„Alles hat einen gemeinsamen Nenner: Horizonterweiterung“ – Anke Nehrenberg, Gründerin von kommitment

Anke Nehrenberg

Nachdem ich Euch gestern die Quartiersleiterin der Hamburger #DMW, Christiane Brandes-Visbeck, vorgestellt habe, folgt heute das Interview mit der zweiten stellvertretenden Quartiersleiterin neben mir: Anke Nehrenberg.

Anke ist Gründerin und Geschäftsführerin der Beratungsgesellschaft kommitment.

Liebe Anke, im vergangenen Jahr hast Du gemeinsam mit zwei Freunden kommitment gegründet. Wie kam es zur Gründung Eures Unternehmens und welche Leistungen bietet Ihr genau an?

Jeder von uns war schon eine zeitlang freiberuflich unterwegs, daher war das eigentlich der nächste logische Schritt. Interessanterweise haben wir vorher noch nie zusammengearbeitet, was wir allerdings reizvoll fanden – wir teilen das gleiche Mindset, in dem Freiheit eine große Rolle spielt. Das eint uns. Ebenso die Idee, ein (konsens)demokratisches Unternehmen zu gründen, auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten, Entscheidungen transparent zu machen und solidarisch zu sein. Inhaltlich sind wir alle auf etwas unterschiedlichen Feldern unterwegs, die sich prima zusammen ergänzen.

„Refactor your business“ – das fasst kommitment zusammen: „Refaktorisierung“ ist ein aus der agilen Softwareentwicklung entlehnter Begriff und beschreibt eine Vorgehensweise, bei der Strukturen im Sinne der Nachhaltigkeit und Wartbarkeit verbessert werden, ohne dass sich für den Nutzer etwas ändert. Das machen wir mit Unternehmen/Organisationen: wir bauen mit der Geschäftsführung, dem Management und den Teams Strukturen, die es dem Unternehmen ermöglichen, schneller auf Veränderungen oder Anforderungen aus dem Markt reagieren zu können.

Wie hast Du Deine zwei Mitgründer kennengelernt?

Johannes kannte ich vom barcamp Hamburg, er war damals noch bei Otto.de. Wir sind uns 2015 beim Chaos Communication Congress wieder mal über den Weg gelaufen; er erzählte mir von der Idee, ein Unternehmen zu gründen, es gäbe auch noch jemanden, der dazu Lust hätte. Das war Ralf, den ich drei Wochen später mittags beim Pizzaessen kennengelernt habe.

Welche Vorteile siehst Du bei einer Gründung im Team? Gibt es auch Nachteile?

Ein Team ist immer eine Kombination von Fähigkeiten und Talenten – und Netzwerken. Das zusammen hat eine unglaubliche Power, wenn du dich darauf einlässt. Erfolge machen im Team mehr Spaß; wenn du scheiterst fängt dich jemand auf. Wir sind wechselseitige Sparringspartner, davon profitieren auch unsere Projekte. Kommunikation und Abstimmung ist aufwendiger, sich auf einen Weg zu einigen auch – aber es ist nachhaltiger, weil es immer jemanden gibt, der dich an das kommitment erinnert, das wir uns gegenseitig und in unseren Projekten geben.

Von 2013 bis 2016 warst Du freiberuflich unterwegs. Wie hat sich diese Form der Selbstständigkeit von Deiner jetzigen unterschieden?

Von der Arbeitsweise her gar nicht so viel. Nach wie vor arbeite ich sehr unabhängig auf Projekten. Was neu ist, ist der Impact, den wir mit unseren gesammelten Kompetenzen beim Kunden haben können; und wie wir als „richtiges“ Unternehmen dort wahrgenommen werden. Das zeigt sich auch in der Art der Projekte, die wir machen: es geht im Unterschied zu früher um mehr Verantwortung, eine größere Tragweite in und für die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten. Was sich auch unterscheidet ist der mehr gewordene Verwaltungskram, aber dafür haben wir Unterstützung 😉

Was hast Du vor Deiner Zeit als Freie beruflich gemacht?

Ich bin seit zehn Jahren Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Organisations- und Managementberatung. Das mache ich schon mein ganzes (Berufs-)Leben lang. Ich mag den Job, weil du Einblicke in viele unterschiedliche Unternehmen bekommst, immer den gewissen „one step ahead“ sein musst und es mir die Chance gibt mich zwischen (wissenschaftlicher) Theorie und Praxis zu bewegen.

Du bist studierte Informations- und Kulturwissenschaftlerin, ich studierte Geschichtswissenschaftlerin. Auch wenn mein Studium inhaltlich nicht viel mit der Tätigkeit zu tun hat, die ich momentan ausübe, kann ich doch einiges einbringen, was ich während meines Geschichtsstudiums gelernt habe. Geht es Dir auch so?

Absolut. Zusammenhänge erkennen und sich selbst neue Themen erschließen war während meines Studiums sehr wichtig, das ist jetzt Teil meines Jobs. Zudem war die Studienordnung nur wenig formalisiert und erforderte viel Selbstorganisation und Methoden dazu, auch das habe ich mitgenommen. Ein bisschen Fachliches ist aber auch dabei, aus der Informationswissenschaft sowieso und sogar aus den Kulturwissenschaften 😉

Du engagierst Dich, ebenso wie ich ehrenamtlich für die Digital Media Women. Was ist Dein Antrieb?

Ich glaube an die Power von Netzwerken und finde es immer wieder großartig, was entstehen kann wenn viele unterschiedliche Menschen ihre Fähigkeiten kombinieren. Selbst wenn das neben dem Job laufen muss, und ich phasenweise wenig Zeit dafür habe, möchte ich aus diesem Grund die #DMW da unterstützen wo ich kann.

Bei den #DMW kümmerst Du Dich hauptverantwortlich für den Ausbau der Academy. Was ist die Academy und wieso ist Dir deren Weiterentwicklung so wichtig?

Die #Academy ist unsere Plattform zum KnowHow-Transfer: das #DMW-Netzwerk hat so viel Wissen, dass wir daraus ein Workshop-Format gemacht haben, das sich in der #Academy bündelt. Speakerinnen und Trainerinnen kommen aus den Reihen der #DMW und unserem Netzwerk.

Die Workshops sind für die Teilnehmer kostenpflichtig (es gibt Rabatte für Fördermitglieder); für die Speakerinnen/Trainerinnen ist die #Academy eine Möglichkeit, neue Formate auszuprobieren, für manche auch der erste Schritt zum Aufbau eigener Seminarkompetenzen.

Neben den #DMW engagierst Du Dich außerdem ehrenamtlich für Freifunk. Was ist Freifunk?

Freifunk beschreibt sich selbst als nicht-kommerzielle Initiative für freie Funknetzwerke. In dezentralen lokalen Communities bauen Freifunker ehrenamtlich mittels Meshing Funknetzwerke, auf denen unterschiedliche Dienste laufen können. Am bekanntesten ist wahrscheinlich der freie, d.h. kostenlose und anonyme Zugang zum Internet über Freifunk. Wir haben damit in den letzten zwei Jahren z.B. viel für Flüchtlinge getan, in dem die Bewohner der Unterkünfte via Freifunk Zugang zum Internet bekamen. Ein wichtiger Aspekt ist auch netzpolitischer Aktivismus, etwa in Sachen Störerhaftung oder aktuell die Vorratsdatenspeicherung.

Nehmen Deine ehrenamtlichen Tätigkeiten positiven Einfluss auf Deine Selbstständigkeit? Profitierst Du in irgendeiner Weise durch Dein Engagement?

Ein ganz großes Ja 🙂 Durch Engagement wachsen Netzwerke, und die eigene Network-Power. Netzwerke sind wichtig für den Wissensaustausch, um neue Fähigkeiten und Sichtweisen zu lernen, den ab und zu notwendigen Realitätsabgleich, und last but not least: Kontakte. Die können für neue Projekte hilfreich sein, oder auch um Jobs in das Netzwerk zu vermitteln. Denn essentiell ist die Balance von Geben und Nehmen.

Der Chaos Computer Club veranstaltet jährlich zwischen Weihnachten und Neujahr hier in Hamburg den Chaos Communication Congress. Ich weiß, dass das eine Veranstaltung ist, die jedes Jahr bei Dir im Terminkalender steht. Warum nimmst Du so gerne daran teil? Und: Vielleicht kannst Du vorab noch einmal kurz erklären, was der Chaos Computer Club überhaupt ist.

Der CCC ist ein 1981 gegründeter Verein, in dem sich Hacker zusammengeschlossen haben, und der mittlerweile als NGO maßgeblich für Fragen zur Computersicherheit geworden ist. Es gibt auch hier lokale Gruppen und Veranstaltungen. Die Community selbst versteht sich als „galaktische Gemeinschaft von Lebewesen“, und beschäftigt sich mit Themen aus Technik, Kultur und Gesellschaft, die im Wesentlichen durch die Entwicklung hin zu einer Informationsgesellschaft getrieben sind.

Die Freiheit von Informationen und der Zugang dazu, der Umgang mit Daten und technischen Entwicklungen beschäftigen uns. Ich mag die Hacker-Mentalität (und ihren Humor): probiere neue Sachen aus, hinterfrage Regeln die du nicht verstehst, lerne Neues und teile dein Wissen. Zwei Paradigmen, die ich besonders mag und die dir in dem Umfeld immer wieder begegnen, bringen das Mindset schön zum Ausdruck: „All creatures welcome“ und „Be excellent to each other.“

Freifunk, der Chaos Computer Club – sind aus meiner Sicht bereits zwei besondere Interessen. Darüber hinaus läufst Du regelmäßig Marathons und machst regelmäßig Motorrad-Touren mit Deinem Partner. Woher rühren diese Leidenschaften?

Ich glaube alles hat einen gemeinsamen Nenner: Horizonterweiterung. Geistig und physisch. Es hat auch mit Grenzen überwinden und verschieben zu tun. Und es ändert, erdet und schärft den Blick auf das eigene Ich, und das, was wirklich wichtig im Leben ist.

Ist Leidenschaft auch eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Selbstständigkeit? Oder was braucht es dafür Deiner Meinung nach?

Leidenschaft gepaart mit Durchhaltevermögen, einem offenen Geist und der Fähigkeit, sich selbst ab und an in Frage zu stellen.

Gibt es noch etwas das Du angehenden Gründerinnen mit auf ihren Weg geben magst?

Einfach mal machen. Wir erzählen bei Kunden und in Workshops von Methoden wie Agilität, Design Thinking, Fehlerkultur oder Lean Startup – und neigen selbst oft dazu, den perfekten Plan haben zu wollen 😉 Wenn du gründen willst, solltest du wissen was du richtig gut kannst, welche Probleme du für deinen Kunden löst, wie du deine Arbeit organisierst und eine Shortlist von Kunden haben. Nutze dein Netzwerk, gib ihm was zurück wenn du kannst.

Noch mehr lernen, könnt Ihr von weiteren selbstständigen Frauen. Viele Interviews und Stories haben wir auf Pinterest zusammengetragen. Schaut doch mal vorbei!

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