„Mir persönlich war es wichtig, den Menschen eine Erinnerung und ein Erlebnis zu schaffen“ – Constanze Lux von LaDouce Catering

Constanze Lux

Constanze Lux ist mir zum ersten Mal am Eingang des Café VJU im Energiebunker in Wilhelmsburg begegnet. Dort begrüßte sie meinen Freund und mich sehr herzlich zu einem von ihr ausgerichteten Abendbrot. Das war, neben der atemberaubenden Aussicht über das nördliche Hamburg, eine Wucht. Alle servierten Speisen und zubereiteten Aufstriche und Salate schmeckten wahnsinnig gut – und der dargereichte Pesto-Käse geht mir bis heute nicht aus dem Sinn. 😉

Da stand es für mich außer Frage, sie zu bitten uns für unseren zweijährigen Blog-Geburtstag ein kleines Catering zusammenzustellen und uns für den Abend des 19.1. mit Finger Food zu beliefern. Und was soll ich sagen, Constanze hat zugestimmt! Ich freue mich sehr wieder in den Genuss ihrer Köstlichkeiten zu kommen – das könnt Ihr auch!

Aber zuerst lassen wir uns das Interview mit Ihr schmecken, oder?

Liebe Constanze, Du hast Dich 2010 mit LaDouce Catering selbstständig gemacht. Wie kam es dazu?

Ich wollte mich beruflich verändern. Damals hatte ich viele Freunde, die freiberuflich tätig waren, und ich fand selbstbestimmt zu arbeiten verlockend. Bei einem Coaching-Seminar wurde dann immer klarer, welche Werte mir wichtig sind. Mir war zu der Zeit noch nicht bewußt, dass es mal ein Catering-Unternehmen wird.

Vor der „Gründungsphase“ habe ich Freunde nach meinen Stärken und Schwächen – unabhängig vom Beruflichen – gefragt. Fast alle schrieben, dass ich immer ein perfekter Gastgeber bin, einen Hang zum Ästhetischen und zu schönen Dingen habe und eine Leidenschaft fürs Kochen hege… so entwuchs die Idee, die perfekt zu meinem gastronomischen Background passte.

Als ich dann einer Freundin bei einem großen Kochabend für Kollegen half und mit einem Glücksgefühl heim kehrte, wurde es konkreter…

Was hast Du vorher beruflich gemacht? Nach meiner Recherche scheinst Du viel rum gekommen zu sein…

Nach meinem Abitur begann ich eine klassische Ausbildung zur Hotelfachfrau hier in Hamburg, auf das ein Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismusmanagement & Marketing folgte. Während des Studiums war ich für ein halbes Jahr in Südafrika, wo ich ein Gästehaus mitgeleitet habe und auch damals schon individuelle Picknickkörbe für die Gäste angeboten und gerne für die Besucher gekocht habe.

Auch ein Praktikum als Guest Relations Managerin in einem Luxushotel auf Gran Canaria zeigte mir, dass ich mich gern um Gäste und ihre Wünsche kümmere, um ihnen eine schöne Zeit zu bescheren. Nach meinem Studium verschlug es mich dann für zwei Jahre als Beraterin in eine Werbeagentur.

In einem Interview mit Susies Local Food Hamburg sagst Du, dass Du aus Deiner Zeit bei einer Hamburger Werbeagentur “vieles für (m)eine Unternehmensgründung “ mitnehmen konntest. Was denn?

Die Kenntnisse für mein späteres Marketing, die Wichtigkeit der Werbung für ein Unternehmen und wie man erfolgreich Kundengespräche führt und schlussendlich und sehr wichtig: die Einhaltung einer Corporate Identity. Wer unsere Marke kennt, weiß, dass wir eine klare Linie verfolgen – nicht nur optisch in unseren Firmenfarben, bei unseren Drucksachen oder der Außenwerbung, sondern auch in der Qualität und Besonderheit der Speisen.

Wir bleiben unserem Claim „reine Herzenssache“ stets treu – stellen alles selbst ohne Fertigprodukte her und selbst im Kleinen wird die Liebe zum Detail sichtbar. Zum Beispiel garnieren wir Fingerfood mit kleinen Gurkenherzen oder „branden“ unsere Briochebrötchen für die hausgemachten Burger mit passenden Motiven.

Büro-Basics wie das Führen eines Rechnungswesens, Angebote einholen, schreiben und abwickeln etc. habe ich dort natürlich ebenfalls erlernt. Wir arbeiten auch für viele Werbe- und PR-Firmen für Presse- und Blogger-Events. Es ist immer von Vorteil, wenn man weiß, wie die andere Seite arbeitet.

LaDouce Salate im Weckglas

Welche (bürokratischen) Schritte hast Du unternommen, um Dein Catering-Unternehmen an den Start zu bringen?

Ich habe einen umfassenden Businessplan erstellt. Dann musste ich natürlich ein Gewerbe anmelden.

Ich habe gelesen, dass Dir die Handelskammer dabei sehr behilflich war? In welcher Form hast Du dort Unterstützung erfahren?

Die Handelskammer ist ein sehr guter Berater – besonders für die Gastronomie. Meine Beraterin, zu der ich heute immer noch Kontakt habe, war selbst lange in der Praxis tätig und hat somit viel Erfahrung und konnte schnell Infos und Erfahrungsberichte liefern.

Auch gibt es tolle Gründerseminare, die nicht viel kosten, und den Start erleichtern. Dort kommt man ins Gespräch mit anderen Teilnehmern – dieser Erfahrungsaustausch hat mich schnell Schritt für Schritt weiter gebracht und Mut gemacht.

Das Patent- und Markenamt der Kammer ist natürlich auch wichtig gewesen.

Dein Business beschränkt sich nicht nur auf das Catering. In Eimsbüttel hast Du eine kleine Konzept-Küche. Erzähl uns bitte mehr.

Es ist in erster Linie natürlich unsere Produktionsküche, wo aber neben dem normalen Tagesgeschäft auch spannende Projekte entstehen. Hier entwickeln wir spezielle Food-Konzepte, was eigentlich der kreativste Teil unserer Arbeit ist und mir am meisten Spaß macht.

Tritt eine Agentur an uns heran, die ein spezielles Thema für ein Event kulinarisch umgesetzt haben will, starten wir die Ideenmaschinerie und entwickeln die schönsten und/oder verrücktesten Events zusammen. Wir haben z. B. schon einmal eine Weltuntergangsparty mit Motto „Alles in Dosen“ kreiert.

Oder für den Holländischen Blumenverband haben wir Ende letzten Jahres bereits zum dritten Mal ein Catering für ein integriertes Raumkonzept umgesetzt. Hier wurde das Catering der vorgegebenen Themenwelten und den neuen Blumen- und Pflanzentrends angepasst. Dies sind dann komplette Erlebnisse, die verkauft werden und ich persönlich finde die Entwicklung und Umsetzung höchst spannend.

Welche Pläne hast Du für 2017?

Geplant für die Zukunft ist erstmal eine neue, größere Produktionsfläche zu finden und endlich unsere neue Website an den Start zu bringen. Die Buchungsmöglichkeiten sollen für Kunden optimiert werden. Natürlich habe ich als Unternehmer auch viele neue Projekte und Visionen, wie es weitergehen soll, das wird aber noch nicht verraten.

Weiterhin würde ich gerne mehr Food-Konzepte entwickeln und auch Food Styling für Foto- und Filmproduktionen sind ein spannendes Feld, in denen ich bereits erste Erfahrungen sammeln konnte.

Mittlerweile hast Du mehrere Mitarbeiter. Kürzlich habe ich einen Artikel auf Zeit Online gelesen, in dem es darum ging, dass sich viele Führungskräfte überschätzen. Wie stellst Du sicher, dass Du Deinen Mitarbeitern eine gute Chefin bist und sie zufrieden mit Dir sind?

Personalführung ist für eine(n) UnternehmerIn in der Tat die schwierigste, aber wichtigste Aufgabe. Ohne ein gutes Team funktioniert ein Unternehmen nicht und ich selbst habe aus meiner damaligen Festanstellung Erfahrungen, wie es ist, angestellt zu sein. Ich denke, der wichtigste Punkt ist, die Arbeit der Mitarbeiter auch wertzuschätzen. Nicht nur einzufordern, sondern ihnen möglichst täglich zu danken, dass sie da sind und zu loben, wenn sie tolle Arbeit leisten.

Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch und ich neige natürlich zur Perfektion, damit dieser gewahrt bleibt. Mir ist bewusst, dass ich deshalb auch oft eine anstrengende Chefin sein kann. Besonders in stressigen Phasen, wo man selber unter Druck steht, ist es nicht immer leicht, den richtigen Ton zu finden und es kann auch mal laut und hektisch werden. Da ist es dann wichtig, dass man zumindest im Nachhinein die Arbeit wertschätzt, sich bedankt – sei es mit Worten, vielleicht auch mal mit kleinen Aufmerksamkeiten.

Unsere Mitarbeiter bekommen einen gewissen Freiraum in der Arbeitseinteilung, sofern es das Termingeschäft zulässt und ich bin offen für Änderungsvorschläge, wie Prozesse und Arbeitsabläufe optimiert werden können. Offene Kommunikation und ein Miteinander sind hier wichtig. Wir versuchen regelmäßig Team-Gespräche und Personalgespräche mit Zielvereinbarung zu führen.

Was wiederum erwartest Du von Deinen Mitarbeitern?

Lösungsorientiertes Denken finde ich sehr wichtig. Wenn ein Problem vorliegt erwartet ich, dass vorerst selbst auf verschiedenen Wegen eine Lösung gefunden wird und erst, wenn alle eigenen Lösungsvorschläge scheitern, sich an mich gewandt wird.

Ehrlichkeit ist mir sehr wichtig. Wenn z. B. mal etwas schief gelaufen ist, sollte dies offen kommuniziert werden. Kommunikation ist ein wichtiger Punkt, das aufeinander zugehen, um dann gemeinsam eine Lösung zu finden.

Und ich finde es wichtig, dass nicht nur stumpf nach Vorgabe abgearbeitet wird, sondern die Mitarbeiter sich mit unserem Unternehmen identifizieren, mitdenken und auch eigene Ideen mit einbringen. Wir haben eine klare Corporate Identity, die natürlich auch gelebt werden muss.

„Reine Herzenssache“ sollte dann beim Geschmack der Speisen und der Gestaltung der Buffets zum Ausdruck kommen, was nur durch die Freude und Liebe der Mitarbeiter entstehen kann, die diese in ihre Arbeit stecken.

Ist es schon mal vorgekommen, dass Du Dich von einem einem Mitarbeiter trennen musstest. Wenn ja, wie bist Du mit dieser Situation umgegangen?

Das gehört leider auch dazu. Meine erste Kündigung war wie eine Trennung nach einer Beziehung. Ich habe mich mit der Entscheidung damals sehr lange auseinandergesetzt und vieles vorab ausprobiert u. a. ein Interventionsgespräche mit einem Mediator. Ein Unternehmerfreund von mir sagte mir damals jedoch eins: „Wenn Du das erste Mal mit dem Gedanken spielst, einen Mitarbeiter zu kündigen, solltest Du es tun. Das Gefühl wird sich nicht ändern.“ Und er hatte recht. Man muss aber immer im Sinne des Unternehmen denken und zu dem Zeitpunkt passte es einfach nicht mehr zusammen.

Anderes Thema: Wie wichtig sind Dir Regionalität und Nachhaltig bei der Auswahl Deiner Produkte fürs Catering?

In Hamburg spielt Regionalität eine große Rolle und wir versuchen natürlich, die Wünsche unserer Kunden zu bedienen. Viele unserer Waren beziehen wir von regionalen Händlern. Bei Fleisch und Fisch arbeiten wir mit regionalen Lieferanten zusammen, wo wir die Herkunft kennen (Fleischerei Jacob, Markeruper Gänse und Enten Klingenhoff, Fisch Hagenah).

Unseren Käse für das Abendbrot beziehen wir von alt eingesessenen Händler wie Bruno auf dem Schulterblatt, für Brot arbeiten wir mit diversen Bio-/ Holzofenbäckereien der Umgebung zusammen. Für Obst und Gemüse haben wir verschiedene Lieferanten aus dem Viertel. Eimsbüttel ist dort gut aufgestellt und auch der Isemarkt, wenn es mal etwas Besonderes sein soll, ist toll zum Einkaufen.

Natürlich ist es nicht immer möglich, alles regional zu beziehen: Für unsere beliebten „Pullet Duck Wraps mit Mango-Rotkrautsalat“ kommt das Entenfleisch vom Markeruper Entenhof bei Flensburg, welches dem Vater einer Freundin gehört; die Mango hingegen wächst natürlich nicht regional in Deutschland.

Ich nehme Dein Unternehmen nicht als klassisches Catering-Unternehmen wahr. Was unterscheidet Dich von anderen Businesses der Branche?

Ich glaube, wir zeichnen uns besonders durch unsere persönliche Beratung aus. Wir versuchen fast jedes Catering individuell auf den Anlass und die Person zuzuschneiden. Zudem bekommen wir von den Kunden immer wieder das Feedback, dass wir bei der Zusammenstellung einen guten Mix aus Bodenständigkeit & besonderen Speisen mit Pfiff hinbekommen – so ist immer etwas für jeden mit dabei.

Auch die Ausgestaltung der Buffets ist bei uns Besonders. Wir haben schöne große Displays aus Holz, auf denen wir z. B. Salate in kleinen Weckgläsern anrichten. Auch mit Schieferplatten oder neuen Materialien arbeiten wir gern und natürlich finden sich immer kleinen Details bei der Gestaltung.

LaDouce Superfruitbowls

Für Hochzeiten toppen wir manchmal die Küchlein mit kleinen „Mr. & Mrs. – Wimpelketten“ oder auf einem rustikalen Buffet finden sich „Butter bei die Fische“-Topper auf dem gebeitzten Lachs oder „Hummel Hummel – Wurst Wurst“- Topper auf der Schlachterplatte. Das macht es individuell und sorgt für kleine Überraschungseffekte, die in Erinnerung bleiben.

Ich selbst habe Dich und Dein Catering bei einem LaDouce Abendbrot im Café VJU im Energiebunker Wilhelmsburg kennen gelernt. Du machst viele solcher Veranstaltungen. Wie wichtig sind diese für Dein Business und wie kommst Du auf die unterschiedlichen Ideen für Deine Events?

Die Idee zum Abendbrot kam mir vor über 5 Jahren und wir haben zu der Zeit den richtigen Trend der Salon-Kultur erwischt. Mir persönlich war es wichtig, den Menschen eine Erinnerung und ein Erlebnis zu schaffen. Ich wollte verschiedene Menschen an einen Tisch zusammen bringen, um den Gemeinschaftscharakter wieder zu beleben.

Das Konzept hat wahnsinnig eingeschlagen und war ein gutes Werbemittel für mein Catering. Wir hatten viel Presse über das Abendbrot, welches unser Catering-Unternehmen gut beworben hat. Potentielle Kunden konnten uns so auch während eines öffentlichen Events „ausprobieren“ und haben uns dann im Anschluss für Ihre Feier gebucht. Und es entstanden gute Business-Kontakte, die wieder mehr Werbung & PR schaffen – so wie auch zu Dir.

Worauf können wir uns in 2017 freuen?

In 2017 veranstalten wir wieder Hafenrundfahrten mit einem hanseatischen Abendbrot und Erzählungen von Hein, Fiete & Kuddel & dem Meer. Mit an Bord mein Lieblingskapitän Torsten mit seiner Barkasse Tanja, der uns 3 Std. durch den Hafen über die Elbe schippert und und Erzählerin Angelika Mielke. Mit beiden habe ich bereits einige Veranstaltungen erfolgreich zusammen durchgeführt.

Diese 3-stündige Tour haben wir im letzten Sommer bereits gemacht und es war ein wundervoller Abend und ein voller Erfolg. Die Gäste und auch wir vom Team waren alle sehr beseelt. Wir freuen uns auf zwei weitere Touren am 22. Juni und am 14. September.

Weitere Projekte sind in Planung, werden aber noch nicht verraten. Werdet gerne Fan auf Facebook und erfahrt dann zeitnah mehr über uns!

Eine abschließende Frage: Viele Frauen träumen davon ein Café zu eröffnen und wie schon in dieser Rezension zum Buch “Sugar Girls” durch klang, ist die Umsetzung dieses Traums nicht sonderlich leicht. Welchen Rat kannst Du Frauen mitgeben, die den Wunsch vom eigenen Café hegen?

Auf jeden Fall sollte ein gastronomischer Background vorhanden sein. Ich habe schon viele kleine Cafés eröffnen und nach kurzer Zeit wieder schließen sehen, wo die Unternehmer vorher in anderen Branchen tätig waren und dachten, dass kann doch jeder.

Zudem gibt es drei wichtige Erfolgsfaktoren für ein Cafe: der Standort, der Standort und nochmal der Standort
. Das Konzept ist dabei fast zweitrangig. Steht der Standort, unbedingt mit Fachleuten (Steuerberater, Handelskammer) einen Businessplan erstellen, welcher eine gute Finanzierungs- und Liquiditätsplanung sowie Preiskalkulation enthält.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen