„Ich schätze es, ein festes Basis-Einkommen zu haben“ sagt die nebenberuflich selbstständige Redenschreiberin Daniela Schulz

Daniela Schulz

Daniela Schulz – eine weitere #DMW und Panelistin bei der Social-Media-Week-Veranstaltung „Für mehr Gründerinnen im Land – steht für die nebenberufliche Selbstständigkeit und wird uns vor dem Event morgen schon einmal einen Einblick in Ihr Leben und Arbeiten als Selbstständige geben.

Liebe Daniela, Du bist seit 2013 selbstständig. Bitte verrate uns, was Du machst und wie es zu Deiner Selbstständigkeit kam?

Ich war Speakermanager, also Rednervermittlerin, in einer international tätigen Stiftung. Wir hatten viele große Firmensponsoren, von denen wir leider allzu sehr abhängig waren. Als diese ihre Strategien neu ausrichteten, musste die Stiftung Leute entlassen. Das traf mich und meine Kollegen. Ich wollte danach weiter mit Rednern zusammenarbeiten und habe mich mit dem Reden-Atelier selbstständig gemacht.

Wie war Dein beruflicher Werdegang bis dato?

Alles andere als gradlinig, aber umso spannender. Vor dem Abi machte ich eine kaufmännische Ausbildung in der Metallindustrie und nach dem Abi studierte ich Kunstgeschichte, Politische Wissenschaften und Journalistik. Nach Praktika und freier Mitarbeit in der Lokalpresse arbeitete ich als TV-Journalistin für die Nachrichtensendungen von NDR und MDR.

Schließlich gründete ich ein „Family Business“ mit Kindern und Mann, war dort verantwortlich für das Leben, die Gesundheit und das Heranwachsen zweier Kinder und engagierte mich ehrenamtlich im Kunstsektor. Als die Kinder selbstständiger waren, begann ich mich beruflich neu zu orientieren und arbeitete als Speaker Manager.

Du bist nebenberuflich selbstständig. Welche Vorteile siehst Du in dieser Form der Selbstständigkeit?

Jeder Selbstständige muss mit Einnahmeschwankungen leben. Da trotz allen Reframings das Sicherheitsmotiv bei mir stark ausgeprägt ist, schätze ich es, ein festes Basis-Einkommen zu haben. Hinzu kommt, dass durch eine nebenberufliche Festanstellung für die Abdeckung der Sozialversicherung gesorgt ist.

Welchen Schwierigkeiten begegnen Dir als Selbstständige hin und wieder im Alltag?

Wenn ich mittags einen Termin bei meiner Friseurin vereinbare, fragt sie jedes Mal, ob ich frei habe. Unser aller Vorstellung von Arbeit ist eben in das Nine-to-Five-Schema gepresst. Ich komme mir schon selber komisch vor, wenn ich vormittags im leeren Supermarkt einkaufen gehe.

Du schreibst mit Deinem Reden-Atelier Reden für andere Leute. Worauf kommt es dabei an?

Das Erste ist oft, dass ich meinen Kunden helfe, über ihre eigenen Ziele Klarheit zu gewinnen. Das geht dann schon in Richtung strategische Beratung. Im nächsten Schritt finden wir zusammen konkrete Beispiele, die das Ziel untermauern oder interessante Geschichten. Diese baue ich gerne in die Rede ein, um den Inhalt für die Zuhörer erlebbarer zu machen.

Bei institutionellen Auftraggebern kommt es oft darauf an, aktuelle Entwicklungen zu recherchieren und gute Aufhänger zu finden. Ich werde oft für regelmäßig wiederkehrende Anlässe gebucht, da gilt es immer neue interessante Aufhänger und Variationen zum Thema zu finden. Wichtig ist auch, die Sprache des Redners aufzunehmen. Schließlich soll der Stil zu ihm oder ihr passen.

Wie findest Du Deine Auftraggeber?

Meistens finden sie mich. Übers Internet oder über Empfehlungen. Netzwerken ist dabei ungemein wichtig. Einiges ergibt sich auch nach Veranstaltungen, wie etwa nach meinen Business-Pitch-Seminaren.

Du bietest auch an Reden für den familiären Anlass zu verfassen. Wird dieser Service oft in Anspruch genommen? Wenn ja, eher für erfreuliche oder traurige Anlässe?

Bisher waren es eher erfreuliche Anlässe wie Hochzeiten und Geburtstagsfeiern. Einmal hatte ich auch den Mischbereich zwischen Privatem und Geschäftlichem. Das war bisher der traurigste Anlass. Es handelte sich um eine Herzblut-Gastronomin, die ihren gut laufenden Event-Betrieb wegen einer Gartenschau (nicht Hamburg) aufgeben musste. Ihr Betrieb befand sich plötzlich inmitten einer Baustelle. Für die Rednerin war es eine sehr emotionale Situation gegenüber ihrem Personal und den Stammgästen. Sie wollte auf der Bühne dennoch gut dastehen. Mit meiner Hilfe hat sie diesen schwierigen Auftritt gemeistert und war mir sehr dankbar.

Was muss beim Schreiben einer Trauer- bzw. Abschiedsrede beachtet werden?

Auch bei einem traurigen Ereignis, sei es eine Betriebsaufgabe oder der Tod eines geliebten Menschen, möchten die Gäste mit einem positiven Gefühl aus der Veranstaltung herausgehen. Dem muss die Rede Rechnung tragen. Sie muss die Vergangenheit wertschätzen und trotzdem in die Zukunft gerichtet sein. Das kann auch geschehen, indem man die guten Werke des/der Verstorbenen oder des zu Verabschiedenden lobt, denn sie wirken in die Zukunft nach. Nach wie vor gilt „de mortuis nihil nisi bonum“ – von den Toten nur Gutes.

Auf einer internen Veranstaltung der Digital Media Women, für die Du Dich ebenso wie ich ehrenamtlich engagierst, hast Du uns gelehrt, was einen guten Business Pitch ausmacht. Kannst Du unseren LeserInnen dazu auch ein paar Tipps verraten?

Es sind vor allem drei Punkte, die ich Pitchern auf den Weg geben möchte: Kenne Dein Produkt / Deine Dienstleistung. Kenne Dein Ziel. Kenne Dein Publikum. In meinen Seminaren bringe ich die Teilnehmer dazu, genau dies herauszuarbeiten. Wenn das Produkt / die Dienstleistung erst einmal klar sind, geht vieles ganz leicht. Das klingt trivial, ist aber für die meisten schwere Arbeit. Mein Business-Pitch-Seminar ist für die Teilnehmer aber weit über den Pitch auf der Bühne wertvoll. Denn es hilft ihnen, ihren gesamten Auftritt (Webseite, Werbebotschaft) zielgerichtet zu gestalten. Das haben mir schon viele Teilnehmer bestätigt.

Bereits Christiane Brandes-Visbeck und Anke Nehrenberg, zwei Digital Media Women, die sich aktiv für den Verein einsetzen, haben uns ihre Motivation für ihr ehrenamtliches Engagement verraten. Was ist Deine?

Die Digital Media Women setzen sich aktiv für die Sichtbarkeit von Frauen auf allen Bühnen ein. Als Rhetorik-Coach und Redenschreiberin war das für mich der Anker schlechthin, mich mit den #DMW zu befassen. Rhetorik ist das klassische Instrument von Kommunikation. Nicht umsonst beschäftigen wir RedenschreiberInnen uns mit Texten von Menschen, die bereits über 500 oder sogar 2.000 Jahre tot sind. Die Kraft der Rhetorik erfindet sich immer wieder neu und hat das Potenzial, sich an das digitale Zeitalter anzupassen bzw. die digitalen Tools müssen sich an die Rhetorik anpassen. Insofern ist es für mich als Redenschreiberin konsequent bei den #DMW aktiv zu sein.

Besonders mag ich an den #DMW das Lernen voneinander, die gegenseitige Unterstützung und den wertschätzenden Umgang miteinander. Und nicht zuletzt die gesellschaftlich relevanten Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Freiheit und Transparenz.

Du bist Mutter zweier Töchter. Wie gestaltet sich Deine Selbstständigkeit mit Kindern?

Meine jüngste Tochter ist mittlerweile schon 18 und ich schätze sehr ihren Rat als Stilberaterin. Sie ist unglaublich kreativ und an Mode interessiert. Durch sie und mit ihr setze ich mich auch mit der Denke der Jugendlichen auseinander. Das finde ich sehr bereichernd.

Unsere Gastautorin Yvonne hat kürzlich davon berichtet, dass es Zeiten gab in denen sie ihre Kinder verschwiegen hat, um als Selbstständige beruflich keinen Nachteil davon zu tragen. Musstest Du schon einmal schwindeln, um einen Job zu bekommen oder war Dein Mutter-Dasein nie ein Hindernis?

Mit dem Reden-Atelier habe ich mich selbstständig gemacht als meine beiden Kinder schon größer waren. Deshalb konnte ich von Anfang an relativ unbeschränkt agieren. Allerdings war ich auch schon selbstständig als die Kinder noch in der Wiege lagen. Da lernte ich die langen Mittagsschlafstunden meiner Ältesten zu schätzen und zu genießen. Wenn sie schlief, hatte ich vier Stunden Zeit für meine Texte. Diese Arbeit empfand ich, ehrlich gesagt, als Erholung vom Muttersein. Da ich damals für eine Eltern-Zeitschrift geschrieben habe, war das Mutter-Dasein ein Vorteil und kein Nachteil. Meine anderen Auftraggeber hat es nie interessiert, ob ich Mutter war oder nicht, solange ich die Texte pünktlich und korrekt abgeliefert habe.

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