„Das Vertrauensverhältnis ist durch nichts zu ersetzen“ – Andrea Litzcke & Petra Brüggemann, Gründerinnen vom Café Schwesterherz

Andrea Litzcke und Petra Brüggemann vom Café Schwesterherz

In 3 1/2 Wochen werde ich gemeinsam mit 40 selbstständigen Frauen den 3. Geburtstag von FF& feiern – ich habe zu einer „Cake & Delight“-Party in den Projekt|t|raum von Nadine Valet geladen.

Der Name ist Programm. An diesem Samstagnachmittag wird es neben der Möglichkeit sich untereinander auszutauschen drei inspirierende Lightning Talks geben, und – wie der Name schon vermuten lässt – jede Menge Kuchen. 🙂

Für das Sponsoring konnte ich vier Café-Besitzerinnen gewinnen. Die ersten beiden habe ich heute im Gespräch: Andrea Litzcke und Petra Brüggemann, die Gründerinnen des Café Schwesterherz in Hamburg-Ohlsdorf.

Liebe Andrea, liebe Petra, Ihr seid die Inhaberinnen des „Café Schwesterherz„. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen ein Café zu gründen? War das immer schon ein lang gehegter Traum von Euch beiden?

Da wir immer in der Gastro nebenbei gearbeitet haben, gab es die Idee hin- und wieder schon mal, aber konkret wurde es erst, als Petra sich entschlossen hat aus ihrem Beruf auszutreten und auch das Geld für die Umsetzung zusammen hatte. Entstanden ist das Konzept in meiner Küche, nachdem wir sicher waren, es zusammen wagen zu wollen.

Was habt Ihr beide vorher beruflich gemacht?

Petra war Notarfachwirtin in einem Notariat am Rathaus. Ich hatte Restaurantfachfrau im Atlantik gelernt, hatte lange Jahre Spielzeuggeschäfte und war bis zur Gründung in einer privaten Rösterei Shopleitung.

Bei Euch ist der Name Programm – ihr seid nämlich wirklich Schwestern. Ich finde es super schön, dass Ihr gemeinsam gegründet habt, glaube aber, dass es neben vielen Vorteilen, hin und wieder auch zu Konfliktpotenzial führt. Liege ich da richtig? Wie bewertet Ihr die Gründung mit der eigenen Schwester?

Das Vertrauensverhältnis ist durch nichts zu ersetzen. Man weiß einfach, dass die andere auch immer 100% gibt. Aber es gibt natürlich Konflikte, die man vorher nicht hatte. Es ist eine Herausforderung, sich immer wieder persönlich auseinander setzen zu müssen, bei Angestellten muss man das nur bedingt. Trotzdem fühlt es sich richtig und einzigartig an.

Meine Schwester ist vor über einem Jahr gestorben. Ihr Tod hat mich dazu veranlasst einen Artikel zu schreiben, in dem ich mich damit beschäftige, was mit dem eigenen Business nach dem Tod passiert? Ein Thema mit dem man sich zu Lebzeiten verständlicher Weise ungern beschäftigen möchte. Dennoch meine Frage, habt Ihr Euch für den Fall das einer von Euch etwas zustoßen sollte, abgesichert?

Wir haben in der Tat vorher sehr vieles besprochen und geklärt. Wir haben eine GmbH gegründet und im Gesellschaftervertrag unsere Wünsche formuliert. Petra ist darin natürlich versiert und hat an alles gedacht. So sind wir sicher, auch schwierige Phasen meistern zu können.

Durch ein Interview mit Euch auf der Seite der Handelskammer Hamburg, weiß ich, dass Ihr deren Hilfe bei der Neugründung Eures Cafés in Anspruch genommen habt. Mit welchem Angebot hat Euch die Handelskammer am meisten geholfen?

Wir fanden die Seminare zur Auffrischung des Wissens sehr gut und interessant. Unsere direkte Ansprechpartnerin kennt unseren Bankier und das bedeutete kurze Wege.

Ihr sagt: „Die Handelskammer hat uns ganz allgemein auf einige Probleme hingewiesen, die wir noch gar nicht beachtet hatten.“ Was waren das beispielsweise für Probleme?

Welche Gründungsform wir wählen, dass wir GEMA-Gebühren zahlen müssen, dass wir bei der Gestaltung die Arbeitssicherheit beachten müssen, Lagerkapazitäten etc.

Euer Café existiert nun bereits seit über zwei Jahren. In dieser Zeit standet Ihr, nehme ich an, vor weiteren ungeahnten Herausforderungen, oder?

Das Schlimmste war mein Unfall im Herbst. Ich habe mir das Wadenbein und Sprunggelenk gebrochen; bin fast 10 Wochen ausgefallen. Das hat uns an ungeahnte Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Aber auch dazu einige Weichen neu zu stellen. Zum Bsp. einen Ruhetag einzuführen.

Genug mit den „schweren“ Themen. 😉 Erzählt uns doch mal aus Eurem Alltag als Café- Besitzerinnen. Wie habe ich mir einen Tag in Eurem Leben vorzustellen?

Wir haben jeden Tag Frühstücksbuffet. Dann müssen Kuchen, Suppen, Salate, Dips etc. produziert werden. Nebenbei alle Bestellungen machen, Kassenbuch, Personalbuchhaltung. Aber vor allem Gästebetreuung. Hier und da ein Klönschnack, besondere Wünsche erfüllen, Wohlfühlatmosphäre erzeugen. Da wir Angestellte haben müssen auch da alle Anweisungen und Abläufe besprochen werden und jeden Tag kontrolliert werden.

Café Schwesterherz

Café Schwesterherz

Seid Ihr eigentlich immer beide zur selben Zeit im Laden oder wechselt Ihr Euch ab? Dazu noch eine zweite Frage: Hat jede von Euch ein bestimmtes Aufgabengebiet oder macht Ihr beide alles?

Wir hatten keine Aufgabenteilung geplant; sie hat sich ganz von selbst ergeben. Wir wissen, wo die Stärken und Schwächen von uns sind und agieren entsprechend. Meist ist Petra etwas mehr im Büro, dafür darf ich im Cafe kreativ sein. Im Lauf der zwei Jahre haben sich auch Situationen ergeben, zum Bsp. mit dem Personal, die wir jetzt anders handhaben, weil jeweils die eine oder andere von uns damit besser zurecht kommt. Wir versuchen sehr Ergebnisorientiert die beste Aufteilung zu wählen.

Als ich letztens bei Euch Frühstücken war, meine ich beobachtet zu haben, dass hinter Eurer Theke ein Mädchen stand, was mich schlussfolgern ließ, dass eine von Euch, wenn nicht gar Ihr beide Mütter seid. Liege ich richtig? Wenn ja, wie vereinbart Ihr den Café-Betrieb mit Euren Familien?

Ach, das war wohl unsere kleine Schwester. Die verdient sich bei uns ab und zu was zum Führerschein dazu. Wir selbst sind kinderlos.

Das Frühstück bei Euch war übrigens sehr, sehr lecker – und reichhaltig. Das Buffet kostet 11,50€ ohne Heißgetränk. Was mich zur Frage kommen lässt: Wie kalkuliert Ihr Eure Preise? Oder anders gefragt: Was muss man bei der Preiskalkulation alles beachten?

Ab diesem Jahr kostet das Büffet 12,90 € und es gibt auch neu eine kleinere herzhafte und eine kleine süße Variante. Die Preise errechnen sich durch den Wareneinsatz, Strom, Personal und laufende Kosten im Schnitt. Besonders die sich wandelnden Lebensmittelpreise muss man im Blick haben. Kaffeepreise schwanken, Gemüse je nach Saison, manchen Artikel bekommt man im Angebot.

Es ist auch wichtig zu erkennen, welche Artikel viel oder wenig laufen und ob es eine gute Alternative gibt. Wir versuchen möglichst viel selbst herzustellen, das spart so einiges.

Zum Thema Geld noch eine Frage: Welche Kosten bringt so ein Café alles mit sich? Ich kann mir vorstellen, dass dieser Faktor häufig unterschätzt wird.

Naja, das ist eine lange Liste. Personal, Buchhaltung, Steuerberater, Strom, Wasser, Gas, Telefon, Internet, GEMA, Miete, Werbung ( ! ), Autos, Lebensmittel, Hartwaren wie Geschirr, Geräte, und viele Extras, wenn man sich im Angebot weiter entwickelt.

Vor anderthalb Jahren habe ich das Buch Sugar Girls gelesen, in dem 20 Café-Besitzerinnen portraitiert werden und von Ihren Erfahrungen berichten. Am Ende des Buches gibt es zudem noch acht Seiten Tipps und Tricks der Gründerinnen. Habt Ihr abschließend, jede von Euch, noch den einen ultimativen Rat für Frauen, die sich mit einem Café selbstständig machen wollen?

Ja, behaltet die kaufmännische Seite fest im Blick und lasst es einfach sein, wenn Ihr Familie habt.

Liebe Andrea, liebe Petra, vielen Dank für das Interview und Eure Unterstützung!

Wenn Ihr noch mehr inspirierende Interviews mit Gründerinnen lesen wollt, schaut doch mal auf Pinterest vorbei!

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