Britta Hake, Coachin für Mütter und berufstätige Eltern: „Mir ist es ganz wichtig keine Abhängigkeit zu schaffen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“

Britta Hake

Erst Gastautorin, jetzt Interviewpartnerin: Britta Hake hat vor gut einem halben Jahr – nach einem Facebook-Aufruf von mir – einen Artikel für die Rubrik „Familie“ auf diesem Blog beigesteuert. Damals stand ihr Text im Mittelpunkt. Heute sie – und ihre Arbeit.

Liebe Britta, Du bist Coachin für Mütter und berufstätige Eltern. Mit welchen Anliegen können diese zu Dir kommen? Oder anders gefragt: Bei welchen Problematiken leistest Du Hilfestellung?

Die Anliegen sind sehr vielschichtig. Es fehlt meistens an Ressourcen, wie Selbstvertrauen, Mut, Energie, Zuversicht, Gelassenheit, Selbstfürsorge, Leichtigkeit, Freude im Leben, die Fokussierung auf das Positive und, und, und… oder es gibt den Wunsch herauszufinden, was noch so geht im Leben und wo die Reise hingehen soll! Viele spüren die Sehnsucht aus dem Hamsterrad und dem ewigen Funktionieren herauszukommen und ihre Berufung zu finden. Das gefällt mir!

Wie finden Du und Deine Kunden zueinander? Ich nehme an, dass ich als Mutter oder Vater im ersten Schritt telefonisch Kontakt zu Dir aufnehme. Und dann?

Auch hier gibt es verschiedene Wege zueinander zu finden. Meistens läuft es über Empfehlungen. Wenn den Kunden meine Webseite anspricht, dann bekomme ich darüber die Anfragen. Sonst natürlich auch über die sozialen Medien oder über die Netzwerke, in denen ich bin.

Im ersten Telefonat schauen wir, ob die Chemie zwischen uns stimmt und wir gemeinsam arbeiten wollen. Wir sprechen über das Anliegen und wie ich unterstützen kann. In der Regel reichen schon 1-3 Termine, um einen Prozess in Gang zu bringen. Mir ist es ganz wichtig keine Abhängigkeit zu schaffen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten!

Da ich mich Anfang 2018 selbst mit dem Thema Coaching auseinandergesetzt habe, weiß ich, dass es die unterschiedlichsten Ansätze gibt. Wie habe ich mir eine Session bei Dir vorzustellen? Welche Methoden wendest Du an?

Ich arbeite mit Methoden aus dem NLP und Wingwave und lasse hier gern auch mein Wissen aus dem Achtsamkeitstraining einfließen. Im ersten Gespräch ist es mir wichtig, dass der Kunde Raum zum Erzählen bekommt und ich einfach zuhöre. Mir fällt immer wieder auf, wie wenig die Menschen noch zuhören können und wie schnell sie beim Zuhören wieder den Bezug zu ihren eigenen Themen herstellen und direkt ihre eigenen Lösungen präsentieren. Der Erzähler fühlt sich dann oftmals nicht verstanden und wertgeschätzt.

Bei den Methoden, die ich anwende, geht es ganz viel um das innere Erleben und die Wahrnehmung mit allen fünf Sinnen. Die Arbeit mit dem Unterbewussten ist sehr effektiv. Kognitiv kennen wir oft schon die Lösung, können sie aber nicht umsetzen, da das Unterbewusste sich gegen die Veränderung sträubt. Jeder kennt das, z. B. beim Versuch weniger Schokolade zu essen. Wir wissen, dass es gut für unsere Gesundheit ist und gehen trotzdem an die Schublade und greifen beherzt zu. 🙂

Je nach Anliegen habe ich ein Repertoire an Methoden, die ich situationsbezogen anwende. Oft hilft auch schon ein Blick von außen auf die eigene Situation… raus aus dem Labyrinth und von oben draufschauen.

Worin besteht der Unterschied im NLP und wingwave-Coaching? Du beherrscht beide Konzepte?

NLP steht für Neuro Linguistische Programmierung, das klingt erst einmal sehr technisch, ist es aber nicht. Das menschliche Gehirn und unser Nervensystem mit seinen über 100 Milliarden Gehirnzellen steuern aufgrund von unzähligen Verknüpfungen unser Denken, Verhalten und Erleben. Jeder Mensch hat seine eigene subjektive Wahrnehmung von der Welt. Unsere erlernten Denk- und Verhaltensweisen, die in Form von Strategien oder Programmen im Gehirn abgespeichert sind, erleichtern uns das Leben und geben uns Raum für bewusstes Denken und Handeln.

Zum Beispiel können wir Autofahren und uns gleichzeitig mit unserem Beifahrer angeregt unterhalten. Das Autofahren funktioniert quasi wie von selbst, es sei denn wir haben den Führerschein gerade erst gemacht und es fehlt noch an Fahrpraxis. Manchmal gibt es nicht so positive Strategien und Programme, die uns in unserem Leben behindern und uns davon abhalten unsere Ziele zu erreichen. Hier helfen die NLP-Methoden Blockaden positiv zu verändern oder „umzuprogrammieren“ und somit Ressourcen freizusetzen.

Die wingwave-Methode ist auch ein Emotions-Coaching, das spürbar schnell Stress abbaut und das Wohlbefinden steigert. Dieser Effekt wird durch eine einfach erscheinende Grundintervention erreicht: Die sonst nur im nächtlichen Traumschlaf durchlaufenen REM-Phasen (Rapid Eye Movement) werden mit der Methode im wachen Zustand erzeugt. Stressauslöser, wie Gedanken, Erfahrungen oder Emotionen, werden quasi „weggewunken“ und somit die emotionale Blockade gelöst. Das funktioniert erstaunlich gut.

Auf Deiner Website kam man nachlesen, warum Du nicht mehr in Deinem ursprünglichen Job der Produkt-Managerin arbeitest. Du schreibst: „Während meiner ersten Schwangerschaft wurde mir schnell bewusst, dass ich diesen Job so nicht weitermachen kann, ich wollte für mein Kind da sein“. Auf das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehen wir gleich noch ein. Zuerst die Frage: Wann fiel der Entschluss Coachin zu werden? Und: Wie sah Dein Weg dahin aus?

Der Wunsch Coach zu werden wurde erst viele Jahre nach der Geburt meiner Kinder geboren. Ich hatte schon immer ein offenes Ohr für andere Menschen, diese Fähigkeit aber nie zu meinem Beruf gemacht – mangels Mut und weil ich immer so „vernünftig“ war und mit einem BWL-Studium vermeintlich viel bessere Chancen hatte Geld zu verdienen. Als es dann in meinem letzten Job so richtig zwickte und drückte und mein Leid größer wurde als mein Sicherheitsbedürfnis, habe ich daran gearbeitet herauszufinden, wo meine berufliche Reise hingehen soll.

Zurück zum Thema Vereinbarkeit. Du sagst: „Die Rahmenbedingungen mögen sich in den letzten Jahren verbessert haben, es gibt mehr Krippen- und Kitaplätze, die Grundschulen sind oftmals Ganztagsschulen, die Akzeptanz berufstätiger Eltern ist in den Unternehmen gestiegen und dennoch ist es immer wieder ein Riesenspagat Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.“ Warum? Was muss sich Deiner Meinung nach ändern?

Das ganze Konstrukt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie steht oftmals auf wackeligen Beinen, die Termine sind eng getaktet, nichts darf im Tagesplan schiefgehen oder dazwischen kommen. Nur die wenigsten berufstätigen Mütter haben ihre eigenen Eltern oder Geschwister vor Ort, wenn es mal brennt. Und im Notfall sind es größtenteils nicht die Väter, sondern immer noch die Mütter, die ihre Arbeit unterbrechen und zur Hilfe eilen.

Wir alle funktionieren aber nicht auf Knopfdruck, schon gar nicht unsere Kinder. Es wäre vorteilhaft für die Frauen, wenn sie noch mehr kooperieren und sich gegenseitig unterstützen und stärken. Niemand schafft alles allein! Es braucht noch mehr flexible Arbeitsmodelle und Unterstützung von den Arbeitgebern, wenn die Kinder z. B. krank sind oder schon wieder Ferien anstehen. Und wer im Schichtdienst arbeitet, findet kaum eine Kita für die Betreuung. Hier ist noch ganz viel Handlungsbedarf. Mal ganz abgesehen von der fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz als Mutter voll oder auch gar nicht zu arbeiten!

Auch für selbstständige Frauen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein ständiges Thema. Wie kann diese gelingen? Du als Mompreneur hast da doch sicher Tipps…

Mit dem Partner über gegenseitige Erwartungen und Bedürfnissen sprechen und gemeinsame Lösungen finden, die von beiden Seiten mitgetragen werden… Aufgaben sinnvoll und gerecht aufteilen… sich erlauben nicht perfekt zu sein und sich Hilfe holen, wenn man es allein nicht schafft…zwischendurch kleine Auszeiten zum Durchatmen organisieren… sich immer wieder fragen, was ist mir wichtig im Leben und wird das, was mir wichtig ist, in meiner jetzigen Situation erfüllt… wenn nein, wie kann ich das ändern? Dies gern regelmäßig aufschreiben und reflektieren… und vor allem sich immer wieder auf das Positive und die kleinen Freuden im Leben fokussieren!

Im letzten Jahr hast Du, wie eingangs von mir erwähnt, bereits einen Gastartikel für meinen Blog geschrieben. Ein Aufruf an Mütter ihr eigenes Ding zu machen. Darin heißt es: „Liebe Mütter, wenn es Euch ähnlich geht wie mir, gebt Euch nicht zufrieden mit einem ‚OK‘-Teilzeitjob. (…) Hört auf dankbar dafür zu sein, dass Euch überhaupt jemand als Mutter beschäftigt.“ Sind Dir solche Aussagen des Öfteren unter gekommen? Worin liegen sie begründet? Fehlendes Selbstbewusstsein?

Über Generationen wurde den Frauen eingeimpft für ihren Mann und ihre Familie da zu sein und sich um alles zu kümmern. Das wirkt heute immer noch nach! Mittlerweile ist es gesellschaftlich angesehen als Mutter in Teilzeit zu arbeiten. Viele Frauen können ihren alten Job damit nicht mehr ausüben und sind in der Tat dankbar überhaupt eine Tätigkeit nach der Babypause zu haben. Sie sehen sich selbst oft in der Opferrolle und haben das Gefühl sich beruflich nicht verwirklichen zu können, weil sie ihrem Partner den Rücken frei halten. Das hat Einfluss auf das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und auch auf das Gefühl wertgeschätzt zu werden.

Was kann frau tun, um Ihr Selbstbewusstsein zu steigern?

Sich bewusst machen, dass man als Frau mit der Geburt des ersten Kindes nicht seine Intelligenz verliert. Berufstätige Mütter arbeiten oft effizienter und konzentrierter als ihre Kollegen, da sie nach hinten raus keinen Zeitpuffer haben, weil sie pünktlich gehen müssen. Da entfällt der Smalltalk am Kaffeeautomaten. Mütter sind erfahren in agiler Arbeitsweise, sie switchen flexibel zwischen vielen Rollen… nicht umsonst heißt es scherzhaft „Ich leite ein kleines Familienunternehmen“. Sich immer wieder bewusst zu machen, was man als berufstätige Mutter alles leistet, stärkt das Selbstbewusstsein. Und wenn das nicht klappt gibt es Coaches, die dabei helfen. 🙂

Gibt es noch etwas, dass Du schwangeren Gründerinnen oder selbstständigen Frauen mit Kind mitgeben möchtest? Irgendwelche Learnings, von denen Du Dir gewünscht hättest, sie früher zu wissen?

Einfach mal machen und mutig sein und nicht zu viel darüber nachdenken, was alles schiefgehen kann… jedes Stolpern ist ein Sieg über unsere Ängste und Bedenken!

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