„Reisen bedeutet für mich Freiheit, Glück & einzigartige Momente“ – Digital Nomadin Nadine Schlüter

Nadine Schlüter

Anfang Mai war ich zum ersten Mal auf der DNX, der Konferenz für Digital Nomaden, in Berlin. Während mich der ersten Konferenztag leider nicht überzeugte – viele Talks blieben oberflächlich und ohne Mehrwert und die Speakerinnenquote war quasi nicht vorhanden (nur 1 Frau auf der Bühne!) –, schafften es kleine Gimmicks, meinen Besuch in der Hauptstadt nicht als verlorene Zeit anzusehen.

So gab es z. B. ein Schwarzes Brett auf dem jeder anpinnen konnte was er wollte. Man konnte dort Werbung für sein Business machen, seine Dienste anbieten oder Gesuche aufgeben. Dort entdeckte ich einen Zettel von Nadine Schlüter. Nadine hat den Blog „Womasia“ ins Leben gerufen. Wenn ich mich recht erinnere, suchte sie damals nach anderen gleichgesinnten Digital Nomaden.

Ich bin zwar keine Digital Nomadin, fühlte mich aber direkt von ihrem Gesuch angesprochen und klickte mich zu ihrem Blog durch. Er gefällt mir gut, weshalb ich Nadine um ein Interview gebeten habe, um mehr über „Womasia“ und sie selbst zu erfahren.

Übrigens: Der zweite Konferenztag der DNX hat mir besser gefallen. Es gab Workshops, bei denen ich was mitnehmen konnte. Am Sonntag waren auch mehr Frauen vertreten, z. B. Anita Vetter. Erinnert Ihr Euch? Anita ist diejenige, die in einem unserer Interviews sagte: „Selbstständigkeit? Das kann ich auch!“ 🙂

Im nächsten Jahr wird es die Digitale Nomaden Konferenz wieder in Berlin geben. Sie wird Ende Mai stattfinden. Wenn ich mir das Programm so anschaue, ist die Frauenquote am ersten Konferenztag wieder unterirdisch. Falls Ihr dennoch Interesse habt Euch die DNX anzuschauen, findet Ihr hier mehr Informationen.

Genug der Vorrede, auf ins Interview mit Nadine!

Liebe Nadine, Du bist Autorin des Blogs “Womasia” mit dem Du, wie man auf Deiner Über-mich-Seite nachlesen kann, Frauen inspirieren möchtest, ihren Rucksack zu schnappen und auch mal alleine nach Asien zu reisen. Warum Asien? Woher kommt Deine Liebe für den asiatischen Kontinent?

Viele asiatische Länder haben für mich einen ganz besonderen Zauber. Mich begeistern die Naturgewalten wie zum Beispiel riesige Vulkane, Wasserfälle, saftig grüne Reisfelder etc. und die faszinierenden unterschiedlichen Kulturen, die sich sehr von unserer europäischen unterscheiden.

Selten habe ich so viele freundliche Menschen in meinem Leben getroffen wie in Asien. Ihr Lächeln und ihre Hilfsbereitschaft sind oft überwältigend.

Hinzu kommt das leckere Essen, dass kulinarisch so viel zu bieten hat. In vielen asiatischen Ländern kann man außerdem günstig reisen, essen und übernachten. So ist es möglich, das ganze Land zu bereisen und sich ein Gesamtbild zu machen.

Ein weiterer Aspekt ist die Möglichkeit, als Frau alleine relativ sicher zu reisen. Das ist besonders in Südostasien möglich. Am Ende ist es die Mischung der fremdartigen faszinierenden Kulturen, der Möglichkeit der Alleinreise als Frau, die wunderschöne Natur und die tollen Menschen.

“Ich habe bereits einige Monate auf Bali gelebt, reiste bereits durch viele Länder Asiens”, schreibst Du auf Deinem Blog. Gibt es ein Land, das es Dir besonders angetan hat? Wenn ja, warum?

Bali hat auf jeden Fall mein Herz ein Stück bei sich behalten, so dass ich ganz klar Indonesien zu meinen absoluten Favoriten der asiatischen Länder zählen kann. Alleine Bali ist eine Reise wert, doch auch die zahlreichen anderen Inseln sind wahnsinnig faszinierend und viele davon noch wenig touristisch.

In Indonesien kann man so vieles erleben, wobei die Natur mich am meisten in den Bann gezogen hat. Die Strände, die traumhaften Sonnenuntergänge, die Unterwasserwelt, traumhafte Wasserfälle, Reisfelder und zum Teil aktive Vulkane sind atemberaubend schön. Indonesien hat so vieles zu bieten und mit über 17.000 Inseln, braucht man schon einige Zeit um nur einen Teil davon sehen zu können.

Ende 2014 hattest Du in Malaysia einen schlimmen Unfall, der dazu führte das Du zwei Monate im Krankenhaus bleiben musstest. Schrecklich! Aber dieser Schicksalsschlag führte zur Gründung von Womasia. Kannst Du uns schildern, was damals in Dir vor ging und warum Du das Bedürfnis hattest einen Blog zu starten? Du schreibst auf Deinem Blog, dass der Unfall dazu geführt hat, dass Du Deinem Leben eine neue Struktur gegeben hast und fortan andere berufliche Wege einschlagen möchtest als bisher. Was hast Du bis zu dem Unfall beruflich gemacht und womit verdienst Du heute Dein Geld?

Im Dezember 2014 bin ich in Malaysia von einem Roller gestürzt und habe mir viele tiefe Verletzungen und einen Schulterbruch zugeführt. Ich wurde bereits in Malaysia einmal operiert und in Deutschland weitere fünf mal aufgrund einer Infektion. Das war die schmerzhafteste und schlimmste Zeit in meinem Leben. Doch während der zwei Monate im Krankenhaus habe ich sehr viel Zeit gehabt, über mein Leben nachzudenken, über den Sinn des Lebens und mich zu fragen, was mich überhaupt glücklich macht.

Ich dachte zwischendurch aufgrund einer Blutwertverschlechterung, dass ich das Krankenhaus nicht mehr lebend verlassen werde. Ich wollte doch noch so viel Schönes erleben und so viel Schönes sehen von der Welt.

Unsere Erde ist einzigartig und mit ihr die Natur, die Tiere und die vielen unterschiedlichen Kulturen der Menschen. Bereits im Krankenhaus stand für mich fest, dass Reisen weiterhin ganz oben auf meiner Liste stehen wird. Es macht mich so unglaublich glücklich, neue Orte zu bereisen, fremde Kulturen kennenzulernen und ich liebe einfach das Meer und die Sonne.

Außerdem mag ich es mittlerweile minimalistischer zu leben und mich emotional nicht an materielle Dinge zu binden. Ich bin zufrieden mit Kleinigkeiten, mit tollen Menschen um mich herum, mit schönen Momenten und lebe nach meinem Motto “Tu langfristig nur die Dinge, die dir gut tun. Alles andere macht einen nicht glücklich und ist damit ohne Sinn in unserem kurzen Dasein.”

Der Blog Womasia entstand erst einige Zeit später. Der Weg dorthin führte mich, weil ich einen Weg suchte, Reisen und Arbeiten verbinden zu können. Mein Ziel ist es seit einigen Monaten langfristig vom Laptop arbeiten zu können und der Blog entstand aus einer Leidenschaft über andere Kulturen zu schreiben und anderen Menschen einen Mehrwert bieten zu können.

Der Blog war für mich eine Möglichkeit in die digitale Nomadenszene einzutauchen, andere Blogger und Nomaden kennenzulernen und mich mit dem Online Business näher zu befassen. Mittlerweile habe ich viele weitere Ideen, online Geld zu verdienen und möchte gerne mein bisheriges Wissen vertiefen und ausbauen.

Ob der Blog in Zukunft die Möglichkeit bietet, Geld zu verdienen ist noch unsicher, aber als Beginn in die digitale Nomadenszene ist das Wichtigste einfach mal etwas Neues zu machen und sich auszuprobieren.

Würdest Du Dich selbst als digitale Nomadin bezeichnen?

Da ich mich momentan auf dem Weg dorthin befinde, digitale Nomadin zu werden, würde ich mich als angehende digitale Nomadin bezeichnen. 🙂 Es ist ein spannender Weg aber auch nicht immer so leicht, denn von einigen Dingen wird man sich trennen müssen und damit meine ich nicht nur materielle Dinge. Letztendlich sollte man jedoch seinem Herzen folgen. Nichts zu bereuen im Leben ist mir sehr wichtig und dafür gehört es für mich dazu, seine Träume zu verwirklichen.

Auf Deinem Blog verrätst Du Frauen Tipps und Tricks, die ihre Asienreise unvergesslich machen. Verrate uns an dieser Stelle doch bitte auch ein oder zwei! 🙂

Unvergesslich wird eine Reise zum Beispiel durch die tollen Menschen, die man kennen lernt und die schönen Momente. Auf einer Trekking- oder Dschungeltour, einer Berg- oder Vulkanbesteigung zum Beispiel trifft man tolle Menschen und erlebt zusammen schöne Momente wie zum Beispiel einen traumhaften Sonnenaufgang oder sieht wie ich auf Borneo das erste Mal freilebende Elefanten. Ein absolut Gänsehautmoment für mich, den ich mit ganz tollen Menschen teilen durfte.

Als weiteren Tipp kann ich nur empfehlen, sich auf die Kultur einzulassen, zum Beispiel die Kleidung anzupassen und einige Wörter der Landessprache zu können. Wie dankbar und herzlich die Menschen reagieren, wenn man ihre Kultur schätzt und ehrt ist unbezahlbar. Gegenüber Frauen sind viele unglaublich herzlich und finden es sehr spannend und mutig, wenn sie alleinreisende Frauen kennen lernen. Manchmal können sie es kaum glauben:)

Ich war im Herbst alleine auf einer Wanderung unterwegs und habe mich manchmal ziemlich einsam gefühlt. Da Du selbst gerne reist, auch allein, und zum Alleinreisen ermutigst, hast Du sicher auch ein Rezept gegen Einsamkeit. Oder?

Die Frage ist ja immer, möchte man gerne einmal alleine sein oder nicht. Wenn man nicht gern alleine ist, dann würde ich empfehlen, mit jemandem zusammen bspw. eine Wanderung zu machen. Übernachtet man zum Beispiel in einem Hostel (dort sind ja auch oft Einzelzimmer möglich, falls man keinen Dorm mag) und fragt einfach andere, was sie so unternehmen. Viele Reisende gehen schließlich ins Hostel um Leute kennenzulernen.

Eine andere Möglichkeit ist es, wirklich einmal alleine eine Wanderung oder einen Ausflug zu machen. Es kann sehr spannend sein, die Erfahrung zu machen und mit der Einsamkeit konfrontiert zu werden. Ich selbst war ganz selten richtig alleine auf Reisen, wenn doch habe ich diese Zeit unglaublich genossen. Schön ist es, sich die Schönheit der Natur ganz bewusst zu machen und zu versuchen alles um sich herum ganz intensiv wahrzunehmen. Wenn man nicht alleine ist, schaltet man alleine durch die Unterhaltung einige Dinge aus.

Was ist das Schönste für Dich am Reisen?

Auf Reisen stelle ich jedes Mal fest, wie unfassbar schön unsere Erde ist und bin verzaubert von der einzigartigen Natur. In unserer kurzen Lebenszeit möchte ich deshalb so viele Orte sehen, wie möglich und viele verschiedenen Kulturen kennenlernen. Reisen bedeutet für mich Freiheit, Glück und einzigartige Momente.

Nochmal zurück zu Deinem Blog: Ist es eigentlich Deine Absicht mit Womasia Geld zu verdienen oder tust Du es vielleicht schon? Wenn ja, wie hast Du das angestellt?

Mein Blog wurde dieses Jahr im Mai gelauncht. Ich verdiene also noch kein Geld damit. Es wäre schön, wenn das in Zukunft möglich wäre aber ich bin auch realistisch und weiß, dass es mittlerweile eine große Herausforderung ist als Reiseblogger Geld zu verdienen. Es kann sehr lange dauern, bis das möglich ist. Bisher mache ich es als Hobby und nutze meine Erfahrung für weitere spannende Projekte.

Woher wusstest Du was es zum Start eines Blogs braucht? Hattest Du Hilfe oder hast Dir alles Wissenswerte autodidaktisch beigebracht und dann auch umgesetzt?
Wo soll es für Womasia hingehen? Was ist Deine Vision für Deinen Blog?

Wie auch auf meiner Webseite empfohlen, kann ich jedem angehenden Blogger das Blogcamp von Conni und Sebastian nur ans Herz legen. Zum Start fand ich es extrem hilfreich, dort erzählt und direkt gezeigt zu bekommen, wie ich ohne Vorkenntnisse eine Webseite gestalte und was alles zu beachten ist.

Ich habe bei vielen Dingen auch YouTube genutzt und mir alles immer direkt zeigen lassen.

Mein Blog Womasia ist natürlich mein erstes eigenes Baby, das ich weiterhin erstmal pflegen werde. Meine Vision ist es, mich auch sozial einsetzen zu können für Frauen in Asien. Dazu möchte ich Anfang nächstes Jahr wieder nach Asien reisen und ein geeignetes Projekt finden. Dazu mehr, wenn es soweit ist. 🙂

Gestatte mir noch eine Frage: Es klang eben schon an, Du bist sozial sehr. Welche sozialen Projekte unterstützt Du? Erzähle uns abschließend bitte mehr!

Ja das stimmt, ich finde es schön, mich sozial zu engagieren. Ich sehe es als Privileg an, in Deutschland geboren zu sein und so viele Möglichkeiten zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Im Gegenzug finde ich es toll, mich für andere Menschen einzusetzen. So habe ich früher zum Beispiel Parties organisiert und den Reingewinn an verschiedene Kinderhilfswerke gespendet.

Momentan arbeite ich noch nebenbei für das Sozialunternehmen Lemonaid, welches Limonaden und Tees verkauft und damit soziale Projekte unterstützt.

Ganz aktuell unterstützte ich die Kinderhilfsorganisation World Vision als Fundraiser und sorgte zum Beispiel für die Vermittlung von Patenschaften in Entwicklungsländern.

Ihr interessiert Euch für das Thema Digitales Nomadentum? Dann schaut Doch mal auf Pinterest vorbei. Dort findet Ihr viele Informationen rund um das ortsunabhängige Arbeiten.

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