„Keinem flattern heute die Anfragen einfach so ins Haus“ – Carolin Schwarz, Gründerin von Schwarz Office Consulting

Carolin Schwarz

Nachdem wir in den letzten Tagen schon Interviews mit den Hamburger Digital Media Women Christiane Brandes-Visbeck, Anke Nehrenberg, Sandra Roggow und Daniela Schulz lesen konnten, ist heute Carolin Schwarz an der Reihe – die, ebenso wie die anderen vier, heute gemeinsam mit mir auf der Social Media Week über ihre Selbstständigkeit spricht.

Carolin Schwarz unterstützt mit ihren Dienstleistungen Unternehmen u. a. im Bereich Projektmanagement und Backoffice.

Liebe Carolin, Du sitzt heute mit mir auf einem Panel bei der Social Media Week, das den Titel “Für mehr Gründerinnen im Land: Traut Euch – wir haben’s auch getan!” trägt. Wir werden u. a. von unserem eigenen Weg in die Selbstständigkeit berichten. Verrate uns vorab, was Du genau beruflich machst und an wen sich Deine Angebote richten.

Ich habe mich bewusst auf die Unterstützung von Startups, sowie kleinen und mittelständische Unternehmen bei meiner Gründung konzentriert. Hier kommt es durch eine plötzlich ansteigende Auftragslage oft zu Personalengpässen. Es ist viel zu tun, aber die Möglichkeit langfristige neue Mitarbeiter einzustellen ist meist noch nicht gegeben. Hier kann ich schnell und effektiv untestützen. Was mir Spaß macht und meinen Fähigkeiten entspricht. Zusätzlich unterstütze ich bei befristete Projekten in größeren Unternehmen. Hier geht es meist um die Standardisierung von internen Prozessen und der IT-Infrastruktur. Das Ziel ist es hier, zukünftig immer effizienter und kostensparender zu wirtschaften.

Wie findest Du neue Auftraggeber? Musst Du auf Akquise gehen oder läuft in Deiner Branche auch viel über Mund-zu-Mund-Propaganda?

Teils, teils. Keinem flattern heute die Anfragen einfach so ins Haus. Ich habe ein paar feste Ansprechpartner, mit denen ich im regelmässigen Kontakt stehen. Leider klappt eine Auftrag ab und an nicht, so bleibt man für später im Kontakt. Zusätzlich ist natürlich ein gutes Netzwerk sehr hilfreich. Denn wenn ich eine Anfrage bekomme, die ich nicht bedienen kann, weil ich vielleicht gerade in einem Projekt ausgelastet bin, so gebe ich diese weiter. So machen es die anderen auch. Der regelmäßige Austausch auf Veranstaltungen und Netzwerken ist unverzichtbar. Ich habe festgestellt, dass die Suche vom Schreibtisch aus nur ergänzend sein kann. Und vor Ort im direkten Gespräch, kann man ein paar zusätzliche Punkte besprechen und sich natürlich kennenlernen. Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig.

Kürzlich hat der Tagesspiegel einen Artikel über “Solo-Selbstständige in der Krankenversicherung” veröffentlicht – die Quintessenz: “Die Beitragslast ist zu hoch”. Was sagst Du als Solo-Selbstständige dazu? Stimmt’s?

Auf jeden Fall. Die Beitragsgrenzen für Solo-Selbständige werden ja an den normalen Beiträgen bemessen. Wenn es gut läuft, zahlt man viel, aber wenn es plötzlich nicht mehr gut läuft, ist die Anpassung zwar möglich, aber aufwendig und sicher nicht jedem Gründer und jeder Gründerin anfangs bekannt.

Als Selbstständige hat man neben dem Krankenkassenbeitrag noch einige anderen Ausgaben, die man zu Beginn einer Selbstständigkeit vielleicht noch nicht auf dem Schirm hat. Worauf müssen sich angehende Selbstständige einstellen – kannst Du Hilfestellung leisten?

Man sollte immer im Auge behalten, dass Aufträge in einer anderen Stadt, auch mit Reisekosten verbunden sind. Und vergesst nicht, dass der eigenen Kühlschank nicht in Reichweite ist. Das und vielleicht die eine oder andere Anschaffung zu Beginn kann schnell Löcher in die Rücklagen reißen. Mir persönlich ist bei meinem ersten Projekteinsatz auf Reisen plötzlich der Koffer kaputt gegangen. Eine nicht ganz so lustige Erfahrung, wenn du morgen um halb sechs aus dem Haus bist, um dann um kurz nach neun Uhr beim Kunden antreten musst. Natürlich immer im Business Look, aber mit einem Koffer, der nur noch eine Rolle hat. Und natürlich gibt es immer mal Kunden, die nicht ganz pünktlich zahlen. Wenn man anfangs eine mögliche Ebbe in der Kasse immer im Auge behält, kann man sich aber auf sein Business konzentrieren.

A propos Hilfestellung: Du bist Projektmanagement-Expertin. Hast Du Tipps für unsere LeserInnen wie sie sich besser in ihrer Selbstständigkeit organisieren können?

Finger weg vom Schuhkarton, wenn es und die Buchhaltung geht! Ich habe direkt zu Beginn die Unterstützung eines Steuerbüros in Anspruch genommen. Das hat mir sehr geholfen, als es darum ging meinen Businessplan aufzustellen und auch meine Kosten so aufzuteilen, dass ich sie einschätzen kann. Zusätzlich arbeite ich mit einem Online Tool zur Erfassung. Ich kann hier Lexoffice empfehlen. Einfach und schnell zu bedienen und online verfügbar, was bei Reisenden besonders wichtig ist. Regelmäßige Reminder (für z. B. Akquise, Bahncard, Steuer, Krankenkasse) setze ich über Wunderlist. Das funktioniert ganz gut.

Klar wird das eine oder andere in Zeiten mit höherer Projektauslastung aufgeschoben, aber man verliert es nicht aus dem Auge. Und ich habe aufgehört mir dafür klassische Termine im Kalender zu setzen. Denn ist der Kalender plötzlich voll und man hat das Gefühl man hat keine Zeit mehr. Und noch ganz wichtig: Sich mal etwas gönnen und wenn es anfangs nur ein Café mit Freunden ist und mal nicht übers Business sprechen. Pausen sind wichtig.

Du engagierst Dich ehrenamtlich für die Digital Media Women. Warum? Was ist Deine Motivation?

Ich schätze dieses deutschlandweite Netzwerk. Die #DMW haben mich nicht nur bei meiner Gründung unterstützt und immer wieder bestärkt. Es gibt Empfehlungen innerhalb des Netzwerks, schneller Austausch und Hilfe. Und nicht nur zwischen den Organisatorinnen, auch unter den Freunden und Förderern. Ich habe das Gefühl das Netzwerk ist das beste: „Wer weiß was…“ und „Wer kann helfen, bei …“ Ich engagiere mich nicht nur, weil es Freude macht mit so vielen Expertinnen und Experten zusammen etwas zu machen, sondern auch weil ich hier immer wieder etwas zurück bekomme.

Als leidenschaftliche Musikliebhaberin unterstützt Du auch das Reeperbahn Festival. Was macht diese Veranstaltung besonders und warum lohnt sich auch für Gründer und Selbstständige der Besuch?

Auch hier beim Reeperbahn Festival steht für mich der Austausch ganz oben auf der Liste. Das Reeperbahn Festival ist ja nicht mehr nur noch Musik und Konzerte. Mit der Reeperbahn-Festival-Konferenz ist eine tolle mehrtägige Veranstaltung mit vielen hochkarätigen Speakern zum Thema Business entstanden. Inspiration und Austausch, aber auch Netzwerken und abends gemeinsam Musik entdecken. Ich kann an diesen Tagen perfekt Business und Hobby verbinden.

Wie beurteilst Du als Selbstständige Hamburg als Gründungsstandort?

Ich kann hier nur aus meine Sicht der selbständige Projektmanagerin sprechen. Mich hat es in das IT-Umfeld verschlagen und hier ist eigentlich der Süden stärker besetzt. Aber auch in Hamburg tut sich viel. Für klassische Gründer bringt Hamburg denke ich viele Impulse und Möglichkeiten mit. Zahlreiche Coworking Spaces und Initiativen bieten Anlauf- und Austauschmöglichkeiten. Ganz ohne das betahaus, Hamburg Startups und die Digital Media Women wäre ich heute nicht selbstständig.

Abschließend, welchen Rat möchtest Du Frauen mitgeben, die sich mit dem Gedanken tragen sich selbstständig zu machen?

Hört auf Euer Bauchgefühl und tauscht Euch mit Freunden und Familie aus. Nutzt viele Möglichkeiten Euren Pitch zu testen. Schaut auf Zahlen und Risiken, aber lasst Euch nicht entmutigen. Denn wenn Ihr überzeugt seid, ist es leichter auch den ersten Auftraggeber zu finden und richtig durchzustarten.

© Beitragsbild: Sandra Schink

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