#HamburgDeineGründerinnen: Interview mit Claudia von Catmade

Gründerin Claudia Zechner von Catmade

Letzten Monat haben wir unsere Interviewreihe #HamburgDeineGründerinnen gestartet. Unsere erste Gesprächspartnerin war Sibilla Kawala, Gründerin des Dirndl-Onlineshops LIMBERRY. Da wir Euch monatlich ein neues Interview mit einer Hamburger Gründerin versprochen haben, habe ich mich wieder auf den Weg gemacht. Diesmal ging es für mich nach Neu Wulmstorf. Streng genommen gehört dieses Örtchen bereits zu Niedersachsen. Aber hey, man kann es von Hamburg mit der S-Bahn erreichen, also drücken wir hier ein Auge zu. 😉

In Neu Wulmstorf habe ich Claudia Zechner bei sich zu Hause in ihrem Home Office besucht. Claudia ist die Gründerin von catmade und erweckt kleine Filztierchen mit außergewöhnlichen, witzigen und liebevollen Geschichten zum Leben. So sind in ihrer Hand schon der kleine Tapir Helmut, die Faultieroma Hedwig oder Elise, die bezaubernde Nilpferddame entstanden.

Im Interview erzählt sie uns wie es zur Gründung ihres Labels gekommen ist – und noch viel mehr. 🙂


Ich bin eigentlich studierte Ernährungswissenschaftlerin und Ökologin. Während des Studiums habe ich ein Praktikum in Costa Rica gemacht. Dort gibt es den Regenwald der Österreicher, der sich der Erhaltung eines bedrohten Regenwald-Gebietes widmet, z. B. durch Wiederbewaldung. Ich wollte helfen und Bäume pflanzen. Ein Baum kostet nicht die Welt, aber als Student hat man nicht viel Geld. Verwandte wollte ich nicht anschnorren. Also musste ich einen Weg finden, wie ich mein Engagement selber bezahlen kann. Ich habe mir überlegt, was ich gerne mache. Da kam ich auf die Idee zu nähen.

Somit habe ich begonnen bei uns im Dorf auf dem Christkindlmarkt meine produzierten Sachen zu verkaufen. Da waren damals auch schon Filztiere dabei. Quasi, die Vorläufer von den heutigen catmade-Tierchen. An drei Tagen habe ich so viel verdient, dass ich 54 Bäume pflanzen lassen konnte. Auch dank meiner Oma, ihres Mohnstrudels und ihrem Eierlikör. 😉

Irgendwann habe ich Dawanda entdeckt und begonnen meine Produkte online zu verkaufen.

Du verkaufst bislang nur auf Dawanda. Warum? Ein eigener Shop auf Deiner Website kommt für Dich nicht in Frage?

Ich habe das Glück sehr oft durch Dawanda gefeatured zu werden. Dadurch bekomme ich meine Kunden. Das ist sehr viel wert.

Natürlich hate ich geplant einen eigenen Shop zu machen, aber die Systeme sind sehr komplex. Für mein zweites Standbein, die Wedding Cake Topper, arbeite ich mit Jimdo, was für Catmade aber nicht ausreichen würde. Zu Weihnachten bekomme ich Hunderte von Bestellungen. Mit Dawanda funktioniert das sehr gut, da es sehr benutzerfreundlich für Verkäufer ist.

Du sprichst von „Hunderten von Bestellungen“. Heißt, Du kannst von dem Verkauf Deiner Filztierchen und Cake Topper leben?

Ja. Bereits seit 2012 lebe ich komplet von catmade. Ich muss aber auch sehr viel dafür arbeiten.

Wie ist eigentlich die Idee zur Herstellung der Cake Topper entstanden?

Die Idee ist durch meine eigene Hochzeit entstanden. Ich selbst wollte unbedingt einen Cake Topper haben. In Amerika werden diese bereits personalisiert angeboten. Diese aber dort zu bestellen hätte inklusive Versand in etwa 400 Dollar gekostet und es hätte sehr lange gedauert, dann noch der weite Versand. Also, habe ich unseren Cake Topper selbst produziert.

Wedding Cake Topper von Catmade

Die Idee war geboren. Wie hast Du Deine Preise gefunden?

Preise festzulegen ist schwer. Das Teuerste ist immer die Arbeitszeit. Letztendlich habe ich mich auch ein wenig an den amerikanischen Angeboten orientiert, die zwischen 130 und 250 Euro liegen. Ich habe begonnen die Cake Topper für 150€ zu verkaufen. Mittlerweile liegt das Basispaar bei 175 Euro.

Ich kann mir vorstellen, dass Cake Topper ein saisonales Produkt sind. Liege ich richtig?

Ja, von März bis August ist bei den Cake Toppern Hochsaison. Bei den Filztierchen hingegen ist weniger los. Aufgrund des Materials werden diese Produkte eher im Winter gekauft. Der August und September sind für catmade die schwächsten Monate.

Wie lange dauert es eigentlich einen Cake Topper zu produzieren? Wie viel Zeit benötigst Du, um ein Filztierchen zu nähen?

An den Cake Toppern arbeite ich nicht am Stück, da sie zwischendurch auch trocknen müssen. Deshalb kann ich gar nicht sagen, wie viel Zeit ich für einen Cake Topper benötige. Manchen Kleider sind aufwändiger in der Produktion, manche einfacher.

Für ein Filztier benötige ich, wenn ich am Stück arbeite und es mit der Hand nähe, in etwa 40 Minuten.

 Claudia Zechner bei der Arbeit     Catmade     Claudia Zechner     Arbeitszimmer von Claudia Zechner

Dir ist die Nachhaltigkeit wichtig. Das finde ich toll! Heißt, Du benutzt für Deine Produkte nur Materialen die nachhaltig sind?

Ich versuche es, was aber gar nicht so einfach ist. Der Wollfilz ist leider noch nicht Bio. Da habe ich schon viel ausprobiert und noch nicht das Richtige gefunden. Die Farbe stimmt nicht; die Qualität
lässt zu wünschen übrig. Die Stopfwolle, die ich benutze, ist aber aus kontrolliert biologischer Tierhaltung.

Auch meine Sticker auf den Verpackungen sind vegan und umweltfreundlich. Ebenso meine Postkarten, die aus recyceltem Papier sind. Kartons werden, wenn möglich, mehrfach benutzt; Filzreste aufbewahrt und wieder verwendet, z. B. für die Ohren der Filztierchen.

Man muss schon noch wirtschaftlich denken und kann nicht alles umsetzen, was man möchte. Aber ich versuche den größten Teil meiner Produkte nachhaltig zu halten.

Welche Rolle spielt Social Media für Dich und Dein Business?

Social Media ist für mich sehr wichtig. Die Cake Topper verkaufen sich z. B. fast nur durch Instagram. Dort habe ich viele Follower und mache manchmal auch Kooperationen für Gewinnspiele.

Du bist seit 2012 selbstständig. Wenn Du Bilanz ziehen müsstest, wie würde die ausfallen? Bist Du zufrieden mit Deiner Selbstständigkeit?

Ich bin auf alle Fälle zufrieden. Man muss aber dazu sagen, dass ich wenig zu verlieren hatte. Ich bin während meines Studiums in die Selbstständigkeit gestartet und habe mir diese durch Mini-Jobs finanziert. Im Verkauf, im Büro.

Im ersten Jahr meiner Selbstständigkeit habe ich mit Dawanda-Verkäufen 100 Euro im Monat verdient. Das habe ich nicht einmal von der Steuer abschreiben müssen, weil es so wenig war. Im zweiten Jahr verdiente ich 200 Euro pro Monat.

Während ich studiert habe, waren diese Einnahmen okay. Nach dem Studium musste ich mir dann allerdings die Frage stellen, ob ich mein Business soweit rauftrimmen kann, das die Einnahmen zum Leben reichen.

Am Anfang war das wirklich schwer. Ich musste neben normalen Ausgaben wie Miete und Essen nun auch die Krankenkasse selbst zahlen. Zum Glück hatte ich mir ein wenig Geld zusammen gespart gehabt, durch welches, der Start leichter fiel.

Jemandem, der sich selbstständig machen möchte, würde ich zur Selbstständigkeit raten, sofern dieser jemand weiß, worin er gut ist.

Eine Festanstellung käme für Dich also niemals in Frage?

Wenn es irgendwann mal nicht mehr so gut laufen sollte, scheue ich mich nicht, einen festen Job anzunehmen. Ich bin da flexibel, auch wenn ich noch nie angestellt war, mal abgesehen von Studenten-Jobs.

Festanstellungen gelten of als sicher; viel sicherer als die Selbstständigkeit. Wie stehst Du zu dieser Annahme?

Welche Sicherheit?

Wenn man angestellt ist, kann man jederzeit gekündigt werden. Die Firma kann jederzeit insolvent gehen. Du kannst auch krankheitsbedingt ausfallen. Nur weil man angestellt ist, hat man keine Sicherheit. Hier müssen die Leute umdenken.

Aber, es ist auch nicht für jeden richtig selbstständig zu sein. Jeder ist anders und daher ist auch für jeden etwas anderes richtig.

Liebe Claudia, danke Dir, dass Du mich bei Dir zuhause empfangen hast! Viel Erfolg weiterhin!

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