielt sich der Aufwand in Grenzen, es war also möglich nebenbei selbstständig zu sein. Mittlerweile hat sich bei mir aber einiges getan. Ich habe jetzt beschlossen das Studium abzubrechen und mich vollkommen auf die Illustration zu konzentrieren.

Die letzten drei Jahre hatte ich einen Teilzeitjob im Einzelhandel, das Online-Studium und war nebenbei als Illustratorin tätig. Erst seit November bin ich nun 100% selbstständig und genieße es sehr, endlich wirklich Zeit für meine Arbeit und meine Projekte zu haben.

Wie kamst Du auf die Idee Dich als Illustratorin selbstständig zu machen? Eine Festanstellung kam nicht in Frage?

Solange ich denken kann, habe ich schon immer gerne gezeichnet, gemalt und vor mich hin gekritzelt. Meinen Block und meine Stifte habe ich überall dabei gehabt, auch manchmal wenn andere Kinder dabei waren. Die waren dann oft genervt von mir.

Irgendwann habe ich leider aufgehört zu zeichnen und nach viel zu langer Zeit gemerkt, wie sehr es mir fehlt. Dann habe ich eine Grafik-Design-Ausbildung begonnen, aber das hat sich nie passend angefühlt. Ich wollte einfach meine eigenen Ideen und Charaktere aufs Blatt bringen. Letztendlich kam der Entschluss, mich nun einfach selbstständig zu machen. Auch weil mein Freund mich sehr dazu ermutigt hat diesen Schritt zu gehen.

Eine Festanstellung kam für mich nie wirklich in Frage, da ich schon immer meine eigenen Pläne und Ideen verwirklichen wollte.

“Meine Arbeiten möchten Geschichten erzählen, trösten, ein Lächeln ins Gesicht zaubern, Mut machen, gut tun (…)”, schreibst Du auf Deiner Website. Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Illustrationen?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich schaue mir viele Arbeiten anderer Künstler an, entweder in Büchern, Magazinen oder bei Instagram. Bücher sind definitiv meine größte Inspiration für meine Selbstständigkeit und Arbeit.

Ich schaue auch oft auf Instagram nach verschiedenen Illustrationen. Diese inspirieren mich in Stil und Technik. Die Themen, die ich zeichne sind meistens aus dem Alltag. Ich liebe es, glückliches Essen zu malen, verwirrte Kaffeetassen oder andere Gegenstände.

Viele Dinge fallen mir auch einfach so ein, natürlich immer gerade dann, wenn ich nicht vorhatte etwas zu zeichnen. Die Ideen die hängenbleiben werden notiert und irgendwann umgesetzt.

Meine Hauptinspiration ist –seit ich meinen Stil geändert habe: Setz ein Gesicht auf alles, was eigentlich nicht lebendig ist. So wird es lebendig und kann Geschichten erzählen.

Ich habe schon einige kreative Frauen für Frau, frei & interviewt. Zum Beispiel Creative Directorin Melina oder Illustratorin und Infografikerin Gudrun – die übrigens auch beide Fans Deiner Facebook-Seite sind. ? Sowohl Melina als auch Gudrun haben ihre ganz eigene, unverwechselbare Handschrift in ihrer Arbeit. Wenn ich mir Deinen alten Tumblr-Blog anschauen, kann ich Deinen Weg zu Deiner ganz eigenen Note in Deinen Kreationen gut nachvollziehen. Aber wie kommt man da hin? Wie findet man seinen eigenen unverkennbaren Stil?

Ohje der Tumblr Blog… Der liegt auch irgendwie gerade etwas verstaubt in der Ecke herum 😉

Als ich neulich meine älteren Zeichnungen dort angeschaut habe, war ich fasziniert wie sich mein Stil verändert hat. Ich weiß, dass ich immer auf der Suche nach dem eigenen Stil war. In einer Phase um 2015 dachte ich, ich habe ihn gefunden. Damals hab ich hauptsächlich mit Wasserfarben und Tusche gearbeitet; meistens Tiere gezeichnet. Damals kamen auch die ersten Fans.

Dennoch hat es sich irgendwie nie stimmig angefühlt. Ich hatte immer schon eine riesige Vorliebe für knallbunte Cartoons und Comics und wahnsinnig niedliche Figuren. Diesen Sommer habe ich dann diese Vorliebe in die Tat umgesetzt. Seitdem illustriere ich hauptsächlich digital und nur noch das, was sich richtig gut für mich anfühlt.

Und jetzt bin ich auch endlich richtig glücklich damit.

Die Stilfrage allgemein ist unglaublich schwierig zu beantworten. Ich bin mir auch sicher, mit dem Alter ändert sich auch – wenn auch nur minimal – der Stil.

Vielleicht werde ich irgendwann für mich feststellen: „Ach, niedlicher Comic-Quatsch, dafür bin ich doch nun zu alt“. Vielleicht aber auch nicht 🙂

Judith hat kürzlich einen Artikel zum Thema Copyright geschrieben. Wie schützt Du Deine Werke und hast Du was zur Diskussion, um die offensichtlich gestohlenen Werke von Tuesday Bassen zu ergänzen?

Puh, das Thema Copyright… Ich gebe zu, ich bin wirklich nicht besonders gut darin meine Werke zu schützen. Ich gehe da glaube ich zu naiv ran. Von wegen, wieso sollte jemand ausgerechnet meine Arbeit klauen. Wie gesagt, naiv eben.

Ich schaue zumindest, dass man meine Bilder nirgendwo in hochauflösender Qualität runterladen kann, aber sonst tue ich bisher nicht viel dafür.

Ich habe die Sache mir Tuesday Bassen mitbekommen und war wirklich erschrocken. Danach habe ich erst kapiert, wie oft das eigentlich passiert.

Es ist schrecklich. Ich kann mir glaube ich einigermaßen vorstellen wie sich Tuesday gefühlt haben muss.

An ihrer Stelle würde es sich für mich so anfühlen, als ob man einen riesigen Teil von mir wegnimmt. Illustrationen sind einfach wahnsinnig persönlich. So sehe ich das zumindest. Wenn die jemand klaut, wäre das für mich viel schlimmer als wenn mir jemand etwas Materielles klauen würde.

Wie ich gesehen habe, betreibst Du auf Redbubble, einer Kreativ-Community und laut eigener Definition der “erlesenste Online-Markplatz im Internet”, einen eigenen Shop, in dem Du Deine Illustrationen zum Verkauf anbietest. Würdest Du sagen, dass sich das für Dich als Illustratorin lohnt?

Genau, seit diesem Sommer bin ich aktiv bei Redbubble und baue meinen Shop immer weiter auf, da ich mich auf diese Produkte noch mehr fokussieren möchte.

Ich glaube, man wird nicht unbedingt reich ( Vielleicht werden es doch Einige?) mit Redbubble, aber dafür ist es auch nicht so extrem viel Arbeit. Drucken, Versand, Kundenkontakt – dieser Teil der Arbeit wird einem komplett abgenommen.

Ich kann mich also ganz auf meine Illustration und das Marketing für meinen Shop konzentrieren, das ist wirklich toll!

Ich verkaufe einige Produkte und es ist ein wunderbares Gefühl eigene Illustrationen auf Sticker, Tassen, T-Shirts oder Taschen gedruckt zu verkaufen.

Ich freue mich riesig darüber, wenn jemand etwas über den Shop kauft, auch wenn es nur ein kleiner Sticker sein sollte.

Ich kann nur sagen, dass ich absolut begeistert bin von Redbubble und es jedem Künstler empfehlen kann. Natürlich muss man seinen Shop den Leuten zeigen. Ihn aktiv bewerben, damit man zwischen all den tollen Künstlern sichtbar wird.

Wie kommst Du sonst an Aufträge?

Bisher kamen Kunden über Facebook oder meine Website auf mich zu.

Allerdings habe ich in den letzten Monaten beschlossen, dass ich keine neuen Aufträge mehr suchen oder annehmen möchte. Ich habe einen Stammkunden für den ich T-Shirts designe und kümmere mich sonst komplett um meine eigenen Produkte. Ich habe für mich einfach festgestellt, dass ich am glücklichsten bin, wenn ich meine eigenen Ideen umsetzen kann.

Du bist in Social Media sehr umtriebig und probierst viel aus – sehr gut! ? Mal ein Blog auf Tumblr, mal einer auf Blogger, ein Instagram-Profil, eine Facebook-Seite… Wie wichtig ist die Darstellung für Dich als selbstständige Illustratorin in den sozialen Netzwerken? Gibt es Learnings, die Du entlang Deines Weges gemacht hast?

Ohje, ja… ich habe mir vorgenommen meine ganzen Seiten zu überarbeiten. Da ist bestimmt einiges nicht mehr ganz aktuell.

Bisher war ich hauptsächlich auf Facebook aktiv. In letzter Zeit habe ich mich auf Instagram fokussiert, da ich damit eine höhere Reichweite habe und einfacher neue Fans hinzukommen. Ich liebe Instagram.

Die Darstellung in den sozialen Netzwerken ist unglaublich wichtig.

Das habe ich lange nicht verstanden. Anfangs habe ich hin und wieder mal etwas gepostet und mich dann gewundert dass niemand etwas kauft. Wie denn auch, wenn niemand einen sehen kann?

Man muss definitiv sichtbar sein in den Social Media Kanälen und dort sehr viel Content bringen, damit die Fans sich auch weiterhin für Dich interessieren und weiterhin Deine Kunst verfolgen und kaufen wollen.

 

Wie geht es für Dich weiter?

Ich kann nur grob sagen wie es weitergeht. Ich habe soviel Ideen und Pläne die ich gerne umsetzen würde. Seit Jahren plane ich ein Kinderbuch; wollte ein Malbuch herausbringen, solche Dinge.

Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten. Das ist wunderschön, manchmal aber auch etwas überfordernd.

In erster Linie möchte ich mich nun auf meinen Shop konzentrieren, neue Illustrationen gestalten, neue Produkte entwerfen. Ich möchte mehr über Social Media lernen und meine Zeichenfähigkeiten verbessern.

Es kommen dauernd Dinge dazu; es fallen Dinge weg. Es ist oft schwer für mich Prioritäten zu setze. Aber ich glaube so langsam, das ist so ein Künstler Problem. Daher fühle ich mich damit auch nicht so alleine.

Wir werden ja sehen, wo das alles hinführt.

Ich danke dir nochmal ganz herzlich dafür, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, hier ein bisschen über meine Arbeit zu quatschen 🙂

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