„Die verschärften Regeln zur Scheinselbständigkeit machen es Freiberuflern gerade nicht leicht“ – Claudia Bose

Claudia Bose

Meine heutige Interviewpartnerin Claudia Bose nimmt einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen ein, weil sie erst kürzlich einen Gastartikel für uns verfasst hat, der mich emotional sehr berührte – und mir tief aus der Seele sprach.

Von der Selbstständigkeit in die Festanstellung“ hätte in weiten Teilen genau so von mir sein können. Naja fast. Also, zumindest der Part in dem Claudia darüber schreibt, dass sie die selbstständige Arbeit, die sie bislang ausübte, in der Form nicht mehr glücklich machte.

Im letzten Jahr habe ich einen ähnlichen Artikel bei Xing Klartext veröffentlicht – und auch hier habe ich schon einmal über meine unbefriedigende Arbeit als Freelancerin sinniert.

Wenn aber die Festanstellung das Ende von Claudias Weg gewesen wäre, würde es dieses Interview nicht geben. Deshalb lest weiter, was sie beruflich derzeit so treibt und welche neue Idee sie für ihre Selbstständigkeit entwickelt hat.

Liebe Claudia, mit CBO Business Consulting stehst Du “Unternehmen bei der Optimierung von Prozessen im After Sales und Customer Relationship Management beratend und unterstützend zur Seite” – so kann man auf Deiner Website nachlesen. Vielleicht magst Du uns zuerst einmal erklären, was sich hinter den Begrifflichkeiten After Sales und Customer Relationship Management verbirgt und wie dein Arbeitsalltag so aussieht.

In Unternehmen kann man Prozesse grundsätzlich in Pre Sales, d. h. VOR Verkauf – dazu gehört alles rund um Entwicklung, Marketing, Werbung – sowie After Sales unterscheiden, also NACH Verkauf – das umfasst jede Form des Kundenservice. Früher wurde After Sales sehr stark auf klassisches Beschwerdemanagement reduziert, heute ist das sehr viel mehr – Fragen und Ideen der Kunden bzw. weiterführende Servicedienstleistungen für die Kunden.

Meine Aufgaben sind vorrangig Prozess- und Kennzahlenorientiert, d. h. wie kann ich diese Herausforderungen effektiv, kostengünstig, aber mit der größtmöglichen Kundenorientierung angehen. Da Kundenservice meistens direkter Kontakt zwischen Menschen bedeutet, besteht ein großer Teil meiner Arbeit daraus, Verständnis füreinander zu wecken und die Empathie und Lösungsorientierung zwischen den Mitarbeiten und für ihre Kunden zu stärken.

CRM (Customer Relationship Management) begleitet die komplette Beziehung eines Kunden zum Produkt bzw. Unternehmen, vom ersten Kontakt bis ggf. zur Beschwerde. Betrachtet werden dabei auch das Umfeld, d. h. die Beziehung des Kunden zu anderen (potentiellen) Kunden bzw. die Verkaufschancen für andere Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens. Es gibt heute vielfältige Software-Lösungen, die diese Prozesse und Beziehungen abbilden und daraus die benötigten Kennzahlen liefern. Weil diese Prozesse und die gewünschten Ziele oder Rahmenbedingungen aber in jedem Unternehmen anders sind, komme ich ins Spiel.

Ich bin absolut keine Software-Expertin, aber ich verstehe Abläufe in Unternehmen und ich erkenne sehr schnell, wo man zum Nutzen der Kunden und des Unternehmens optimieren kann. Diese Möglichkeiten dann gemeinsam mit den Mitarbeitern und Verantwortlichen zu diskutieren, Entscheidungen herbeizuführen und ggf. die Einführung der angepassten Software im Unternehmen zu begleiten ist eine meine Aufgaben.

Wie habe ich mir dann einen Einsatz von Dir bei einem Unternehmen vorzustellen?

Klassisch startet es z. B. so, dass ein Unternehmen seinen Kundenservice ganz neu aufstellen oder optimieren will. Oder aber der Kundenservice ist führungslos und ich werde als vorübergehende Team-Leitung engagiert, bis eine dauerhafte Lösung gefunden wird. Gerne darf ich dann auch neuen Wind von außen einbringen. Das nennt sich dann Interim-Management. Im Auftragsklärungsgespräch lege ich immer viel Wert darauf, dass ich nicht ausschließlich Analysen mache und keinem Team etwas überstülpe. Mir ist es wichtig, die Mitarbeiter einzubinden, dabei kommt mir meine Ausbildung und Erfahrung als Business Coach zugute. Veränderungen dauern mit dieser Herangehensweise ggf. etwas länger, dafür sind sie aber deutlich nachhaltiger.

Meine Kunden akzeptieren diese Rahmenbedingungen (sonst passt es grundsätzlich nicht mit uns und dann kommen wir auch nicht zusammen). Gerade im Mittelstand fällt meine Arbeitsweise auf und so gibt es häufig Folgeprojekte, die sich auf andere vertriebliche Abläufe beziehen oder wo es um Mitarbeiter- oder Team-Entwicklung mit fachlichem Hintergrund geht. Obwohl ich aus einem Konzernumfeld komme, schlägt mein Herz mittlerweile für kleinere und mittlere Unternehmen. So bin ich z. B. für die Förderprogramme des Bundes „unternehmensWert:Mensch“ und „Offensive Mittelstand“ zertifiziert. In kleineren Unternehmen habe ich direkt Kontakt zu den Entscheidern, meine Erfahrung ist gefragt und ich kann ganz konkret mitgestalten und umsetzen.

Was sind das für Unternehmen, die Dich in der Regel buchen? In welchen Branchen sind diese angesiedelt?

Jeder Projektvermittler fragt mich nach der Branche, in der ich spezialisiert bin und ich verstehe die Frage immer nicht 😉 Denn eigentlich ist das für mich total egal. Die Systematik vertrieblicher Prozesse und Kennzahlen unterscheidet sich erst einmal grundsätzlich nicht, egal ob Stahlwerk oder Software-Entwickler. Und Menschen sind sowieso immer unterschiedlich und werden von ihren ganz eigenen Prinzipien und Motiven geleitet. Für das produktspezifische Know-How gibt es die Fachleute vor Ort, das muss ich gar nicht wissen und können. Wichtig ist, dass ich verstehe, wie das Unternehmen tickt, was vielleicht das Besondere an ihren Kunden oder der jeweiligen Marktsituation ist.

Ich habe im klassischen Mittelstand gelernt und gearbeitet, meine Service- und Kundenorientierung ist dann im Umfeld eines großen Automobilkonzerns erwacht und zur vollen Blüte gereift. Diese Jahre haben den Grundstein für meine heutige Arbeit gelegt. Ich habe kaufmännisches Handwerk gelernt („ein guter Kaufmann hat immer einen Stift dabei“) und in den Jahren danach Kundenservice praktisch und auf sehr hohem technologischem Niveau kennenlernen können. Bestmögliche Voraussetzungen, um jetzt zu meinen Wurzeln zurückzukehren und vor allem kleinere Unternehmen mit ganz anderen Budgets, Ressourcen und Problemen als ein Weltkonzern ganz praktisch zu unterstützen und Anregungen für Weiterentwicklungen zu geben. Ich habe ein Herz für Handwerk und den produzierenden Mittelstand, kann mir aber auch sehr gut vorstellen, in Zukunft schnell wachsende Start-ups auf dem Weg zu für sie sinnvollen Unternehmensstrukturen zu begleiten.

Du machst das Ganze auf freiberuflicher Basis, wenn ich richtig informiert bin. Welche Vor- und Nachteile siehst Du in der Freiberuflichkeit?

Nach 6 Jahren Freiberuflichkeit bin ich aktuell gerade in Teilzeit bei einem ehemaligen Kunden als Projektmanagerin angestellt, voraussichtlich bis Ende 2017. Was das für mich bedeutet, habe ich in meinem Gastartikel „Von der Selbstständigkeit zurück in die Festansellung“ bei Euch beschrieben.

Die verschärften Regeln zur Scheinselbständigkeit machen es Interim-Managern und anderen Freiberuflern gerade nicht leicht. Ehrlich gesagt, habe ich Bedenken als Interim-Managerin auf freiberuflicher Basis zurückzukehren, bis es hier nicht endlich mehr Rechtsicherheit gibt. Tatsächlich ist das für mich der einzige Stressfaktor an der Freiberuflichkeit. Okay, der bürokratische Kram nervt auch extrem, gerade wenn man Mitarbeiter hat.

Alles andere liebe ich: neue Projekte, neue Menschen, Horizonterweiterung, ständiges Lernen. Meine Reisen nicht auf Wochenenden und vorgegebene Urlaube beschränken zu müssen. Paradoxerweise hat das selbständige Arbeiten für mich sogar einen größeren Sicherheitsfaktor als das Angestelltendasein – ich habe alles selbst in der Hand, ich bin von meinen Aktivitäten abhängig. Ich habe als Angestellte selbst erlebt, dass umfangreiches Wissen, lange Betriebszugehörigkeit und eigenverantwortliches Arbeiten auch nicht davor schützen, Vertragsverhältnisse in Fünf-Minuten-Gesprächen zu beenden. Sogar dann, wenn dem Unternehmen bewusst ist, was ihm damit verloren geht.

Ab und an bin natürlich auch ich unsicher bezüglich beruflicher Entscheidungen, die ich in einem Unternehmen zu treffen habe, habe mit kritischem Feedback oder mit mir nicht gerade positiv gestimmten Mitarbeitern zu tun. Das zu verarbeiten ist eine Herausforderung – allerdings hat das natürlich nichts bei meinem Auftraggeber zu suchen. Dort wurde ich ja schließlich aufgrund meiner Expertise engagiert.

Wichtig für meine geistige Gesundheit als Freiberuflerin ist es dann, Gesprächspartner in meinem Netzwerk zu haben, mit denen ich mich darüber austauschen kann, der Druck ist sonst einfach zu groß. Ich habe keine Kollegen, keine Personalabteilung und keine wohlwollenden Führungskräfte, mit denen ich Entscheidungen und Selbstzweifel besprechen kann. Dafür muss man sich unbedingt andere Gesprächspartner suchen – das ist ein Tipp, den ich allen Neu-Freiberuflern mit auf den Weg geben möchte.

Nun hast du den CBO Führungskompass gelauncht. Wie ist diese Idee entstanden und wen möchtest du damit ansprechen?

Die Idee ist tatsächlich ganz praktisch aus meiner täglichen Arbeit in mittelständischen Unternehmen entstanden. Am Anfang war es lediglich eine Buchidee. Ich musste im beruflichen und im privaten Umfeld mehrfach beobachten, wie hochmotivierte Menschen, die aus ihrer guten Arbeit in einem Team heraus zum Teamleiter befördert wurden und dabei keinerlei Begleitung und Unterstützung in ihrer neuen Aufgabe erfuhren, leider komplett gegen die Wand fuhren. Fachlich hervorragend hat sie niemand darauf vorbereitet, dass ein Team zu führen eine komplett neue Aufgabe ist, die völlig andere Kenntnisse und Herangehensweisen erfordert. Sie fanden sich wieder zwischen den Anforderungen ihres Chefs und den (berechtigten) Ansprüchen ihrer Mitarbeiter und hatten keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollten.

Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt das Budget für Führungsbegleitung und ganz besonders auch das Verständnis für die Notwendigkeit. Dem wollte ich etwas entgegensetzen. Bücher für Neu-Führungskräfte gibt es wie Sand am Meer, allerdings habe ich keines gefunden, dass sich in seiner Sprache an praxisorientierte Nicht-Akademiker ohne entsprechende Vorbildung richtet und was außerdem richtig Spaß macht zu lesen. So entstand die Idee von „Im kalten Wasser Schwimmen lernen.“

Sehr schnell wurde aus der Buchidee ein (zusätzlicher) Online-Kurs, weil ich auf diese Weise die Menschen viel besser Schritt für Schritt begleiten kann, die Lerneinheiten direkt ausprobiert werden können, bevor der nächste Impuls kommt und ich den Kursteilnehmern auch selbst mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Online-Kurse für Neu-Führungskräfte gibt es jede Menge, aber auch hier habe ich keinen Kurs gefunden, wo meine anvisierte Zielgruppe nicht schon im Vorstellungsvideo sprachlich abgehängt werden würde und der direkt umsetzbare Ideen und kleine, praktisch nachvollziehbare Übungen zum direkten Ausprobieren bereithält. Ich möchte Neu-Führungskräften die Möglichkeit bieten, sich privat mit dem Kurs weiterzubilden, aber auch kleinere Unternehmen ohne große Budgets können „Pakete“ erwerben, die ihren Führungskräften zugute kommen.

Das war mir aber nicht genug. Den ersten Online-Kurs werde ich demnächst launchen, ich plane aber eine viel größere Plattform für KMU (klein- und mittelständische Unternehmen). Der CBO Führungskompass soll drei Säulen umfassen:

  1. Eine Plattform für die unterschiedlichsten Online-Kurse für die persönliche und berufliche Entwicklung von (Neu-)Führungskräften.
  2. Eine Mentoring-Plattform, die Neu-Führungskräfte mit erfahrenen Führungskräften zusammenbringt.
  3. Eine Projektplattform, auf der Unternehmen Erfahrung anderer KMU zu bestimmten Themen abfragen können und der fachliche Austausch gefördert wird.

Wo stehst du gerade mit CBO Führungskompass, was sind die nächsten geplanten Schritte? Wo siehst Du Dich in einigen Jahren?

Meine Ideen sind sehr präzise, online ist bisher nur eine erste, sehr rudimentäre Landingpage, wo man bei Erscheinen dieses Interviews aber einen großartigen kleinen Film als Einführung für den Online-Kurs und ein erstes eBook zum kostenlosen Download findet.

Das eBook vermittelt einen ersten Eindruck, worum es im Kurs gehen wird und auch welche „Sprache“ ich dabei sprechen werde. Auch wenn es ein Online-Kurs sein wird, wird das für beide Seiten nur funktionieren, wenn meine Arbeitsweise für meine potentiellen Kunden passt und unsere „Wellenlängen“ stimmen.

Dieser erste Online-Kurs ist der Startschuss für mich, damit möchte ich meine technischen Kenntnisse verbessern und vor allem meine Kunden erst einmal ganz genau kennenlernen. Weitere Kurse, Webinare, die Mentoring- und die Projekt-Plattform sollen dann Schritt für Schritt folgen.

Der CBO Führungskompass ist ein großes Projekt, an das ich mit meinem ganzen Herzen und auch meiner ganzen Erfahrung glaube. Ein solch großes Vorhaben kann und will ich nicht alleine stemmen. Aktuell suche ich Partner, deren Herz ebenfalls für den Mittelstand und seine Mitarbeiter schlägt, die mit mir an der Idee und dem Businessplan feilen oder aber den technischen Background mitbringen, der mir (noch) komplett fehlt. Wenn sich jetzt jemand angesprochen fühlt, soll sie (oder er) sich gerne und unbedingt bei mir melden.

In einigen Jahren werden wir DIE branchen- und regionalübergreifende Online-Plattform für kleine und mittelständische Unternehmen sein und unsere Offline-Veranstaltungen werden DAS Netzwerk-Event für KMU in Deutschland sein 😉

Davon bin ich ganz ehrlich überzeugt, sonst würde ich solch ein Projekt gar nicht erst starten.

Du bietest auch Seminare an. In einem verbindest Du ein Teamcoaching mit einem Theaterworkshop. Wie bist Du auf die Idee gekommen und was kann ein Unternehmen erwarten, wenn es ein solches Seminar bei Dir bucht?

Die Idee mit dem Theaterworkshop ist in Zusammenarbeit mit Johan Heß entstanden. Johan arbeitet als Theaterregisseur und Schauspiellehrer und hat in dieser Funktion auch schon etliche Theaterworkshops in Unternehmen durchgeführt. Der Gedanke hinter „Theater im Team“ hebt sich von klassischen Workshops dieser Art ab, die vor allem darauf ausgelegt sind, mit Hilfe von Rollenspielen ganz konkrete Probleme in Angriff zu nehmen.

Genau das machen wir nicht.

Wir wollen Mitarbeitern eine Auszeit vom ständigen Erwartungsdruck geben. Wir bieten einen geschützten Raum, wo sich die Mitarbeiter einmal ganz anders kennen lernen und gegenseitig neue Facetten an sich entdecken dürfen. Gedacht ist der Workshop zum Beispiel für Teams, die schon jahrelang gut zusammenarbeiten und nun in einem gewissen Trott gefangen sind. Oder aber im Zuge von Umstrukturierungen werden Teams neu zusammengelegt oder neue Führungskräfte kommen hinzu und alle zusammen brauchen nun einen frischen Start.

Mit Übungen aus dem Schauspielunterricht wird in einem geschützten Raum ein gemeinsames Erlebnis geschaffen. Meine Aufgabe dabei ist es, Stimmungen aufzunehmen, zu hinterfragen und zum Beispiel auch auf Basis des Erlebten gemeinsam mit den Teilnehmern Regeln und Ideen für das zukünftige Arbeiten zu formulieren und festzuhalten.

Besuchst Du selbst regelmäßig Weiterbildungsprogramme? Wenn ja, worauf achtest Du bei der Auswahl und kannst Du uns ggf. sogar welche empfehlen?

Unbedingt. Ich versuche jedes Jahr zwei Seminare zu besuchen. Das Thema ist jeweils abhängig von meinen aktuellen Bedürfnissen und Interessen – und natürlich von meinem zur Verfügung stehenden Budget. Eine Weile habe ich mich besonders auf die Weiterbildung meiner Coaching-Kompetenzen fokussiert. Dann habe ich auch noch einmal eine konzentrierte Weiterbildung „Controlling für Nicht-Controller“ besucht. Ich bin zwar Betriebswirtin, wollte aber über projektrelevante Zahlen hinaus besonders kleinere Unternehmen besser ganzheitlich unterstützen können. Und dafür musste ich mein Controlling-Wissen noch einmal grundsätzlich auffrischen.

Aufgrund meiner momentanen Konzentration auf CBO Führungskompass buche ich gerade vermehrt Online-Kurse rund um die Erstellung und Vermarktung solcher Kurse, das richtige Aufsetzen von Facebook-Werbung usw.

Für mich erfüllt Weiterbildung zwei Zwecke: Erstens dient es der Verbesserung meiner entsprechenden Skills und zweitens ist es auch immer eine Pause vom Alltag. Ich lerne neue Menschen und neue Sichtweisen kennen und komme eigentlich immer mit neuen Ideen für mein eigenes Geschäft oder das meiner Kunden zurück.

Wie bist Du selbst eigentlich Business Coach geworden?

Das ist eine schöne Geschichte mitten aus meinem beruflichen Leben 🙂 Damals arbeitete ich als Projektleiterin im Service Center eines Automobilkonzerns. D. h. ich hatte mit vielen Menschen auf sehr engem Raum zu tun. Es war mir immer wichtig, nicht nur Aufgaben zu verteilen und zu kontrollieren, sondern dabei den Kontakt zu den Mitarbeitern zu haben, die Menschen zu verstehen und Problemen auf den Grund zu gehen. Ich wollte immer eine sehr gute Führungskraft sein, was sich für mich nicht nur im Erreichen quantitativer Ergebnisse wiedergespiegelt hat, sondern besonders auch in dem Feedback, das meine Mitarbeiter mir gegeben haben.

Irgendwann war ich für meinen Chef „die, die das Gedöns mit den Mitarbeitern doch so gerne macht …“. Ich fühlte mich in diesem Wasser damals aber noch nicht wirklich zu Hause und suchte deshalb eine ganze Weile nach einer Weiterbildung, die beides im Blick hatte – meine wirtschaftlichen Aufgaben als Führungskraft und die Entwicklung der Beziehungen zwischen Führungskraft und Mitarbeitern. Es hat eine ganze Weile gedauert, aber dann stieß ich auf den Begriff „Business Coaching“, den ich bis dahin noch nicht kannte. Vom Inhalt war ich dann aber sofort fasziniert.

2010 habe ich dem Service Center Adieu gesagt, bin nach Hamburg gezogen und habe dann bei der COATRAIN GmbH die Ausbildung zum Business Coach gestartet.

Es war nie mein Ziel, eine Praxis zu eröffnen und Einzelcoachings durchzuführen. Trotzdem war diese Ausbildung die beste Entscheidung meines beruflichen Lebens. In meinem Alltag als Interim Managerin und Beraterin benutze ich alles Gelernte jeden Tag in meiner Zusammenarbeit mit Teams und einzelnen Führungskräften. Mittlerweile ist das auch der Grund, warum ich bei einzelnen Aufträgen „klassischen“ Beratern vorgezogen werde.

Welche Eigenschaften brauchen Menschen, die Coach werden wollen? Gibt es da welche, die unverzichtbar sind?

Ich glaube, man braucht genau eine Sache, die auch unabdingbar ist, wenn man Führungskraft werden möchte: Interesse am Menschen. Dieses Interesse, gepaart mit der inneren Überzeugung, dass jeder Mensch andere Motive hat, die sein Handeln leiten. Wenn man sich bemüht, diese persönlichen Prinzipien zu verstehen und „richtig“ und „falsch“ Kategorisierungen erst einmal außen vorzulassen, findet man auch den Punkt bzw. das Thema, über das man diesen Menschen erreicht.

Und man muss klar erkennen, wo die eigene Kompetenz endet, weil der Mensch keinen Coach, sondern einen Psychologen braucht. Diese Grenze darf niemals überschritten werden. Der Rest ist das Anwenden von Werkzeuge für die produktive gemeinsame Arbeit, was man lernen kann.

Welche Charakteristika machen Deiner Meinung nach gute Gründerinnen aus?

Ganz spontan: Hunger nach Entwicklung, Sehnsucht, Tatendrang, Neugierde, Freiheitsdenken, Durchhaltevermögen, fachliches Know-How, Selbstbewusstsein, Kritikfähigkeit, Entscheidungsfreude, Mut zur Verantwortung, Selbstreflektion, Spaß an Neuem – Menschen, Situationen, Herausforderungen.

Hast Du Tipps für Frauen, die in die Selbstständigkeit starten wollen bzw. welche die noch nicht allzu lange selbstständig sind? Du machst das ja schon eine ganze Weile und hast sicher wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Unbedingt möchte ich Euch mitgeben: Macht nicht alles alleine. Es geht nicht darum, etwas unbedingt „zu schaffen“. Sucht Euch die Hilfe, die Ihr gerade braucht. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Weisheit, zu erkennen wo Eure Stärken liegen und wo Ihr diese in diesem Moment besser einsetzen könnt.

Und lasst Euch nicht beirren, wenn Ihr an eine Idee oder an gewisse Entscheidungen glaubt, die Ihr getroffen habt. Auch wenn es Euch vielleicht schwer fällt, vermeintlich rationale, für alle nachvollziehbare Argumente zu finden.

Und glaubt mir, Ihr könnt gar nicht zu viel Zeit damit zubringen, Eure Kunden kennenzulernen und zu verstehen, was genau Ihr für sie tun könnt. Was genau brauchen Eure Kunden von Euch? Was genau sind ihre (emotionalen) Bedürfnisse?

Baut Euch Netzwerke auf, tauscht Euch aus und schafft Euch so selbst Möglichkeiten, den emotionalen Druck verarbeiten zu können. Findet Euer eigenes Tempo. Und wisst, wann es Zeit ist aufzuhören. Versteht dies dann nicht als Versagen, sondern als Lernprozess, der Euch voranbringt.

Apropos Erfahrung, an welchen Moment in Deiner Selbstständigkeit erinnerst Du Dich gerne zurück? Und an welche weniger?

Ein Highlight war sicherlich mein erster Auftrag auf eigene Rechnung. Dass es tatsächlich ein Unternehmen gibt, das mich für kompetent genug hält, bei seinem Problem zu unterstützen und dafür auch noch Geld bezahlt, war zu diesem Zeitpunkt unglaublich für mich.

Ein emotionales Highlight war tatsächlich auch der Kauf meines Autos 🙂 Endlich wurde ich so für mein Können und meinen Einsatz bezahlt, dass ich mir aus eigener Kraft dieses Fahrzeug kaufen konnte, das meinen großen Fahrtstrecken (und meinen langen Beinen) auch wirklich gerecht wurde.

Schwer zu verdauen sind Situationen, wo Auftraggeber und Führungskräfte mich benutzen, um sich gegeneinander auszuspielen. Manchmal ist es schwer, das frühzeitig zu erkennen und die Enttäuschung über solch einen „Missbrauch“ ist groß. Ich habe auch schon erlebt, dass ich mit großer Begeisterung in ein Projekt gestartet bin, die Geschäftsführung mich massiv unterstützt hat und ein produktiver Austausch vorhanden war – und es dann ohne Erklärung einen totalen Rückzug gab und alle Gesprächsversuche konsequent abgeblockt wurden. Es ist wichtig solche Situationen zu analysieren und zu verstehen, dass es hier andere Probleme gab, die mit mir rein gar nichts zu tun hatten – denn sonst hätte man definitiv das Gespräch mit mir gesucht.

Was hast Du Dir für Dich und Dein Business in 2017 vorgenommen?

Mein Fokus 2017 liegt auf dem CBO Führungskompass. Ich möchte meinen Online-Kurs erfolgreich platzieren und Partner finden, mit denen ich das Konzept von CBO Führungskompass hinterfragen und optimieren kann. Ich möchte loslaufen, mich bei den Unternehmen vorstellen und erste begeisterte Multiplikatoren finden. Und das werde ich auch schaffen. Und danach sehen wir weiter 🙂

Noch mehr lernen, könnt Ihr von weiteren selbstständigen Frauen. Viele Interviews und Stories haben wir auf Pinterest zusammengetragen. Schaut doch mal vorbei!

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