Ohne Zucker, glutenfrei & teil-vegan sind die Rawnies, Pralinen und Schokoladen von Anna Gliemer. Ein Interview mit der gleem-Gründerin.

Anne Gliemer

Das erste Mal begegnete mir gleem in Form eines Flyers, den mir irgendjemand auf einer von mir organisierten Netzwerkveranstaltung für Gründerinnen zugesteckt hat und meinte: „Die Gründerin wär vielleicht was für Euren Blog!“ Dieser jemand hatte Recht.

Ich schrieb Anna Gliemer an und bat sie um ein Interview. Sie willigte ein und sponsert uns darüber hinaus auch noch Rawnies für die Goodies Bags, die wir heute Abend auf unserem FF&-Geburtstag verteilen werden.

Aber psst. 😉

Liebe Anna, in einem Interview mit Anja von All days are green hast Du auf die Frage, wie die Idee zu gleem, Deiner zuckerfreien Patisserie, entstanden ist, geantwortet: “Aus einer Notwendigkeit heraus”. Wie ist das gemeint? Erzähle uns doch bitte mehr über die Entstehungsgeschichte von gleem.

Vielleicht beginnt die Geschichte von gleem bereits damit, dass ich als Kind bzw. Jugendliche die Tradition begonnen habe, an Weihnachten für die ganze Familie Pralinen zu machen.

2009 habe ich meine eigene Ernährung aus gesundheitlichen und aus Überzeugung auf vegane, später auf die Paleo-Ernährung umgestellt. Zucker, Milch und Gluten sind zu 100% gestrichen. Und so haben sich dann auch die Pralinenrezepte geändert. Meine Kollegen fanden das dann so lecker, dass sie sagten: mach doch da etwas Professionelles draus. Somit ging der Webshop im August 2015 online.

Seit Anfang 2015 stellst Du nun Rawnies, Pralinen und Schokolade her, die ohne verarbeiteten Zucker auskommen, glutenfrei und teil-vegan sind. Bei der Herstellung achtest Du auf gesunde und hochwertige Zutaten. Woher beziehst Du diese und wie wichtig ist Dir dabei das Thema Nachhaltigkeit?

Ich bin es von klein auf gewohnt zu wissen, woher mein Essen kommt. Wer hat den Apfel gepflückt, wer hat die Suppe gekocht… deshalb ist es mir auch bei meinen Pralinenzutaten wichtig, wo sie herkommen. Ich bin begeistert, wenn ich Lieferanten finde, die zum Beispiel mehrmals im Jahr in die Ernteländer fliegen, mithelfen und sehen, wie es Pflanzen, Menschen und Umwelt geht.

So zum Beispiel bei unserem Kakao und den Datteln. Die Pflanzen wachsen in Permakulturen (mehrere Pflanzen auf einem Fleck Erde zur gegeseitigen Bereicherung), so zu sagen im Garten, der Farmer. Dadurch, dass den Bauernkooperativen ein kontinuierlicher Lohn gezahlt wird, sind die Zutaten teurer als normale Bio-Zutaten. Was anderes kommt mir aber nicht in die Praline 😉

Unseren Honig für die Honigschokolade bekommen wir übrigens direkt aus Hamburg.

Gleem-Pralinen

Wo produzierst Du Dein süßes Konfekt? Hast Du eine Produktionsstätte angemietet oder produzierst Du in Deiner heimischen Küche?

Zu Beginn habe ich natürlich bei mir zuhause produziert. Das geht natürlich gar nicht und wird auch nicht geduldet vom Gesundheitsamt. Deshalb haben wir in 2016 eine Crowdfunding-Kampagne gemacht, durch die ich neue Verpackungen und eine Küche entstehen lassen wollte. Die Fundingschwelle haben wir erreicht, sodass wir die Verpackungen umsetzen und ich mich zumindest in eine Küche einmieten konnte.

Jetzt bin ich dabei Office, Küche und Packstation in einer Location zu verbinden, damit ich nicht mehr neben meinen Versandkartons schlafen muss. Aber es ist nicht einfach, etwas passendes zu finden.

In einem anderen Interview von hamburgstories.de habe ich gelesen, dass es Dein Ziel ist einen kleinen Laden mit gläserner Patisserie zu besitzen? Wie steht es um diesen Traum?

Diesen Traum gibt es immer noch. Gefühlt bin ich aber noch Einiges davon entfernt. Da ich kein Freund von Krediten bin, versuche ich langsam und kontinuierlich zu wachsen, so, wie die Kunden mitgestalten durch ihre Bestellungen.

Mitte des vergangenen Jahres hast Du wie schon erwähnt eine Crowdfunding-Kampagne auf startnext gestartet und die Fundingschwelle von 13.900 Euro erreicht. Was hast Du mit dem Geld angestellt hast, hast Du auch verraten. Ist also schon alles investiert?

Wer sich schon einmal Businesspläne angeschaut hat, wird wissen, dass diese Summe nicht ansatzweise reicht, um daraus ein konfettischießendes Startup zu machen. Nach Abzug aller Kosten und Gebühren für die Kampagne blieben etwa 8.000 € übrig. Die habe ich sofort in den Druck der Verpackungen gesteckt. Die Boxen werden übrigens auch hier in Hamburg gefertigt, die Banderolen in Lüneburg gedruckt.

Vor anderthalb Jahren hat eine Gastautorin bei uns einen Artikel zum Thema Crowdfunding geschrieben. Daraus geht hervor, dass eine Kampagne sehr zeit- und arbeitsintensiv ist. Wie hast Du das wahrgenommen? Würdest Du, mit dem Wissen, dass Du mittlerweile gesammelt hast, nochmal den Weg des Crowdfunding wählen? Was würdest Du anders machen?

Die Zeit der Kampagne war sehr arbeitsintensiv, obwohl ich durch einen Freundin und ebenfalls Food-Bloggerin Unterstützung bei der PR hatte. Aber man muss die ganze Zeit darum kämpfen gesehen zu werden. Denn wie soll man Unterstützer finden oder werden, wenn man die Idee nicht sieht?!

Zwischendurch hat man das Gefühl man müht sich ab und gibt natürlich auch Geld aus, obwohl nichts passiert. Dann wiederum geht es auf einmal vorwärts und man weiß nicht warum.

Ich finde Crowdfunding nach wie vor gut, allerdings nicht, wenn davon deine Zukunft abhängt. Ich habe mir ja gesagt: wenn es irgendwie klappt, dann mache ich weiter, weil die Leute gleem wollen. Wenn nicht, habe höre ich auf, weil es dann anscheinend nicht genügend Gourmets anspricht. Und glücklicherweise, hat es geklappt.

Sollte ich wieder eine Kampagne machen, würde ich viel viel früher starten Supporter zu suchen, damit das Crowdfunding auf jeden Fall genug Aufmerksamkeit bekommt.

Im Interview auf All days are green gibst Du als ein weiteres Ziel von Dir an, dass Deine Rawnies, Pralinen und Schokoladen deutschlandweit “die Regale füllen sollen”? Wie kommst Du damit voran? Bist Du schon in Läden gelistet oder vertreibst Du Dein Konfekt nach wie vor hauptsächlich über Deinen Onlineshop?

Momentan verkaufe ich die Produkte nur im eigenen Onlineshop oder auf Events. Das aktive Ansprechen von Fachgeschäften steht für dieses Jahr allerdings auf meiner To-Do-Liste.

Eine Voraussetzung in Regalen zu finden zu sein, ist eine ordentliche Verpackung – “rundum geschlossen und nicht so leicht zu öffnen”. Das konnte ich auf Deinem Blog nachlesen. Die Designerin Cynthia Waeyusoh, mit der Du beim Verpackungsdesign zusammengearbeitet hast, hat dazu einen Beitrag geschrieben. Wie habt Ihr Euch gefunden? Magst Du vielleicht auch etwas zum Prozess (von der Idee zur fertigen Verpackung) erzählen?

Durch einen Bekannten, Pascal von edelkollektiv.com aus Hannover, haben Cynthia und ich uns gefunden. Es gab viele Gespräche mit verschiedenen Designern, aber bei ihr hat es einfach am besten gepasst. Sie hat verstanden, worum es bei gleem geht und auch welche Herausforderungen ich als Gründerin habe. Sie hat mir super geholfen mich in meiner Persönlichkeit und meinem Selbstvertrauen weiterzuentwickeln und parallel gemeinsam mit mir Verpackungen zu entwickeln, die praktisch, gleem-like und regalfähig sind.

Dazu gehörte das Plastik auf das Nötigste zu reduzieren, den Preis zu senken und zu schauen, wie man mit wenig Aufwand eine Schachtel baut, die man nicht einfach so öffnen kann im Laden. Außerdem wollten wir zeigen, das öko nicht öko aussehen muss, sondern Stil und Klasse beweisen. Als letzten Schritt haben die Produkte eine Farbcodierung erhalten, damit man die Sorten auseinander halten kann. Der Prozess hat insgesamt 10 Monate gedauert.

Kannst Du vom Verkauf Deiner gleem-Süßigkeiten bereits leben oder musst Du Dir nebenbei noch was dazuverdienen?

Seit ich angefangen habe mit gleem, habe ich mir nicht einmal Gehalt gezahlt und gehe nebenbei noch 16 Stunden arbeiten, um die Miete für die Küche zu zahlen. Wäre mein Freund nicht, müsste ich definitiv einen Kredit aufnehmen. Aber davon halte ich ja nicht so viel.

Es ist schon anspruchsvoll, 7 Tage die Woche zu arbeiten. Ich kann mir allerdings auch meine Zeit selber einteilen. Das ist einfach der Vorteil der Selbstständigkeit. Ich hoffe, dass ich in 2017 sehen kann, dass gleem so in den Markt wachsen kann, dass ich davon leben könnte.

Eine weitere Einnahmequelle sind Workshops, die Du z. B. in der veganen Kochschule Kurkuma gibst. Außerdem kann man Dich über kitchennerds als Köchin mieten. Wie kam es zu diesen Zusammenarbeiten? Willst Du dieses Standbein nach vorne hin ausweiten?

Roman vom Kurkuma kam auf mich zu und fragte, ob ich nicht die Patisserie im Kurkuma übernehmen wolle. Seitdem planen wir ca. 5 Workshops im Jahr. Der vollste Kurs hatte 14 Teilnehmer. Das war schon anspruchsvoll. Genau so war es bei kitchennerds. Gleich eine Woche nachdem ich dort online war, hatte ich meine erste Buchung zum Junggesellinnenabschied.

Ab 2017 habe ich mir vorgenommen, die Patisseriekurse so auszubauen, dass wir wirklich mehr Pralinen als Törtchen machen. Dafür muss man aber schon ein wenig Erfahrung haben als Teilnehmer oder Geduld mitbringen.

Was sind (weitere) Ziele von Dir in 2017?

Ich plane Kooperationen mit kleinen Hotels, die Ihren Gästen unsere Pralinen als Willkommens- oder Abschiedsgruß schenken. Ich denke, das ist ein Statement, dass die Hotelliers gerne setzen. Gesund, nachhaltig und richtig lecker.

In einem wunderbaren Interview mit Harriet aka Fräulein Anker sprichst Du über die Wichtigkeit von Social Media. In Deinen Augen ist das Thema “Total wichtig!” Magst Du das nochmal ausführen? Warum lohnt sich Social Media – insbesondere für GründerInnen?

Ich finde Social Media für mich und gleem wichtig, weil ich darüber die Nähe zu anderen Usern herstellen möchte. Damit sie sehen, dass wir kein Pralinenimperium, sondern echte, arbeitende, begeisterte Menschen sind. Bevor ich gegründet habe, war ich übrigens auch viel auf Blogs unterwegs, um den Weg anderer Gründer zu lesen und zu lernen 🙂

Hast Du abschließend noch einen Tipp für angehende selbstständige Frauen? Irgendwas, was Du in den letzten zwei Jahren Deiner Selbstständigkeit gelernt hast und von dem Du Dir wünschst, dass hättest Du gerne schon zu Anfang Deiner Gründung gewusst…

Ich kann eigentlich nur sagen, dass ich das Gefühl habe, dass wirklich jeder seinen individuellen Weg gehen muss. Man kann viel lesen, sich Ratschläge holen… aber richtig helfen kann einen bei den richtigen Entscheidungen keiner. Weil es immer auf die jeweilige Idee und den jeweiligen Gründer ankommt.

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