„Ich schaffe Raum und Rahmen, in dem sich die Teilnehmer frei und authentisch zeigen können“ – Christine Dohler, Meditationstrainerin und Journalistin

Christine Dohler

Christine Dohler habe ich vergangenen Herbst in Hamburg bei einem von mir ausgerichtetem Frühstück für selbstständige Frauen kennengelernt. In der Vorstellungsrunde stellte sie sich als freie Journalistin und Meditationstrainerin vor und verteilte Postkarten für die von ihr ausgerichteten Cacao Rituale – caught my attention.

Weshalb ich Christine bat, zu einem ihrer nächsten Rituale kommen zu dürfen. Neugierig, wie ich bin, beließ ich es aber nicht dabei, sondern löcherte sie mit vielen Fragen rund um Meditation, Trainerausbildung und ganz allgemein zu ihrer Arbeit als Selbstständige.

Liebe Christine, Mitte Dezember habe ich ein Cacao-Ritual bei Dir besucht. Erkläre uns doch bitte, was das ist und wie so ein Ritual abläuft.

Ein Cacao-Ritual ist eine besondere Gelegenheit, sich mit sich selber zu verbinden und mit der Unterstützung von Meditation das zu finden, was man gerade braucht: Entspannung oder etwa Klarheit. Ich schaffe den Raum und Rahmen, in dem sich die Teilnehmer frei und authentisch zeigen können. Ich leite Meditationen an und unterstütze jeden, Zugang zu ihren Emotionen, Wünschen und Bedürfnissen zu finden und diese zu fühlen.

Ich finde, in unserer Gesellschaft fehlen die Möglichkeiten, sich wirklich wahrzunehmen und authentisch zu zeigen. Jeder Nachmittag läuft etwas anders ab, weil ich mich auf die Gruppe einstelle. Fester Bestandteil ist aber, dass gemeinsam meditiert wird, es findet ein Austausch statt und es gibt auch Entspannungsmomente, die mit Musik unterstützt werden.

Warum benutzt Du für Deine Rituale Kakao und nicht etwa Kaffee? Was macht Kakao so besonders und wie unterstützt er eine Meditation?

Roher Kakao, den ich aus Guatemala hole, ist die ursprüngliche Form des Superfoods und eine echte Rarität. Schokolode macht ja angeblich glücklich, aber eigentlich hat man nur einen Zuckerrausch. Diese pure Form der Kakao-Pflanze enthält noch alle wichtigen Rohstoffe, dazu gehören ganz viel Magnesium, Antioxidantien und Theobromin. Dieser gesunde Cocktail macht einen klaren Kopf und öffnet das Herz. Dabei ist er ein sanfter Verstärker der Meditation und macht nachhaltiger wach als Kaffee.

Neben Meditationen mit Kakao führst Du auch sogenannte Zen-Meditationen. Wie unterscheidet sich diese Meditationstechnik von anderen?

Bei der Meditation geht es immer darum, im Hier und Jetzt präsent zu sein und idealerweise gedankenfrei in Stille zu verweilen. So finden wir zurück zu uns und sind gegenwärtig. Um dorthin zu gelangen, gibt es verschiedene Techniken und Einstiege. Zen ist wahnsinnig wirkungsvoll und klar, aber für manche erscheint es erst einmal sehr streng, bewegungslos für 25 Minuten still zu sitzen.

Beim Cacao-Ritual leite ich die Meditationen mehr an und es geht zusätzlich um thematische Aspekte wie Selbstliebe, Entspannung oder Energieaufbau. Ich biete auch Runden nur für Frauen an, wo wir in einen tiefgründigen Austausch gehen, unsere Herzen ausschütten und erkennen, dass wir nicht alleine sind mit unseren Zweifeln, Ängsten und auch erfüllenden Momenten sind. Das ist sehr motivierend und bestärkend im Leben.

Wie bist Du Meditationstrainerin geworden?

Ich habe vor rund fünf Jahren mit dem Zen-Training begonnen und dann vor etwa drei Jahren eine eigene Meditationsgruppe im betahaus Hamburg gegründet. Ich bin persönliche Schülerin von dem deutschen Zen-Meister Hinnerk Polenski, der mich fundiert und nachhaltig ausbildet.

Mittlerweile habe ich so viel Erfahrung gesammelt, dass ich Gruppen und Seminare leite sowie Menschen im Einzel-Trainings unterstütze. Im Zen gibt es verschiedene individuelle Übungen, die ich vergeben kann. Ich finde, es ist wichtig, die Meditation von Herz zu Herz zu lernen und besonders am Anfang persönliche Unterstützung zu bekommen. Dann bleibt man eher dabei und fühlt sich sicherer beim Meditieren.

Des Weiteren hast Du die vom Deutschen Coaching Verband e. V. zertifizierte Weiterbildung „Systemisches Coaching und Aufstellungsarbeit“ absolviert. Wie habe ich mir diese vorzustellen und was hast Du dabei gelernt?

Ja, das ist eine klassische Coaching-Ausbildung, in der ich verschiedene Methoden gelernt habe wie Aufstellungen, die ich sehr wirkungsvoll finde. Doch was man bei so einer Ausbildung vor allem lernt ist, den Rahmen zu schaffen, in dem sich Menschen weiter entwickeln können. Ohne sie zu therapieren und immer sehr zielorientiert. Dazu muss ich mich selber gut kennen und mich beim Coaching nur so weit einbringen, wie es wichtig ist. Dabei darf man als Coach nicht in eine beratende oder bewertende Rolle verfallen. So, als wüsste man, was für den anderen das Beste ist.

Es ist es doch so, dass jeder genau weiß, was für ihn gut ist, nur es fehlt manchmal an Klarheit oder Energie. Als Coach unterstütze ich den Weg dorthin – was sehr wirksam ist. Weil alleine kann man sich auch mal verrennen. Letztlich sollte man aber irgendwann seiner eigenen Intuition trauen und seine Klienten so unterstützen, wie sie es brauchen – ohne sich in Methoden zu verheddern. Weniger ist da oft mehr.

Außerdem sollte man seinen Coachees zeigen, wie man Energie aktiviert, um auch die Ziele umzusetzen. Was nützt mir ein Plan mit Zielen und Herausforderungen, wenn ich vielleicht blockiert bin oder gar keine Kraft habe. Da kommt für mich wieder die Meditation und gezieltes Körpertraining dazu. Deswegen integriere ich das in meine Coachings. Ich habe oft festgestellt, dass die Gesprächsebene nicht reicht, man muss den ganzen Körper mitnehmen, wenn es darum geht, Emotionen zu lösen oder eben seinen eigenen Weg zu gehen.

Cacao-Ritual mit Christine Dohler

Cacao Ritual

Ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken mich als Coachin ausbilden zu lassen. Deshalb würde mich interessieren, was Deiner Meinung nach eine gute Coaching-Ausbildung ausmacht? Worauf muss ich bei der Auswahl achten?

Ich finde es immer grundlegend, dass man mit seinen Ausbildern/Lehrern gut auskommt und ihnen vertraut. Außerdem sind viele Praxiselemente während der Ausbildung wichtig, denn letztlich lernt man nur durch das Tun. Ich persönlich finde es auch wichtig, dass man lernt, den Raum für andere verantwortungsvoll zu halten und seine persönlichen Grenzen zu kennen. Ich muss erkennen, wenn jemand eine schwere Depression hat und den Klienten dann zu einem Psychologen verweisen.

Auf Deiner Website steht, dass Du Coachings in einem Konferenzraum des betahaus Hamburg anbietest, wo Du auch arbeitest. Warum hast Du Dich für einen Coworking Space entschieden und nicht für ein eigenes Büro?

Ich bin viel auf Reisen und arbeite auch gerne mal von zu Hause aus. Ein richtiges Büro würde sich für mich nicht lohnen und erinnert mich auch letztlich zu sehr an klassische Büros. Ich finde das betahaus genial, weil es sich im Prinzip jeder leisten kann und es total flexibel ist. Wenn ich Lust auf Gesellschaft habe, dann fahre ich dorthin. Ich muss mich um nichts weiter kümmern, die Regeln sind gemacht und ich kann sehr einfach, neue Leute kennenlernen oder mich dem Arbeitsmodus dort anschließen.

Außerdem sind dort viele Freigeister und Gleichgesinnte, wir motivieren uns gegenseitig und schließen uns auch für Projekte zusammen. Ich habe im betahaus viele Freunde und Wegbegleiter gefunden, die meine Ideen nicht im Keim ersticken wollen, sondern ihnen Schwung verleihen. Es ist unfassbar wichtig, dass man optimistische und gleichgesinnte Menschen um sich herum hat.

Coworking Spaces spielen eine zentrale Rolle für das ortsunabhängige Arbeiten. Wie ich weiß, warst Du gerade für einen Monat auf Bali. Ist das Digitale Nomadentum ein Lebensmodell, das Du Dir auch langfristig für Dich vorstellen kannst?

Ich bin als Teilzeit-Nomadin in der Welt unterwegs. Das bedeutet, dass ich immer mal wieder für ein paar Wochen von Hamburg ausschwärme und in einem anderen Land lebe sowie arbeite. Ich schaue da als erstes in einem Coworking Space und in einer Meditationsgruppe vorbei – und zack, habe ich immer sofort nette Gesellschaft. Ich lerne in jedem Land viel dazu, werde neu inspiriert und nehme immer neue Geschichten mit nach Hause.

Aber natürlich erfordert es auch ein hohes Maß an Disziplin. Ich kann nicht wie ein Backpacker den ganzen Tag chillen und offline gehen. Ich sehe nicht jede Attraktion im Land, aber dafür bekomme ich ein Gefühl dafür, wie das Leben dort so ist und treffe eher Einheimische als Traveller. Ich mache das so lange, wie es Spaß macht und persönlich geht. Ich finde, das ortsunabhängige Arbeiten ist eine wunderbare Möglichkeit unserer digitalen Generation und dies sollte man nutzen. Es erweitert den Horizont und schmeckt nach wahrer Freiheit.

Romy Geßner, die wie Du im betahaus arbeitet, ist gleichzeitig Fotografin und Übersetzerin. Über ihre zwei Standbeine sagt sie, dass sie sich ganz bewusst entschieden hat, als Polypreneurin zu arbeiten. Der Definition nach, bist Du auch eine. Schließlich arbeitest Du nicht nur als Motivationstrainerin und Coachin, sondern auch als Journalistin. Du hast die Henri-Nannen-Journalistenschule besucht und ein Studium der Journalistik- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Hamburg absolviert. Wie habe ich mir Deine Arbeit als freie Journalistin vorzustellen?

Ja, ich bin klassisch ausgebildete Journalistin und liebe meinen Beruf. Meine weiteren Standbeine sind wunderbare Ergänzungen. Es geht bei mir immer um Menschen und den Zeitgeist. Ich lebe ein Leben am Puls der Zeit und bin jemand, der sich auf verschiedene Aufgaben konzentrieren kann. Ich verzettele mich da nicht, alles befruchtet und inspiriert sich gegenseitig. Und heutzutage kann man seinen Beruf weiter auffächern, besonders als Selbständige.

Nur Bürohengste fragen mich kritisch: Willst Du Dich nicht für eine Sache entscheiden? Im betahaus ist es normal, allen seinen Interessen und Fähigkeiten zu folgen – und sich seinen Beruf selber zu stricken. Das gibt letztlich auch Sicherheit, denn ich bin im Prinzip unkündbar. Fallen ein, zwei Auftraggeber weg, bleiben noch genug andere Aufgaben. So bin ich flexibel und wirklich unabhängig.

Du hast schon in etlichen Redaktionen gearbeitet, u. a. GRAZIA, Food and Travel und Lonely Planet Traveller. Wie kommst Du an Aufträge und neue Kunden?

Über mein Netzwerk an Ex-Kollegen oder Journalisten, die ich vom Studium oder der Journalistenschule kenne. Ich habe alle meine Jobs über persönliche Empfehlungen bekommen. Noch nie wollte jemand meine Zeugnisse und Diplome sehen, nur meine Arbeitsproben. Ich werde auch oft gefragt, ob ich jemand für bestimmte Jobs kenne. Ich empfehle da gerne weiter.

Ich lese und höre immer wieder, dass freie Autor*innen in der Regel schlecht bezahlt sind. Kannst Du dem zustimmen? Vielleicht hast Du ja für angehende freie Journalist*innen einen Tipp in Bezug auf Honorarverhandlungen?

Leider stimmt das oft. Ich beobachte auch, dass die Gehälter immer schlechter werden, jedenfalls im Print-Journalismus. Aber die Ansprüche bleiben hoch. Fotografen und Grafiker haben oft bessere Tagessätze. Man sollte bei den Honoraren immer nachverhandeln. Besonders Frauen trauen sich das oft nicht, was auch mit dem eigenen Selbstwert zu tun hat.

Ich nehme schlecht bezahlte Jobs nicht an, dann arbeite ich lieber in der Zeit für ein soziales Projekt ganz ohne Bezahlung. Ich rechne für mich immer aus, wie viele Tage ich zu welchem Tagessatz in den Auftrag investieren müsste und entscheide, ob dies angemessen ist. Und ich achte darauf, dass ich vor allem spannende Projekte mit netten Kollegen mache, das ist mir im Zweifel wichtiger als viel Geld und miese Stimmung.

Nochmal zurück zu Deinen zwei Standbeinen: Warum hast Du Dich dafür entschieden nicht „nur“ Journalistin zu sein? Hast Du etwas in Deinem Alltag vermisst, was Du jetzt als Meditationstrainerin ausleben kannst?

Ja, ich habe mich zuerst gar nicht bewusst entschieden, aus der Meditation ein weiteres Standbein zu machen. Das hat sich so entwickelt und meine Lehrer haben mich dazu motiviert. Irgendwann wollte ich meine Erfahrungen weiter geben, weil ich so sehr überzeugt davon bin und es egoistisch wäre, dieses Wissen für sich zu behalten. Außerdem unterstütze und inspiriere ich gern. Es ist sehr erfüllend zu sehen, wenn Menschen ihr Lieblingsleben leben. Das bringt uns alle und die Gesellschaft weiter.

Viele erfolgreiche (selbstständige) Menschen schwören auf Meditation. Glaubst Du auch, dass das regelmäßige Meditieren positiven Einfluss auf die Selbstständigkeit nehmen kann? Wenn ja, inwiefern?

Total! Mit Meditation kann ich nicht nur den Fokus und die Klarheit behalten, sondern auch real Energie aufbauen. Die tägliche Praxis gibt mir Halt, Sicherheit und Gelassenheit. Das ist ja essentiell als Freie. Es ist letztlich einfach, denn ich kann überall meditieren. Und ich behaupte, dass wirklich jeder dafür Zeit hätte. Ich kenne auch berufstätige Mütter mit drei Kindern, die sich jeden Tag eine halbe Stunde zum Meditieren nehmen. Es ist nur so, dass man wirklich regelmäßig, am besten täglich meditieren sollte, damit der Effekt wirkt.

Wenn ich mir Deine Website so angucke, gewinne ich den Eindruck, dass das Coaching in 2018 einen noch größeren Stellenwert in Deinem Leben einnehmen wird, richtig? Was sind Deine Ziele für das kommende Jahr?

Ja, das ist richtig. Ich habe 2018 viel vor. Ich schreibe gerade ein Buch über meine Erfahrungen mit Meditation, das im Herbst erscheinen wird. Außerdem werde ich erstmals gemeinsam mit meinem langjähriger Mentor und Meditationslehrer Martin Jäger eine zweijährige Ausbildung für junge Menschen anbieten, die Gesellschaftsgestalter sein wollen. In der Körper Geist Schmiede begleiten wir insgesamt 22 ausgewählte Menschen im Alter von 20 bis Mitte 30.

Durch Meditation in Kombination mit Körperübungen sowie gezieltem Coaching lernen sie, die Kraft in sich zu aktivieren, um ihre Ideen in die Welt zu bringen sowie authentisch und frei zu handeln. Wir unterstützen die junge Generation dabei mit wirksamen Methoden ganz individuell. In diesem Jahr werde ich also noch mehr versuchen, zu inspirieren und Menschen dabei unterstützen, ihren eigenen Weg im Leben zu gehen. So, wie ich das jetzt auch mache.

© Beitragsbilder: Romy Geßner

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