„In 8h Nachtdienst, in denen ich 4 Frauen betreue, verdiene ich 120€ brutto. Das macht pro Frau 30€.“ – Esther Howoldt, freiberufliche Hebamme

Esther Howoldt

Als ich vor wenigen Wochen bei meiner Familie zu Besuch war, stand ich vor dem Bücherregal meiner Mutter auf der Suche nach einer Lektüre, die mir das Wochenende versüßen könnte. Nach sorgfältigem Scannen der Bücherreihen, sprang mir ein Titel in die Augen der Unterhaltung versprach.

„Von Windeln verweht“ von Esther Howoldt. Hierbei handelte es sich allerdings nicht, um eine fiktive Geschichte, wie ich im ersten Moment annahm, sondern um die Schilderungen einer freiberuflichen Hebamme.

Ich verschlag das Buch in zwei Tagen und war danach so begeistert, dass ich Esther eine E-Mail schrieb und sie um ein Interview bat.

Liebe Esther, ich bin durch Dein Buch “Von Windeln verweht”* auf Dich aufmerksam geworden, in dem Du aus Deinem Leben als Hebamme berichtest. Lass uns, bevor zu Deinem Beruf kommen, darüber sprechen. Wie bist Du auf die Idee gekommen ein Buch zu schreiben?

Es war schon immer mein Wunsch ein Buch über meine Arbeit zu schreiben. Eigentlich wollte ich eher einen Ratgeber schreiben. Aber nicht so staubtrocken, wie die, die auf dem Markt sind, sondern mit Selbstironie und vielen Bildern und vielen praktischen Tipps. Dann kam aber der Zufall hinzu.

Ich betreute Sonya Kraus – wir kannten uns noch aus der Schule – und die wiederum hatte mit einer Dame zu tun, die gerade die Aufgabe hatte, eine Hebamme zu suchen, die mit ihr ein Buch über ihre Arbeit schreiben würde. Lustige und traurige Geschichten aus dem Alltag einer Hebamme. Und so kam es zu dem Buch.

War jetzt nicht das, was ich eigentlich schreiben wollte, aber es hat Spaß gemacht und ein wenig Stolz.

Es ist ja nicht so, als ob Du durch Deinen Beruf und die Versorgung Deiner Familie nicht schon genug um die Ohren gehabt hättest, warum hast Du Dir zusätzlich das Schreiben des Buches “angetan”? Und – eine noch spannendere Frage – wie hast Du es bewerkstelligt?

Ich bin als Alleinerziehende wirklich mehr als ausgelastet. Das stimmt.

Das Buch habe ich am Abend geschrieben. Statt selbst ein Buch zu lesen oder fernzusehen habe ich geschrieben – zwischen 22 Uhr und 1 Uhr. Hat ein paar Monate gedauert, aber irgendwann war es geschafft.

Ich hätte auch lieber – wie in Filmen – gerne 3 Monate an einer Steilküste in einer kleinen Kate gehaust und auf meiner 40 Jahre alten Schreibmaschine herumgehackt, während ich literweise Tee trinke und mich von der herrlichen Einsamkeit inspirieren lasse! War leider nicht so.

Solche Dinge haben leider selten etwas mit Romantik zu tun. Sondern mit Willen und der Motivation, sich selbst und seinem Umfeld zu beweisen, dass mehr in frau steckt, als mit Steuerklasse 2 zu überleben und die Kinder gescheit durch die Schule zu bekommen.

Du bist seit 15 Jahren freiberufliche Hebamme. Was hat Dich dazu bewogen diesen beruflichen Weg einzuschlagen?

Ich wollte etwas für Frauen tun. Und während ich das schreibe, kommen mir fast die Tränen, weil genau das immer schwerer wird. Die Frau hat in den letzten 10 Jahren mehr an Integrität, Identität und Stellung verloren, als sie es sich in den paar lumpigen Jahrzehnten, in denen Frau sich gleichberechtigt nennen darf, erworben hat.

Wir sind gerade dabei, das Wichtigste zu verlieren, das wir Frauen verlieren können, das uns ausmacht (nicht ausschließlich natürlich)– unsere Kinder!

Das, was als das Selbstverständlichste in unserer Welt galt, was diese (westliche) Welt und Kultur prägt, das sind wir gerade dabei, zu verlieren.

Wir verlieren unsere Kinder und die Kinder verlieren die Selbstverständlichkeit, dass die Mütter für sie da sind. Wer einmal im Kreisssaal war und miterlebt hat, wie ein Säugling nach der Geburt der Mutter in die Arme gereicht wird, und wie die Mutter ihr Kind in die Arme schließt und ihm wortlos zu verstehen gibt, dass es in dieser Welt nie alleine sein wird, weil sie es immer beschützen wird, das geben wir gerade auf.

Die Mütter in diesem Land und auch unseren Nachbarländern verlieren immer mehr Rechte an ihren Kindern. Immer mehr Väter gehen vor Gericht, und immer mehr Väter bekommen die Kinder zugesprochen oder die Kinder werden in Wechselmodelle gezwungen, ohne Heimat. Wir verhandeln seit Jahren die Rechte der Väter und übersehen das Leid der Kinder und der Frauen.

Die gesellschaftlichen Folgen mal ganz unabhängig dabei betrachtet, macht mich das allein aus mütterlicher Sicht, als Frau wütend und unendlich traurig.

Die Frau ist schwanger, sie stillt, ihr Körper nimmt Schaden in der Schwangerschaft. Und während der Geburt. Sie führt den Kampf für das Leben. Und am Ende heißt es, wir haben hier 2 Eltern. Keinen Vater, keine Mutter mehr. Nein! 2 Eltern. Gleichberechtigt.

Was in Gottes Namen ist am Kinder austragen und gebären gleichberechtigt? Es gibt nun mal Männer und Frauen, Väter und Mütter. Jeder sollte für eigenen Werte stehen, ansonsten könnten wir auch alle als Zwitter auf die Welt kommen.

Aber nein, es geht wieder einmal um die Männer. Es ging über 10 Tausende von Jahren immer nur um die Männer. Männer und Söhne.

Frauen waren unmündig, Abschaum, dafür da, um zu Kochen, die Beine breit zu machen und die Stiefel zu putzen. Frauen durften kein Fahrrad fahren. Frauen durften bis in die 70-er Jahre nicht arbeiten gehen, wenn der Ehemann es nicht erlaubt hat. Wie lange ist das jetzt her? 40 Jahre?

Ging es tatsächlich mal 40 Jahre eher um die Stellung der Frau in der Gesellschaft, und nicht nur um den Mann?

Väter klagen ihr Recht als Väter ein! Na prima! Sie dürfen jetzt die Vaterschaft einklagen. Deutschland war eines der letzten Matriarchate auf unserer Erde. Vorbei!

Das, wofür unsere Mütter in den 70-ern noch auf die Strasse gegangen sind, treten wir heute mit Füssen. Wir finden es toll, wenn Väter für ihre Kinder vors Gericht gehen. Das ist gerade in Mode. Und jedem wird scheinbar Beifall geklatscht. „Seien Sie doch froh, dass der Vater es haben will, wie viele wollen nicht!“ Alles klar. Was bin ich? Eine Legehenne?

Soll ich noch ne Schachtel Pralinen dazu geben? Und, würden wir hier auch vor Gericht sein, wenn das Kind ein Down-Syndrom hätte? Wie viele Väter kämpfen um ein behindertes Kind? Hat da mal jemand drüber nachgedacht?

Väter können Jahre weg bleiben. Schreiben sie dann ’ne Karte zu Weihnachten, ist das gesamte Umfeld gleich verzückt.

Frauen können sich für ihre Kinder Jahre aufopfern, aber wenn sie mal ein Wochenende für sich wollen, dann sind es Rabenmütter!

Kommt einem das irgendwie bekannt vor? Gleichberechtigt? Ich könnte kotzen!

Die Väter von heute wollen auf einmal wieder Söhne, die Kinder heissen natürlich wie die Väter, nicht wie die Mütter. Warum? Meins, meins!

Und die Frau gibt nach.

Warum?

Sie will keinen Streit. Sie will gefallen.

Der 1. Schritt in die Vergangenheit. Der 1. große Fehler.

Heißen die Kinder erst einmal wie der Vater, dann stehen die Chancen vor Gericht noch schlechter. Ich stelle mir seit einiger Zeit die Frage, wann der 1. Fall publik wird, wo ein Vater schon vor Geburt das alleinige Sorgerecht einklagt und der Mutter das Kind zwischen den Beinen weg geklaut wird.

Ich höre jetzt lieber auf.

Aber genau darum wollte ich Hebamme werden: Ich wollte etwas für uns tun. Und beobachte, dass ich leider nur ein ganz kleines Licht bin, und die Welt sich unaufhörlich weiter zu Gunsten der Männer und Väter verändert.

Um Hebamme zu werden, musstest Du eine Ausbildung absolvieren. Wie lange dauerte diese und welche Lehrinhalte hattest Du zu absolvieren?

3 Jahre. Da war von Geburtshilfe, Anatomie, Physik, Mikrobiologie, Chemie, Krankenpflege, Pädiatrie bis zu Einsätzen auf der chirurgischen Station und im Kinderzimmer, der Frühchenstation und der gynäkologischen Krebsstation alles dabei.

Du führst gemeinsam mit Eva Glave eine Hebammenpraxis in Frankfurt. Wie kam es zur Eröffnung Eurer Praxis?

Eva fragte mich im Kreisssaal des Marinekrankenhauses, in dem wir beide als Beleghebammen arbeiteten, ob wir uns nicht zusammen tun wollten. Dann könnten wir uns die Rufbereitschaft teilen und stünden nur die Hälfte des Jahres auf Abruf. Eine verlockende Idee, die ich sogleich aufnahm und wir machten Nägel mit Köpfen.

Des weiteren seid Ihr Inhaberinnen eines Hebammenladens, in dem man alles bekommt, was man für den gelungenen Start mit einem Baby braucht. Auch hier die Fragen: Wie seid Ihr darauf gekommen einen Laden zu eröffnen?

Das war ich.

Mir war schon bei meinen eigenen Kindern aufgefallen, das es schwer ist, gute Kleidung zu bekommen. Bio-(Waldorf)-Klamotten waren eben so, wie der Name schon sagte, und ansonsten gab es auf dem Markt diese klassischen Designerläden. Und die haben mich schon immer abgestoßen.

Aber sie sind mehr denn je Kinder dieser Zeit: Präsentieren, angeben. Der Säugling als Show-Objekt.

Das hat mich angewidert, und so beschloss ich, einen Laden zu eröffnen, in dem es biologisch zertifizierte Kleidung gibt, die nicht (nur) nach Waldorf aussieht, aber auch nicht überdesignt ist. Schlicht, zeitlos, das Kind in den Vordergrund stellend, nicht die Klamotte.

Wer kümmert sich um den Laden? Bleibt Euch neben Eurer Hebammentätigkeit Zeit selbst im Have Babies zu stehen? Wohl kaum, oder?

Den Laden wuppen wir zu 4.

Eva und ich also Haupteigentümer, meine Schwester als Miteigentümerin und eine Angestellte. Das klappt ganz gut.

Immer wieder steht Dein Berufsstand in den Schlagzeilen. Oft geht es um den Mangel an Hebammen aufgrund prekären Arbeitsbedingungen. Auf aerztezeitung.de heißt es: „Überlastung und hohe Haftungsrisiken führen heute in Deutschland zu teils schwierigen Arbeitsbedingungen für Hebammen.“ Wie schlimm ist es?

Sehr schlimm.

Ein Beispiel: Ich gehe abends mit meinem Hund in die Notfallsprechstunde. Nur durch das Betreten der Türe nach 22 Uhr sind 42 Euro fällig. Da hat mir noch kein Arzt die Hand geschüttelt. Nach endlosen Wartezeiten und zwischendurch max. 7 Minuten Arztkontakt werde ich final 130 Euro los.

Wenn ich einen Nachtdienst im Kreisssaal mache, und betreue in der Nacht ca. 4 Frauen, von denen ich 2-3 entbinde, dann verdiene ich in den 8 Stunden ca. 120 Euro brutto. Das mach pro Frau pro Entbindung 30 Euro.

30 Euro dafür, ein Menschenleben auf die Welt zu holen, die Verantwortung für seinen gesunden Start zu tragen, die Mutter möglichst verletzungsfrei zu entbinden etc.

WAS IST DAS FÜR EINE WELT???

Die Frustration und die Unzufriedenheit unserer Berufsgruppe ist mehr als begründet und nachzuvollziehen.

Und das ist nur die Situation in der Klinik.

Als Freiberufler wird uns aus politischer Hinsicht der Gar aus gemacht. Es wird bald keine individuell betreuten Geburten mehr geben. Warum? Nimm die Hebamme aus der Gesellschaft. Was bleibt? Eine (Arzt)hörige Gesellschaft, unfähig, eigene Entscheidungen zu treffen, ohne Rückhalt für die eigenen Intuition und Bauchgefühl.

Ergebnis: noch leichter zu lenkende und manipulierende Bevölkerung.

Ohne Intuition, ohne Feinsinn. Es lebe der Stumpfsinn! Hurra!

Haftungsrisiko – ein gutes Stichwort für meine nächste Frage. Zur Ausübung Deines Berufs benötigst Du eine Berufshaftpflichtversicherung. Warum ist die so wichtig und vor welche (finanziellen) Herausforderungen stellt Dich deren Abschluss?

Wir leben in einer Welt, in der es immer Schuldige geben muss und in der wir nie die Verantwortung tragen. Also müssen Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten, sich immer absichern, falls Klagen kommen.

Beispiel: Ein Paar kommt in die Klinik und legt uns einen Geburtsplan bei. Dies wollen sie nicht… das nicht und das schon gar nicht … und wehe wir würden jenes oder solches tun.

Was denke ich da als Geburtshelfer? Dann geh doch in den Wald und kriege Dein Kind da!

Aber nein, denn im Wald habe ich ja niemanden, der mir die Verantwortung für mein Kind abnimmt.

Und genau da liegt das Problem! Wir hatten kürzlich ein Paar, das wollte im Prinzip keinerlei Einmischung.

Auch eine Blutentnahme durch den Arzt am kindlichen Kopf sub partu lehnten sie ab. So natürlich wie möglich und auf keinen Fall einen Kaiserschnitt. Das Kind kam letztendlich per Vakuum auf die Welt. Hatte einen ganz schön geschwollenen Kopf, was nicht selten ist, war aber ansonsten fit.

Was taten die Eltern Wochen später?

Haben die Klinik auf Grund der starken Schwellung am Kopf verklagt. Nur für den Fall, dass später mal irgendwas nicht so läuft mit dem Kind, wie sie es sich vorstellen.

Als ich das hörte, wäre ich am liebsten hin, und hätte denen links und rechts eine runter gehauen. Aber so sind die Menschen.

Die Haftpflichtversicherung ohne Geburtshilfe kostet ca. 600 Euro im Jahr. Mit Geburtshilfe um die 6000.

Und das Eis wird immer dünner, da es kaum mehr Versicherungen gibt.

Die Klagen unzufriedener Eltern hören nicht auf. Das ist eine Spirale ohne Ende.

Und das Absurdeste dabei: am Teuersten ist die Beleggeburt, obwohl sie mit Abstand die Sicherste ist.

Warum?

Bei einer Beleggeburt entbinde ich in der Klinik, mit allen Absicherungen rund herum, habe aber meine persönliche Hebamme, die nur für mich da ist.

Sicherer geht es nicht.

Trotzdem wird die Beleghebamme höher veranschlagt, als die Hausgeburtshebammen. Ausserdem bekommt die Beleghebamme deutlich weniger gezahlt, als die Hausgeburtshebamme. Ein Unrecht sonders gleichen!

Welche Ausgaben hast Du als freiberufliche Hebamme?

Krankenversicherung (privat: ca. 400 Euro im Monat; gesetzlich: deutlich mehr), BGW, zusätzliche private Rentenversicherung oder LV, Mitgliedschaft in einem der Hebammenverbände, Heb rech( unser Abrechnungssystem)

Bei den ganzen Kosten die Du zu tragen hast, stellst sich mir die Frage, wie viel am Ende für Dich übrig bleibt?

Ich muss im Monat ca. 6000 Euro umsetzen, um am Ende über die Runden zu kommen. Dabei sind 3.500 Euro Fixkosten, da war ich noch nicht einkaufen o. Ä.

Du bist Mutter von vier Kindern – 2 Jungs, 2 Mädchen. Die beiden Jüngsten gehen noch zur Schule. Wie meisterst Du den Alltag mit ihnen?

Ist nicht leicht. Aber Dank der lieben Politiker, die uns Alleinerziehenden besteuern wie einen Single, bleibt uns ja nichts anderes übrig, als zu Arbeiten, wie auch immer es geht.

Alternative: Harz 4.

Ich arbeite im Schnitt 55 Stunden die Woche. Teils noch mehr.

Wann immer meine Jüngste bei ihrem Vater ist, baller ich mich zu mit Arbeit. An einem Wochenende komme ich dann gerne mal auf 40 Stunden Arbeitszeit.

  • Freitag: 08.15-10.00 Uhr Hausbesuche. 10.00-18.30 Uhr Laden. 19.00-22.00 Uhr Kurs. 22.00-06.00 Uhr Nachtdienst.
  • Samstag: 10.00-14.30 Uhr Laden. 15.00-21.00 Uhr Kurs. 21.00-22.00 Uhr Hausbesuch.
  • Sonntag: 10.00-15.00 Uhr Kurs. 16.00-19.00 Uhr anderer Kurs.Dafür bin ich, wenn meine Jüngste Schule hat, bis spätestens 15 Uhr, oft auch 13 Uhr, fertig. Anders geht es nicht.

In Deinem Buch war zu lesen, dass es ab und zu vorkam, dass Deine Kinder mit ins Krankenhaus kommen mussten, wenn z. B. niemand da war, um auf sie aufzupassen, wenn sich eine Geburt plötzlich ankündigte. Wie schwierig waren diese Zeiten für Dich?

Sauschwer.

Du hoffst ständig, das die Frauen erst entbinden, wenn das Kind wieder beim Vater ist. Daher habe ich auch irgendwann keine Beleggeburten mehr gemacht.

Ich habe sie zum Glück nur ein Mal mitnehmen müssen, das war frühmorgens und der Kindergarten, der ums Eck war, öffnete 2 Stunden später, sonst hätte ich das auch nicht gemacht.

Ansonsten war ich straff organisiert mit Babysitter-Agentur oder meine Schwester ist im Notfall eingesprungen.

Auf Eurer Website steht geschrieben: “Es ist kurz vor 12! Hebammenarbeit ist bedroht” Und: Eine Bekannte von mir hat kürzlich einen Brandbrief zur Situation in der Bundesrepublik Deutschland geschrieben. Was muss sich ändern, damit es Hebammen hierzulande wieder besser geht – und sich auch wieder mehr Menschen für den Beruf entscheiden?

Zu allererst muss die Hebamme politisch – also auch wirtschaftlich – gewollt sein. Und da sehe ich ehrlich schwarz. Wir sind allen, die Macht ausüben, ein Dorn im Auge. Erklärt habe ich es oben schon.

Zum Zweiten müssten die Menschen wieder bereit sein, Eigenverantwortung zu übernehmen. Aber auch das sehe ich nicht.

Und zum Dritten müsste die Arbeit dann auch noch in dem Rahmen bezahlt werden, was sie gesellschaftlich Wert ist. Und da man uns ja eh nicht haben will, warum sollte man uns also besser bezahlen?

Möchtest Du den Leser_Innen abschließend noch irgendwas mitgeben? Einen Aspekt, den ich bei meinen vorhergehenden Fragen nicht berücksichtigt habe, der aber wichtig ist, wenn man sich für die Selbstständigkeit als Hebamme entscheidet?

Selbständigkeit ist in meinen Augen immer gut! Ob als Hebamme oder als Designerin oder als Reinigungskraft. Ich möchte alle Frauen ermutigen, sich selbständig zu machen, aber auch zu kämpfen, und zwar nicht gegeneinander, sondern miteinander. Das ist meiner Meinung nach ein großes Defizit, das wir Frauen gegenüber den Männern haben. Wir sind zu unsolidarisch.

Wir hacken uns gegenseitig die Augen aus, anstatt uns gegenseitig zu unterstützen. Wir wollen selbständig sein, legen aber unser Leben immer wieder in der Hinsicht aus, dass wir den Männern gefallen wollen, und werden somit wieder zu Konkurrentinnen. Das macht uns schwach.

Dass wir Frauen endlich mal dahin kommen, uns zu gefallen und dahin zu arbeiten, als um Anerkennung in der Männerwelt zu buhlen. Das wäre für mich Fortschritt!

Liebe Esther, ich danke Dir sehr, dass Du für das Interview zur Verfügung gestanden hast!

Euch, liebe Leser_Innen, möchte ich ans Herz legen auf jeden Fall in “Von Windeln verweht”* reinzuschauen.

Keine Angst, es werden Euch keine Horror-Stories aus dem Kreißsaal erwarten. Gut, Esther berichtet in ihrem Buch auch von unerwarteten Kaiserschnitten, Komplikationen bei der Geburt und einer Totgeburt. Allerdings beschreibt sie diese mit viel Respekt.

Durch ihre Schilderungen werde ich nun sicher entspannter mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt umgehen – wenn es denn in der Zukunft mal irgendwann soweit ist. Esther hat definitiv für Aufklärung gesorgt – und für große Anerkennung meinerseits gegenüber dem Berufsstand der Hebammen.

Noch mehr lernen, könnt Ihr von weiteren selbstständigen Frauen. Viele Interviews und Stories haben wir auf Pinterest zusammengetragen. Schaut doch mal vorbei!

*Noch ein kleiner Hinweis: Unsere Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalten wir eine kleine Provision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen