„Go where the joy is“ – Die DESIGNSTRAPS-Gründerinnen Anne Evertz und Christina Stambula im Interview

Designstraps-Gründerinnen Anne Evertz und Christina Stambula

Die Gründerinnen Anne Evertz und Christina Stambula habe ich in einem Artikel der t3n (Printausgabe Nr. 42) entdeckt. Mir war sofort klar: Die Beiden möchte ich für FF& interviewen. 🙂 Was die beiden machen und was sie über ihre Selbstständigkeit zu berichten haben, könnt Ihr in diesem Interview nachlesen.

Liebe Anne, liebe Christina, die Überschrift des t3n-Beitrages über Euch lautet “Durch Zufall zum Shop” und in einem Absatz steht geschrieben “DESIGNSTRAPS wurde nicht auf dem Reißbrett entworfen”. Bitte erzählt uns, wie ist es zur Gründung Eures Onlineshops gekommen?

Es war wirklich ein Zufall, wie alles begann…. Nach unserem Uniabschluss (wir haben uns während der Unizeit kennengelernt) habe ich mich entschieden erstmal auf Reisen zu gehen. Zur gleichen Zeit war Anne in Frankfurt und war am Überlegen ob sie ein Trainee-Programm bei einem der Big Player beginnen oder ihr eigenes Business starten soll. Sie entschied sich für eine Teilzeitstelle bei einer Werbeagentur und die restliche Zeit begann sie an verschiedenen Geschäftsideen zu arbeiten.

Durch Zufall sah sie dann einen der Capturing-Couture-Kameragurte in der InStyle und war sofort davon angezogen. Sie bestellte ein paar „camera straps“, hat sich in sie verliebt und erkannte, dass es sowas in Europa noch gar nicht gab.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Sie rief mich an, während ich noch unterwegs war und erzählte mir von den Kamerabändern. Dann fragte sie mich, ob ich mit ihr ein Unternehmen gründen wolle… und ich sagte: „Warum nicht?“

So kam ich im Februar 2011, nach fünf Monaten Weltreise durch Indien, Thailand und Vietnam zurück und wir begannen die ganze Sache.

Im Artikel heißt es weiter “Die beiden heutigen Shop-Inhaberinnen gründeten (…) im Januar 2011 ihr Unternehmen – anfangs nebenher (…)”. Wenn ich das richtige verstehe habt Ihr Euch also nebenberuflich selbstständig gemacht. Welchen anderen Tätigkeiten seid ihr zu der Zeit noch nachgegangen? Und wann kam dann die Entscheidung “Hey, wir machen das jetzt Vollzeit?”

Anne war 3 Tage die Woche in einer Frankfurter Agentur im Projektmanagement/Marketing tätig. Ich war von Anfang an Vollzeit dabei.

Die Entscheidung, dass Anne dann auch Vollzeit dazu kam war einfach damit begründet, dass es ihr einfach keinen Spaß mehr in der Agentur machte und sie auch Vollzeit mit im Boot mitwirken wollte. Zudem stiegen die Bestellungen und damit auch die Arbeit und allein war es kaum mehr zu schaffen.

Am Anfang wussten wir nicht so recht wie wir das finanziell hinkriegen würden mit uns beiden Vollzeit aber „Money asks for purpose“. Mit dem Entschluss das Anne kündigt und voll bei DESIGNSTRAPS einsteigt, stieg auch unser Umsatz fast wie von alleine und so hat es dann mit Leichtigkeit geklappt.

Ihr habt unmittelbar nach dem Studium gegründet und sagt selbst, dass ihr “relativ blind an die ganze Sache” gegangen seid. Woher wusstet Ihr, was Ihr für ein funktionierendes Business zu tun habt und was es braucht, um eine GmbH zu gründen?

Das kam so Schritt für Schritt im Gehen. Anfangs haben wir total viel im Internet recherchiert wo man was genau anmelden und tun muss für die Gründung (Gewerbeamt, Verträge, Notar, etc.). So ein allgemeines Verständnis von Rechtsformen, Kapitalbeschaffung, etc. haben wir im Studium gelernt.

Dann wurde es immer spezifischer mit Fragen wie „Welche Shopsoftware?“, „Wie importiert man Güter als Gewerbetreibender?“ etc.

Vieles kommt einfach durchs Lesen in Fachbüchern und im Internet.

Ein großer Teil kam auch durch Gespräche mit Freunden und Bekannten, die selbst schon ein Business haben und der Rest kommt dann mit dem Lauf der Dinge.

Musstet Ihr Lehrgeld zahlen? Gibt es Dinge, die Ihr heute rückblickend betrachtet anders handhaben würdet?
Ohhh ja. Das gehört glaub ich auch einfach mit dazu.

Vor allem am Anfang, wenn man sich bei Software und IT-Systemen nicht so auskennt, kann man daneben greifen. Aber das hilft. Man bekommt wieder mehr Informationen, lernt daraus und kann es beim nächsten System besser machen. Das ist ein bisschen so wie Trial and Error. Wenn man es nicht gelernt hat und als Frischling an die Sachen drangeht, muss man Einiges erstmal probieren um zu sehen, was man eigentlich braucht oder nicht braucht. Da kann man schon mal den einen oder anderen Euro „vergeben“. Aber im Nachhinein betrachtet ist es sogar die Fehlinvestition wert, weil man einfach so viel daraus gelernt hat.

Dann weiß man was man braucht und kann beim nächsten Auftrag die richtigen Fragen stellen. Wichtig ist, dass man keine Angst entwickelt die falschen Entscheidungen zu treffen. Denn mit jeder Entscheidung hat man entweder das gekriegt was man wollte oder wenn man nicht gekriegt hat was man wollte, hat man etwas daraus gelernt.

Im t3n-Artikel sagt Ihr: “Wir hatten nie wirkliche einen Businessplan, sondern das Geschäftsmodell ist organisch gewachsen.” Wie sieht Euer Geschäftsmodell heute aus?

Ziemlich ähnlich wie zu Beginn. Wir haben zwar eine Vision wo wir mit dem Business hinwollen, aber verfolgen Ziele nicht mit der Brechstange.

Wir versuchen unsere Arbeit nach dem Motto „Go where the joy is“ zu gestalten.

Denn das hat uns die Vergangenheit auch gezeigt, wenn wir mit Freude und Herz bei der Sache sind, dann ist der Erfolg meist unausweichlich.

Wenn wir uns aber Ziele setzen die wir eh nicht erreichen, weil es sich wie ein Muss anfühlt, dann demotiviert uns das und führt eher zum Gegenteil.

Ihr habt derzeit keine festen Mitarbeiter, sondern setzt projektbezogen auf einen Stamm an freien Mitarbeitern. So heißt es in der t3n. Ist das eine bewusste Entscheidung oder war es für diesen Schritt noch nicht an der Zeit?

Von Anfang an war uns wichtig, dass wir unsere Zeit und unser Leben flexibel und ortsunabhängig erleben können.
Mit Mitarbeiter braucht es meist ein Büro, Präsenzzeiten, etc.

Dagegen haben wir uns bewusst entschieden um diese völlige Freiheit trotz Business leben zu können. Das ist auch eine Vision zu der uns Tim Ferriss mit der 4-Stunden-Woche* inspiriert hat.

Es war in dem Artikel auch zu lesen, dass Ihr neben DESIGNSTRAPS noch andere Projekte betreut. Mögt Ihr verraten, um welche anderen Projekte es sich handelt?

Anne befindet sich derzeit in Elternzeit und widmet sich ihrer kleinen Tochter. Ich hingegen unterstütze z. B. meine Mutter mit ihrem Hotel, gebe Yoga-Stunden und arbeite nebenbei noch für eine NGO.

Ihr beiden habt im Team gegründet – Sophie würde sagen, Ihr seid Partner in Crime. Welche Vorteile hat Eurer Meinung nach eine Gründung zu zweit?

Selbstsicherheit, Motivation, Spaß, Durchhaltevermögen. Wenn man allein ein Business startet braucht das schon eine große Portion an Selbstsicherheit. So oft kommen Ängste und Zweifel auf, ob man hier grad das Richtige macht. Wenn man zu zweit ist, kann man sich die Angst gegenseitig nehmen und sich wieder motivieren. Man hat jemanden der genau die gleichen Prozesse durchmacht und es ist jemand da, der einen versteht.

Wenn man allein ein Business gründet braucht es auch sehr viel Selbstdisziplin. Zu zweit ist es spielerischer. Wenn man mal nicht so Lust hat oder vor einer schwierigen Situation steht, ist es in unseren Augen immer leicht mit Team Spirit durchzugehen als allein. Man kann sich beraten, auch zusammen lachen und Entscheidungen zusammen treffen.

Wie habt Ihr Euch rechtlich abgesichert? Habt Ihr einen Gründervertrag geschlossen?

Wir haben einen Gesellschaftervertrag bei Gründung abgeschlossen. Aber das ist eigentlich nur eine Formsache.

Wer ist bei Euch eigentlich für welche Aufgaben zuständig? Macht Ihr beide jeweils alles oder hat jede von Euch bestimmte Aufgabenfelder, um die sie sich kümmert?

Es war nie eine große Sache für uns Rollen aufzuteilen. Wir wollten und wollen immer nach unserem Flow gehen und so ist es eher, dass wir schauen was ansteht und teilen dann die Aufgabe on the go ein.
Aber natürlich haben sich über die Zeit so ein paar Basic-Bereiche herauskristallisiert, die definiert sind.
So kümmert sich Anne öfter mal um Verträge und Steuern und ich um den ganzen Purchase/Import Bereich unserer Produkte.

Wie sieht Euer Plan für die Zukunft aus? Werdet Ihr Euer Sortiment erweitern? Wo geht es für DESIGNSTRAPS und Euch hin?

Unser nächstes Ziel ist es einen Mitarbeiter zu finden, der fest für uns arbeitet aber trotzdem komplett autark ist. Wir möchten unsere operativen Aufgaben noch besser strukturieren und delegieren, damit wir uns um die wirklich wichtigen Bereiche (Marketing, Produktentwicklung, Strategie) konzentrieren können.

Wir werden auf jeden Fall unser Sortiment weiter ausbauen, weiterhin neue Brands auf der ganzen Welt ausfindig machen um das schönste Kamerazubehör nach Deutschland zu bringen. Auch am Produktmix versuchen wir immer neue Trends zu setzen und Neues auszuprobieren wie wir es mit unseren E-Books auch gemacht haben.

Auch dem Thema Nachhaltigkeit möchten wir in Zukunft noch mehr Bedeutung schenken und Wege finden, wie wir als Unternehmen umweltfreundlicher und sozialer handeln können.

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